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Herausgeber : Max Hlckl.
Wien—Brünn.
1. Ißnasr tSIS.
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HaEm und «tzMnifirr^. WH fTgftff# f 1 *\
Buchhändlerische Cetitetunc: vtts Älra«, KG-tz
JüsevM: dsv 6-sMtige ZentrmscsLovrramnS K
Unverlangte redaktionelle Beiträge werLO» nicht yones
. riett. - MaquLkripte« ist Rückporw beizufLgen.
Prag—Lemberg.
Sin wahrhaft jüdisches Blatt, von keiner Partei
abhängig ist die ״Jüdische VolkSstimme",
Westen Herz noch für jüdisches Volkstum schlägt,
wer treu zuyr Glauben seiner Väter hält, wer sich mit
dem großen jüdischen Problem beschäftigt, wer jeder«
-eit orientiert sein will über den Stand der jüdischen
Fragen, abonniert die ״Jüdische. Volks-
stimme"!
Der Leitartikel behandelt ein aktuelles Thema aus
der Woche in prägnanter Form.
Daß Feuilleton bringt Novellen, Skizzen, Erzäh-
lungen, Gedichte usw., aus der Feder talentierter und
bekannter Autoren. Auch junge Kräfte kommen zur
Sprache, denen wir Gelegenheit geben in die große
Öffentlichkeit zu dringen.
Ein buntes Allerlei vereinigt die Berichte über
Theater, Kunst, Gesellschaft usw.
Ferner. erscheinen in jeder NumWr: ^
Interessante Aufsätze vö« heÄoMgenden WKW
zisten.
Literaturverichte hervorragender Kritiker.
Illustrationen, Reproduktionen hervorragender
jüdischer Künstler, Bilder aus dem jüdischen Leben usw.
LergilbteBlätter. Unter dieser Rubrik sollen Do-
kumente über Juden und Judentum aus vergangenen
Tagen der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden.
Unser Nachrichtendienst ist bestens organisiert?
Korrespondenten aus aller Welt berichten über die
Vorgänge der Politik, des Gemeinde-, Vereins- und
gesellschaftlichen Lebens usw.
Frei vom Partei-Fanatismus wird die «Jüdi-
s ch e B o l k S st i m m e" zu allen Fragen Stellung neh-
men, die das Judentum vom nationalen, religiösen und
wirtschaftlichen Standpunkte betreffen, aber auch zu
allen großen Fragen des Tages.
In der' ״Jüdischen Volks stimme" soll
fremhen Anschauungen Raum gegeben werden, sofern
sie gut und ernst gemeint find. י
Die ״Jüdische Volk Sstimme" ist ein Spie-
gelbild deS jüdischen Lebens!
Wer die «Jüdische Volksstimme" abon-'
niert, bleibt im ständigen Konitakt mit dem jüdischen
Volke.
Die Jugend, das Alter, der jüdische BaLtt, die jfe
dische׳ Hausfrau finden einen treuen Freund an fiet
״Jüdischen-Volks stimmet
Die ״Jüdische Bolksstimme" ist ei«
Helfer der Bedrückten, SH ü tz e r d et -
Schwachen, eine Tribüne für Jeder-
mann!
M. Scherlag.
Gegen die Getaufte»!!
In dieser schicksalsschweren Zeit, einer der schwer-
sten Zeiten, die wir Juden durchmachen, erleben wir
das Beschämende und empörende, daß sich Juden fin-
den, die ihren Brüdern in den Rücken fallen oder dem
jüdischen Volke den Rücken kehren. *
Leibliches Wohl,rwenn fie lesen,
daß irgend" ein ^
absichtliche Zurücksetzung Bei der Beeidigung von Be-
amten begeht. Was? Sollen die Juden wirklich vorn
Staatsdienst ausgeschlossen werden, flüstern die bleichen
Nochjuden. Als ob sie es bisher gar so gut gehabt und
die besten Staatsstellen besetzt hätten! Wer ist schuld
daran, rufen sie. Die Nationaljuden, selbstverständlich.
