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Rabbinerwelt einen Geiger, Holdheim, Herzfeld,
Einhorn rc. rc. nicht kennt. — Dagegen hat die
verweigerte Emanzipation nicht verhindert, daß
Reform-Vereine entstanden, eine Genossenschaft sich
gebildet, Rabbiner-Versammlungen das Iudentkum
blasphamirt haben, Knaben unbeschnitten geblie¬
ben rc. rc.
Bis setzt hat die Neologie an den Ufern der
Spree, der Oder und des Mains mehr Boden,
allerdings unterhölten gefunden, als an denen der
Themse, des A und der Seine.
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Aus dem Ales.
Der geistreiche Verfasser der I^ettres provin-
eiales, Pascal, sagte einst unmuthsvoll: „Lieber
Gott, Du hast die Menschen nach Deinem Ebenbild
geschaffen, sie haben Dir es treulich vergolten : denn
sie schaffen auch Dich nach ihrer Ähnlichkeit!" Dieser
birtere Witz will zu Szegcdin in Ungarn jedoch nur
zum Theil zur Wahrheit wer.den. Denn also las
man in No. 10 des ..Orients" im v. I.
Herr Rabbiner Pillitz verfertigte einen t>4v4b
v'vn-r. Ist aber dieser von dem ci-dcvaut Rabbiner,
Herrn Pillitz verfertigte 4b wirklich c-woi b4», so hat
er, der Verfasser, ihn nicht nach seiner Aehnlich-
keit geschaffen; denn eine vom Herrn P. im Jahre
1811 herausgegebene Schrift „der Talmud", geht
mit dem Talmud sehr unbarmherzig um.
Wir haben es hier aber nicht mir Herrn P..
sondern mit dem Einsender des erwähnten Artikels
zu thun, der ein hebräisches Gedicht, nach Art der
päbstlichen Bullen, nach den Anfangswörtern be¬
nannt, was im vorliegenden Fall gar zu ungeschickt
klingt.
Aber selbst dies wäre nicht des Erwähnens
werth, wenn wir nicht wüßten, daß, hätte ein Corre-
spondent des Z.-W. solch' eines Schnitzers sich
zu Schulden kommen lassen, selbst die Sterne
gegen ihn gestritten hätten"; von der russischen
Gränze hätte man sich schreiben lassen, „er wolle
fremde Götter, einführen und von der Provinz
Posen aus, wäre ein Weh' über ihn hereingebrochen.
Jndeß wollen wir uns hüten, ungeachtet wir
uns vor den Sternen nicht niederwersen den An¬
griff von der russischen Gränze nicht fürchten,
und von einem unbekannten Weh' unS nicht in die
Enge treiben lassen, je einen Satz zu schreiben, der
so eine böswillige Deutung zuläßr. oipv bK
Äaden.
Gailrngen. Der Bezirkscabbiner Löwenstein
hat für die Synagogen seines Bezirkes, folgendes,
für die Zeitereignisse berechnetes Gebet verfaßt.
Gebet.
Allvater! in unserer Bedrängniß rufen wir
Dich an; es steigt unser Gebet zu Deinem heiligen
Throne. Wie anders könnte sich in der gegenwär¬
tigen, ereignißvollen Zeit unser Gemüth beruhigen,
als durch das Erheben zu Dir, der Du nahe bist
Allen, welche Dich in Wahrheit anrufen ! Auf Dich,
o Lenker der Schicksale, richtet sich unser Blick;
bei Dir, Allgütiger, bei Dir allein suchen wir
Schutz und Zuflucht, Trost und Stärkung, Hülfe
und Heil. Verbirg doch Dein Antlitz nicht vor uns,
zur Zeit der Noch neige uns Dein Ohr; wenn
wir rufen, höre uns bald. —
Deine Weltregierung hat große Ereignisse her¬
vorgerufen ; Deine Gerichte sind zur Erde gekommen.
Welcher Sterbliche durchschauet Deinen großen
Plan? Wer durchdringt das Geheimniß Deines
Rathschlusses? Mit Bangen und Zagen wenden wir
uns nun an Dich, Allweiser, und senden unser hei¬
ßes Gebet um eine wohlthätige Lenkung der Dinge
zur Wohnung Deiner Herrlichkeit.
Laß' es genug sein, o Herr! des Menschen¬
blutes, welches in de» Tagen des Verhängnisses
geflossen. Laß' es genug sein der Störung der
Ordnung, des Schrankens der Gesetze, welche an
verschiedenen Theilen des Erdkreises hervorgetreten.
Gib doch jedem Bewohner der Erde in den
Sin», daß die menschliche Gesellschaft nur bestehen
könne, durch Ordnung und Gesetz; daß Du den
Erdball nicht in eine Einöde umgewandelr haben
willst; daß die Menschen nicht wie die Fische des
Meeres sich einander verschlingen sollen. —
Wie Wasserbäche ist ja das Herz eines Re¬
genten in Deiner Hand, v Ewiger, wohin Du willst,
leitest Du es. Nun, so leite doch, Allbarmherziger,
die Herzen der Fürsten zum Heile der Völker und