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uns die Aufnahme in seine Gemeinschaft verweigert,
so haben wir das'als Tatsache einfach hinzunehmen,
weil man niemanden zur Liebe zwingen kann. Wenn
es Juden gibt, die darauf mit Ressentiment antworten
und nun plötzlich alle ihre bisherigen Ideale ver¬
brennen, so können wir das rein menschlich verstehen,
aber unser Weg ist es nicht.
Mag die „Jüdische.Rundschau“ alle .Miehtzionisten
einschließlich der Nationaljuden, der C.-V.-Leute, der
Liberalen und der Getauften als verabscheuungs¬
würdige Assiinilantcn zu einem Eintopfgericht ver¬
einigen und sie samt und sonders als die „Ewig-
Gestrigen“ bezeichnen (im Geistesleben sind übrigens
manchmal die von gestern die von morgen) und mag
uns Getauften schließlich die „Jüdisch-liberale Zei¬
tung“ ob unserer angeblichen Spezialnöte ihr Beileid
ausdrücken — — das ändert nichts an unserem Wesen,
hoch an unserer Einstellung. . Uns bleibt nur übrig,
die uns zwar verkennende, aber doch gute Absicht zu
registrieren, im übrigen aber uns freundlich-gelassen
zu verbeugen und zu erwidern: „Besten Dank, keine
Ursache!“. D r. G e o r g M a y e r - A1 b e r t i.
Antwort
Berlin-Charlottenburg, im Januar 1934
Wielandstraße 38
1 Sehr geehrter Herr Doktor Mayer-Alberti!
Sie bestreiten in Ihrem Schreiben,-daß es eine
Seelennot der getauften Juden gäbe, wie dies in dem
redaktionellen Artikel „Die Seelennöte der Getauften“
in Nummer 35 dieser Zeitung behauptet wird. Viel¬
leicht empfinden Sic für Ihre Person eine solche nicht.
Bei efer Ehrfurcht, die ich dem Christentum gegenüber
habe und bei dem Versuch, mich in die Art christlicher
Religiosität cinzufühlen, könnte ich allerdings ver¬
stellen, wenn für einzelne, wahrhaft gläubige'Christen
Gewordene die Heilsgewißheit des Christentums sich
als Trost der Seele in den gegenwärtigen Stürmen des
Erdenlebens bewährt.
t Aber wieviele Juden sind wirklich aus tiefster
religiöser Überzeugung von den Wahrheiten der christ¬
lichen Religion zu dieser übergetreten? Wieviele be¬
grüßen wohl dankbar den Vorteil, den ihnen, wie Sie
schreiben, das neue Deutschland gebracht hat, gerade
als Nichtarier erst jetzt frei das Christentum bekennen
zu können, ohne einer Mißdeutung ihrer Motive aus¬
gesetzt zu sein?
Diese letzte Behauptung würde lediglich für die
Nichtarier gelten können, die im Jahre 1933 zum
Christentum übergetretdn sind. Ohne mich allerdings
auf eine Statistik stützen zu können, glaube ich ver¬
muten zu dürfen, daß noch nicht zwanzig Juden im
alten Jahr. zum ChfistenVum übergetreten sind.
Welches aber die Motive von schätzungsweise
95 Prozent der Juden gewesen sind, die im 19. und
20. Jahrhundert Christen wurden — nach den Angaben
eines christlichen Missionars sollen dies in der Welt
224 000 gewesen sein - 1 das brauche ich Ihnen nicht
zu'sagen; religiöse Überzeugung war es bei den aller¬
wenigsten. Da das 19. Jahrhundert in seiner welt¬
anschaulichen Haltung religiös-gleichgültig oder gar
feindlich war, so pflegten die meisten der Konvertiten
genau so schlechte Christen zu sein, wie sie vorher
schlechte Juden waren. Nützlichkeits- und Bequem¬
lichkeitserwägungen, Rücksicht auf Karriere, gesell¬
schaftlichen Verkehr und Heirat waren die haupt¬
sächlichsten Motivei So wenig ernst der liberale
Staat die Taufe nahm,-so wenig ernst nahmen sie
begreiflicherweise die Getauften.
