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JÜDISCHE PRESSE
scheidet, vermehrt sehen. Der englische Nationalstolz müßte
auch einen Trost in der Idee des Erewraw finden, das sich
in den reinen Geist der geistigen Kinder der Bne Israel ge¬
mischt hat.
Irgend ein Witzblatt hat einmal eine Karrikatur gebracht,
wo der Engländer dem Eingeborenen die Bibel zeigt und dabei
dem vertieft Lesenden aus der Tasche Elfenbein und Gold
zieht. Das ist unverdiente Verleumdung; Verquickung zweier
entgegengesetzter Elemente des englischen Volkscharakters.
Ein Anderer ist der, dem die edle Begeisterung für das G-ttes-
buch Sporn war, die Heimat zu verlassen, den Schrecken
Afrikas und Asiens zu trotzen, sein Leben daran zu setzen,
G-ttes Wort in das Herz der Heiden einzupflanzen und ein
anderes Element, das von der Peitsche der Habgier gejagt,
dem naiven Naturkinde seine Kostbarkeiten für Branntwein
entlockt, sich mit List seines Bodens bemächtigt hat und un¬
schuldige, wehrlose Menschenkinder um ihrer Freiheit willen
leiden ließ.
Wir sind keine Feinde Englands, wie es gewisse Kreise
gerne darstellen wollen, weil wir dem' scrap of paper der
Balfour-Deklaration nicht die Bedeutung des Cyrus-Manifestes
beilegen wollen. Wir erkennen vielmehr dankbar an, daß die
Verbreitung der Bibel bei allen Völkern der Welt durch g-ttes-
hegeisterte wahre Engländer eine höhere Gewähr für die An¬
erkennung unseres Rechtes auf den Boden unserer Ahnen
bildet (wenn wir es auch dankend ablehnen, daß die Bibel¬
gesellschaft sich bemüht, Eulen nach Athen zu tragen und
ihre Bibelausgabe unter den Juden zu verbreiten). Die Eng¬
länder haben unser Rechtsdokument, die Bibel, bis in die
dunkelste Welt Afrikas getragen und unseren historischen An¬
spruch ins Bewußtsein aller Volker geprägt. Wir betonen
gerne unsere Wahlverwandtschaft mit den großen Glaubens¬
vorkämpfern, mit den ragenden Humanitätsaposteln, die Eng¬
lands Namen für alle Zeiten groß gemacht haben, wir erkennen
ihnen das Recht zu, sich vom Volke der Bibel abzuleiten.
Wir hoffen aus ganzer Seele, daß ihre Zeit, welche die große
Zeit der Menschheit sein wird, kommen soll, wo sie wieder
die Führung ihrer Nation erlangen werden und sich das eng¬
lische Volk schaudernd von den blutheischenden Götzen ab¬
wenden wird, auf deren gräßlichem Altar Völker von fünf
Weltteilen hingeschlachtet werden und deren Werkzeuge zu
sein sich nicht die Besten unseres Volkes bömühen.
Mit unserer Berufung auf die Bibel ist auch die Gewähr für die
sittliche, für keines der Völker unleidliche Art unserer Land¬
nahme gegeben. Gleich Abraham, der als Anrufer des Namens
des Herrn ins Land kam und von allen Stämmen als „g-tt-
licher Fürst" gefeiert wurde, dessen Gestalt noch heute
im Orient so wundersam lebendig ist und dessen Andenken
uns mit allen Stämmen brüderlich vereinigen könnte, wenn
wir in seinem Namen einziehen werden und seiner würdig
leben wollen. Das wäre der jetzt so gerne betonte dreifache
Faden, der drei g-ttbegeisterte Stämme unzerreißbar um¬
schlingen könnte.
Die iUabrbcit über die zionistisch
Die Araber anerkennen keine zionistische
Organisation.
