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Die Konstituierungs-Versammlung der Freien Organisation der Alliance Israelite Universelle.
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einer Sitzung zu berufen, um über die allgemeinen Interessen der Alliance
zu beraten und etwaige Wünsche und Vorschläge sowohl direkt schriftlich dem
Central-Comite, als den deutschen Mitgliedern zur persönlichen Vertretung in
Paris zu unterbreiten, und für die Wahlen zum Central-Comite geeignete Mit¬
glieder aus Deutschland zu präsentieren,
f) Das Deutsche Bureau der A. I. U. ist gleichzeitig das Bureau der Freien Organisation.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung:
3. Der Vorstand der Freien Organisation besteht aus 5 Personen: 1 Vorsitzenden, 1 Stell¬
vertreter und 3 Beisitzern. Als erster Vorstand wird gewählt: Dr. Isidor Ginsberg-
Berlin als Vorsitzender, Prof. Dr. S. Kalischer-Berlin als zweiter Vorsitzender,
Senator Fischer-Hannover, Rechtsanwalt Dr. Ed. Baerwald-Frankfurt a. Main,
Dozent Dr. M. Brann-Breslau als Beisitzer.
Zu Punkt3 der Tagesordnung:
a) Die bestehenden deutschen Bezirks- und Lokal -Comites sind straffer zu organisieren. Wo
derartige Comites noch nicht bestehen, sind solche einzurichten. Ueber die Zweckmässig¬
keit entscheidet der Vorstand des Bezirks-Comites, zu dem der Ort gehört.
b) Eine allgemeine Propaganda für die Werbung neuer Mitglieder ist seitens aller Comites
in die Wege zu leiten. Die Propaganda soll mit Aufrufen und Rundschreiben einerseits
und mit Versammlungen und Vorträgen anderseits einsetzen. Die Vorträge sind von
den Vororten der Bezirkscomites mit Hilfe des Deutschen Bureaus zu organisieren. Als
Redner sind die in den Bezirken wohnenden Rabbiner und Lehrer zu gewinnen.
Nötigenfalls wird ein Redner vom Deutschen Bureau zur Verfügung gestellt.
c) Jedes Bezirks- oder Lokal-Comite ist berechtigt, von dem Deutschen Bureau der A. I. U.
schriftliche Arbeiten für die Förderung der Organisation und Propaganda zu verlangen.
d) Alle Comites haben dem Deutschen Bureau alljährlich bis Ende Oktober ein namentliches
Verzeichnis ihrer Mitglieder und eine Bilanz ihrer Einnahmen und Ausgaben bis Ende
Dezember zu übermitteln.
Zu Punkt 4 der Tagesordnung.
5. „Die Freie Organisation der A. 1. U. gibt bei ihrer ersten Tagung dem Wunsche Ausdruck,
zu den bestehenden ähnlichen Organisationen, namentlich zum Hilfsverein der Deutschen
Juden, in freundschaftliche Beziehungen zu treten und solche dauernd zu erhalten."
Die 2*4 stündigen Verhandlungen nahmen einen durchaus harmonischen Verlauf. Ueber
sämtliche zur Beratung stehende Fragen herrschte völlige Einmütigkeit. Sämtliche Beschlüsse wurden
einstimmig gefasst. An der sehr anregenden Diskussion beteiligten sich u. a. namentlich Dr. Baerwald-
Frankfurt, Generaldirektor Jos. Berliner-Hannover, Dozent Dr. Brann-Breslau, Rabbiner Dr. Italiener-
D||frnstadt, Rechtsanwalt Dr. Lippmann-Hamburg, Julius Mecca-Cassel, Kommerzienrat Ludw. Metzger-
r^hberg, Heinrich Oschinsky-Breslau, Max Wolff-Stuttgart. Als am Schluss der Versammlung Herr
I^Mmerzienrat Metzger dem Vorsitzenden der Freien Organisation den herzlichsten Dank für alle bisher ge¬
leitete Arbeit aussprach, gab er lediglich dem Empfinden derVersammlungAusdruck, die mit allen übrigen
Fronden der Alliance Herrn Dr. Ginsberg es als Verdienst anrechnet, dass er sich der grossen und
muhevollen Aufgabe unterzogen hat, das Alliancewerk in Deutschland von neuem zur Geltung zu bringen.
DIE ISRAELITEN RUMAENIENS.
^!&e durch den Balkankonflikt veranlassten diplo¬
matischen Verhandlungen, besonders aber die Möglich-
keit.der Abtretung bulgarischen Besitzes an Rumänien,
habirr die seit vierzig Jahren schwebende Frage über
die Lage der rumänischen Juden wieder aktuell
gefnacht. Die Frage der Annexion bulgarischen Terri-
torjtims durch Rumänien hat die Israeliten Bulgariens
lebhaft beschäftigt. Sie befürchteten, dass diejenigen
GJaubensgenossen, die in rumänische Abhängigkeit
umgehen, gleich den rumänischen Israeliten, in
ihrem neuen Vaterland Geächtete sein würden.
In ihrem Namen hat das israelitische Zentralkonsi¬
storium von Bulgarien dem Präsideriten des Minister¬
rats in Sofia folgendes Memorandum übermittelt:
12/25. Januar 1913.
Herr Ministerpräsident!
Die Möglichkeit der Abtretung eines bulgarischen
Territoriums an Rumänien beunruhigt die Israeliten
unseres Landes in ihrer doppelten Eigenschaft als
bulgarische und israelitische Bürger.
Diese Möglichkeit führt für diejenigen unserer
Glaubensgenossen, die das von Rumänien beanspruchte
Gebiet bewohnen, und die in Bulgarien alle bürgerlichen