Als ob die Wolf, Teufel und Kemetter auch ohne die
Existenz des jüdischen Nationalrates dieses Kunststück
mit dem Nichtbeeidigen von Juden zuwege zu bringen
nicht versucht hätten. Daß im Gegenteil gerade der jü-
dische Nationalrat manches Unheil verhindert hat, wol-
len die um ihre Weide^ zitternden Juden nicht einse-
hen. Und was tun sie in ihrer Einsichtslosigkeit? Sie
protestieren gegen den jüdischen Nationalrat und dro-
hen mit der Taufe. Jawohl. In dem frechen verlogenen
Aufruf verweisen die bemittelten und betitelten Jude«
auf Pas einigende׳ Band der mosaischen Konfession und
im geheimen wülen ihre Spießgesellen und Kiebihe und
reden das Wort der Taufe. Fahnenflucht in dieser ZeH
wo wir rings' bedroht werden, ist bequem und ach, so
. stied^trächtig. Was find has für Menschen, dir bei deL
Lektüre üSerdie -Pogrome zum Pfarrer oder Pastop
' laüfej? Md fich taufen? 'IStünt MüischM?ihüdern Re-
chenmaschinencherzlofe Egoisten, Feiglinge. Ferne bleibt
mir, auch nur einen der bedeutenden Männer, die' den
famosen Aufruf unterschrieben haben, zu verdächtigen,
aber die Kreise, die ihnen nahestehen, sind mehr als je
verseucht. Plötzlich mehren sich erschrecklich die Aus-
tritte aus dem Judentum. Die Schlauen. Erst jetzt ha-
ben sie ihr Herz fürs Christentum entdeckt.
Aber die Wolf und Teufel werden dem Massen-
haften Zustrom der maskierten fremdrassigen Schlei-
cher zur Krippe des Staatsdienstes bald einen Damm
setzen müssen. Sie sind ja nicht mit Blindheit geschla-
gen, die Herren Antisemiten. Stoßen fie den Juden
durch die eine Türe hinaus, so kriecht er als Getaufter
zur anderen Türe herein. Wenigstens versucht er ein-
Feuilleton.
Menachem Frostig.
Lemberg.
Trotz der Depression, die sich eines Jeden bemäch-
tigt, und der schwarztristen Stimmung in der man
getaucht ist, kann man sich, wenn man die polnischen
offiziellen Enunziationen liest, eines Lächeln nicht ex-
wehren.. Das Herz blutet, die Seele krümmt sich — und
man lacht . . .
Seit jeher waren die Polen im Prozentrechnen un-
gemein gewandt, aber diesmal haben sie ihren Meister
gestellt. «Bis nun gelang es", heißt es in einem fvlchen
Bericht, 1600״ Pogromverdächtige dingfest zu machen.
Davon find 60 Proz. Ruthenen, 40 Prozent Polen
und 10 Prozent Juden".
Verdient etwa nicht diese Aufstellung verewigt zu
werden? . . .
Bon den in Lemberg verhafteten Kanibalen, waren
eS genau 160 Juden die ihre Brüder gemordet, ihre
Schwestern geschändet, ihre Gotteshäuser gebrand-
schätzt und ihre Thorarollen, jenes Reliquium, für wel-
cheS die Juden immer und allerorts freiwillig in den
Tod gegangen sind, profaniert haben . . . Genau 160
Juden!
Juden — deren angeborene Abscheu und Eckel vor
Blut, ein Folge der höheren ethischen Konstitution
ihres Charakters ist, wie es Popper-Lhnkeus behaup-
tet; Juden — von deren Füreinander- und Zusammen-
halten soviel herumgefabelt wird, dieselben Juden
also, waren Mrtfeierer der bestialischen Orgien, waren
Trunkene einer blutigen Bachchanale, haben daS Lem-
berger Ghetto -eingeäschert und sich am Anblick des
grausamen Massenmordes und unsäglichen Jammers
geweidet! . . . Fühlen die Verfasser dieser Berichte di.e
absurde Unmöglichkeit, den lächerlichen Unsinn ihrer
Lügen nicht? Wie naiv müssen sie sich die Welt vor-
stellen, wenn sie sie mit solchen blauen Farben abspei-
sen wollen!-
— Und man lächelt! — ein Lachen das Daumen-
schrauben anlegt und ohnmächtige Resignation der-
rät. . . .
