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AWische EemeindeschAer. in anderen wieder soviel, dah
sie für sich allein organisiert werden könnten.
Da der Unterricht an den öffentlichen Schulen nur
-wei Stunden nmfassen kann, so mutzten zu seiner Er¬
gänzung besondere Religionsschulen errichtet werden, in die
man vielleicht den hebräischen Unterricht verlegen könnte.
Selbstoerstündlich mutzte man hierbei die vorhandenen Re¬
ligionsschulen richtig ausnutzen. Ebenso selbstverständlich
scheint mir die Forderung, datz die Schüler nach der Welt¬
anschauung der Eltern getrennt werden mutzten, so datz
in jedem Bezirk Schulen konservativen und fortschrittlichen
Charakters vorhanden sein mutzten.
Herr Dr. Freund weist in seiner Denkschrift mit Recht
darauf hin, datz alle Bemühungen der Behörden und der
Lehrer vergeblich sein müssen, wenn nicht die Elternhäuser
für den Religionsunterricht mehr Interesse zeigen. Er
schlägt daher vor. datz in jedem Bezirk eine Schulkommission
gebildet wird, die eine Art innerer Mission bei den Eltern
treiben müßte, damit diese ihre Binder mit größerer Regel¬
mäßigkeit zum Unterricht schicken und die Arbeit der Lehrer
unterstützen. Dieser Plan ist ganz vortrefflich, leider jedoch
- wie so mancher Plan des Herrn Dr. Freund — in der
grauen Theorie stecken geblieben. Die in dieser Denkschrift
oorgeschlagenen Reformen sind ein Beweis dafür, denn in
den zwei bis drei Jahren, die feit ihrer Abfassung ver¬
strichen sind, ist nichts geschehen, als datz einige Sitzungen
abgehalten worden sind, aus denen ein dickes Aktenstück
hervorgegangen ist.
Zuzugeben ist, datz die Vorschläge, die Herr Dr.
Freund in seiner Denkschrift macht, in der Hand einer
energischen Verwaltung viel Gutes für die Organisation
des Religionsunterrichts schaffen können, und es ist nur zu
wünschen, datz der neue Dezernent des Schulwesens sich der
Sache mit grötztem Interesse annimmt.
Aus der Bewegung.
Büro: Berlin W 8, Mauerstr. 22. Tel.: Merkur 8725.
Da iin Laufe des Januar die Einrichtungen des Büros der Ver¬
einigung völlig erneuert werden sollen, ist die Befolgung folgender
Forderungen unbedingt erforderlich:
Die Ortsgruppen und Vertrauensleute haben bis spätestens
6. Januar 1924
neue Liften der Vorstände mit genauer Angabe über die
Verteilung der Aemter und, soweit dies noch nicht geschehen ist,
neue M i t g t i c d e r l i st e n, die alle Berichtigungen und Er¬
gänzungen enthalten, der Zentrale einznreichen, ebenso
je ein Exemplar der Satzungen unserer Ortsgruppe»! und
der uns angeschlossenen Vereine.
Ferner muh jede Ortsgruppe einen zuverlässigen Bericht¬
erstatter für die „Jüdisch-liberale Zeitung" bestellen, der der Gc-
schüstsstelle r r g e l ni ä st i g Berichte über die Arbeit der Ortsgruppen
und alle erivähnensiverten Vorkommnisse in der Gemeinde einzusenden
bat. Die Vertrauensleute werden gebten, diese regelmäßigen Berichte
selbst einznreichen. .
Der Generalsekretär.
E. D i ck m a n n.
Danzig.
Ani 9. Dezember veranstaltete der hiesige Verein für liberales
Judentum seinen ersten Vortragsabend in diesem Winter. Als Neoner
war Herr Universitätsprofessor Wrcszinsli aus Königsberg gewonnen
worden. In zweistündigen?, fesselnden Bortrag behandelte er das Thema
„Der nationale Prophctisinus und die Entstehung des Judenturns".
