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rÜDTSCTffi PRESSE
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Tagung der Jugendorganisationen.
Für Montag, den 25. Dezember (6. Teweth), war
seitens der provisorischen Leitung des Jugendamtes
beim G. A. des Zentralrates, eine Sitzung der korre¬
spondierenden Mitglieder einberufen. Die Sitzung,
die in den Räumen der A. J. J. Breslau stattfand,
wurde durch Herrn Feilchenfeld (Breslau) in
Vertretung von Herrn W r e s c h n e r, in Anwesenheit
der Vertreter der A. J. J. Landesorganisationen Deutsch¬
lands, Oesterreichs, Tschechoslowakei und der Zeirc
Emuno Jisroel eröffnet. Da einzelne Landcsorgani-
sationen noch nicht vertreten waren, wurde die Hnr-
gegennahnie der Berichte der Anwesenden beschlossen,
und die Debatte für die Sitzung des zweiten Tages ver¬
schoben.
Als Erster berichtet S i g in u n d S t e r n (Wien)
in einem ausführlichen Referat über die Entwicklung
der A. J. Jugendbewegung in Oesterreich, die sich nach
wie vor in aufsteigender Linie bewegt, wenn auch nach
den kolossalen Leistungen des Anfanges eine zeitweilige
Reaktion eingetreten ist, so können wir heute mit
Genugtuung feststellen, daß dieselbe nun schon gänzlich
überwunden ist. Die Arbeit der einzelnen Sektionen
haben Dimensionen angenommen, denen oft ganz unzu¬
längliche Mittel gegenüberstanden, und ist es nur der
aufopferungsvollen Arbeit der Mitglieder und nie ver¬
siegenden Hilfsbereitschaft der Gönner zu danken, daß
die A. J. J. in Oesterreich in fast allen Belangen ihren
Aufgaben gerecht wurde. Insbesondere wären die
Leistungen der Jeschiwes-Sektione, die zeitweilig bis
achtzig Bachurim in den Jeschiwos der Slowakei und
Ungarn unterhielt, ferner des Presse- und Propaganda-
Ausschusses, dessen Tätigkeit es zu danken ist, daß
der A. J.-Gedanke in Wort und Schrift gebührend zur
Geltung kommt und schließlich der Palästina-Sektion,
deren Leistungen, weit über den Rahmen lokaler Be¬
deutung hinaus, das orthodoxe Siedlungswerk in
Palästina durch die bekannte Maschinenaktion nicht
unwesentlich gefördert hat, hervorzuheben. Die Arbeits¬
und Unterrichtsausschüsse sorgen für ein Heim und die
entsprechende Betätigung der gesetztreuen Jugend.
Als nächster beginnt Herr Franz F i s c h o f f für
die Tschecho-Slowakei, um dann Herrn R e i n i t z
(Presow) das Wort zur eingehenden Berichterstattung
zu überlassen. Redner berichtet, unterstützt durch
reiches Zahlenmaterial, über die hervorragenden Lei¬
stungen des jungen Landesverbandes der Slowakei, auf
allen Gebieten agudistischer Betätigung, insbesondere
des Jeschiwowesens der sozialen Fürsorge (Stellenver¬
mittelung), Keren Krez Jisroel und Propaganda. Weit
höher zu bewerten sind die Leistungen der A. J. Jugend¬
gruppen bei den in der Slowakei erbittert geführten
Kämpfen um die Kehillo bei denen die Aguda Jugend
stets hinter den bewährten Führern der Orthodox!
stehend, denselben und mit ihnen dem orthodoxen Ge¬
danken zum Siege verhalfen, was insbesondere bei den
jüngsten Preßburger Gemeindewahlen klar in Er¬
scheinung trat. Als nächster berichtete Herr Oster¬
setz e r (Hamburg-Altona), der über die Tätigkeit der
Z. E. J. in Hamburg, die unter den größten Schwierig¬
keiten ihre Tätigkeit begonnen und /,ur Entfaltung ge¬
bracht hat. Herr K u„o b 1 o w i c z (Hamburg-Altona)
teilte ergänzend mit, daß wohl positive Leistungen noch
nicht Viele aufgezählt werden könnten, jedoch die Nega¬
tiven nicht unbedeutend sind. Z. B. wurden anläßlich
des Vortrages dos Klausenburger Raws in Haniburg
für den Misrachi, eine Diskus-ionsttuppe entsandt, die
die Haltlosigkeit aller angeführten Argumente so klar
bewies, daß es die Hamburger Misrachi-Gruppe unter¬
lieg über die mit großem Lärm angekündigte Ver¬
sammlung einen Bericht herauszugeben. Herr Stern¬
bruch (Basel) —- Gast — fordert die Jugend in beredten
Worten auf, aufklärend über die besonders schädliche
Tätigkeit des Misrachi zu wirken, Herr Rabb. Lip-
schütz (Kowno) — Gas! — berichtet über die
geistige Not in Rußland, die weit mehr als das ma¬
terielle Elend, Hilfe heischt, er fordert: die Jugend au!',
eine großzügige. Aktion hierfür einzuleiten. Pur die
Mittel hierzu, und auch sonst für die. Jugendorganisation
schlägt Redner die Entsendung einer Delegation der
Jugendorganisationen nach Belgien und England und
in weiterer Folge vielleicht auch nach Amerika vor.
