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7. Jahrgang
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Aus den Gemeinden
Anrich. (Chewrah-Jubiläum) Kürzlich konnte
die hier im Dienste sozialer Nächstenliebe stehende Chewrah
Gemillus Chasodim die Feier ihres vierzigjährigen Be¬
stehens begehen. Einer ernsten Gedenkfeier auf dem Fried¬
hof. wo Lehrer Moses der Gründer des Vereins gedachte
nnd zur Nacheiferung ihres Verhaltens aufforderte, folgte
.ein Festaottesdienst. in dessen Mittelpunkt die Gedenkrede
des Lanorabbiners Dr. Blum-Emden, stand. Bei der später
abgehaltenen Jubiläumsfeier kamen auch Spiel und Tanz
zu ihrem Rechte. Frau Emmy Wolfs hatte ein Festspiel ver¬
faßt. das auf den Charakter des Tages Bezug nahm und die
verdienstvolle Tat der Gründer des Vereins feierte.
Berlin. (R elchsverband und Deutsch-Israe¬
litischer Gemeindebuud.l Am 27. Januar 1627 trat
der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes
zü einer Sitzung zusammen, an der die folgenden Herren
tetlnahmen: Prof. Sobernheim. als Vorsitzender. Prof.
Apt, Kommerzienrat Berliner-Hannover. Emil Cohn. Dr.
Freund, Geheimrat Goldfeld-Breslau. Rechtsauwalt Kollen-
scher, Dr. Alfred Levv-Hamburg. Justizrat Lilienthal. Justiz¬
rat Makower. Sanitätsrat Dr. Nawratzki. Justizrat Salo-
mon» Rabbiner Dr Salomonski, Dr. Sandler, Geheimrat
Julius Stern. Prof. Dr. Schaefer, Prof. Dr. Türk, und
E. Waldstein-Breslau.
Gegenstand der Beratung war. zu der Frage des „Reichs¬
verbandes der deutschen Juden", insbesondere zu der durch
die Ablehnung der Dachverbandsvorlage seitens des Preu¬
ßischen Landesverbandes geschaffenen neuen Situation
Stellung zu nehmen.
Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes
hat sich während der letzten Monate zurückgehalten, um nicht
den Versuch der Schaffung eines Dachverbandes, wie er von
anderer Seite über die Landesverbände zu gründen beab¬
sichtigt war. zu stören und dadurch Verwirrung in das
deutsche Judentum zu tragen. Nachdem dieser Weg durch
di« einstimmige Ablehnung sich als ungangbar erwiesen hat,
hat der Ausschuß es für notwendig gehalten, nunmehr end¬
lich die Beschlüsse des XV. Gemeindetages vom 23. Januar
1621 zur Durchführung zu bringen. Die mehrstündige Aus¬
sprache in der Sitzung des Ausschusses hatte das Ergebnis,
daß der folgende Antrag Freund angenommen wurde:
„Die Ueberleitungs-Kommission des Deutsch-Israelitischen
Gemeindebundes wird beauftragt:
1. Mit den Landesverbänden in Verbindung zu treten
wegen der in 8 2 Absatz 2 letzter Satz der Verfassung
vom 23. Januar 1921 vorbehaltenen Vereinbarung.
2. Die Ueberleitungs-Kommission wird ermächtigt, den Ge¬
meindetag einzuberusen.'
Zu betonen ist. daß die Beschlüsse e i u st i m m i g gefaßt
wurden.
Für die in der Zwischenzeit durch Todesfälle frei ge¬
wordenen Plätze im Ausschuß wurden hinzugemählt die
Herren: Justizrat Dr. Brodnitz, Eugen Caspary und Rechts¬
anwalt Dr. Jsi Kahn-Jaffa.
