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ZUR AUSSTELLUNG JUEDISCHER KUENSTLER.*)
Von G. Klltlia. Nachdruck verboten.
Mit geflissentlichem Eifer ist in den letzten Jahren
die Frasre bespiochen worden, ob und in welchem Sinn
und Mass es eine .nationale Kunst gebe. Auf der einen
Seite wird es schlechtweg geleugnet, auf der anderen
mit beharrlichem Nachdruck betont. Viel Persönliches
und mancherlei Berechnung ist in die Diskussion ein¬
gedrungen, und die Erörterung bekam einen erregten,
feindlichen Ton. Denen, die eine spezifisch nationale
Kunst leugnen, wurde der Vorwurf gemacht, sie seien
in ihrer Kunst oder ihrem Kunstideal von einer aus¬
ländischen Kultur abhängig oder haben zum mindesten
nicht den Sinn für nationalen Geist, ihre Anschauung
sei daher nur eine Rechtfertigung ihrer künstlerischen
Erlebnisse. Den Verfechtern der nationalen Kunst
wurde wieder entgegengehalten, sie haben nictt minder
ein Interesse an ihrer Theorie und seien im übrigen
keineswegs frei von fremden Einflüssen. Ein interessantes
Beispiel ist hierfür Hans Thoma. Es wird der Welt
mit Tiefsinn und Trompeten gekündet, er sei das Muster
des Deutschtums in der Kunst. Und doch hat dieser
kluge und bewusst schaffende Künstler neben seinen
als naiv deutsch gerühmten Landschaften Werke hervor¬
gebracht, die in solchem Masse von Franzosen beein-
flusst sind, dass man von Entlehnung sprechen
durfte.
Auf jüdischer Seite geschahen ähnliche Dinge. Es
wurden Leute, die fabrik massig ihre' akademische Ge¬
schicklichkeit verwerteten, als Meister jüdischer Kunst
ausgerufen, nur weil sie jüdische Typen darstellten;
und ein junger Zeichner von sehr massigem Talent, der
*) Siehe Heft XII, 1907: „Ausstellung jüdischer
Künstler" mit 28 Illustrationen nach den ausgestellten Kunst¬
werken von: Lesser Üry, Jozef Israels, Henry Levy,
S. Hirszenberg, L. Pilichowski, L. Conrad, L.
Pasternak, Sandor Jaray, 1\L Antokolski, C. Pissaro,
Benno Becker, M. Minkowski, L. Krestin, Solomon J.
Solomon, J. Kaufmann, S. Wagner, Jules Adler,
Simeon Solomon, J.B. Le vy, M.G-o ttlieb, M Koschell
Emanuel L. Frank, N. Sichel, Eugen Spiro.
JOZEF ISRAELS. OELGEMAELDK.
Mutter und Kind.
JOZEF ISRAELS.
Nach Haus.
OELGEMAELDE.
bei aller Welt Anleihen ganz
bedenklicher Art macht,
wurde auf dem Verein* wege
zu einem Schöpfer dieser
jüdischen Kunst gemacht.
Der Wunsch war hier der
Vater des Gedankens. Seit
dem Erstehen des Zionismus
entstand mit der Sehnsucht
nach Neusrründung des jüdi¬
schen Volkstums die Sehn¬
sucht nach einer jüdischen
Kunst Bei der starken Be¬
tonung des Nationalen und
dem gesteigerten Interesse
für Kunst in unserer Zeit
war dies eine natürliche Er¬
scheinung.
Dann kam die Skepsis.
Es fand sich, dass die Kunst
der bedeutenden Meister nicht
ohne Einschränkung als jüdisch
zu kennzeichnen war, dass man
nur von einzelnen Noten und
Einschlägen sprechen konnte;
was sich aber direkt als jü¬
dische Kunst offerierte, war