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JÜDISCHE PRESSE
Nr. 20
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überantwortet bleibt, die grosse Lebensaufgabe nach Mass.-
gäbe der in in ihnen sthlunlhiernden Kräfte und Fähig-
keiten def Organisation zu dienen, die Verwirklichung!
ihres gefneiirsatneii Ideals zur günstigen Lösung iii führen.
Agudas jisröel hat ein Vorzügliches Programm da
!es sich die' Lösung der Galuth-Ärbeit und der ferez jis-
roelt-Prage 1111 פ> חתי zum Ziele gemacht* jedes Mitglied
dieser Organisa,tiöH ist vor grosse und heilige Lebens 4
atifgaben gestePlt; Meines Erächtlens hafc'h ist detti Zu vVehig
Bedeutung bäigefegt .tV'öfttefi*. dass jedes Mitglied wirklich
darauf bedacht sei, sein Privatleben streng itaclt.
der • Disziplin iitid defi Normen der Ag. JisfOCl eiHZti*
richten.
Unser grosser Lehrer und Meister der Chofez-Chajirn
' שוח hatte anlässlich der Eröffnung der Universität einen
(Aufruf an uns gerichtet, in dem er uns die so grossen Ge-
fahren einer Universität in ארץ הקדושה ergreifend
schildert. Dürfen wir uns etwa damit begnügen, dass
wir diesen flammenden Protest der gesamten gesetzestreueri
Judenheit mit dem Brustton der Ueberzeugimg in die Welt!
hinaitsposaunen? Vielmehr müssen wir diese Mahnung
tiet 1 ns Herz schlliessen. In dieser Zeit, wo die Körperkultun
״ leider’ ׳ eine grosse, fast souveräne Machtstellung ein-
nimmt mail ist schon so weit, dass ein schöner Körper
׳ 'mehr giTt als ein ־ schöner und gesundler Geist, man schiess*
zum Teil damit über das hellenistische Ziel —■ würde es
sehr traurig anmuten, wenn Agudoh-Arbeit, d. h. תורה
וכלל au diesem Drang nach körperlicher Gesundung er-
schlaffen und erlahmen würde..
Beweisen wir, dass Pflichtbewusstsein und Dis-
nicht das Vorrecht unjüdischer, nichtjüdischer Ver-.
eine und Organisationen sind, vielmehr ist der thora-
lernende und thoratreue Jehudi — der das karge Brot:
und harte Lager vierjährigen Thoralernens hinter sich
hat — wie sonst kein anderer prädestiniert, sich diesen
so schmückenden Eigen/schaftn ־ der Manneszucht zu
rühmen.
Den so verlockenden Verführungen, die alle i-m Na-
men des Zeitgeistes zu uns sprechen, müssen wir ge(-
schlossen entgegentreten, denn ein einzelner könnte leicht;
unterliegen, es tut nichts, wenn man .uns für riickschritt-
Weh, für Körperkultur.feinde hält. Darüber hinweg kaum«
uns nur der in uns so straffe Geist der Parteidisziplir!
führen, jene Tatsache, dass wir Mitglieder ein.er Orga-
nisation wie Agudas Jisroel sind. Dieses religiöse Bewusst-
sein müssen wir uns so kräftigen, dass es zu einer mit
Suggestioriskraft ausgestatteten Grossmacht werde, in der
uns die Gewähr für eine, religiöse und sittliche Durchbil-
düng der Jugend und Ailmenschheit liegt. Die dann den, ׳
Ansturm freigeistiger Angriffe mit dem Gleichmut des
Mondes erträgt, der seine bellenden Feinde ruhig ge. ־
währen lässt, ohne sich in selineni Wirken nur im ga■ ׳
ringsten stören zu lassen. So wird dann der höchste allen
Gedanken, der Gedanke an Q-tt, trotz aller menschlichen
Irrun'gsfähigkeit, zu jener durchsichtigen Klarheit, die eih-
mal zum Abschluss die Menschheit erlösen soll.
Jüdische Bücher!