Wenn man für etwas der neuen Zeit dankbar sein
darf, so dafür, daß sie mit diesem Nichternstnehmen,
dem formellen Judentum und formellen Christentum
aufgeräumt hat. Gegenwärtig befinden wir uns in
einer Zeit des Übergangs, der Rückkehr und der
Neuordnung. Auch die Juden, die bisher ihr Judentum
bagatellisiert haben, ohne sich freilich taufen zu
' lassen, befinden sich in Seelennot, weil sie für etwas
leiden müssen, was ihnen bisher nicht als . Wert er¬
schien. , Aber diese haben die heilige Aufgabe der
.Teschuwo, der Umkehr, das. schlaff gewordene seeli¬
sche Band an ihre Gemeinschaft wieder zu knüpfen.
.Aber die 95 Prozent Judenchristen und nicht-
arischen Christen, von denen ich sprach —: wollen
Sie da bestreiten, es gäbe für diese im neuen Deutsch--
Jänd nicht tiefste und schwerste SeelennöteV Selbst
die Ihnen vielleicht bekannte, •• von Pastor Arnold
Frank, Hamburg, herausgegebene judenchristliche
Missionszeitschrift „Zions Freund“ weiß davon zu
berichten. Auch icii kann Ihnen aus meiner Tätigkeit
als Rabbiner, die wir vielfach von solchen unglück¬
lichen Menschen um Rat und Hilfe aufgesucht werden
und dabei oft vor neue und-keineswegs leichte Ent¬
scheidungen gestellt sind, versichern, daß diese Men¬
schen, Judenchristen ebenso wie die christlich-deut¬
schen Staatsbürger nichtarischer Abstammung, die
heute im wahrsten Sinne, des Wortes seelisch heimat¬
los geworden sind, für' die es keine Gemeinschaft
gibt, der sie sich hundertprozentig zugehörig fühlen
können, dazu noch ihrer jüdischen Abstammung wegen
Nachteile zu tragen haben, in solchen Seelennöten
sind, daß sic einem jeden menschlich unendlich leid
tun können. '
- Diejenigen, die sich selbst haben taufen lassen,
verdienen ihre gerechte Strafe,' da Abtrünnigkeit
— religiös gesprochen — Sünde ist; an den christ¬
lichen Staatsbürgern jüdischer Abstammung, deren
Tragik unendlich viel größer ist, scheint sich das
Wort des zweiten Gebotes zu erfüllen, das wir früher
oft nicht verstanden haben, daß die Sünde der Väter
sich an den Kindern bis ins dritte und vierte Ge¬
schlecht ahndet, sofern sie ihren Gott und ihre Reli-.
gion mißachtet haben. Es gibt in der Weit doch nun
einmal so etwas wie eine Vorsehung, auch wenn sie
uns Menschen in ihrem Walten oft unmerkbar bleibt.
Damit aber sind wir aus der psychologi¬
schen in die theologische Sphäre gekommen,
in der das Problem des Taufjudentums seinem eigent¬
lichen Inhalt nach beheimatet ist.
Wenn ein orthodoxer Christ-.sich auf neutesta-
mentliche Stellen beruft, so ist dies sein gutes Recht.
Merkwürdig muß es wirken, wenn ein Jude, der,
solange er Jude war, die Autorität des Alten Testa¬
mentes nicht anerkennt, sobald es sich aber um das
Neue Testament handelt, dies als auch für sich in
seinem dogmatischen Gehalt verbindlich nimmt. Sie
berufen sich daher auf den neutestamentlichen Mis¬
sionsbefehl: „Gehet hin in alle Welt und predigt das.
Evangelium aller Kreatur“ (Matthäus XXVIII IS—20,
Markus XVI, 15), und äuf die christlich-dogmatische
Auffassung, daß das Christentum Erfüllung und Voll¬
endung der jüdischen Religion und der alttestament-
lichen Weissagungen sei.
