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uSIHMt V*N»ßr«»e.E
Nr. 3.
Es soll auch nicht Zahlen und Leistungen in Ge-
samtsummen ■nngdH' 11 , es soll bie kontrollierbaren
Einzelleistttngen nachzoeisen u׳nd die Be-
beutmui bica* ,uroft Mid her Tätigkeit bei* Juden
für den Staat ins rechte Licht setzen und darauf
bie ben Jnben im Staate .znkonnnende. Stellung
begründen.
Zur vollen Erreichnnsi dieses Zieles soll jede
Knltnsgemeiude sich ein solel>es Ehrenden-kmal
setzen unD die Redaktion sän'tlicher Ausweise
wirb zuerst nach ben Ländern- und daraus wieder
das Gesamtwerl für ga׳n,z Oesterreich zusanmnen-
gestellt. Ein gleicher Vorgang wäre auch für
Deutschland und alle an diesem Weltkrieg betoi-
lsgten Länder zu empfehlen.
Die Zusaininenstellnng e!i,n!es solchen Denk-
»:,als für jede einzelne Gemeinde denke ich mir so:
Ju jeder Gemeinde bildet sich ein Komitc
aus freiwilligen Mitarbeitern, von welchen jeder
eine Cvcftiiir.mto Partie zur sorgfältigen Durchar-
beit übernimmt. Ein gutes Hilfsmittel geben die
Lokalblätter ab, in welchen die Verzeichn,'sse über
alle den Krieg betreffenden Personen und
Leistungen enttzalten sind, undzivar von 1914—
1919. Daraus und auf dem Wege Persönlicher
Erkundung sind die genauen Angaben zu holen:
1. Die Zahl und die Namen der zum Fe-ld-
dunste Einberufenen, der ledigen und r-erbeira-
teteu.
2. Die auf dem Schlachtfelde Gefallenen, le-
digen und verheirateten.
9. Die Verwundeten, gebeilten u>nd invalid
geworbt neu.
4. Die Ausgezeichneten, Titel der Aus,;eich-
mtuacu.
r>. Die Aerzte, ihren Rang und Anszeich-
nun gen.
t>. Frauen und Mädchen, die sich dein Kran-
kendienste freiwillig lvidmeten und deren! Aus-
zeichnnngen.
7. Feldrabbiner, deren Wirkungskreis und
Auszeichnung.
8. Die Namen der Zeichner und der gozoich-
nete Betrag für die 9 oder mehr .Kriegsanleihen.
9. Die Schülorna.men und deren in der
Schule gezeichneten Betrage für die Kriegs-
an-leihe. -
10. Die Mitglied erzähl und Beträge und
Spenden für das ״rote Kreuz".
11. T:e Spenden für die verschiedenen Arten
der Kriegsfürsorge, wie Witwen und Wjaisen, er-
blindete Soldaten, Prothesen usw.
12. Die wöchentlichen und monatlichen Bei-
träge zur Versorgung der Armen während der
Kriegszeit, Kofttage für jüd. und nichtsüdiischc
Kinder.
Immer neue Massen drängten durch die
Stadt, bis der Donner weiter gegen Osten Zu
verklang.
Der Jubel des befreiten Volkes erfüllte die
Strafen, lichte Franenkleider u. Blumensträuße
wurden sichtbar, um die Sieger und Befreier zu
grüßen.
An der Spitze seines glänzenden Stabes zog
ein) deutscher General ein-, deutsche und österrei-
-chische Truppen !nahmen Paradeanfstelllmg auf
dem Npnek, -von dessen Häusern die Fahnen
flatterten).
Salz und Brot wurden dein Heerführer ge-
reicht, Kreuz und Tora hielt suiain: ihm entgegen.
Wieder stand. Boris Goldenberg, bei einer
Gruppe 001 : 1 ! Juden, alten und jungen, mit gram-
durchfurchten Zügen.