Wenn beides auch momentan nicht zur Durchführung
gelangen kann, so ist es doch unerläßlich, daß wenn auch
nur theoretisch, mit den. Vorarbeiten begonnen werde.
Herr Loeb (Berlin) ......Gast -—■ warnt vor verschärftem
Kampf mit dem Misrachi, dessen Konsequenzen viel¬
leicht nicht recht ermessen werden können. Hierauf
wurde die Sitzung in vorgerückter Stunde durch den
inzwischen eingetroffenen Vorsitzenden der Breslauer
Jugendgruppe, Wreschner, geschlossen.
Zweiter Tag, Dienstag, den 26. Dezember (7. Teweth),
Nach einer überaus anregend verlaufenen Mit¬
gliederversammlung der A. J. J. Breslau wurde Dienstag
die Sitzung fortgesetzt. Herr Wreschner eröffnet und
erteilte Herrn Dr. M ax Co h e n (Köln) das Wort
zum Referat für die deutsche Laudes-Jugendorgani-
sation. Redner berichtet eingehend über die Ver¬
hältnisse in Deutschland, wo es insbesondere in kleineren
Orten sogenannte Landsjuden, die ganz gute Juden
sind, ohne manchmal recht Iwre zu können, gibt. Um
auch diese Kreise der Tauro und der A. J. näher zu
bringen, hat der O. V. beschlossen, Bezirkssekretäre
aufzunehmen, deren Aufgabe es ist, diese Ortschaften
ständig zu bereisen, Schiurim abzuhalten und die
nötigen Maßnahmen zu treffen, um das Interesse am
Lernen und der A. J. wach zu halten. Das erste und
vorläufig einzige solche Sekretariat in Hessen hat sich
glänzend bewährt, und ist es nur dem Valutaverfall
zuzuschreiben, wenn bisher nichts weiter auf dem Ge¬
biet geleistet werden konnte. Das nächste solche
Sekretariat ist für Sachsen,, in Aussicht genommen,
und ist es dort nur dem Marigel einer geeigneten Person
zuzuschreiben, daß dieser Plan noch nicht zur Durch¬
führung gelangte. Es wird die erste Forderung der
deutschen Jugendgruppen an das Jugendamt sein,
ihnen inshe-'^'leve moralische, womöglich aber auch
materielle Hill'.- für -fiese Sekretariate zu gewähren.
Hierauf wird in Punkt H der Tagesordnung: ..Jugend¬
amt einga>.e\\;e:!. Peidheün (Wien) berichte 1 über Ent¬
stehung im»! l ; «.»tv.ickehing rh-< | ngeudamtes, da*
gewissermaßen ins ^eben gesetzt wurde, ohne daß
vorher die T-ebi-nsmü^liehkeiteu. die materiellen und
auch mor.'iii-vhen Grundlagen für da<-elbe ge-.e.h;:{k v n
waren. Redner herintmej namens der derzeitigen pro¬
visorischen I/.'-itiui:; dem Zentral rat den Vorsehlag zu
unterbreiten, da ; Jugendamt so umzugestalten, daß e--.
tatsächlich das v.cde, was er sein soll, wozu es nner-
h'ißlich notwendig >v\, einen bezahlten Sekretär zu
akzeptieren, der die (ieschäfto des Jugendamtes, dann
unterstützt durch die korrespondierenden Mitglieder
und einiger Herren ?m Orte de« Jugendamtes, übel¬
nehmen und durchführen kann.