Diesen durch nichts zu begründenden Anspruch
wird das Judentum nie und nimmer anerkennen; eben¬
so wird es vom Standpunkt der Bibelwissenschaft
wie des jüdisch-religiösen Glaubens her die Behaup¬
tung ablehnen, für die nichts, aber gegen die alles
spricht, daß die Messianität Jesu schon in gewissen
alttestamentlichen Stellen verheißen sei. -
Warum sind für Sie als geborenem Juden nicht
die Worte des Alten Testamentes und der mündlichen
Tradition des Judentums ebenso verbindlich, die — ich
verzichte darauf, einzelne Zitate anzuführen — klar
und deutlich sagen, daß der Messias erst am Ende der
Tage kommen wird, wenn Frieden und Gerechtigkeit
die Welt erfüllen, und daß dann erst die „Mission“
des jüdischen Religionsvolkes erfüllt sein wird, so daß
für jeden geborenen Juden die metaphysische Ver¬
pflichtung besteht, Jude zu bleiben-, Jude der Ab¬
stammung und der Religion nach?
Hier liegt nämlich das Entscheidende:
Jude sein ist nicht, wie so manche meinen, nur Kon¬
fession, das heißt, „Bekenntnis“ wie Christentum und
Islam, das man, je nach seiner weltanschaulichen
Haltung wechseln kann; Judentum ist ebenso die
keineswegs nur biologische, sondern sakrale Schöp¬
fungsordnung der Zugehörigkeit zu den „Nachkommen
Abrahams“, den „Kindern Israels“. Beides ist nicht
voneinander zu trennen, sondern bildet seit der sinai¬
tischen Weihe und Bundesschließung eine ewige Ein¬
heit. Hier zeigt sich eben deutlich, daß Judentum
niemals,: früher und auch heute nicht, Volkstum im
politischen Sinne ist, das mit jeder anderen beliebigen
Religion zu vereinen geht, ein Gedanke, der früher
manchmal in zionistischen Diskussionen ' aufgetaucht
war, noch eine Konfession im gewöhnlichen Sinne,
sondern daß Judentum die Zugehörigkeit zum ;,hei¬
ligen Stamm“, „dem Reich von Priestern " und hei¬
ligen Volk“ bedeutet. Der, der sich taufen läßt,
Dissident wird oder aus irgend einem anderen Grund
den Bund bricht, ist ein Abtrünniger, ein Sünder, weil
er, ohne sich meist darüber klar zu sein, gegen seine
metaphysische Bestimmung verstößt.
Deswegen sind wir — bei allem Respekt vor den
Aufgaben der christlichen Hcideumission, nicht aus
Trotz gegen das Christentum, sondern aus tiefster
Überzeugung von dem uns von Gott gegebenen welt¬
geschichtlichen Auftrag — die schärfsten Gegner der
//n/rv/mission.
Es wird Ihnen bekannt sein, daß auch die Glau¬
bensbewegung „Deutsche Christen“ Gegner der Juden-
mission in ihrer bisherigen Form ist; während aber
die Motive unserer Gegnerschaft gegen die Juden¬
mission religiöse sind, sind die Motive jener rassische.
Demgemäß heißt es in Absatz IX der Richtlinien der
Glaubensbewegung (vgl. Schriftenreihe der „Deut¬
schen Christen“ Nummer 2 von Dompfarrer Dr. phil.
Friedrich Wieneke): „In der Judenmission sehen wir
eine schwere Gefahr für unser Volkstum. Sic ist das
Eingangstor fremden Blutes in unseren Volkskörper.
Sie hat neben der äußeren Mission keine Daseins¬
berechtigung. Wir lehnen die Judenmission ab,- so¬
lange die Juden das Staatsbürgerrecht. besitzen und
damit die Gefahr der Rassenverschleierung und
-bastardierung besteht. Die Heilige Schrift weiß auch
etwas zu sagen von heiligem Zorn und sich ver¬
sagender Liebe. Insbesondere ist die Eheschließung
zwischen Deutschen und Juden zu verbieten.“
Es steht uns nicht zu, darüber zu entscheiden,
ob eine Einführung des Rasseprinzips den Sinn des
Christentums aufhebt, wie dies das vor einiger Zeit
veröffentlichte Gutachten der theologischen Fakultät
Marburg zum Ausdruck brachte und wie dies auch
die 7. These des von der „Jungreformatorischen
Bewegung“ in dem erschienenen „Aufruf zur Samm¬
lung“ behauptet wird, die da lautet: „Wir bekennen
uns zu dem Glauben-an den Heiligen Geist und lehnen
deshalb grundsätzlich die Ausschließung von Nicht¬
ariern aus der Kirche ab; denn sie beruht auf einer
Verwechslung von Staat und Kirche. Der Staat hat
zu richten, die Kirche hat zu retten.“
Das zu entscheiden ist nicht unsere Sache. Be¬
kanntlich ist im Augenblick die Arierfrage in der
Kirche suspendiert worden.