Wieder bebte er vor Erregung, die Bilder
׳dar letzten Tage zogen in ׳seinem Geiste rasch
vorüber. Wie im Traume sah er «ans das glän-
Lende Schauspiel vor seinen. Angen, hörte Rede
und Antwort. Dann wirbelten die Trommeln
uud die Hörner klangen jubelnd in! den fernen
Donner.
Ein eherner Hymnus brauste über den
weiten Platz.
In einer Ecke stand Boris Goldenberg ent-
blößten Hoinptes, mit der Rechten umschloß er die
Hand e-iinjes Pominer'schen Husaren, die Linke
hielt ein:- Kärnthner Schütze und in die kräftigen
deutschen Stimjinen l)inei>u, klang das dünne Or-
׳gan des poln-iischen Juden:
״Lieb Vaterland magst ruhig sein.
Wir Me wollen Hüter seil»."
19. Die Spenden zur Unterstützung der galt-
zischen Flüchtlinzze.
14. Die von Juden selbständig errichte ton
Wohl fahrtsalt,stal ten.
Die sorgfältige׳ An.sarbeitnng der vorstohen-
de :1 Verzeichlltjse wird das ׳glänzendste und nur-
zerstörbare Denkinal der jüdischen Leistungen in
diesen: Weltkriege für jede e-iinzolue Gelnoinde,
für die Jubeuschaft in jedem Lande und in u-n-
s'orei» großen Daterlande aufstellen. Das soll nicht
etwa ein ans perföntichem Ehrgoigc o-der, wie ge-
wi'sso.Kreise sagen lverdeit, aus jüdischer Nlchm-
redigkeit hervorgehendes Ehrcublatt der Inden
Oesterreichs sein-. Es soll violmehr ein Schutzblatt
seilt, lvie der ehcinaiige Turrnaltar Üm Ostjordan-
land, Iveiin die gewissen Mitbürger, alls deren
Dank wir Juden nicht .Zl! rechnen haben und nie-
1 tt!als rechneten, und denen wir stets nur zur Op-
feNvilligkeit, die opbvaucht wird, gut sind, sagen
werden: ״Das Jordanwasser scheidet uns von
einander", ihr gehört,nicht ,;,u uns, ihr habt
kemen Teil ail den grossen Errn-ngen schäften
des Weltkrieges", b 1 an 1 ׳l, werden lvi!r die u::Wider-
leglicheit Zahlen und Netneilsverzeichnisse her-
vo-rholen tt,nd erwidern: Bringet div Beweise, daß
ihr mehr uud besseres geleistet haibet und wo.vi! 1 l
euere Vorzüge bestanden und -noch bestehen. Diese
Ausweise miiffcn auch dazu- dienen, unsere Stel-
lang und unseren Platz gleichberechtigt nnd nu-
beschränkt in unserem Staatsleben einzunchmen.
Wir Juden müssen -nicht nur in- Kriegszeiiten,
weinini es gilt, wer die lne-isten ׳und größten Opfer
bringt, unterschiiedlose Staiatsbi'lirger sein׳, ichr
müssen es ailch i>n- der FriOde,n!szeit bleiben. Es
darf daher beii! gew!issen Besetz rmgen im Staats-
die'nste d-as Jordanwasser n-icht die unüberschreit-
bare Grenze von- hier und dort bilden. Der cha-
rzakterfeste Jude, der :nicht uni eilw Stück Brot
seine U-eberz-engung, seine Volkszugohörigkeit
verleugnet und preisgibt, darf nticht bei. gleichen
oder gar besse-reu Fähigkeiten, bei ebenso-gewissen-
ha-fter DienstleUtmig •cfifniom leichtfertig wie ein
Modestück die Religion- wechselnden Collegen
aachgesetzt und -Uni seiner Laufbahn geschädigt
werden, we-ül das Jordianwasser e-iiue! Grenz scheide
bildet. Nach dom Frieden wollen wir Juden wie
1 iim Kriege in unseren: Vatcmlande mÄ aiffen an-
d׳eve!n Staatsbürgern, ein -ein-ilg Volk von- Brüdern
sci!v." Dazu diene das große Volksdenkmal der
Judenschaft in Oesterreich und zur Nachahmung
auch in allen anderen Ländern des Weltkrieges.