(Der oben angeführte Satz der Verfassung vom
28. Januar 1621 lautet: Mitglied des Bundes kann auch eine
Bereiniaung von Gemeinden sein, wenn sie die Rechtsstellung
' 1! Ühet öffentlichen Körperschaft besitzt. In diesem Falle
.werden sowohl die Rechte (8 20. Ziffer 1). als auch die
'Pflichten (§ 4b) der der Vereinigung angeschlossenen Ge¬
meinden ausschließlich von der Vereinigung ausgeübt. In¬
soweit eine derartige Bereinigung von Gemeinden die Ge-
famtvertretung der Gemeinden eines Landes bezweckt, und
die überwiegende Zahl der Gemeinden des Landes umfaßt
(Landesverband), bleibt die Regelung des Verhältnisses
zwischen Bund und Landesverband der Vereinbarung Vor¬
behalten.)
Berlin. Aus der Zentralwohlfahrtsstelle.)
Der geschäftsführende Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle
der deutschen Juden hat den Obermagistratsrat im Landes-
wohlfahrts- und Jugendamt Berlin. Herrn Dr. Friedrich
Ollewdorf. zum Geschäftsführer gewählt. Der Amtsantritt
wird am 15. Februar erfolgen.
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2. Vellage
4. Februar 1927
Berlin., (Schon wieder Synagogeneinbruch.)
Von Einbrechern wurde die Synagoge in der Prinzenallee
heimgesucht, die an einem großen Garten grenzt. Von
diesem Garten aus öffneten die Verbrecher mit Dietrichen
und Bletstreifen die Sicherheitsschlösser der Hintertür.
Merkwürdig ist, daß sie das ganze Silberzeug liegen ließen.
Sie stahlen nur gestickte Talare der Rabbiner, gestickte
schwere Setdenvorhänge und die Gebetsriemen, immerhin
noch für 3200 Mark. Bon woher die Verbrecher in den
Garten hereingekommen sind, ließ sich nicht feststellen. Ge¬
sehen oder gehört hat sie niemand. Mitteilungen zur Auf¬
klärung an Kriminalkommissar Trettin, Dienststelle L 3 im
Polizeipräsidium.
Berlin. (Vom Preußischen Landesverband).
Wie wir hören, wird der Verbandstag des Preußischen
Landesverbandes jüdischer Gemeinden für Sonntag, den
27. März dieses Jahres, und folgende Tage einberusen
werden. Den Beratungen dürfte eine besondere Bedeutung
dadurch zukommen, daß aus ihm definitive Beschlüsse für die
preußische Judengesetzgebung gefaßt werden dürften. Es ist
anzunehmen, daß das endgültige Gesetz von den Beschlüssen
des Preußischen Landesverbandes wesentlich beeinflußt wird.
Wie wir aus der liberalen Fraktion des Preußischen
Landesverbandes jüdischer Gemeinden hören, sind als Stell¬
vertreter der von der Berbandsversammlung gewählten
liberalen Ratsmitglieder benannt worden: Justizrat Soldin-
Schneidemühl und Oberkantor Zivi-Elberfeld.
Der große Rat des Preußischen Landesverbandes trat
am Sonntag, den 30. Januar, zu einer Sitzung zusammen.
Der Voranschlag für 1627 wurde beraten und an die Hans-
haltskommtssion überwiesen. Bezüglich der Jrcme der
Reichsorganisation wurde beschlossen, mit dem Deutsch-
Israelitischen Gemeindebunö zu verhandeln, ob und in wel¬
cher Weise die süddeutschen Bedenken gegen eine Regelung
durch den DJGB. beseitigt werden können. Ferner wurde
die Einberufung einer Konferenz aller jüdischen Organisa¬
tionen beschlossen, die über die Fragen der Austritte
Taufen und Mischehen beraten soll.