Dieser Tage hatte ich eine Begegnung,'die mich
aufs ,tiefste erschütterte. Ich traf einen alten Schulfreund,
der. ;,manche Jahre :mit mir auf der Schulbank iii der
Tältaudi-Thora gesessen war. Nun sah er ganz anders
aus,' Selbstbewusst blickte er mich mit überlegener Miene
an, als ob er sagen wollte, ich bin ein freier Mensch, 1
dem das lächelnde Leben mit all seinen Freuden ge-
hört und der es •auch versteht, den schäumenden Becher,
der Vergnügungen v'0,11 zu geriiessen. ״Guter Freund,”,
fragte ich ihn, ״was ist aus dir geworden?” — Da fing'
er an, voll Selbstzufriedenheit, seinen Werdegang zu
schildern, Wie er von der Schule ins Leben hinaustrat!
und sich ihm da eine ganz neue, glänzende Welt auftat,{
die sein jugendlich schlagendes Herz im Banne nahm;
dann erzählte er weiter von den Stunden, da er allerlei׳,
Bücher und Rdmante las, die dieses Leben der Liebe
und Freude verherrlichten und in den rosigsten Farben,
malten, so dass mächtig in ihm wurde die Sehnsucht,(
dieses Leben zu kosten. Und er tat’s auch! Dann ging
es rasch bergab rnit ihm und bald verlor er alles, w,as;
einem Ben-Jisroel heilig un,d teuer ist.-Es tat mir
furchtbar wehe. Erinnerte ich mich doch noch so gut#
mit. welcher FVeude er stets Thora gelernt hatte und
wie stolz er war, ein Ben-Jisroel zu sein und jetzt —ז
war er ein anderer geworden! Nicht zum kleinsten Teil
hatten die Bücjier unserer Tage schuld daran.
Aber dies ist kein Einzelfall. Hunderte von jungen
jüdischem Menschen, die inmitten der Grosstadt auf-'
wachsen, gehen zugrunde durch die Bücher. Denn sie
wollen auch geistig leben und gemessen, aber woher*
sollen sie es nehmen? Aus der Gmoroh-Tiefen sich Er-*
kenntnis und Freude zu schöpfen oder lieibiiche Blüten!
aus T׳nacl 1 und Midrasch zu pflücken, ist leider in unserer
Zeit nur wenigen mehr möglich. Die meisten können es
nicht und es gelingt ihnen nicht beim besten Willen, Geistl
und Gemüt mit ein ״Stücke! Gemoroh” zu befriedigen.
׳So nimlmt die Jugend Bücher in die Hand, die scheinbar
ganz harmlos und menschlich ergreifend geschrieben
und doch so unendlich Weit entfernt sind von jüdischer Lei-
bensauffassung lind Lebensweisheit, von jüdischer K&-
duschoh und Taharoh, Bücher, die allen heiligen jüdir
sehen. Gefühlen feindlich gegenüberstehen oder sie besten-
falls ignorieren! Wie viele jüdische Eltern ahnen es gar
nicht, welchen verderblichen Einfluss diese Bücher und
Romane auf das Gemüt ihrer Söhne und Töchter haben.׳
So werden langsam aber sicher die Neschomoss vom
jungen jüdischen Menschen vergiftet. Wie leicht aber
könnte man da bei ein bischen gutem Wijlen Abhilfe;
leisten! Gibt es denn nicht eine stattliche Reihe von guten־
jüdischen Büchern, die in vornehmer Weise jüdisches'
Denken und Fühlen schildern? Gibt es denn nicht eine,
grosse Zahl von Erzählungen und Romanen, die interessant!
Und künstlerisch geschrieben und trotzdem wahrhaft jü-
disch sind?! Deshalb ist es unsere heilige Pflicht, die Wich!-׳
tigkeit des jüdischen Buches überallhin zu verbreiten!