Während Reuter-Meldungen und offizielle zioni¬
stische Blätter über den günstigen Fortgang
der zionistisch-arabischen Verhandlungen berichten,
veröffentlicht das große hebräische Tageblatt in
Jerusalem „Doar Hajom" („Tagespost") folgendes
Telegramm des Führers der arabischen Delegation
nach Palästina:
„Die (arabische) Delegation fühlte aus dem Ge¬
spräch mit dem Minister für die Kolonien, bei dem
sie zu Mittag geladen war, heraus, daß die Re¬
gierung uns zu einer freundschaftlichen Verständigung
zusammenbringen will. Dem Drängen des Ministers
nachgebend, erklärten wir uns bereit, mit Dr. Weiz-
mann in einer von seinem Vertreter geleiteten Sitzung
zu verhandeln. In dieser Sitzung haben wir es frank
und frei abgelehnt, die Zionisten als eine
Organisation anzuerkennen, mit welcher
wir zu verhandeln haben. Demzufolge hat der
Vorsitzende versprochen eine andere Form zu
finden, welche die Bedenken der Araber zerstreuen
wird und uns die Zukunft des Landes sichert. Wir
erwarten nun diese Form und fahren fort, die öffent¬
liche Meinung aufzuklären. Kasim."
Wir fügen nur hinzu, daß wir ebenfalls die zioni¬
stische Organisation, die durch ihren unverantwort¬
lichen sabbatianischen Rummel das rote Tuch für
die Araber geworden ist, nicht als geeignet halten,
das Interesse des Judentums in Palästina gegenüber
den Arabern zu vertreten.
Die Orthodoxie in der miener
Wir erhalten von achtenswerter Seite folgende Zuschrift:
„Es wird davon gesprochen, daß die Kultusgemeinde unter
dem Drucke der öffentlichen Meinung in der Orthodoxie, die
in Ihrem Artikel „Die Orthodoxie in der Wiener Kultus¬
gemeinde'' endlich zum Worte gekommen ist, bereits über
einige Konzessionen an die Orthodoxie verhandelt, und daß
unsere Kultusvorsteher daran sind, unseren traditionellen
Standpunkt der Selbständigkeit preiszugeben und unsere
Bechora für das Linsengericht einiger Konzcssionen zu ver¬
handeln. Wenn es auch Tatsache würde, daß man der Schiff-
schulgemeinde das eigene Besdin zuerkennen würde, ebenso
auf dem Gebiete des Friedhofswesens- der Mikwa und des
Religionsunterrichtes, so bliebe noch immer der unmögliche
Zustand, daß wir Orthodoxen unsere eigenen Institutionen
gänzlich selbst erhalten müssen und noch für die Erhaltung
anderer uns nicht religiös erscheinender Institutionen Steuer¬
lasten übernehmen, statt umgekehrt, daß jedermann in der
Gemeinde an der Erhaltung des echten traditionellen Juden-
tutnes partizipiert, während die Strenggläubigen weniger dazu
verhalten sein sollten, Institutionen zu unterstützen, die ihren
religiösen Prinzipien zuwiderlaufen und Spital, Altersversor-
gungs- und Siechenhaus auch weiterhin nicht rituell geleitet
würden."
Wir geben dieser Zuschrift, aus welcher ja die ehrlichste
Ueberzeugung spricht, Raum, indem wir hiezu bemerken, daß
wir volles Vertrauen zur Gesinnungstüchtigkeit der orthodoxen
Kultusvorsteher hegen. Wir hören es von verschiedenen Seiten
mit Vergnügen, daß unser Artikel „Die Orthodoxie in der
Wiener Kultusgemeinde" den erwünschten Eindruck hervor¬
gerufen hat. Es gereicht dies nicht so sehr dem Verfasser zur
Ehre als der leitenden Majorität, die loyal genug ist, sich der
Wirkung einer ehrlich vorgetragenen Wahrheit nicht zu ver-
schließen. Wir hoffen daher, wo sich die bewährte Festigkeit
unserer Vertreter und die Loyalität der Majorität zum guten
Klange paart, daß die gerechten Ansprüche der Traditions-
treuen die verdiente Würdigung finden werden.
Es ist nicht das erstemal, daß sich das große zionistische
Aktionskomitee in Wien versammelt; war ja Wien vom Jahre
1897 bis zum Jahre 1904 der Sitz der zionistischen Welt¬
bewegung, und wenn man den Worten alter Zionisten glauben
soll, waren diese sieben Jahre die fetten Jahre des Zionismus,
nach welchen die Jahre des Mißwachses und der Sterilität
gefolgt wären. Das große Aktionskomitee hat schon viel erfolg¬
reicher, aber nicht lärmender getagt. Könnte sich das Wunder
Josuas oder Gedeons bewähren und die Landnahme oder der
Sieg mit Posaunenschall oder Spektakel allein errungen werden,
so wären die Methoden der Herren gerechtfertigt, und von
Niemanden-glänzender zu betätigen als von Stricker und. Ge¬
nossen. So aber dient dieser Lärm um Nichts, nur dazu, den
Arabern neue Waffen in die Hand zu liefern und die Fabel
von der Stärke der zionistischen „Verschwörung" zu fördern.