Das Probten? Ivnrde nur historisch beleuchtet, aber das persönliche
Wirken der Propheten schimmerte trotzdem allerorten hervor. U??d darauf
kam es unserer Bereinigung bei diesem Vorträge an. — Die nächste
Vcranstpltuiig soll Mitte Januar ftattfinden.
Bei den hiesigen Volks:vahlen am 18. Noveinber erhielten die
antisemitische?? Deutschsozialcn 7 Sitze, also Fraklionsstärle. Diesem
Ruck nach rechts steht ein ebenso starker nach links (Kommunisten!)
gegenüber. Der Zug nach den extremen Richtungen dürfte ein srncht-
oares Arbeiten des Parlaments in Frage stellen. Vielleicht kornmcn
wir gelegentlich der im Jmnuar statt findenden Senulsnmyl nuf diese
Sache zurück. — Geo. —
Reprasentanterttvahken iu Ratibor.
Ain 7. Dezember fanden hier die Wahlen zur Reprnsentanten-
im^ nnmlung statt. Um bei der heutigen ernste?! Lage einen Wahlkampf,
^ ungeheure Opfer von. allen Seiten erfordert hätte, zu veriuciden,
'm d n zinischen den Parteien langwierige Verhandlungen statt, die
y'n stich burd} ein AVahlkompromis; beendet wurden. Dementsprechend
' ?inv ei» gemeinsamer Wahlvorschlag eingereicht, so daß heute bei
iner Gesamtzahl von zwölf Repräsentanten und zwei Stellvertretern
von unseren Anhängern elf ordentliche Mitglieder uno zwei Stell¬
vertreter in der Gemeindevertretung sitzen.
meinden Deutschlands zur Verteilung von Auslandsspenden unter dem
Vorsitz Euaen Easparys wieder zusammen. Auster den Berliner Mit¬
gliedern, die fast vollzählig erschienen waren,, waren nrehrere aus¬
wärtige Genieinden, u. a. Hamburg, Leipzig und München, ver¬
treten, desgleichen wohnte ein Vertreter des Joint Distribution Committee
in der Person des Herrn Dr. Werner Senator der Sitzung bei.
Der Vorsitzende gab dem Reichsausschuf; bekannt, daß das Joint
Distribution Conimittee für das komniende Jahr wiederum eine größere
Spende für die notleidenden jüd. Wohlfahrtseinrichtungen zur Ver¬
fügring gestellt hat. Er sprach dein Joim Distribution Committee und
insbesondere Herrn Dr. Bernhard Kahn und Herrn Dr. Werner
Senator herzlichen Dank für ihre unablässigen, erfolgreichen Bemühungen
aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch in Zukunft die gro߬
herzige Hilssbereitscl^ast des Joint für die Linderung der jüd. Not
nicht ausblriben werde.
Herr Dr. Segall erstattete ausführlichen Generalbericht über die
Verwendung der diesjährige?! Jointspende und vor allem ihre Wirkungen
aus die gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen in Deutschland. Der
Zweck der Jointspende, der ErlMtung der durch die Notlage be¬
drohten jüd. Wohlfahrtseinrichtungen zu dienen und diesen die An¬
gleichung an die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse in der schweren
Nebergangszeit zu erleichtcr?!, ist in vollem Umfange erfüllt worden.
— Man kann wo'st sagen, das; die Jointspende eine ganze Reihe
von Anstalten vor der Auslösung bewahrt und den meisten über die
kritischste Notlage hinweggeholfen hat. Eine weitere Wirkung war
die, daß die deutschen Juden, angespornt durch die Jointspende, sich
ihrer Verpflichtungen zur Selbsthilfe stärker bewußt tvurden, und die
Jnlandssaminlungen mit Energie und zum Teil mit gutem Erfolge
betrieben.
j Die dritte, außerordentlich hoch einzuschätzende Wirkung der
Jointspende erstreckte sich ans die geforderte Sozialrcform in den
! Anstalten, die durch die Organe der Zentralwohlsahrtsstelle der deut-
? sckzen Juden inzwischen iu Angriff genommen wurden.
