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Friedrich Adler.
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FRIEDRICH ADLER Hamburg
Glasfenster der Synagoge auf der'Deutschen Werkbund ? Ausstellung, Cöln
FRIEDRICH ADLER.
Von Max Schach.
Das Kunstgewerbe ist in diesen Blättern nicht
häufig dargestellt worden, wenn auch hin und
wieder die Namen bedeutender Repräsentanten ge*
nannt wurden. Aber Namen sind nur in den
seltensten Fällen ein Programm. Und das, was
sich gemeinhin unter dem Begriff »Kunstgewerbe«
zusammenfindet — wie weit ist es überhaupt ent=
scheidend für das Wachsen des Kunstgefühls? Wo
beginnt die Kunst, und wo fängt das Gewerbe an?
Worin spricht sich Segen und Höchstzweck der
Bindung aus?! Das alles sind Fragen, die der Snob
mit schöngeistigen Phrasen beantworten mag. Wer
das Wesen der Sache im Kern erfassen will, wird
schon nach tieferen Gründen suchen müssen. Wenn
aber eine populäre Formel durchaus gegeben werden
soll, so gibt es keine überzeugendere als diese:
alles Kunstfeindliche, Industrialisierende tritt zurück,
der reine Zweck erfährt seine höchste Adelung,
wenn ein wahrer Künstler am Werke ist.
Ich freue mich, dem Hamburger Friedrich
Adler, hier einige Worte widmen zu können.
Adler steht nicht nur in der ersten Reihe der
Könner; er zählt auch zu den Vorkämpfern für
den Geschmack in allen kleinen und großen kunst*
gewerblichen Dingen des Lebens; und er gehört,
wie Paul Westheim sagt, zu den Gestalten,
»die aus einer heimlichen Künstlersehnsucht einen
Faktor der praktischen Volkswirtschaft gemacht
haben.
Wenn er Räume ausstattete, Metallarbeiten
formte, Textilentwürfe zeichnete, suchte er als
Künstler immer der Sache eines qualitätvollen
Kunsthandwerks zu dienen«.
Die interessanteste Seite im Schaffen Adlers
sind seine religiösen Gegenstände. Hier besonders
hat er Neuland betreten. Nirgendwo gibt es einen
starreren Konservatismus der Formen als in den
Zeremonialgegenständen. Wohl haben alte Funde