Das Bild der Verhandlungen ist, selbst wenn man die Münch-
hausiaden der „W. M." als Basis annimmt, ein niederschmettern¬
des. Sie stehen einfach vis-a-vis du rien und ihre einzige ernste
Sorge ist, wie man Geld für den Beamtenapparat aufbringt.
Weizmann.
Er gehört sicherlich nicht zu den Männern, die bei näherer
Bekanntschaft gewinnen. Sein Auftreten in Wien brachte die
tiefste Enttäuschung. Das Wiener Publikum, selbst wenn es
zum größten Teil aus den Naiven des uns so nahen Ostens
besteht, ist in geistigem Belange nicht anspruchslos. Jeder
Student spricht hier besser als Weizmann. Der Wiener Kunst¬
geschmack, der im Wortstile oft zum Kunstgeschmock ge¬
steigert wird, beherrscht auch das einfachste Kaffeehaus¬
gespräch. Die primitive, oft vulgäre Ausdrucks- und Denkweise
Weizmanns erregte daher tiefes Befremden. Dazu kam der
schlechte Eindruck des jargonhaften Akzentes des Redners,
dessen Erscheinung auch absolut den Eindruck
unbedeutenden Menschen macht. Er hat selbst dl
jener getäuscht, die ihn von Kongreßzeiten her i
unbedeutend kannten, aber doch vorausgesetzt habet.» ..^
er mit seinem Amte gewachsen wäre. Er hat sich nur zum
Nachteile verändert. Er ist gealtert und schwächer geworden.
Seine ganze Stärke liegt allem Anscheine nach bloß im Ell¬
bogen.
Auch politisch bedeuteten seine Reden absolut nichts. Am
ersten Abende provoziert er wieder die Araber am zweiten
Abende spricht er in verblüffend vulgärer Weise von
Jenen, die ihm die „Jewish agency" aus „der Hand reißen
wollen" und offeriert sie freibleibend in Verkäufers Wahl „urn
eine Million Pfund Sterling". Denn, sagt er, die Imponderabilien
müssen auch bezahlt werden, das Geschäftsrenommee. Alles
übrige der Rede war gut genug, um in einem Pinsker Chowere
Zionverein in den Jahren 1880 bis 1890 gesprochen zu werden.
Er hat mit seinen schwachen Leistungen als Redner und
Führer eine dankbare Unterfolie für Dr. Chajes geboten, der
neben Weizmann noch beinahe wie ein Staatsmann wirkte.
Daß ihn Chajes geistig weit überragt, ist selbst für Lokal-
patriotou kein Trost für die schwere Enttäuschung, die das
Auftreten des von der Jabotinsky-Presse pneumatisch auf¬
gepumpten Präsidenten gebracht hat. Aber auch die Reden
Dr. Chajes leiden unter dem Umstände, daß er sich in seiner
unreifen, kritiklosen Umgebung nicht an mehr Selbstprüfung
gewöhnen konnte. So feierte er in seiner Meetingrede die
Staatskunst Juda^ Makkabis, der, ohne Diplomatie studiert zu
haben, ein Bündnis mit den Römern geschlossen hatte. Wie
sonderbar! Die Geschichtestattet Juda Makkabi mit allen
Tugenden aus; aber wie im Jozer dargestellt wird, daß alle
großen jüdischen Führer einen Fehler hatten, so beklagt die
Geschichte den großen politischen Fehler Makkabis — sein
Bündnis mit Rom, das den Keim des Cluubans in sich trug.
Dr. Chajes wußte bei der Makkabäerfeier nicht Besseres von
Juda Makkabi zu rühmen, als das was die Geschichte als
seinen schweren Fehler betrauert. Allerdings, er wollte ihn
damit mit — Weizmann verglichen haben, der ebenfalls ein
Bündnis (!) mit England gesucht, hat. (Interessant ist, daß die
Rabbonim schon mit Makkabis Annäherung an Rom un¬
zufrieden waren, und sich demzufolge von ihm zurückgezogen
haben.)