Bei den Beratungen über die Verteilung der neuen Spende
waren sich alle Beteiligten darüber einig, daß in diesem Jahre die
Einrichtungen der offenen Fürsorge weit stärker bedacht werden müssen,
als cs bisher möglich gewesen ist. Der Reichsausschuß erteilte dem
Engeren Ausschuß Vollmackit, die neuen Verteilungsvorschläge auszu-
i arbeiten.
Herr Dr Straus (München) sprach der ZentralwohlfahrtS-
stelle der deutschen Juden als der GesckMsführerin des Reichsausschusses
j im Namen der jüd Gemeinden für ihre überaus tatkräftige und um-
sichigte Tätigkeit herzlichen Dank aus.
Merkwürdige Wahlmachenschafte».
Im „Niederschlesischen Anzeiger" (Glogau) finden wir in der
Nummer vom 14. Dezember 1923 folgendes Inserat:
Danksagung.
Allen denen aus den?
M i t t e l st a u. d c der h i e s i g e n jüdischen Gemeinde,
die außer uns den Mut litten, bei den am letzten Mittlvoch noch
statt gefundenen
Ncpr äse nta nten wählen
ihre Ctinenie unserer Liste zu geben — und nicht der Liste, die
in einer am Sonntag abend stattgefundenen geheimen Bessprechung
beschlossen wurde, zu der man die Gegner aus durchsichtigen Gründen
nicht tingeladen hatte —, danken wir hiermit bestens für ihre
Unterstützung.
Die Wähler unserer Liste haben mit den abgegebenen Stimmen
bewiesen, das; sie nicht länger gewillt sind, den hier bestehenden,
in heutiger Zeit völlig unangebrachten und verwerflichen Kastengeist
zu fördern, sondern ihn mit aller Macht zu brechen.
Hat die diesmalige Wahl auch noch nicht zum geivünschtcn
Ersolg geführt (Rom ist ja bekanntlich auch nicht an einem Tage
erbaut worden), so haben die für unsere Liste abgegebene stattliche
Anzahl von Stimmen bewiesen, daß unser Vorhaben berechtigt
und nt Sinne vieler Gemeindemitglieder war.
Im übrigen werden mir in kurzer Zeit eine Bereinigung der
dem Glogauer Mittelstände angehörigen, jüdischen Gemeindemitglieder
gründen,' zu der mir an dieser Stelle noch cinladen werden, uno
hoffen wir, daß dadurch die künftigen Repräsentantenwahlen zu
unserem vollen Siege führen werden.
Mehrere Wühler des Mittelstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde.
Bisher konnten wir noch nicht ermitteln, von welcher Seite
dieses dunkle Dokument stammt, halten es jedoch für unsere Pflicht als
! aufrechte Juden, dieses Machwerk etwas niedriger zu hängen. Es ist
: beschämend, daß eMnschen, geschweige denn Inden, es wagen, anderen
' den Boeivurf geheimer Abmachungen zu machen, ohne selbst Farbe zu
bekennen, ganz abgesehen davon, daß die besagten Herren mit ihren
! Absichlcn vor der Wahl öffentlich hätten hervortreten und ihre
Liste verfechen können, anstatt dcer breiten Oefjentlichkeit Anlaß zu
! geben, m i t Recht aus dieses unfaire Verhalten der Juden hin-
zutveisen.
| Wir behalten uns vor, auf diese Angelegenheit noch ausführlich
zmückzulommcn, sobald unsere Erhebungen abgeschlossen sind.
herrschte ich es als unsere Pflicht, unter Einsetzung aller Mittel
Ordnuirg und Sicherheit im Reiche aufrecht zu erhalten und Lebe»
und Eigentum aller Bürger zu schützen. gez. Ebert."