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und mit ganzer Aufmerksamkeit darauf zu schauen, dass
jüdische Menschen auch jüdische Bücher lesen! Und wenni
Wif hören* dass die Wiener Jiigendgrüppe ernstlich daran
geht,, eine grössere Leihbibliothek aufzub'aiieh, so Wolieh
Wif ihr Von ganzem Herzen völlen Lffolg Wünschen tirid
hoffen* däss die jüdisohe OeffentlicHkeit ihr hilfreich aii
die Hand geilen wird! O. S. •
mSättSSSSSm
Der bolschewistische Rabbiner. Die Rigaer Zeitung
״Das Volk“ druckt den im russischen ״Wecker“ erschienenen
Brief des Neu-Bichower Rabbiners Israel Mosche Mannes
ab, in welchem ׳der Rabbiner, der zwanzig Jahre hindurch
in seiner Gemeinde gewirkt hat, die Gründe darlegt, warum
er ein Anhänger der !kommunistischen ״Thora“ wurde. Sie
sind nicht sehr interessant. Der betreffende Rabbiner ver-
gisst auch nicht, iii dem kurzen Brief eine verhältnissinässig
ausführliche Autobiographie zu geben. Er habe neun Jahre
in Wolösyn gelernt. Dann war er Mitglied des Pcruszim
Kolei in !Kowno unter der Leitung von Rabbi Jizcliok
Elchanan. Rabbiner Mannes bezeugt nun von sich selbst,
dass er immer ziemlich skeptisch veranlagt war und dass
der Reformer Geiger auf ihn schon frühzeitig einen tiefen
Eindruck gemacht habe; doch ׳erst die Oktoberrevolution
hat seine Augen geöffnet und die kommunistische Herr-
schaff habe ihn überzeugt, dass der jetzige jüdische Glaube
nur ein Werkzeug in !Händen der ׳Bourgeoisie sei, die Volks-
müssen zu verdummen. Bei den Manen von Lenin be-
teuern wir, dass wir den obigen Auszug aus den Briefen
des kommunistischen Rabbiners nicht deshalb hier wieder-
geben, weil er so überaus originell wäre. Im Gegenteil, uns
scheint der Brief,' wie überhaupt der kommunistische Ra׳b-
biner, eine typische Erscheinung zu sein. Herrschende Ideen
haben ihre suggestive Wirkung immer auch auf Juden aus-
geübt, die wohl aus der l’hora Kenntnisse gezogen, ohne
die Weltanschauung, den Geist der Thora !ganz in sich auf-
genommen zu haben. Vor hundert Jahren waren sie die Re-
formrabbiner, die unter dem Eindruck der nationalistisch-
kosmopolitischen Zeitidee plötzlich entdeckt haben, dass
der jüdische Glaube veraltet wäre und die Massen ver-
derbe. Dann !kam die !kräftige Reaktion in der !Form des
Nationalismus. Schon waren !Rabbiner da, die entdeckt
haben, dass !der jüdische Glaube für die heutige Zeit nicht
mehr taugt ■und !den jüdischen Massen nur durch restlose
Nationalisierung geholfen werden kann. Auch dieser Zeit-
idee ward ׳keine !Ewigkeit beschieden. Der Sozialismus, in
der wirksamen Form der Dritten Internationale, kämpft mit
gewaltigen Fäusten gegen sie. Dass auch die ׳Dritte Inter-
nationale ihre Rabbiner gefunden hat, beweist nur, dass
momentan die rote Sonne alle anderen Gestirne überstrahlt.
Der naive Brief des Neubiehower Rabbiners erhärtet nur,
, 'dass selbst der r 6 t e ■Räbbineh*hur !eine, typische: ErsöheF ־:
mnig ist. ך
Neue Sonutagsprobleme. in Wien sind Bestrebungen
am Werke, die Sonntagsruhe dadurch ׳ einheitlicher und
!durchgreifender zu machen, dass , auch die Zeitungen an
Sonntagen nicht erscheinen, ln Amerika wiederum ist eine
grosse Bewegung entfacht worden, um ein sogenanntes
!Blausonntagsgesetz ditrchzubringen, nach welchem der
Sonntag so vollkommen ruhig durch Sperrung aller Unter-
lialtii'iigs- und Vergniigungslokale gemacht werde, dass die
Gläubigen förmlich sich vor der Oede des Sonntags in
die Kirche flüchten ׳müssten. Der amerikanische Gesetzen!-
wurf ist be׳i der !New Yoriker •Legislative durchgefallen. Die
Gründe des amerlikanischejn !Projektes sind sicher ganz
andere als jene, die die Wiener Zeitungsverschleisstellen
und Journalisten bewegen, ln Amerika möchte man mehr
Religion in den Sonntag hineintragen, in Wien mehr Ge-
mütliohkeit. Beide haben es aber gemeinsam, dass sie bei
ihrem Sonntag gar keine Rücksicht auf die Mutter dieses
Tages, auf den Sabbat, nehmen. Ob Reaktionär, ob‘
Ultrademokrat, wallen die herrschenden Parteien des
zwanzigsten Jahrhunderts von den primitivsten Förderiin-
gen des jüdischen Sabbats •lind jener Existenzen, die so-
wohl leben wie den Sabbattag heilig halten wollen, keine
Notiz nehmen. Und da der grössere Teil der Juden selbst
gerne bei diesen grossen Parteien auch !geistige Unterkunft
sucht, denken selbst diese ■gar ׳nicht daran, selbständig
jüdisch zu fühlen und zu handeln. Leider steht auch ein
grosser Teil unserer jüdischen Brüder mit eisiger Lethargie
dem brennenden Sabbatproblem gegenüber.