Nicht aus den sogenannten rassischen, sondern aus
den oben genannten jüdisch-religiösen Gründen würde
ich persönlich-es begrüßen, wenn seitens .der Kirche
energisch Front gemacht wird gegen das Taufjuden-
tum, wenn die getauften Juden, wie dies kürzlich
vorgeschlagen wurde, in besonderen Gemeinden zu¬
sammengefaßt würden, damit diese, die heute als
Nichtarier eine Sonderstellung im deutschen Volke
haben, auch als Juden in der christlichen Kirche eine
Ausnahmestellung einnehmen, so daß sie begriffen,
daß ihre eigentliche Gemeinschaft die jüdische sei,
in die sie ihrer Bestimmung nach gehören, der sie
zwar entflohen sind, in die sie. aber immer wieder
zurückgestoßen werden. In diesem eigentümlichen,
tragischen Zusammenhang offenbart sich meiner An¬
sicht nach der Wille der Geschichte, der die "beste
Lehrmeisterin und Erzieherin der Menschen ist:
Hier spreche ich schon nicht mehr wie anfangs
von Nützlichkeitsmotiven, sondern davon, daß Un-
■ kenntnis und Mißverstehen des Judentums zu derart
tragischenVerwicklungen führen müssen; wie sie heute
sichtbar i werden. Das ist gerade manchen jüdischen
Akademikern zum Verhängnis geworden, daß sie das
Judentum nicht kennen, daß sie nie bis zu seinem
Kern vorgedrungen sind, dagegen andere Religionen
oft nur aus Gründen der allgemeinen Bildung viel
besser kennen. Ich hatte Gelegenheit, vereinzelt mit
Menschen zu sprechen, die aus Überzeugung Christen
und einmal auch Mohammedaner werden .zu müssen
meinten. Ich zeigte ihnen jedes Mal, daß das, was
sie als religiösen Erlebniswert in anderen Religionen
suchten, jüdische Religion sei.
Würden diese Voraussetzungen der Kenntnis ge¬
geben sein, so würde man auch nicht als Motiv für
die Taufe" den Umstand anführen können, daß man
der christlichen Kultur mehr als der jüdischen ver¬
danke. Es würde hier zu weit führen, auf den sehr
zweifelhaften und ungeklärten Begriff einer soge¬
nannten christlichen und sogenannten jüdischen Kul¬
tur einzugehen. Die Frage, ob die Weltkultur dem
Judentum oder seiner christlichen Tochterreligion
mehr verdankt, gehört in • die Kulturgeschichte. Teil
glaube, daß vor ihrem Forum das Judentum mit
seinem Beitrag zur Kultur nicht schlecht bestehen
würde, aber für die Frage des Übertritts spielt diese
Frage keine Rolle; denn sie ist'eine Sache der per¬
sönlichen Religiosität und, wie ich es zeigte,
auch eine Sache des gottgewollten Schicksals.
Bei aller Achtung vor Ihrem Standpunkt halte
ich diesen doch für völlig verfehlt, da ihm eine falsche
Auffassung des gesamten Problems zugrunde liegt.
Mit dem Worte, mit dem einst unser großer Lehrer
Hillel, der ein Zeitgenosse Jesu war, dem antwortete,
der in Kürze wissen • wollte, was Judentum sei:
„Liebe Deinen Nächsten, er ist wie Du — das ist der
Inhalt des Judentums, alles übrige' ist nur seine Aus¬
legung, nun gehe hin und lerne“, mit diesem Wort
begrüße ich Sie ergebenst
’ Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky.