Die Ortsgruppe Breslau des Reichsbundes j. F.
beging auch diesmal da- Chanukkahfest durch eine besondere Feier, zu
welcher außer den Mitgliedern des Bundes die A.-W., die Förderer, dir
Vertreter der Gemeinde und die Rabbiner geladen waren. Die Feieitz
zn welcher etwa 700 Personen erschienen waren, begann mit dem
Lichtezündcn durch Herrn Rabbiner Dr. Bvgelstcin und dem Ab¬
singen des Clrannkkahliedes. Hierauf hielt der Vorsitzende, Kamerad
Dr. Ernst Frankel, die Festrede, nach deren Beendigung das Kampf-
lied gesungen wurde. Im Anschluß daran sprach Kamerad Dr. Rosenthal
aus das Vaterland, woraus das Deutschlandlied gesungen wurde. Es
sprachen ferner noch Rabbiner Dr. Bogelstein, sowie Justizrat Hirsch¬
berg für die Gemeinde.
Außer diesen: Fest hat die Ortsgruppe im Laufe dieser Woche eine
Chanukkahbeschcrung für die bedürftigen Hinterbliebenen unserer ge¬
fallenen Kameraden, welche wir, Dank der Gebcfreudigkcit unsere»
Förderer und Kameraden, reichlich mit Lebensmitteln aller Art, sowie
Wüsche, Kleidern und Kohle beschenken können.
Faszismus — AntisemitiSmns.
Die italienischen Juden waren von jeher in der glücklichen Lage,
von ihrem Vaterland die ehrenvolle Behauptung aufstellcn zn können,
es sei das „Land ohne Antisemitismus".
Vom ersten Auftreten Mussolinis an ftohlockte insbesondere dir
süddeutsche Rcaltion, daß nunmehr durch die nationale Wiedergeburt
Italiens auch die dortigen Juden als „Fremdkörper" angesehen und
verfolgt werden würden. Die sadistische Bewegung in Italien hat durch
ihre Taten bewiesen, daß sie wirklich national, nicht aber hetzerisch
und unvornehm gesinnt ist. Nun hat Mussolini bei einem Empfang
des römischen Oberrabbiners Sacerdoti erklärt, die italienische Negie¬
rung habe ebenso wie der italienische Faszismus nieinals antisemitische
Tendenzen verfolgt und würde es auch in Zukunft nicht tun. Er
bedauere, daß die Antisemiten des Auslandes das Ansehen des Faszis-
nms zu gehässigen partikularistischen Zwecken auszunutzen versuchte»
— Eine deutliche Absage an die Herren Antisemiten in Deutschland,
die sich nun wohl andere Hilfe wieder werden suchen müsse»
Bücherkisch
Aus aller Wett.
Der „Lan-bnud".
Den „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Anti¬
semitismus" entnehmen wir nachstehende Notiz, die größeres Interesse
erwecken dürfte:
Wenn es noch eines Beweises dafür bedürfte, daß der „Landbund"
des „Bundes der Landtvirte" würdiger Nachfolger in antisemitischer
Hinsicht durck/.us „zuverlässig" ist, so würde der Pommersche Landbund
unter Führung des bekannten Landrat a. D. v. Dewitz ihn glänzend
erbringen Die Kreisgruppc Greifenliagen gibt Noggcnanweisung.n her¬
aus, die den bezeichnenden Aufdruck zeigen: „Dieser Schein ist un¬
gültig, wenn er in die Hand von Juden oder Judenstämmlingen gelangt.
Deutschland den Deutschen." Nachträglich scheint den Herren allerdings
um die Ncinblütigleit ihrer Freunde Angst geworden zu fein, denn
die Worte „oder Judenstämmlinge" sind durch einen dicken Strich
ausgemrrzt. Wir haben natürlich Schritte unternommen, um. diesem
Unfug, der den bekannten antisemitischen Ausdrucken auf deutschen
Geldscheinen gleich zu acksten iist, zu steuern.
England und Palästina.
Die neugegründete „Nati'onalarabische Partei", auf deren Wirken
für eine Verständigung zivischen Juden und Araln'rn die Engländer
nach mündlichen Besprechungen mit deren Führern große Hoffnungen
gesetzt haben, hat folgende Bedingungen für eine Zusammenarbeit
mit der englischen Verwaltung gestellt:
1. Palästina hat arabisch und frei von jedem fremden sowie
zionistischen Recht oder Einfluß zu bleiben; 2. Arabisch ist die
offizielle Landessprache; 3. Nichtanerkennung der Balsonrdettarutio')
b . ioa um! Engländern gegebenen Versassrmg, des Gesetzgebenden
Notizen des Jüdische« Frauenbundes.