Außerdem wurde eine große Zahl kleinerer Vorlagen
erledigt. Für die technische Herstellung des Manuskripts
und die Honorierung der Uebersetzungen für das liberale
Einheitsgebetbuch wurden 1500 Mark bewilligt. Der Rechts¬
ausschuß wurde beauftragt, bis zum nächsten Berbandötag
eine Gesamtrevision der Verfassung des Verbandes vorzu¬
bereiten. Die auf Vorschlag der Liberalen vom letzten Ver-
bandtstag angenommene Resolution bezüglich der Einbürge¬
rungspraxis Staatenloser wurde der Dezernentenkonferenz
überwiesen. Für den Schutz der jüdischen Altertümer, dessen
Berücksichtigung dem Landesverband entsprechend einem
Antrag des liberalen Abgeordneten Rabbiner Dr. Kober
aufgegeben wurde, wurde eine Kommission eingesetzt. An
die Preußische Regierung soll das Ersuchen gerichtet werden
in das gegenwärtig den Preußischen Landtag vorliegende
Gesetz zum Schutze der Kunstdeukmäler eine die jüdischen
Interessen berücksichtigende Bestimmung aufzunehmen. Zur
Bearbeitung des liberalen Antrages wegen seelsorgerischer
Tätigkeit in den Irrenanstalten wurde die Zentralwohi-
fahrtsstelle um Ueberlassung von statistischem Material über
Zahl und Verteilung der jüdischen Geisteskranken ersucht.
Berlin. (Jubiläum der Ge m e i n d e b ib l i o the k).
Die im Jahre 1902 eröffnete Bibliothek der jüdischen Ge¬
meinde kann am 3. Februar dieses Jahres aus ein
23jähriges Bestehen zurückblicker^ Unter Leitun-g des Ober-
bibliothekars Dr. Moritz Ster» hat sie einen großen Aus-
schwuna genommen und reichen Segen gestiftet: sie umfaßt
jetzt über 50000 Druckschriften, die über jüdische Vergangen¬
heit und Gegenwart belehren, darunter viele von großer
Seltenheit. Als besonderes Verdienst ist der Bibliotheks¬
verwaltung anznrechnen. daß sie nickt nur nach ganz Deutsch¬
land, sondern auch ins Ausland Bücher verleiht und so der
Gesamtwiffenschaft dient. Mit der Bibliothek ist eine reich-
Führt der liberalen Vereinigung
neue Mitglieder zu!
haltige Handschriftenabteilung verbunden, die besonders für
die Erforschung der jüdischen Geschichte wertvolle Manu¬
skripte. Akten, Briese usw. enthält. Neben der Bibliothek
befindet sich unter gleicher Leitung die bekannte Kunst¬
sammlung der jüdischen Gemeinde, ein kleines jüdisches
Museum, das, ans einer Stiftung des Dresdener Sammlers
Albert Wolf erwachsen. 1617 eröffnet wurde und seitdem
eine überraschende Entwicklung genommen hat. Die zur
Verfügung stehenden Räume sind längst zu eng geworden, so
daß die Gemeindeverwaltung eine Erweiterung beschlossen
hat. Während die Bibliothek täglich vormittags und nach¬
mittags geöffnet ist. «kann me Kunstsammlung nur an den
Sonntagen allgemein besichtigt werden. Doch werden die
Musealgegenstände, namentlich die Bilder und Zeichnungen,
den Interessenten auch an den anderen Wochentagen im
großen Lesesaal der Bibliothek, der mit einer Handbiblio¬
thek. vielen Zeitungen und 32 Sitzen ausgestattet ist. auf
Wunsch zur Verfügung gestellt. Seit dem Jahre 1920 ist tat
die Bibliothek der Oranienburger Straße
(Hauptbtbliothek) eine F i l i a l b i b l io t h e k in der
Fasanen st ratze angegliedert, die den Bewohnern des
Westens zugute kommt und sich gleichfalls gedeihlich ent¬
wickelt hat. Im Bücherbestände werden dort über 11 WO
Bände gezählt. Einen besonderen Wert hat diese Filiale
durch ihre vielen ausländischen Zeitungen, die im Lesesaal,
neben einer kleinen Handbibliothek, eifrig gelesen werden.