Die Redaktion übernimmt; keine Verantwortung bezüglich
der Kaschruth, der im Annoncenteil angekündigten Unter-
nehmungen. Es ist Sache <jes Lesers, beL seinem zuständi-
gen Rabbinat die nötigen Erkundigungen einzuziehen.
Wo erhält man den
wirklich naturgetreuen
SCHEITEL?
Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für
orthodoxe Frauen, Franz’Balla, ist es nach jahrzehnte-
langen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen,
die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nach-
geahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des
Herrn Balla wird siehjede örth. Braut leichten und freudigen
Herzens, entschüessen, das eigene Haar abschneiden zu
lassen und einen Scheitel zu tragen, Die Damen werden
zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflichst ein-
geladen, woselbst Modelle kostenlos auaprobiert werden.
Fvanz Balla, Wien, IV״
Gusshausstrasse 26 Telephon &8-9-12
SchWefe Beschuldigungen gegen das Palästmaamt.
Das Wiener Mohtagb'lätt ״ Öer Mofgen” bringt Üfiter obig c r
Titelaüfschrift folgenden Vorbericht, über eiiien Ehren-
bdleidigungsptö^ess, den det Leiter des Wiehief Palästina,-
anites Df; Blauer gegen seinen Untergebenen Rischer an-
gestfengt hat.
Vor dem Bezirksgericht Schiffamtsgassc wird seit
einigen Wochen ein interessanter Ehrenbbleidigungsprozess ׳
verhandelt, den der verantwortliche Leiter des Palästina-
'arntes, Di ־ . Nuchem Moses. Blauer, gegen den ehemalige!}
Ministerialbeamten und früheren Angestellten desselben.
Amtes, Gustav Fischer, angestrengt hat. Die Angelegenheit
selbst umfasst einen ganzen Komplex von angeblichen(
Delikten, die Dr. Blauer als Vorstand des Palästirtaamtes
begangen haben soll. ! ־־
Die Vorgeschichte dieser nicht nur in Oesterreich,
sondern auch in den. Nachfolgestaaten grösstes iAtifsclier^
erregende Affäre ist folgende:
Gustav Fischer erstattete bei der .Wiener Rolizei-
direktion gegen Dr. Blauer vor vier ■Monaten eine Straf ׳ -
anzeige, in der er ausführte, dass das PalästÜnaamt, trotz-
dem es weder als Verein noch als Firma behördlich ange■-
meldet erscheint, sich als juristische Person ;betätige, An,-
gestellte beschäftige, Verträge und Kaufgeschäfte all-
schljiesse und du!rch diese ihre Tätigkeit sowohl gegen das
Vereei.nsgesetz, wie gegen die Gewerbeordnung verstosse!
Ausserdem wird der Behörde bekanntgegeben, dass das
Palästina amt, ohne die hiefür notwendige Konzession zu,
besitzen, ein Reisebureau unterhalte und auch ,hiedurch
eine Gesetzesverlietzung begiehe. Das Reisebureau dien*
bekanntlich dem Zwecke, die jüdischen Emigranten, die
sogenannten Haluzim, nach Palästina zu befördern, um auf
diese Weise den Zuzug der jüdischen ,BeVölker 1 mg nach
!Palästina zu beleben.
