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Leo Bakst.
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zu einem Denkmal für Alexander IL, zu der er auf¬
gefordert war, teilzunehmen, — wurde ihm befohlen,
sofort Petersburg zu verlassen — was er auch ohne
zu zögern tat.
So ehrt das offizielle Russland seine Künstler!--
Im April dieses Jahres erscheint ein gross an¬
gelegtes Prachtwerk ,,L'arb decoratif de L. Bakst'*',
mit zahlreichen farbigen Blättern in sorgfältigster
Wiedergabe, die eine Vorstellung Yom Reiz seiner
Aquarelle gewähren, da diese Bilder, zum grössten Teil
als Kostüm- und Dekorationsentwürfe gedacht, ganz
auf die Farbenwirkung hin geschaffen sind. Die fran¬
zösische Ausgabe erscheint im Verlage der ,,Comoedia
illustre", Paris; die englische in der ,,Fine art Society",
London; die deutsche Ausgabe ist noch nicht ge¬
sichert. P. B.
GELD UND GOTT.
Von Bin ja min Segel.
Sag, weisst du, wer unser Gott ist? Der alte
Gott Israels, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs,
der grosse, heldenmütige und erhabene Gott, der
LEO BAKST. PAK
Aegyptischer Tempeldiener („Cleopatra").
ernährt alles Lebende in Liebe, der die Toten er¬
weckt in seiner grossen Gnade, der die Fallenden
stützt, die Kranken heilt und Gefangenen erlöst und
seine Treue bewahrt denen, die im Staube schlummern,
der dem Menschen Vernunft schenkt und ihn Einsicht
lehrt, der König, der Recht und Gerechtigkeit liebt.
So haben wir das als Kinder von unsern Eltern
gelernt, und die hatten es von den ihrigen, und dieso
wiederum von den ihrigen bis weit zurück, weit in
unvordenkliche Zeiten. Aber wir werden umlernen
müssen. Das war alles ein Irrtum.
Denn siehe, es sind grosse Gelehrte aufgestanden,
bewaffnet mit scharfsichtigen Brillen, und die schauen
tief und wissen es besser; nämlich was wir denken
und fühlen, und was uns unsere Vorfahren überliefert
haben, dies wissen sie viel besser als wir. Und in
vielen dicken und sehr gelehrten Büchern haben sie
es der Welt verkündet. Zuerst taten es nur die Gottes¬
gelahrten, deren spezieller Beruf es ist, uns den lieben
Gott so unverständlich zu machen, w*ie es jedesmal
der allerneuste Stand der Wissenschaft erfordert.
Aber neuerdings hat das ein Mann besorgt, der das
Feld einer sehr weltlichen, ganz ungöttlichen Wissen¬
schaft bebaut, nämlich der Wissenschaft von Handel
und vom Gelderwerb. Das ist Herr Prof. Werner
Sombart, und dem muss man glauben. Der lehrt
uns Juden, was Gott ist: ein grosser Ge¬
schäftsmann; und unser Verhältnis zu ihm:
ein Vertrag, ein Vertrag nach allen Regeln juristischer
Kunst. Nicht ein Bund auf Leben und Tod, sondern
ein Kontrakt auf gegenseitige Leistung: ich gebe dir
das und du gibst mir das; ich bin dir das schuldig und
du bist mir das schuldig. Fein säuberlich, geschäfts-
mässig, kühl, nach der Konvenienz und nach den
kaufmännischen Usancen. Und da die Juden selber,,
und sie zuerst, gelehrt haben, dass Gott die Menschen
nach seinem Ebenbilde geschaffen, so ist es nun kein
Wunder, dass sie selber solche gute Geschäftsleute-
sind. Ihre Religion ist ja nur eine Form, und zwar
die vorbildliche Form des Kapitalismus. Kurz und
gut, unser Gott ist Mammon.
Jules Huret überliefert eine hübsche Szene, die-
ihm der Regens eines Jesuitenkollegs in Nordamerika
erzählte. Ein Yankee, der seinen jungen Sohn dorthin
zur Erziehung gebracht hatte, zog beim Abschied
einen Dollar hervor und sprach zu dem Jungen: ,,alles