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JÜDISCHE PT
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Np. 12
Wien-Bratislava, 21. M3rz 1924 . ביה ויענה־פרעססבורג ט*ו אדר־ב. תים*ד
10• Jahrg.
Das jüdische Territorium.
Vor vielen Jahrhunderten gab es einmal in den
weiten Steppen des heutigen Russland ein jüdisches
Reich, das Reich der Chazaren. Es ist ■bekannt, dass
sich die Geschichte auch heute noch sehr eingehend
mit der Tatsache beschäftigt, dass ferner der grosse
Jude in Spanien Chisdai ibn׳ Schaprut es durchgesetzt
hat, mit diesem Reich in Verbindung zu treten und die
Tatsache seines Bestandes dadurch der Vergessen-
heit entrissen hat. Daran wird man unwillkürlich er-
innert, wenn man liest, dass heute in Sowjetrussland
Bestrebungen im Gange sind, ein eigenes jüdisches
Territorium zu schaffen. Die Motive sind natürlich
ganz anders geartet. Es scheint, dass man in Sowjet-
russland dazu übergeht, statt des nationalen Prin-
zips, welches seinem Wesen und seiner Art nach mit
den bolschewistischen Grundprinzipien unvereinbar
ist, das territoriale Prinzip zu schaffen, das heisst
dass in dem Gefüge der Sowjetrepublik nur diejenigen
Menschen zur Geltung kommen können, welche auf
einem geschlossenen Territorium eine kompakte
•Masse darstellen; mit anderen Worten, mit all den
Begriffen, welche sonstwo und sonstwie die Grund-
läge einer Nationalität bilden, wird aufgeräumt und
alles ausser Kraft gesetzt, ausser der Gemeinschaft
der Siedlung. Geschichtlich gesprochen, bedeutet
dies, dass man in bezug auf die Verhältnisse zwischen
Staat und Nationalität zu den alle !׳primitivsten For-
men zurückzukehren beabsichtigt.
Die durch hohe Intelligenz ausgezeichneten
Juden in Russland haben wohl dieses Verhältnis rasch
erfasst und die jüdischen Kommunisten sahen sich vor
die Möglichkeit gestellt, ihren Einfluss gänzlich zu
verlieren, wenn es nicht gelänge, auch ihrerseits sich
territorial zu gruppieren. Zuerst nun tauchte die
Idee auf, ein solches Territorium in Weissrussland
zu schaffen. Der Versuch misslang. Die neueste
Phase dieser Bestrebung gipfelt darin, dass man den
nördlichen Teil der Halbinsel Krim mit Einbeziehung
von Odessa und Umgebung zu einem jüdischen Terri-
torium umzugestaliten versucht.
Neben diesen Grundgedanken hat die Sowjet-
regierung auch die Meinung kundgegeben, es müsse
dadurch den vielen, durch den Krieg entwurzelten |
Juden die Möglichkeit eines neuen Aufbaues ihrer
Existenz gewährt werden.
Wir haben uns bisher bemüht, die Tatsachen,
wir meinen hierbei auch das Tatsächliche auf dem
Gebiet des Wolfens, objektiv wiederzugeben, es Hesse
sich dazu sehr viel sagen pro und kontra.