Dem Vorstande des Palästinaamtes, Dr. Blauer, wirft
aber die Anzeige nicht nur Verstösse ,gegen die Verwaü
tungsgesetze, sondern auch ehrenrührige Handlungen vori
Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass laut dem
.Vertrag, den Dr. Blatter in Vertretung des Palästinaamte^
mit der Schiffsgesellschaft Lloyd Triestino abgeschlossen
hatte, das Palästinaamt nach je siebzig 'Schiffskarten
4. Klasse zwei Gratiskarten zwecks Verschenkung an
arme Emigranten erhält, diese aber von Dr. Blauer eben(-
falls gegen Schuldschein an d ie Emigranten verkauft!
werden, wodurch si'ch Dr. Blauer einen ungebührlichen
Nutzen sichern sali.
Gegen das Palästinaamt wird weiters die Beschul-
digüng der Preistreiberei ;erhaben, weil das Amt für eine
;Schiffskarte 4. Klasse 3 Pfund 14 Schilling einhebt, wähi-
׳ rend für dieselbe Karte das Palästina’aimt in Warschau nun
<2 Pfund 5 Schilling fordert. Es wjird in der Anzeige auch
erzählt, dass Dr. Blauer anlässlich eines Gruppentrana-
von 600 ukrainischen Progromflitchtlingen unter deml
Titel ״ Transportbegleiter’5 ׳ Lire per Kopf einhob und,
mit diesen Emigranten Verrechnungen, die sich aus Valu-
tentausch ergaben, ohne gehörige Buchung und ,Quittie-
rung durchführte. Schliesslich wird die Beschuldigung er-
hoben, dass in der Kassagebairung des Di ־ . Blauer, den
in einer Persoh Vorstand, Buchhalter und Klassier ist, ein
Fehlbetrag von zirka 12 englischem Pfunden sich ergeben
habe, den er bis zur Stunde nicht aufzuklären vermochte^
Gustav Fischer beruft sich darauf, dass v er mit diese«
schweren Beschuldigungen nicht allein stehe. Vor ,einigen
Monaten soll ein Führer der rumänischen zionistischen Be-
wegung, Ing. Kan,ner. ans ,Bukarest, ״ nach Wien gekommen
sein und dieselben V : eff 0 blüffgef« ־ : dds > fiiösigen Palästina,-
(amtes und des Vorstandes Dr. Blauer festgestellt haben,
Der Skandal des Wiener Palästinaamtes beschäftigte tat-
Sächlich auch eine Reihe von ausländischen zionistischen
Blättern, in denen die Zustände im Wiener Bureau in
schärfster Weise kritisiert worden sind.
Diese Strafanzeige des früheren Beamten des Pa-
lästinaamtes wurde vom Polizeikommissär Hausdorf merk-
würdigerweise dem Angezeigten direkt zuge e ,ellt und
seine schriftliche Aeusserung verlangt. Der Referent, Re-
gierungsrat Bendl, Leiter der Auswanderungszentrale, uni-
tersuchte die Angelegenheit nicht näher und zog die En-
ledigung hinaus. Inzwischen strengte Dr. Blauer gegen
Fischer die Ehrenbeleidigungsklage beim Strafbezirksge-
ficht 1 an, inkrimimerte jedoch nur jene Stellen der Ani-
zeige, die sich auf die angeblich von ihm begangenenen
Veruntreuungen und' anderer Unregelmässigkeiten mate-
rieller Art beziehen. Die Einwendungen gegen die Unge-
setzlichkeit eines Reisebureaus ohne behördliche Kon-
Zession und der Konstituierung eines kaufmännischen Be-
triebes ohne behördliche Anmeldung wurden im Rahmen
dieses Prozesses nicht berührt. Vor einigen Tagen fand die
Agudas Jisroel-Jugendgiiuppe, Wien
II., Obere Donaustraase 69
Einladung
zu der am Sonntag den 15• Siwan (7. VI.) stattfindenden
Gesellschaftsreise nach Pressbnrg
Programm: Besuch des alten Friedhofes, Gemeinsamer Sijum
auf מ׳ס ביצה mit der Pressburger Aguda-Jugendgruppe usw.
Anmeldungen werden von db n Herren Nechemja Diekmann
und Viktor Baumgarten von 7—8 Uhr abends im Vereins-
lokale bis spätestens am 26. Mai entgegengenommen, wo auch
Auskünfte erteilt werden. Fahrtermüssigung. Visaermässigung
Der Vorstand.