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Lector: In fremdem Spiegel.
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KAUFMANN.
Freitag Abend in einem Judengässchen.
OELGEMAELHE.
konnte, eine besondere, eingehende Studie widme.
Besonders lehrreich zu beobachten ist es, wie
manche christliche Forscher, trotz der schroffen
Haltung und meist völligen Verständnislosigkeit,
mit der sie den Lebenserscheinungen des Juden¬
tums gegenüberstehen, von der Macht der Tatsachen
überwältigt, gleichsam widerstrebend sich Worte
uneingeschräukter Bewunderung entringen lassen.
Des gilt sogar von Julius Wellhausen und Paul
de Lagarde. Eingehend behandelt Eschelbacher
die „Bibel-Babel"-Literatur und beschäftigt sich
im besonderen mit Schürers und Boussets Werken,
die eine Behandlung der Geschichte und Religions-
geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter des
Urchristentums unternommen haben, und zwar beide,
wenn auch nicht im gleichen Masse, mit unzuläng¬
lichen Mitteln. Der Verfasser führt deren Bedeutung
auf das gebührliche Mass zurück, welches leider,
besonders was Bousset anbetrifft, ein höchst be¬
scheidenes ist. Um den weiteren Verlauf der Ge¬
schichte der Juden haben sich die christlichen
Theologen wenig oder garnicht gekümmert. Das
Judentum hatte, indem es das Christentum gebar,
seinen Dienst getan, und nun konnte es gehen.
Nur Renan warf zuweilen einen Blick auf die spä¬
teren Schicksale des jüdischen Volkes, und sein
feiner und umfassender Geist wusste hie und da
manch treffliches Wort darüber zu s. gen. Eschel¬
bacher hebt in einem kurzen Ueberblick die hero¬
ischen Momente dieser unserer Geschichtsperiode
liervor, die doch gerade die Daseinsberechtigung des
Judentums als besonderer We.>enheit am kräftigsteu
daituu. „Im Kampfe und im Unglück haben Religionen
wie einzelne Menschen sich zu bewähren. Und die
Geschichte des Judentums in seiner Schwäche,
seiner Zerstreuung und unter dem auf ihm lasten¬
den Druck ist ein beredtes Zeugui^ für die Wahr¬
heit, die Kraft und den Segen seiner Religion, wie
für den religiösen Sinn, das Gemüt und die Cha¬
rakterfestigkeit seiner Bekenner." Lector.