Weltkrieg und Weltfrieden.
Von Dr. I. Eisenberg.
Dobrisch, im Februar 1916.
(Nachdruck verboten.)
Die Bibel erzählt: Als König Salomo den
Thron seiner Väter bestiegen ha-tte, da erschienen
vor seinem Tribunal zwei Frauen, welche eine
Wohnung gemeinsam -inine hatten und des Mor-
gens eines ihrer Kinder tot i!nr Bette liegen sahen.
Eine Frau behauptete, das lebende Kind,gehöre
ihr und das tote — der Nachbarin, hie es im
Schlafe erdrückt hätte. Die zweite Frau hingegen
brachte das Gegeilteil vor, daiß nämlich das an
ihrer Seite vorgefu! 1 ldell>e tote Kind der Ersten
gehöre, welche es des Nachts gegen ihr lebendes
vertauscht hätte. Der König ließ sich ein Schwert
reichen und traf Anstalten, um das lebende Kind
Zn zerteilen und jeder streitenden Frau je eine
Hälfte zll Übergebell. Sofort schrie die richtige
Mutter-auf: ״O Herr und Gebieter, folge.ihr das
lobende. .Kiud ganz aus und füge ihm kein Leid
zll!" Daran -erkan,n.te sie auch der König als nia-
tnrliche Mutter und sprach ihr das Kind zu, wüh-
r-e-lid ihre Gegn-eri-::., welche es lieber zerteilt ge-
sehen hätte, mit dem toten Kind auf de!n Armen
den HeinNdeg -gutreten mußte." — Diese schlichte
Erzählung dar heiligen Schrift (König 1., Kap.
10, 1—10) hätten die engli-schen Diplomaten be-
herzigen sollen, um soviel Mißgeschick «iim Wjelt-
kriege und soviel Unglück der MensHhoit zu er-
sparen. Um die Selbständigkeit dejs belgjischen
Staates zu retten, entzündeten die Machthaber
der englischen Nativll, der Verehrerin der Bibel,
in! Juli 1914 den WeltLraild, welcher -bereits
neunzehn Monate mvi-t ungeahnter Hetfigksit und
beispielloser Grausamkeit wütet und den Völkern
Europas die blutigsten Wuildcn :zeschlWen l>at.
- Wäre es aber beim Jniselvolke tatsächlich um
die Zukunft Ve-lgiens zu tun gewesen, wäre es als
wirklicher Beschützer der Selbständigkeit des klcii--
neu ^Nachbarstaates ailsgetpeten, so hätte es, gleich
der natürlicheil Mutter i.N der angeführten Er-
zählung, den Ausbruch der StreiWgküilten lieber
verhüten, oder endlich jaden Augenblick die Ge-
legenheit ergreifen müssen, um den Kämpfen -auf
sriedlichqm Wege ein Ende zu!bereiten. Der kün-f-
tilM Oieschichtsfvrscher, welcher,ein abschließendes
Urteil über di!e UrsaHnen und Wirkungen dos
europäischen Krieges zu fällen, -in der Lage sein
wird, wird zur Ueberzen,gu,n!g gelangen, dgß die
Machthaber Englands ,ihrem belgischen Schütz-
ling -einen gar schlechten Dienst -erwiesen u. durch
ihre Politik der Unaufrichti!gRe.i!t daß Unglück
Frankreichs, die DomütiiWUg Rußlands und iln
letzterer Ze!i!t die VeainichtuiNg Serbiens Waus-
beschworen hat. Ter künftige.Geschichtsschreiber
wird die Ueberzeugnug gewinnen, daß England
in den Krieg zog, um eiuen lästigen Konknvren-
ten auf,dem Weltnrarkte zu Wasser und zu Lande
mit Hilfe der russischen Dampfwalze aus dqnr
Wege zu räumen u 11 ׳ib Deutschland -auf die K!ni,e
zu zwingen. Der knnftilge Geschichtsforscher Wird
erkennen, daß bie englischen Machthaber di,e In-
terzessen -ihres Landes denen der kleiUen Staaten
voranstollten, und das Schicksal der kleinen Völ-
kor verschuldeten, welche i-m blinden Dovtrauen ׳in
die Macht u!nd d-ile Weltstellung i,h-ver Gö׳nner sich
für dieselben verbluteten. D>ie russische Dampf-
walze sollte die!deutsche Ku-ltur zertreten, Berlin
und Wien, die R'esidenzen Zeutvaleurvpas be-
setzen und dile europäischen Völker knechten. Allein
gar bald mußten die ungelze-ue-ren Heeressäulen
dos Zaren den schlemr-igsten Rückweg.in ihre Hoi-
m!at antveten, sich der Residenz,chros Herrschers
-nähen: und die schrecklichsten Bovlnstie erleiden.