Zunächst geht daraus zu unserem Schmerz
hervor, dass auch die Form der abso-
luten Freiheit der Juden nooh keine absolute Betäti-
gungsmöglichkeit gegeben und dass die geschieht-
liehe Entwicklung bis zur rückläufigen Form eines
grossen Ghettos geführt hat. Dass Sokolow im Na-
men des Zionismus diese ganze Idee bekämpft aus
Furcht, es könnte daraus ein Wiederaufleben des
Zangwi'llschen Territorialismus, eines neuen Uganda-
Projekts erfolgen, will nicht viel !besagen. Viel ernster
sind folgende Erwägungen: 1. wird das ganze Pro-
jekt nur dann verwirklicht werden können, wenn es
die ganze jüdische Welt finanziert. Nachdem nun
selbst in bezug auf das mit aller Begeisterung und
Hingabe aufgenommene Projekt der Besiedlung Pa-
lästinas, vom Auge des nüchternen! Beobachters ge-
sehen, die finanziellen Kräfte vollkommen versagt
ן haben und da, wo sie die grosse Linie hätten anneh-
men müssen, die Gebärde des gnädigen Almosen-
geöers an den Tag legten, um wieviel mehr wird dies
der Fall sein dort, wo in der Tat nichts spricht, als
eine Regung des Mitleids, Zaber stellt das Projekt
der jüdischen Köffiftiühistöu öls gerade Gegenteil des
Reiches der Chazaren dar; während man dort eine
gewaltige Staatseinheit auf dem festen Qrund der
jüdischen Religion aufgebaut hat, sollte hier der in
seiner Perversität grandiose Versuch gemacht wer-
den, ein jüdisches Territorium im Gegensatz zur jüdi-
.sehen Religion aufzubauen. Würde das neue jüdische
Territorium unter diesen Voraussetzungen zur
Tat werden, dann wäre es für jeden religiösen
Juden ein Verbrechen an sich selbst, dazu hilfreiche
Hand zu leisten.
Unsere Leser mögen aus diesen Auseinander-
Setzungen sehen, welch ein neues Problem von
furchtbarer Tragweite sich da auftut. Es verdient
mit vollem Ernst erfasst zu werden.
Der Traum des Rabbi.
(Forit&etzung.)
״Majestät, ich hätte mich 1 ... ich erkenne es ...
durch meine !Erregung beinahe hinreissen lassen,
durch die Richtigstellung eines Missverständnisses
eine weitaus schwerere Anklage auszusprechen . . .
Und darum , bitte ich , Ew. Majestät, gnädigst meiner
Versicherung Glauben zu schenken: mir kam es nicht
in den Sinn, die Gerechtigkeit der Richter zu be-
zweifeln.“
0״ Rabbi, Ihr entgeht , mir mit dieser aus-
weichenden Antwort nicht! Ihr habt mich erst recht
neugierig auf den Gedanken gemacht, den selbst Ihr
nicht den Mut hattet, gleich auszusprechen. Ich be-
fehle Euch als Euer König, diesen Mut aufzubringen.
Sprecht nur getrost. Ihr werdet schon die richtige
Form finden und wenn es selbst — was ich wohl
nicht glaube —eine Anklage gegen mich sein! sollte.“
״Wie können Majestät selbst im Scherze eine
solche Möglichkeit annehmen“ — flüsterte der Ober-
rabhmer erschrocken, dann aber fuhr er sich fassend
fort: ״Als ich von den Richtern sprach, die die Wahr-
heit finden können, durchzuckte meinen Geist die
Erinnerung an die Richter Israels im jüdischen Staate,
denen nach den Gesetzen der Thora und
der Rabbinen verwehrt war, einen An-
gekl agten, und wenn er der fürchter-
liehsten Verbrechen verdächtig war, |
durch die Anwendung der Folter zu be-
fragen.“
״Ihr rühmt, Rabbi, das Rechtsverfahren, wie es
das jüdische Gesetz verschreibt, wohl nur, um damit
das Rechtsverfahren anderer Völker zu ver-
urteilen . . . ?“
״Majestät, ich wollte nur feststellen, dass
jüdische Richter, die zur Urteilsfällung nach jüdi-
schem Rechte schritten, vor der Gefahr geschützt
waren, und mochten sie von noch so idealem Rechts-
sinn erfüllt sein, einen Unschuldigen zu verurteilen.
Liegt denn der Gedanke nicht nahe, dass ein An-
geklagter nach erlittener grausamer Folterung sich
lieber zu jeder nie begangenen׳ Missetat bekennt, um
durch den rasohen Tod weiteren langsamen Folterun-
gen zu entgehen?“
Der König schien von den Worten des Ober-
rabbiners bewegt zu sein. Nach einigem Nachsinnen
sagte er:
״Ihr haltet es also für denkbar, dass ein Un-
schuldiger sich zu einem Verbrechen bekennt?“
״Gewiss, Majestät! Nicht jeder hat die körper-
liehe Kraft, gepaart mit Seelenstärke, um im Be-
wusstsein seiner Schuldlosigkeit Martern zu erdulden,
die Qualvoller sein können als der Tod. Und dagegen
beweist auch die Tatsache nicht das mindeste, dass
Die politische Lage in Erez Jisroel.