Morris Mover verlangt die sofortige Absetzung Ja-
botinskys. Der Redakteur des Londoner zionistischen Tage¬
blattes „Zeit", selbst ein einflußreicher Zionistenführer, fordert
im Leitartikel seines Blattes in den schärfsten Ausdrücken
die sofortige Absetzung Jabotinskys und dessen gänzliche Ent¬
fernung aus allen zionistischen Acmtern, nachdem Jabotinsky
in Amerika erklärt habe, daß er nicht abdanke, nur der
Kongreß könne ihn absetzen. Meyer nennt Jabotinsky einen
egoistischen Abenteurer, der seine Ambition höher als das
Interesse des Judentums stellt. „Gegen einen solchen Schäd¬
ling," schließt der Artikel, „müssen die strengsten Mittel an¬
gewendet werden."
Die amerikanische Presse gegen Jabotinsky. Das poale-
zionistische Tagblatt in New York „Die Zeit" und das misrachi-
stische „Tagblatt" fordern die Abdankuug Jabotinskys. Trotz¬
dem Jabotinsky der Propaganda naturgemäß schadet, hat ihn
die Exekutive nicht abberufen. Hier scheint ein höchst un¬
rühmliches politisches Geheimnis obzuwalten, das der Exekutive
nicht erlaubt, sich dieses Menschen zu entledigen.
Englische Zionisten verlangen Entfernung Jabotinskys
Die Zentralrat der englischen Zionisten hat in einer Zuschrift
an Sokolow, Weizmann, Chajes und Ussischkin die sofortige
Entfernung Jabotinsky gefordert und verlangt, daß diese
Resolution in der Presse veröffentlich werde. Die „W. M."
verschweigt diese Resolution. Wie die Londoner „Zeit" mit¬
teilt, haben noch andere Landesverbände die gleiche Resolution
gefaßt. Ebenso wird dort mitgeteilt, daß die Angabe Jabotinsky,
als hätte er sich zuerst mit den russischen Zionisten besprochen,
unwahr, sei. (Diese unwahre Behauptung gefährdet die Lage
der Zionisten und Konservativen in Rußland aufs Neue.) Er
habe sich bloß einen Delegierten, der seit Jahren nicht in Ru߬
land wohnt, anvertraut. Das in Wien tagende A—C hat weder
die Forderung der englischen Zionisten auf Veröffentlichung
der Resolution in der Presse erfüllt, noch die Demission Ja¬
botinsky veranlaßt. Es hat vielmehr Jabotinsky aufgefordert,
nach seiner Rückkehr von Amerika Aufklärung zu er¬
teilen und verwahrt sich gegen die Annahme, als ob die
Exekutive bei der Sache Jabotinsky mitverantwortlich sei. Diese
Resolution des A—C steht tief unter dem Meeresspiegel der
in der zivilisierten Welt geltenden politischen Ehre. Das A—C,
an dessen Spitze leider der Oberrabbiner von Wien und ein
Kultusrat steht, macht sich gerade mit dieser Erklärung mit¬
verantwortlich. Es entsteht die Frage, ob die Wiener Kultus¬
gemeinde gestatten darf; daß sie durch ihre Funktionäre in
internationale politische Händel, in Affären militärischer Agenten
hineingerissen werde.
(w^W)
NACHRICHTEN.
Deut$cfto$terreicb.
Der Verein „Jessod Hathora" eröffnet für Bürger¬
schüler einen ganztägigen Kurs in Gemoro tossfos.
Es wird hiebei den Schülern Gelegenheit geboten,
als Privatisten von staatlichen Lehrern die Bürger¬
schule zu absolvieren. Anmeldungen an „Jessod
Hathora", IL, Nestroygasse 11.
Große Spenden für das Badener Waisenhaus der
Aguda. Frau Thumim, eine Schwägerin des Präses
des Kriegswaisenfonds der „Agudas Jisroel" Herrn
J. J. Thumim, spendete anläßlich eines Besuches
im Waisenhause, aus der Verlassenschaft ihres seel.