Aber -anch die -eu-glischfra>nzösischon Truppen-
ko!o,n-nen im Westen mustteir gar bald, statt der
erhofften Siege, die Zerteilung des belgischen
Staatskörpers melden und! ihre R-egieruugen
faßten -den En-tschluß, die- Blockade über Mittel-
-europa zu. Verhängen. Was also -die Waffen uiicht
zu vollbuingen veruwchten, sollte der Hunger er-
zielen. Es ist selbstverständlich, daß diiesjo Maß-
r-egel !die we»itesten Schichten der Bevö-lkernng
treffen und sogar von neutralen Staaten schwer
empfunden werden must. Die bibelfrommen E- 1 :,g-
länder sollten bedenken, dast Deu-t-eronomiwn
/(Kap. 20, 19—20) -es -ausdrücklich als einer
kriegführenden N-atzion uuwürdjig -erklärt, die dem
Feinde gehörenden Fruchtbü>um!e mnzuhauen und
dijo Ernährung seimer Äevolkerintz zu nnterbinden.
Ja, selbst Mohammed enrpfapd eß als Greuel, bei.
Be-la«gerung!einer Stahlt, die -dem -eingeschossenen
Gegner gehörenden Datt-elbäume n>iede!rzu.l!e!ge-n-.
U-n!d wein-n- er einn^ail anläßlich der Belagerung
׳eiiner jüdischen Festung zuerst ihre Dattel-
bäume fällte, so koulute er seine Handlungsweise
danrit rechtfertigen, Gott habe ihm -Äs Propheten
eben !manche Konzession ei!n,geräumt, (Ko-mn
Sure 89, Vers 49) die jedoch jepem andeiren Krie-
ger verboten sei. Ob aber auch die. englischen
Diplomaten ihr Vorgehen mit -einer solchen Aus-
rede zrr rechtfertigen vermöchten, erscheint sehr
zw-eifelhast.
(Forts-chuug folgt.)
Also, sprach Herr Cohn.
Es gibt Wohl m-ichts verächtlicheres als seinen
Stanrnr uuib seine Sippe zu verleugnen und zu
beschmutzen. Ein altes Jiargon-Spri-chwort sagt
schon: ״Wer seine Familie beschiinpft, an den: ist
Kein Segen". Dasselbe gilt für Stamm und Volk.
Dieser Krieg gab vielen Gelegenheit, die Maske
abzurei'ßen rmd -ihr wahres Gesicht zu zeigen.
Männer -deutscher Abkunft, hielten sich Nicht -für
zugut, i!n eiüWn Moment, dp ihr Vaterland m
größter Gefahr schwebte, in Erklärungen ihren
vatriotischen Gefühlen für ihr neues Heimatland
durch haßerfüllte Ausfälle gegen Deutschland zu
bekräftigen u,nd zu !beweisen. Und es waren nicht
die schlechteste Namen, die rm-ter den Erklärung
gen standen, n-ei-n Namen, die in, Deutschland
einen guten Klang haben. So Siemens und
Baron v. Schroeder, dje jeder Deutschs vor dem
Krieg stolz zu seinein Volke zählte. Ubi bene, ibt
patria ist der Wahlspruch dieser Herrn gewesen
und sorgsam hüteten sie das Gute, das -ihnen ihre