Die weiblich Fürsorge in Wien hat 50 Lebensmittetpakcte für
den jüd. Mittelstand an die Ortsgruppe Berlin des Jüdischen F.-auen-
bundrs gesandt, die von deren Helferinnen im Sinne der Geber in
die rechten Hände geleitet worden sind.
Das Eomite tot leniging van den Nood der Juden in Duitsch-
land, in Rotterdam, hat sich an die Vorsitzenden des Jüdischen Frauen¬
bundes in Frankfurt a. M. gewandt und ihr mitgeteilt, das; sich dort
eine Kommission gebildet hat, die mit einer Kinderaklio» beginnen
will, d. h. deutsche Kinder des jüd. Mittelstandes — aus orthororen
wie aus liberalen Häusern — sollen in hvitäud. Familien einige
Monate Pfleae finden. Die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes
hat ihre sachlichen Bedenken dagegen geäußert, die Kinder einige Monate
aus den Familien und aus der Schule herattsznnehmen, tut) sie hat
daraus hingewiesen, das Augenmerk ans die in den Anstalten bejin-
ftchcu Kinder zu lenken. ^ Um eitet Uebersicht über die Anzahl der
^'n?ni4°*K°" bC !!,4!-‘ n ^ cr 3 U bekommen, die franko bis Rotte:- Balsourdcklaration die Richtung ihrer palästinensischen Politik kund
hw* ~ T ll l| * C,UC ta ^ C nr ‘ Ortsgnippcn gl tau hat, aus diese Forderungen keinestregs cingehen. Das englische
SW sa^K r , . Koionialamt hat dahe? den Oberlommissar ermächtig, di.' Verwaltung
' t . des Jud. FranenbunJes MI dis Landes in der bisher gehandhabten Weise, d. h. nur unter
tll ^dem ^ W fipr-in ' cuie zrogerc Zumute beratender Assistenz des Gesetzgebende?! Ausschusses sortzuführen.
^ ft ^ :r Zu diesen? Zweecke hat Sir Herbert Samuel einen Ausschuß
Mp t 11 ' 13 mir auf -Bne.i.T, englischer Beamtet! ernannt, der ihm in der Verwaltung des Landes
(Chm rtiühr.fihmin' ,• . „ behilflich sein soll. Dadurch wird Palästina voraussichtlich immer mehr
«rnnfmm h? ra C ‘w^n ^atwnalkomttecs zur ^e- einen Charakter annehmen, der sich von dem der englischen Kolonien
Mmpfung des Mädchenhandels hat stattgesimden, m der der Jüdische »gum uo^. wcsentlick' unterlcbeidet
Frauenbund durch seine ständige Delegierte, Frau Henriette May, vcr- ^ rof ' entIU ' unterscheid^_
Im Verlag bei Jacob B. Brandeis (Breslau) sind in
den letzten beiden Jahren zivei Märchenbücher erschienen: „Tamß
Reise durch die jüdischeMärchcnwel t", von Siegfried
A b e l c s versaßt und mit zahlreichen Zeichnungen von F. v. Kosak
versehen, und „Aus Urväter Tagen, biblische Legen¬
den und M ä r ch e n" von Frieda Weißmann.
Siegfried Abeles erzählt die Gesckstchte eines kleinen Knaben,
der in der Sederimcht auf den Gedanken kommt: „Wie schön muß
cs im Lande unserer Väter sein, morgen will ich nach Palästina gehen."
