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Porträts des Kgl. Westphälischen Konsistoriums der Israeliten.
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Israel Jacobssohn
(Abbildung 1)
toren ausprägen. Der Abdruck des Kupferstiches
kommt in der „Sulamith" infolge des gelblichen
Papieres nicht zur Geltung. Besser wirkt ein Stich
(11,7:9,1 cm), den auf weißem Papier mit gepreßtem
Rande unsere Kunstsammlung unter Acc. 269 be*
sitzt (Abbildung 1). Er stimmt gang genau mit
dem Sulamithbilde überein, ist nur um zwei Milli*
meter niedriger. In der Unterschrift heißt es hier
korrekter: „Geheimer Finanzrath".
Ganz anders ist das Bildnis, das uns die Photo*
graphie in der Arnheimschen Schulschrift und
das Klischee bei Kohut bieten. Schon die schwache,
photographische Wiedergabe zeigt den Staatsmann,
den wir uns an der Spitze des Konsistoriums sehr
gut denken können. Wie steigert sich aber dieser
Eindruck, wenn wir das prächtige, große, viereckige
Schabekunstblatt (27: 21,7 cm) betrachten, das Arn*
heim und Kohut als Vorlage aiente und in unserer
Kunstsammlung unter Acc. 270 aufbewahrt wird
{Abbildung 2). Es trägt die in der bisherigen Literatur
fehlenden Ursprungsbezeichnungen „Schöner pinx.,
F. K. Tielker sculp." und als Unterschrift: „Jacob*
son, Konsistorial Präsident und Mitglied der Westph.
Reichsstände." Während Tielker bei dem Sulamith*
bilde der Zeichner war, ist er hier der Stecher. Der
Meister des Bildes ist zu dessen Vorteil der Maler
Gustav Friedrich Adolph Schöner (1774-1841),
■dessen Tätigkeit in Kassel bisher unbekannt war.
Er hat Jacobson nach dem Leben gemalt und da*
mit sich und dem lebensvollen, tätigen Philanthropen
ein schönes Denkmal gestiftet.
Jacobson ist im Brustbild in einem durch helleren
Rand sichtbar gemachten Medaillon (25,5:20,8 cm)
von vorn dargestellt, den Kopf ein klein wenig nach
links gewendet. Die Tracht ist offenbar der Talar
des Geistlichen. In dem erwähnten Schreiben vom
28. Oktober 1808, in dem Jacobson um Genehmi*
gung des Amtssiegels ersuchte, bat er auch um die
Erlaubnis, in seiner Eigenschaft als Präsident „ein
schwarzes Gewand mit Silber gestickt und die Ge*
setzes * Tafeln um den Hals gehängt" tragen zu
dürfen. Von der Silberstickerei sehen wir auf dem
Bilde nichts, und von der Geschmacklosigkeit, die
Gesetzestafeln am Halse zu tragen, hat Jacobson
Abstand genommen, aber der Ornat ist geblieben.
Die geschlossene Kleidung läuft oben in einen
steifen Kragen aus, unter dem noch ein weißer
hoher Stehkragen sichtbar ist. Die Stelle der Bäff*
chen vertritt ein reichgesticktes Spitzen * Jabot.
Auf dieses folgen nach unten vier Knöpfe und
dann nach dem Beispiele der französischen Geist*
liehen eine um den Leib geschlungene Schärpe. Das
Gesicht ist wie beim Sulamithbilde bartlos, nur ist
diesesmal der Ansatz eines Backenbartes angedeutet.
Während ferner dort der Kopf bedeckt ist, ist hier
das lockige Haupthaar vollständig sichtbar. Auf
dem Hinterkopf scheint ein kleines Käppchen zu
sitzen, es läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen.
Da Jacobson im Ornat dargestellt ist, möchte man
die Entstehung des Bildes erst nach dem 19. De*
zember 1808 (siehe oben) annehmen. Anderer*
seits gibt uns der Ornat keinen sicheren Anhalt,
da Jacobson schon vor der Konsistoriumszeit als
Prediger im Ornat auftrat. Dagegen weist die in
der Unterschrift betonte Mitgliedschaft der west*
phälischen Reichsstände auf die Zeit nach dem
2. Juli 1808 hin. Jacobson hatte in der Versamm*
lung der Reichsstände, die damals eröffnet wurde,
als Vertreter des Okerdepartements Sitz und Stimme.
Das Königreich Westphalen war auf deutschem
Boden der erste Staat, der die Gleichberechtigung
der Juden aussprach und dies nicht nur auf dem
Papier tat, sondern auch verwirklichte.
Löb Mayer Berlin 1738-1814
(Abbildung 3)