Neues Programm im „B u. B“
D as Kabart
schaflshil
eine Reihe namhafter jüdischer Künstler beschäftigt,
am vergangenen Sonntag sein neues Programm. Wie nötig
in dieser schweren, lastenden Zeit einige Stunden Ablenkung
Wieder erfreuten das hohe Niveau, die Reichhaltigkeit
und die geschickte Auswahl der künstlerischen Darbietungen
Der Altmeister der Conference, Willy Prager, fungierte
wiederuni ins Ansager, heit Jahrzehnten kennt man ihn als
Kabarettdiehter und Komponisten; aber er ist. immer wiedei
neu und wiederholt sich nie! Und so lustig und erheiternd
er auch von Natur aus sein mag — die trübsinnige Gegenwart
verführte ihn — vielleicht gegen seinen Willen — doch zu
einigen schwermütigen. Aktualitäten, "so z. B. in dem Liede,
von „den Kindern, die wieder nicht geschrieben haben", in
dem der erwerbslose, in kaltem Zimmer frierende Sohn seinem
Vater Vorwürfe macht, dal! man ihn Rechtsanwalt werden
ließ. Und hi dem an Mozarts berühmtes Wiegenlied an¬
klingenden Couplet (von Benatzky vertont), das plötzlich den
vergrämten Vater die furchtbare, leise Klage aufstöhnen läßt:
„O wärst du lieber nie geboren!" *
Sehr schön sang Kar ja Seiiapiro; ihre glockenreine,
wundervoll geschulte Stimme erinnert an die besten Zeiten
der Francillp-Kaufmann; auch das Timbre ihrer Stimme ähnelt
in seltsamer Weise dem der weltberühmten Sängerin. Die
Sangeskunst von Beatrice Waghaltcr, der Tochter des bekann¬
ten Dirigenten, besticht mehr durch ihre mimische und
rezitatorische Untermalung. Sie trug in drei verschiedenen
Sprächen vor. Ihr Organ ist nicht groß, aber sehr reizvoll.
Recht gut waren die Tänze von Albert Blando und Else
Dublon; diese Tänzerin meisterte vortrefflich die so schwierige
Kunst, mit vollendeter Grazie zu parodieren, während Blando
inehr durch die erstaunliche Fertigkeit seines erstaunlich
durchtrainierten Körpers imponierte. Marlin Kettncr, nicht
mehr der Jüngste, trug — jugendfrisch — vergilbte, doch
immer noch geistreiche Scherze vor. Wehmütig dachte man
seiner Glanzzeit am Metropoltheater. Lang, lang ist’s her! ...
Die blendend-schöne, leuchtend-bldnde Hcdi Haas spielte
einige Soloszenen; mir ein bißchen zu keß! . . . Etwas
weniger wäre mehr! — Pfeffer genügt; — es braucht nicht
gleich Paprika zu sein; aber sie hatte die Lacher auf ihrer
Seite. Und das entschied den Erfolg. Der junge Schauspieler
Heinz Schönfeld imitierte glänzend einige bekannte, moderne
Bühnenstars. Nur unterlief ihm dabei eine böse Geschmack¬
losigkeit, die er lieber bleiben lassen sollte! Vom Schicksal
geschlagene Menschen verspottet man nicht! — Ganz prächtig
trug AL Berkowitz ostjüdische-Lieder vor. Auch hier machte
der Vortrag diesmal des — Sängers Glück, ln dem Liede
von dem in der Jeschiwah „Lernenden", der vergißt, für den
Sabbath einzukaufen, schwang zu Herzen gehende, religiöse
Inbrunst. Bleibt noch zu rühmen die famose Kapelle des
ausgezeichneten Geigers Jack Polischuk und die diskrete,
geschmackvolle, technisch-präzise Klavierbegleitung des, Pia¬
nisten E. Ronis.
Wie bereits anfangs konstatiert: ein hübscher, genu߬
reicher Abend! Der Beifall war groß. Mit Recht.
Dr, Ludwig Daridsoim.