Nun ist die jüdische Gemeinde darangegangen» auch i» den
Vororten Berlins Ziveigbibliotheken einzurichten.
Im Laufe des Januar wurden solche in Pankow.und
Neukölln eröffnet. Oberbibliothekar Dr. Stern übergab
im Aufträge des Gemeindevorstandes diese dritte und vierte
Bibliothek der Obhut der dortigen Religionsvereine und
sprach die Erwartung aus, daß diese Büchersammlungen rege
benutzt werden und gleich den bisherigen Bibliotheken
Kenntnis des Judentums verbreiten möchten.
Es ist zu hoffen, daß auch in den anderen Vororten solche
Zweigbibliolheken bald entstehen.
Gemeindevorstand und Repräsentantenversammlung
haben im Verein mit der Bibliothekskommission und Herrn
Oberbibliothekar Dr. Stern das Bibliothekswesen mächtig
gefördert. Neben den Synagogen und Schulen gehört die
Hauptbibliothek mit ihrer Handschriftenabteilung, ihrer
Kunstsammlung und den drei anderen Bibliotheken zu den
segensreichsten Instituten der Gemeinde.
Berlin. (Silberhochzeit). In vergangener Woche
beging Sanitätsrat Dr. Alfred Peyser mit seiner verehrten
Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Wir wünschen den
verehrten Jubilaren auch an dieser Stelle von Herzen eine
glückliche Zukunft.
Berlin. (Jüdisch-wissenschaftliches Archiv.)
Nicht viele von denen, die Interesse an der Wissenschaft des
Judentums haben oder sich aktiv an dieser beteiligen, wer¬
den wissen, daß in den Räumen des Deutsch-israelitischen
Gemeindebundes (Steglitzer Str. 9. Amt Nollendorf 2388)
seit längerer Zeit sich ein vom Verbände der Deutschen
Juden geschaffenes. und von dem Verein für Schriften über
jüdische Religion mit Unterstützung des Preußischen Landes¬
verbandes jüdischer Gemeinden weitergeführtes Archiv be¬
findet, das ein reichhaltiges und sorgfältig gewähltes Mate¬
rial an wissenschaftlichen Informationen und Anweisungen
zur Orientierung in allem, was zum Lehrgehalt des Juden¬
tums gehört (wie beispielsweise „die Grundlagen der jüdi¬
schen Ethik", „die Lehre von Gott" usw.), in sich enthält.
Dieses, nach einem einheitlichen Plane geordnete Archiv,
faßt in fick eine Fülle von entsprechenden Auszügen svwohl
aus den Schätzen des jüdischen Schrifttums selber als ans
den verschiedensten Werken, die dieses Schrifttum und die
Kultur des Judentums überhaupt zum Gegenstand ihres
Studiums machen. Einem Forscher/ auf dem Gebiete der
Wissenschaft des Judentums, der irgendeine Sonderfrage
auf diesem Gebiete zu behandeln gedenkt und sich nach der
einschlägigen Literatur umsehen möchte, kann das Archiv
sehr wesentliche Dienste leisten, indem es ihm fertigen Stofs
zu seinem Thema bietet und ihm auf diese Weise.die Arbeit
des Heraussuchens des ihn interessierenden Materials ans
diversen Büchern erspart. Das Archiv wirb immer mehr
vervollständigt. Eine zwar nicht sehr große, aber gewählte
Bibliothek steht ihm zur Seite.
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ist leicht, metollos,
elastisch und an¬
schmiegsam.
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fstdieidealeEinlage,
fertig nach Mass
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ist aas bestem Kern-
leder handgewalkt
hergcsiellt.
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bricht nicht, rostet
nicht, hat keine
Reparaturen.
hilft bei Senkfass,
Spreizfuss, Knick-
fass, Plattfuss and
deren Abarten.
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fitefoen..
Sobald Sie
Schmerzen in
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empfinden.,
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