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Allgemeine Zeitung des Judentums
Jusammenschtutz.
Gkne knrrevp-lktkfche KovdevUNS. / Von Ludwig Holländer.
Angeregt durch verschiedene Veröffentlichungen des ehe¬
maligen Direktors der Bibliothek des Herrenhauses, Dr. Frie¬
drich Thimme, getragen von dem Gedanken, daß die
dringende Not der Zeit eine Aussöhnung der innerpolitischen
Gegensätze zum Erfordernis macht, überzeugt, daß nur eine
wesentliche Verminderung der Reibungen dasVolksleben kräftigen
könnte, hat der C. V. im Frühjahr 1918 die Anregung zur Begrün¬
dung einer Liga für den inneren Frieden gegeben.
Der durch Herrn Dr. Thimme angeregte Gedanke fand bei ma߬
gebenden Politikern aller Parteien grundsätzliche Billigung. Und
so war es nach verhältnismäßig kurzen Bechandlungen dem
C. V. möglich, eine Konferenz einzuberusen, in der unter Vorsitz
Dernburgs über diejenigen Schritte gesprochen wurde, die
man zur Verwirklichung des theoretisch so warm begrüßten Ge¬
dankens unternehmen solle. Die Ereignisse der äußeren
Politik wurden unruhiger. Das schwere Geschick unseres Vater¬
landes trat dem einzelnen immer näher vor Augen, und so
wurde der Gedanke, dessen Verwirklichung wenigstens zu
einem ganz kleinen Teil begonnen hatte, vertagt; nach dem
Zusammenbruch blieb er liegen, ohne aber in unseren Reihen
vergessen zu werden.
Kenner der Verhältnisse des inneren Lebens in Deutschland,
die unter unseren Mitarbeitern zahlreich sind, haben sich iurmer
mehr davon überzeugt, daß das Wort vom Wiederaufbau
eine Phrase bleiben müsse, wenn nicht mit den unniötigen
inneren Reibungen Schluß gemacht würde. Keiner von uns hat
sich auch nur eine Minute lang dem Gedanken hingegeben, als
. ob alleReibungen und alle inneren Kämpfe beseitigt werden
könnten. Aber gerade wiic in unserem Arbeitsgebiet haben es
erlebt, daß Entzweiungen größten Umfangs im Volke entstehen,
die mit Weltanschauungsfragen nichts zu tun haben
und die dennoch Unfrieden und Haß erzeugen, die zu beseitigen
Mer nicht gar so schwex wäre.
> Von diesem Gedäüken ausgehend machte der Centralverein
das Thema „Innerer Friede" zum Gegenstand eines Vortrags¬
abends vor seiner Hauptversammlung: e°k hat 'in seiner Kund¬
gebung nicht nur die Notwendigkeit, daß etwas geschehen
müsse, betont, sondern auch, wenigstens in kurzen Umrißen,
das Wie angedeutet. In Nr. 11 vom 12. März 1926
hat die „C. V.-Zeitung" einem ausführlichen Bericht über
die Vorträge jenes Abends veröffentlicht. Inzwischen hatte
Herr Dr. Thimme ohne irgendwelchen Zusammenhang mit
dem C.V. auch seinerseits den von ihm schon früher als not¬
wendig erkannten Gedanken weiter verfolgt und brachte') in
Gemeinschaft mit Dr. E. H e m m e r l e im April dieses Jahres
eine „Politische Monatsschrift zur Pflege der Deutschen Ein¬
tracht" unter dem Titel „Der Zusammenschluß" heraus. Bier
Hefte dieser Zeitschrift liegen bis jetzt vor und geben ein klares
Bild von den Gedankengängen der beiden Politiker. Sie zeigen,
. daß die Durchführung dieses an sich schon verdienstvollen Ver¬
suches hohe Erwartungen nicht enttäuscht.
n.
Das Programm der Zeitschrift „Der Zilsanunem'chluß" ist:
Beseitigung der Ausartungen im politischen
und weitaus chaulichenRingen. Gehässigkeit und Neid
in jeder Form sollen bekämpft, eine Arena für die sachliche und
vornehme Austragung innerer Gegensätze und Meinungs¬
verschiedenheiten auf allen Gebieten geschaffen, die Probleme
der inneren und äußeren Politik von allen Seiten in voller Un¬
befangenheit und Aufrichtigkeit erörtert werden.
Der „Zusammenschluß" bringt deshalb Abhandlungen über
Fürstenenteignung, Demokratie und Parlamentarismus, Deutsch¬
lands künftige Politik im Völkerbund neben, anderen, die mehr
das Grundsätzliche, wie „Der Mangel an politischem
Verstehen, eine deutsche Schwäche", oder „Die Tragik der
Wahrheit", enthalten und starken erkenntnistheoretischen Wert
besitzen.
Es ist hier nicht der Platz, aus Einzelheiten zustimmend oder
ablehnend einzugehen. Nur zwei Beiträge von ganz besonderer
Bedeutung seien erwähnt: Dr. v. Campe, der bekannte
preußische Parlamentarier, untersucht „Demokratie und Parla¬
mentarismus" mit dem Untertitel „Zersetzung oder Zusammen-
Muß" und geht unter starker Benutzung der psychologischen
Methode auf die Grundfragen ein, die heute den Zwiespalt in die
Beurteilung unseres parlamentarischen Lebens tragen. Und
Dr. Gertrud B ä u m e r schreibt in einem hervorragenden
Aufsätze über „Lebensgefühl und innere Einheit der deutschen
Jugendbewegung". Sie entfernt sich zwar anscheinend etwas
von dem direkten Ziele der Zeitschrift, dient ihm aber ander¬
seits in außerordentlichem Maße, weil sie auf die unsere Jugend
bewegenden seelischen Entwicklungstendenzen im einzelnen klar
hinweist.
Hl.
Es ist notwendig nachzuprüfen, ob der Inhalt der vorliegen¬
den Hefte zu dem gesteckten Endziele führt und ob überhaupt die
Herausgabe einer Zeitschrift auf die Dauer allein ausreicht.
Die grundsätzlichen Aufsätze, wie namentlich die Abhand¬
lungen über dieTragikderWahrheit, weisen schon den
Weg zu der so notwendigen, Klärung derjenigen Probleme, die
Äl« s d e m L u v & I t r
Papst plus E und der Antisemitismus.
„Zum Kapitel Mualmord."
Äon Dr. Paul Nathan.
Wer ist der beste Deutsche?
Das Alte Testament in christlicher predigt
«nd Feier. Von Lic. Prof. Dr. Fiebig lLelpztg).
») Vergleiche, „C. V.-Zeitung" Nr., 25, Jahrgang ISA. .