S i g m ii 'l d S t e r u beriehiet, dal.» du Tätigkeit
des jugendamtes in der unbestrittenen unzulänglichen
bisherig.-!! l<\>*-m wesentlich unter der mangelhaften
Unterstützung .--eitens der augeschlossc.neT) Gruppen,
die oft IbielV wochenlang oder gänzlich unbeant¬
wortet Hellen, und materielle Unterstützung überhaupt
nicht gewährten, gelitten habe. Wenn das Jugendamt
von nun au lebensfähig gestaltet werden soll, müsse
dieser Mangel durch die bindende Verpflichtung der
Gruppen von vornherein behoben werden. Schließlich
unterbreitet Stern ein Schreiben der A. J. J. Wien,
in dein dieselbe die. bisherige. Form des Jugendamtes
als unzulänglich erklärt, und seine Mitarbeit, nur einem
entsprechenden reorganisierten Jugendamte in Aus¬
sicht stellt. Redner bittet diesen Brief als den Antrag
der versammelten Jugeudgruppenvcrtreter dem Z. R.
zu unterbreiten. Reiniz (Presow) beantragt die Re¬
gelung der finanziellen Verhältnisse hinzuzufügen.
W o 1 k (Kowno) beanstandet, daß die Frage der
Zire Jisroel in Litauen noch keiner genügenden Lösung
näher gebracht wurde, Redner fordert energisches Vor¬
gehen. Wollen die Z. J. sich anschließen, so muß dies
ohne Kautelen geschehen, wollen sie .es nicht, so müsse
eine eigene Z. Agudas Jisroel gegründet werden, für
die reiches Feld zur Betätigung vorhanden ist.
Dr. Cohen (Köln) spricht gegen Antrag Stern
und verlaugt die Einsetzung einer Kommission be¬
stehend aus drei Herren, die eine Petition für den
Zentralrat in der Frage des Jugendamtes auszuarbeiten
haben. Der Antrag wird, angenommen, und die Wahl
ergibt Dr. Cohen (Köln) , Stern (Wien), Reiniz (Presow).
Rabbiner J o 11 e s (Stry) erklärt sich solidarisch
mit den Anträgen der österreichischen und tschecho¬
slowakischen Vertreter und versichert das Jugendamt
der^ weitgehendsten Unterstützung seitens der, ost¬
jüdischen Jugend, fordert aber das Gleiche vom neu
zu gründenden Jugendamt. Die Vorschläge Tipschütz
(Kowno) und Sternbruch (Basel) von Montag werden
der neuen Leitung des Jugendamtes unterbreitet.
Wreschner (Breslau) schließt; um 1 Uhr nachts
die Sitzung.
Sir Herbert Sarauel im Emek Israel, Der Ober¬
kommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel,
hat neulich eine Reihe Ortschaften, darunter auch
die Arbeitsgenossenschaft in Ejn Charud, besucht.
Der Oberkommissar hat alle Anstalten der Arbeits¬
genossenschaft, wie Schule, Kindergarten und das
Krankenhaus, eingehend besichtigt.
Der Oberkommissar erkundigte sich besonders
nach der sanitären Lage der Siedlung, wobei er darauf
hingewiesen wurde, daB die Umgegend von Ejn Charud
der einzige den luden gehörende Boden ist, wo die
Sümpfe noch nicht trocken gelegt sind und da& diese
Tatsache auf den allgemeinen Gesundheitszustand der
Arbeiter sehr nachteilig einwirkt.
Die Mitglieder der „Kwuzah" (Arbeitsgenossen-
schaft) ersuchten den Oberkommissar, ihnen zu er¬
lauben, ihre Verwandten aus Europa nach Palästina zu
bringen. Der Oberkommissar versprach, diese fMtte in
Erwägung zu ziehen.
Seine besondere Befriedigung hat Sir Herber!
Samuel darüber ausgedrückt, dafc in der Klinik der
„Kwuzah" im laufenden Jahre zirka 3000 Araber uneni-
gelllich behandelt worden sind. (J. C. B.)
Eine tägliche Arbeiter-Zeitung in Palästina. Die
Exekutive der palästinensischen Arbeiterorganisa-
üon beschäftigte sich in ihrer lebten Sifcung mit
der Frage der Herausgabe einer Tageszeitung
für die Arbeiterinteressen in Palästina. Es wurde
beschlossen, die Entscheidung hierüber der in
etwa zwei Monaten stattfindenden Konferenz der
jüdischen Arbeilerschafl zu überlassen. Der Gedanke
einer jüdischen täglichen Arbeiterzeitung findet hier
lebhaften Anklang. (). C. B.)