Und so macht sich Tam denn auf den Weg und gelangt nach Uebev-
windung zahlreicher Schwierigkeiten in das Haus des palästinensischen
Bauern Jehuda. Jehuda erzählt nun dem Neinen Tam Aiärchen,
jüdisckse Märchen. Er erzählt ihm Märchen, die er „beim Lesen
der Bibel", Märck^en, die er „im alltäglichen Leben", und solche, die
er „an Festtagen gesehen hat". Tam wird so durch das gesamte jüdische
Leben geführt, bis er es bejaht und nach Hause ins Galnth zieht,
um Eltern und Gesäpvister init nach Palästina zu nehmen. Bis auf
den einen Bruder, der bczeichnendenveise den Namen Nascha (d. i. Böso-
wickst) trügt, willigt die ganze Familie begeistert in den Vorschlag
Tams ein.
Die zionistische Tendenz dieser Märchen ist unverkennbar. Sir
tritt nicht nur in dein Rahmen, in den diese Märchen gestellt sind,
ganz deutlich hervor, sondern sie ist fast ebenso stark in jedem ci»r-
zelnen Märchen zu finden. So begnügt sich der Verfasser nicht damit,
die Sehnsucht nach Palästina von seinem Märchenhelden aussprecheu
zu. lassen, nein, auch die Palme, die ihr Besitzer einst als Erinnerung
an Palästina in sein Heim gebracht fyat, freut sich, daß nun endlich der
Plan ihres Hausherrn, nach Palästina überzusiedeln, feststeht. „Dann
wird man mich wieder in die heimatliche Erde einsetzen, und ich wcrd«
nicht so klein bleiben, wie ich es hier, in diese?» häßlichen Kübel,
hätte bleiben müssen, sondern ich werde groß und stark werde»"
Nicht vom autizionistischen Standpunkt aus sei die zionistisch»
Tendenz verurteilt, sondern vom künstlerischen aus. Selbst für zu¬
rechtgemachte Kindermärchen, die diese zweifellos sind, ist der zionistische
Gedanke zu stark aufgetragen. Auf derselben Linie liegt auch noch
ein anderer Mangel dieser Märchen. Sie sind stellenweise zu lehrhaft.
Ich habe beim Lesen oft den Eindruck gehabt, als ob der Verfasse»
möglichst viel biblische Ereignisse oder Bilder kurz erwähnt, nur um
sie iu der Erinnerung des Kindes wachgurusen oder sie dein kindlichen
Gedäckftnis einzuhämmern.
Trotz dieser beiden Mängel sei dieses Märchenbuch auch unser»
Leser?; empfohlen. Es kann wohl mancher jüdischen Mutter und manchem
jüdischen Vater als Grundlage dienen für die Märchen, die sie heute
ihren Kindern erzählen. Und daß das Gemüt unserer Kinder neben
den schönsten deutschen Märchen auch mit solchen aus dem jüdischen Leben
genährt werden muß, darüber gibt es wohl heute keine Diskussion mehr.
Ganz anderer Art sind Frieda Wcißinanns Märckicn. Es sind
einzelne, nnzusammenhängendc Märchen und Legenden, die die Ber-
j fasserin in wirklich künstlerischer Form wiedergibt. Wohl nur die
i jüdisck/cn M8rcl;eninotive, die der Verfasserin ain meisten tieaen. Ma»
fühlt, wie der Stoff, nicht irgendeine Tendenz, die Verfasserin
zur Wiedergabe gedrängt haben. Ueber allen Erzählungen liegt der
religiös-ethische Hauch, der das Wesen jener Märchen und Legenden
ausinacht. Daher kann auch die Verfasserin frei mit dein Stoff
schalten und ein Kunstmärchen in des Wortes bester Bedeutung schaffe»
Wenn es Märchen gibt, die vorwiegend für Envachsene geschrieben sind,
so die hier vorliegenden, die auch in ihrer schlichten, sck^öne» Sprach»
ihren Reiz aus un«st ausüben. Beide Bücher sind in einer hübschen,
ihrem Inhalt entsprechenden Ausstattung erschienen.
Die zahlreichen Bilder von F. B. Kosak werden fficher ihren
Eindruck auf das kindliche Gemüt ausübe» E. Ä.
Lic. Prof. Dr. Heinrich Fr ick: Religiöse Strömun¬
gen der Gegenwart. Das Heilige und die Form. Samm¬
lung „Wissenschaft und Bildung", Heft 187. Veerlag Quelle »
Meyer, Leipzig 1923, 140 S.