Mannes Reb Moische Thumim s. z. 1. K 200.000 für
den eisernen Fonds des Badener Kriegswaisenhauses,
wofür an seinem Jahrzeitstage von den Waisen¬
kindern ein Perek Mischnajos und ein Kadisch ge¬
sagt werde. Es ist die erste große Spende als Keren
Kajemes und dürfte bald viel Nachahmungen finden.
Außerdem spendete Frau Thumim zur bevorstehen¬
den Chanukafeier K 1000. — Herr Eduard Deutsch
(Wien) besuchte unser Waisenhaus, interessierte sich
besonders um die Führung, Leitung und Versorgung
der Anstalt und spendete K 5000.
Chanukafeier im Badener Waisenhaus der Aguda.
Am ersten Chanukatage veranstaltete das Waisen¬
haus der Aguda in Baden eine sehr schöne Feier,
die dank dem rührigen Badener Verwaltungskomitee,
mit Herrn Affenkraut und Herrn Smetana an der
Spitze, einen glänzenden Verlauf hatte. Herr Direktor
Friedmann begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste,
insbesonders Herrn Oberrabbiner Reich, die Dele¬
gierten des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel,
die Herren Dr. Joel Pollak, Josef Brody und Alfred
Stroh. Direktor Friedmann hob hervor, in welch
verwahrlostem Zustand die Kinder angekommen
und welch wohltuenden Eindruck sie jetzt machen.
Herr David Daniel leitete mit kurzen Worten die
folgende Festrede des Herrn Oberrabbiner Reich
ein. Rabbiner Reich schilderte mit bewegten Worten
wie sehr es ihm freue, das Gedeihen des Badener
Waisenhauses zu sehen, betonte die Opferwilligkeit
der Aguda, in der Folge gedachte er mit tief emp¬
fundenen Worten der verstorbenen Eltern dieser
armen Waisenkinder. Redner richteta einen warmen
Appell an alle Wohltäter und Gönner des Waisen¬
hauses, auch fernerhin diese Wohltätigkeitsinstitution
durch Geldspenden zu unterstützen. Darauf folgte
das Anzünden der Ghanukalichter, bei welchem ein
zehnjähriger Waisenknabe namens Abraham Reich
die drei Segenssprüche mit sehr schöner Stimme
vortrug und im Gesang des zehngliedrigen Kinder¬
chors konnte man die jubelnde Freude der Kinder
an diesem Feste sehen. Die gutaussebenden und
sorgsam gekleideten Kinder konnten nicht genug
die liebevolle und gütige Pflege, die ihnen zuteil
wird, rühmen. Den Schluß bildete eine opulente
Jause, die sich die Waisenkinder trefflich schmecken
ließen. Besonderes Lob gebührt der vortrefflichen
Wirtschafterin des Waisenhauses Frau Stern, deren
Umsichtigkeit und Geschicklichkeit die tadellos ver¬
laufene Feier zu danken ist.
Die polnische Aguda-Delegation in Wien. Auf
der Reise nach Erez Jisroel langten die Herren
Tobias Bialer und Moses Wojdyslawski letzten
Montag in Wien an. Sie wurden vom Wiener Zentral-
bureau aufs freundlichste empfangen und begannen
sofort gemeinsam mit der Wiener Agudaleitung die
Arbeit, die mit ihrer Mission in Erez Jisroel zu¬
sammenhängt. Die Wiener Agudisten begrüßten mit
besonders warmer Sympathie das vom Gerer Rabbi
seinerzeit in Angriff genommene Projekt zur Grün¬
dung einer Häuserbaugesellschaft für Palästina. Es
hat allgemein einen guten Eindruck gemacht, daß
die Delegation über einen sehr guten Verlauf der
Geldsammlung für den Keren Rajischuw in Polen
und besonders in Lodz berichten konnte. Dienstag,
den 13. Dezember, fand im Sitzungssaale des Zentral¬
bureaus eine Konferenz von angesehenen Persönlich¬
keiten der Wiener Aguda statt, um die Maßnahmen
zur Förderung der praktischen Palästinaarbeit der
Agudas Jisroel zu besprechen. Unter allgemeiner
Zustimmung wurde ein Komitee eingesetzt, mit der
Aufgabe, sowohl den Aktienverkauf der Häuserbau¬
gesellschaft als auch den der soeben von der Agudas
Jisroel gegründeten Tabakpflanzungsgesellschaft zu