Türkische Juden für Uebergabe Palästinas an die
Türkei? „Daily Telegraph" veröffentlicht eine Mitteilung
des seit einiger Zeit wieder in Funktion getretenen
türkischen Comite de l'Union et du progres, daB unter
der jüdischen Bevölkerung in Konstantinopel und an¬
deren türkischen Städten eine starke Propaganda da¬
für betrieben werde, daB Palästina wieder an die
Türkei zurückkehre. Die Propaganda geht unier der
Parole vor sich, dafj die Lage der Juden in den arabi¬
schen Ländern unter der türkischen Herrschaft eine viel
bessere war, als sie sich gegenwärtig unter der arabi¬
schen Macht gestaltet halle. (). C. B.)
Die jüdische Presse in Palästina und Dr. Weiz-
mann. Ein Teil der jüdischen Presse in Palästina
ergreift die Gelegenheit des Aufenthaltes Dr. Weiz-
manns im Lande, um seine Tätigkeit einer
schweren Krilik zu unterziehen. Die Tageszeitung
„Haarez", sowie die neue Wochenschrift „Aspaklariah"
konstatieren die schwere Lage der zionistischen Or¬
ganisation und der jüdischen Bevölkerung in Palästina.
Die Verfasser dieser Artikel weisen auf die Notwendig¬
keit hin, Ersparnisse im zionistischen Budget vorzu¬
nehmen und andere Reformen durchzuführen, und
machen Dr. Weizmann, dessen Handlungen sie ver¬
urteilen, für die schwere Lage verantwortlich. (). C. B.)
„Daily Exprefc" gegen Bentwich und Weizmann.
„Daily Expreß" seljt die Serie der Sonder¬
berichte ihres Jerusalemer Korrespondenten fort.
In einer dieser lebten Nummern beschäftigt sich
die Zeitung mit der Person von Norman Bentwich, dem
Gerichtssekretär von Palästina. Der Korrespondent
nennt ihn einen Menschen von hervorstechenden Fähig¬
keiten, der aber ein ergebener Jude und ein über-
m n pffr«"»'*w**"M
zeugter Zionisl ist Es ist kaum anzunehmen, dafj
Bentwich sich je erlaubt hat. seine persönliche Meinung
mit seinen juristischen Patschlägen un Sir Herbert
Samuel zu vermengen, aber die Meinungen wollen
nicht verstummen, daB es doch so ist, und nichts wird
diese Auffassung aus der Welt schaffen. Ein Jude»
Gerichissekretär, der einem Juden-Oberkommissar
Ratschläge erteilt, das sind Gründe genug, dafj unter
den Leuten ein Murren laut werden ko-nn."
Der Korrespondent fährt fori: „Ferner weilt hier
noch Dr. Ch. Weizmann. Die Araber glauben, daß die
Macht Dr. Wcizmanns größer ist, als es den Tatsachen
entspricht. Sie sehen in jeder politischen Handlung
die Arbeit der zionistischen Kommission, (j. C. B.)
Der Wiener akademische Senat und die Forde¬
rungen der antisemitischen Studenten. Am 19. d. Mts
befaßte sich der akademische Senal der Wiener
Llniversitöi mit dem Memorandum der antisemitischen
Studenlenschafi wegen Numerus clausus für indische
Studenten und Professoren.
In dem Beschluß des akademischen Senats wird
erklärt, dafj dir Wünsche der deufschnnlionalen Shi-
denten den Gegenstand von Beratungen des akademi¬
schen Senats nicht bilden können, weil dies nicht den
geltenden Bestimmungen entspricht. Der akademische
Senat hat aber volles Verständnis für die Bestrebun¬
gen, den deutschen Charakter der Universität zu
Schüben. Die akademischen Behörden werden sich in
ihren Wirkungskreisen mit Maßnahmen beschäftigen,
die geeignet sind, Ausländer, deren Bildungsgrad dem
Niveau der Wiener Universität nicht entspricht, von ihr
fernzuhalten. (J. C. B.J
■ » ■ ■ . .. i ■ ) ■ i
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OYAL MA9LSTE
CKET CO.
Kgl. engl. Postdampferlinäe. .*. Gegründet 1839,
The Pacific Steam Navigation Comp.
EXPRESSDIENST
von
Chei»boui*g 9 Southampton, Liverpool
nach
allen Teilen Südamerikas
von
, Southampton,
nach
New-York und Ganada
^•ÄVÄME Die ROYAL MAIL
Wien I., Stock im gföenplaf* e. Teppichhaus Pu. Haas & Söhn« (Stefansplatz),
Telephon 61^4-28, 61*5*25. ftbferiigungsstelle III, Kl.; Wien IV., Favoritenplatz 5.