Die palästinensische Orthodoxie bei König Hussein.
Seit der !denkwürdigen Balfour-Deklaration in
bezug auf Palästina wird das Schicksal unseres
Heiligen Landes , von drei Faktoren bestimmt. Von
der englischen Regierung, von der arabischen Majo-
rität im Lande und von der historischen Verknüpftheit
des jüdischen Volkes mit dem Lande seiner Ver-
heissung. Seit sechs Jahren hat der Sinn der Balfaur-
Deklaration Wandlungen erfahren, die immer davon
abhängig waren, welcher der oben erwähnten drei
Faktoren an Stärke und Einfluss zu- oder abnahm.
Als Sachwalterin der historischen Ansprüche
des jüdischen Volkes auf das Heilige Land trat die
Zionistische Organisation in Erscheinung, die auch
von der englischen Regierung und von der grossen
nichtjüdischen Oeffentlichkeit als solche anerkannt
wurde. Man hatte von ähr erwartet, dass sie im Be-
wusstsein der weltpolitischen und historischen Be-
deutung dieser Anerkennung, die anderen jüdischen
Gruppen nicht mit terroristischer Gewalt beherr-
sehen, sondern durch weitsichtige Konzessionen und
kluge Anerkennung der berechtigten Ansprüche zur
redlichen Zusammenarbeit heranziehen werde. Das
ist nicht geschehen. Der 'Uebermut und die politische
Unreife der Führer waren auch nach aussenhin von den
verderblichsten Folgen. In falscher Einschätzung der
durch die englische Regierung vollzogenen Aner-
kennung der Zionistischen Organisation a!ls Sach-
wa'lterin der jüdischen Ansprüche hat sie Jahre hin-
durch׳ den Arabern gegenüber eine Politik verfolgt,
deren unselige Wirkung kaum aus 1 der Welt zu
schaffen ist. Agudas Jisroel als selbständige Organi-
sation der tharatreuen Judenheit hat mit !Unmut,
aber Zurückhaltung das pjolitische Falsch-
spiel der Zionistischen Organisation beobachtet. In
richtiger !Erkenntnis der historischen, heiligen An-
Sprüche des jüdischen Volkes wollte sie ihre An-
schaumigen den Mächten, vor allem aber den beiden
entscheidenden Faktoren, den Engländern und Ara-
bern, bekanntgeben. Agudas Jisroel hat aber, und
das! wollen wir allen Verdächtigungen und: Verleum-
düngen gegenüber immer wieder hervorheben,
nichts unternommen, ohne vorher An-
es so viele unglückliche Helden gegeben, die unter
der Folter ihren Geist verhauchten, ohne sich ein
Geständnis erpressen zu lassen.“
״Das wäre ja furchtbar,“ murmelte deT König.
״Sind Euch selbst solche Fälle bekannt, Rabbi?“
Der Oberrabbiner antwortete nach einem Mo-
ment des Zögerns:
״Soll ich Ew. Majestät versichern, mit feier-
Hohem Eide beschwören, dass ich ausnahmslos alle
meine unglücklichen Glaubensgenossen, die sich
unter grauenhaften Peinigungen zu , der Missetat be-
kannten, Hostien geschändet, christliche Kinder zu
religiösen Zwecken gemordet und ähnliche von
unserer Religion verpönte Missetaten begangen m
haben, für Unschuldige halte? Mein Wort, mein Eid
Hesse ja noch immer Zweifel bestehen, wo Zweifel
einmal Platz gegriffen. Haben doch die Fälle, in
denen, wenn auch leüder zu spät, die unbestreitbare,
sonnenklare Unschuld der Beschuldigten sich ergab,
da zum Beispiel das angeblich ermordete Christen-
kind gesund und heil aufgefunden w-urde, nicht ge-
nützt, um jeder neuen gleichen Beschuldigung gläubige
Anhänger zu sichern!“
״So wären also Lügen und Verleumdungen, oder
was Ihr als solche ׳bezeichnet, unausrottbar?“ fragte
der König.
(Fortsetzung folgt.)
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