Die Veranstalter der Pogrome haben ihre vom
frischen Blute rauchenden Finger zum Himmel empor
und schwören, daß sie unschuldig sind — und Europa
glaubt es ihnen und schweigt. Selbst der aus Erden
horumgehende Gott der Gerechtigkeit scheint ihnen
glauben zu wollen. Wenigstens schweigt er. . . Die
Polen sind die Stärkeren. Das Morden ist auch ihr
gutes Recht. . . .
Und warum wollen sie sogar die Majestät des To-
des nicht achten und die unschuldig hingeschlachteten
Märtyrer, um wenigstens die- Zurückgebliebenen nicht
zu begeifern und sie öffentlich nicht zu beflecken?
Warum durch unnütze Brutalität die seelischen Qua-
len noch vergrößern? Warum, weil wir die Schwäche-
ren sind? weil wir Verlassene, Herumirrende, Macht-
lose sind? . . .
Und ein seelisches Weh, daS man physisch fühlt, er-
greift von unserem Inneren Besitz. Ach, wie schmerzt
das Gefühl der Ohnmacht! . . .
Seit jenen traurigen Septembertagen hat sich ein
Gedanke in mein Gehirn eingefressen und seit damals
komme ich nicht zur Ruhe. Wie bei TituS, der talmud.
Sopa nach, hämmert es bei mir im Kopfe . . . Immer!
wieder, wie wenn einer schweren und fremden Macht,
irgend einer «vis occubta", gezwungen, fange ich den
einen Gedanken, der- sich meiner bemächtigte und der
bei mir zu einer Art Idee fix ausartete, immer vom
Neuen an, ohne in der Lage zu sein, ihn bis zu Ende
bis zu seinen letzten Konsequenzen ausdenken zu kön»
nen. Ich möchte nur wissen, was der letzte, aber wirklich
der letzte Gedanke eines in der brennenden Synagoge
sich befindenden Unglücklichen, gewesen ist . . .
Also: Die Türe wird verrammelt. Von draußen
hört man ein wildes Johlen und Schreien, ein brausen-
des Gehen und Kommen, ein schauriges Durcheinander!
Und da wird plötzlich Rauch verspürt, dicker stickender,
würgender Rauch. Plötzlich wird man auch der roten
Flammen gewahr. Wie ein Blitz fahrt- eS nun durch
das Gehirn desjenigen, dessen letzten Gedankengang ich
verfolgen will: «Die Schul brennt! Angezündet!" —
und nun will er sich retten. Schnell, im Himmelswillen,
sonst wird er wie eine Henne gebraten...
Aber schon schlagen von allen Seiten die Flammen
empor, die furchtbare Glut wird unerträglich und der
schwarze Rauch beißt sich in die Augen ein, packt bet
der Kehle und würgt, und würgt, und würgt. . .
Ihm wird furchtbar kalt, in diesem Feuermeer
stehend . . . Das Schreien und jämmerliche Hilferufen
betäubt ihn ... Immer größer wird der Haufen der
rauchenden Toten die ihm den Weg zur Türe verram»
meln. Diese Herzlosen! Warum haben sie ihm nicht
oorgelaffen? Er hätte sich doch bestimmt gerettet . . .
Und immer näher rückt das Ungeheuer an ihn her-
an ... er zappelt, schlägt mit den Händen und Füßen,
seine Augen Wollen aus ihren Höhlen springen . .. eS
Utrbrtittt «e «Winde Oollnrtimme".