Ein reizvolles Buch, das in gedrängter Kürze die Kräfte aufzeigt,
die in der Gegcmvart an dein Ausbau einer neuen Religiosität wirken
treten war, die die dort erteilten Berichte und Anregungen weiter
leiten wird.
ReichSansschnß jüd. Gemeinden Deutschlands
tzur Verteilung von Auslandsspenden, Berlin C2, Rosenstr. 2/4.
Am 2. Dezember 1923 trat im großen Sitzungssaal der Ber-
Kner Gemeinde, Oranienburger Straße, der Reichsausschuß jüd. Ge-
oder wirken löniilen. Fesselnd wird geschildert, wie die eigentlich»
Zkrise des Religiösen aus der Loslösung der Aiassen von ihrer jahr¬
hundertlangen Bindung an dein Bobcn und ihrer Einstreuung in den
und des Beratenden Ausschusses, so,vie des Arabischen Amts ober ; Wüstensand der modernen Großstadt beginnt. Bon der Darstellung
jcglich.'r sou>>igen Institution mit fremdem Einfluß; 4. Einrichtung p,-,,- modernen national-religiösen und der religiös-sozialen Bewegung^
einer demokratisckp.'it Negierung im vollsten^ Sinne des Wv-tes. , bic mit allem Förderlicl)cn ihrer Triebkräfte gezeichnet wird, aber
die nur aus Eingeborenen besteht, so?vic eine entsprechende B-'r- zugleich auch mit bewußter Kritik an allein, was bei ihnen von dem
sassung; tt. Anstellung von ausschließlich in Palästina geborenen Erhabenste» der Rcligion ablenken kann, geht der Lauf der Be-
Bcawte??^ usw., auger den dringend erforderlichen Hitsskrä',ten und trachtvng zur neuzeitlichen Jugendbewegung über, bei der mit besonderem
Sachver;tä??digen zur Hebung des La? des. ; Nachdruck davor gewarnt wird, in dem Ringenden und Suchenden
Selbstverständlich kann die englische Regierung, die durch die on ihr schon au und für sich Religiosität zu erblicken, während cs
doch erst eine Aiöglichkeit für sie ist, ein Ansatz, aus dem Religiosität
sich gestalten kann; eine Warnung, die auch in der jüdischen Jugend¬
bewegung nick^ in den Wind geschlagen werden darf. Besonders kräftig
ist das Schlußkapitel „Beruhigung und Wagnis", in dem der Verfasser
anspreck)end auseiuandersetzt, wie in allem Religiösen nicht das die
Hauptsache ist, daß man in einem festen Bekenntnis Ruhe für sein
Gemüt finde, sondern daß man damit sich absinden muß, ein Element
fruchtbarer und schöpferischer Unruhe, de - Unruhe, die entstehen muß,
wenn man ständig die Formen des Lebens und der Wirtschaft an der
Höl-e der göttlichen Forderung mißt und daraus den Willen schöpft,
den stets zu erneuenden Versuch zu wagen, wie man Welt und
Leben von dieser Forderung aus gestalte. Eng berührt sich hier.die
Forderung des prolestantisckien Verfassers, d'r mit ihr gegen gewisse
Der Reichsprästvent an den NeichSbnnd jüdischer
Frontsoldaten.
Auf ein Begrüßungstelegramm des Frontbundes onläslich seiner Strömungen im Protestantismus Front macht, mit der jüdischen, inö-
letzten Tagung hat der Reichspräsident folgende Antwort dem Bunde besondere der jüdtsch-lioeral.n Einstellung. Für den Inden ist be-
zugehen lassen: sonders interessant der Hinweis auf diejenigen Strömungen im Pro-
„Dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten danke ich für das testantismus, die den evangelischen Gottesdienst stärker über einen
Gelöbnis der Treue zum Deutschen Reich. Mit der Reichsregicrung Predigtgottesdienst zum Gebetsgottesdienst erheben möchten und die