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zu alle» Aenrtern zug klaffen und in England selbst
sei kürzlich ein Jude zum Aldermaun der City er¬
wählt worden. Wer möchte es wagen, den Pro¬
phezeihungen ein Ziel zu stecken und zu behaupten,
daß der göttliche Wille es gestatte, einen Juden
zum Aldermaun zu machen, aber nicht zu einem
Paplamentsmitgliede! Wie sehr übrigens das Vor-
urtheil geschwunden sei, beweise eben jene von
7000 Wählern ausgegangene Wahl. Schließlich
forderte er das Haus im Namen der Constitution
auf, die letzte Spur barbarischer Vorurtheile zu be¬
seitigen und beschwor dasselbe im Namen der Frei¬
heit, der Gerechtigkeit und der Religion, die eine
Religion der Liebe und des allgemeinen Wohl¬
wollens sei, seinen Antrag zu genehmigen. Nach¬
dem sich der edle Lord unter großem Beifall gesetzt
batte, erhob sich Sir Robert Jnglis und erklärte,
deu Antrag aus allen Kräften bekämpfen zu wollen,
der in der Staats - Gesellschaft eine große Beun-
rlebLgung erzeugt habe. Er wundere sich, daß eine
so wichtige Frage nicht in der Thronrede angedeutet
sei. Es handle sich hier um eine Frage zwischen
Juden und Nichtjudcn, gegen welche man durck Ver¬
weigerung politischer Rechte keine Ungerechtigkeit be-
degche,da sie kraft unserer ihrem innersten Wesen nach
christlichen Verfassung niemals solche Rechte besessen
hätte. Es sei aber Pflicht der Negierung und des
Parlaments, an jenem konstitutionellen Prinzip
sestzuhalten.
Den 17. December. Nach einer längeren De¬
batte im Unterhause, in welcher die Herren Glad-
stone und Israeli den Antrag des Lord Ruffel am
meisten unterstützten, wurde der ministerielle Antrag
auf heute vertagt.
Den 18. Nach einer längern Debatte des Lord
I. Ruffel, wurde sein Antrag mit253 gegen 186 St.
angenommen und die zweite Vorlesung der Bill auf
den 7. Februar festgesetzt. -
Der Gemeinderath von London hat beschlossen,
Bittschriften bei beiden Häusern des Parlaments
einzureichen, alle bürgerlichen Unfähigkeiten der Ju¬
den beseitigen zu wolle». Der neue israelitische
Aldermaun, Hr. SalomonS, ein höchst gemeinnütziger
in allgemeiner Achtung stehender Kaufmann, war
bei der Verhandlung zugegen. (H. C )
Hamburg. Die gesammte jüdische Reform-
Presse hatte vor einiger Zeit der Denunciation
eines hiesigen, jungen, jüdischen Arztes gedacht, nach
deren Inhalt ein hoher Senat auf die Schädlichkeit
der Mezizah aufmerksam gemacht, gebeten wurde,
selbige von Obrigkeits wegen zu verbieten. Ohne
auf den wahren Grund dieser sogenannten Meziza-
Agitation näher eiuzugehen, die theologischer Seits,
mit einige» wenigen Ausnahmen als ein Product
moderner Neologie bezeichnet werden muß, medici-
uischer Seits vorzüglich jüngeren, unbeschäftigten
Aerzten ein neneS ergiebiges Erwerbs-Feld verschaffen
soll, wollen wir den Lesern dieser Blätter nur das
berichten, wie jene Anklage ihren Zweck gänzlich
verfehlt, indem ein hoher Senat nach zuvor einge¬
holtem theologischen und medicinischen Gutachten
dcrj betreffenden Behörden decretirt, wie die in Rede
stehende Mezizah wol als ein jüdisch religiöses
Gebot, aber nicht als schädlich anzusehen sei, wes¬
halb denn auch zwar Niemand gezwungen werden
solle, die Mezizah an seinem Kinde vornehmen lassen
zu müssen — sämmtliclre praktisircnde L'Zrnv Ham¬
burgs kndeß haben erklärt, wie es ihrem religiösen
Bewußtsein widerstrebe, ein Beschneidung ohne
Mezizah vorzunehmen — aber ebensowenig dieser Act
Zn verbieten sei, und nach wie vor in seinem vollen
Umfange gehandhäbt werden dürfe. Das betreffende
Decret werden wir nächstens mitzutheilcn nicht an¬
stehend
Briefwechsel.
A. H. in P. Hoffentlich wird Ihnen jetzt bereits 3br Jrrthurn zu Geffchte gekommen fein; das Diesmalige,nächsten-
nnd gerne Teueres. — Se—jo. War mir beides lieb. Ihrem Rabbjnen außerdem noch Dank. — e—e. Wir würden da-
Pro.uvd Me« — S A. in W Gerne erwartet; im klebrigen nichts erfahren. — fflni.
Erhält«. — Ich bin dringend veranlaßt worden, mich an Siö ;u wenden. Aber wie? Sollte es vielleicht unter
siogirter Lddreffe uod Postrestant dort möglich fein? Antworten Sie gefälligst.
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"Verlag: Herold'sche Buchhandlung «.Hamburg. Druck: Gebrüder B onn in Altona.