Page
Seite 34 י
Nr. 5
t
j
1
1
JÜDISCHE PRESSE.
114*4* mm Unterstützt insgesamt jiber 500
H2ITn|9 Thoralehranstalten in Palästina,
II(IIUlli Oesterreich, Litauen, Lettland,
ן■*■■■■*■■*■■■ Polen. Rumänien usw. mit insge-
samt 250.000 Schülern.
Spendet für Keren Hatora* Osh Postsparkassen•■
konto Nr. 143.056
V a ,n Ree ss entnimmt aus -diesem Kommentar, diass
dii ׳ e Manrfafcsmaali't steh sträubt, das Recht einer- kleinen
reiLigiösen Gemeinschaft ׳ a 11 ,zii ׳ ef.kenin ׳ en,, sich, in voller- Frei-
׳ h!e ׳ it tzu ־ onsamisiieren. ׳ Wie erklärt nun dlie Mandatsmacht
dteu Paragraphen 2 d-eis Mandates? Die aschkenasischc
Gruppe dieinkt gar nte-hit .daran, sich irgendwie ■mit ׳ Politik
m iblefasseni, sse will sich , nur ris getrennte Gemeinde or-.
gan!iisi! ׳ eren., nim ■selbstäimdlig ihre religiösen Angelegenheiten
zu ordnien, wie •d'as auch i,n anderen Ländlern üblich !ist.
Wi?M sie etwa !die Mandatisniaabt !daran , hindern? Kanin ittiöht
eine Gertncijiscli'a'ft ׳ eine ,frelie Gem!eii!nd!e zur Ordnung .ihrer
religiösen Angelegenheiten !nach Paragraph 2 !des Mandats
bilden? Offenbar .Hat dlie Forderung ׳ der Kehillah, denen
Mem6r.ähfdimn 4e!m Völkierbimidc vidrliiegt, den einzigen
Sinn,- !dass sie steh den Zionisten •in religiösen Bebn.se n
,niiiahf unterorldneu !möchte. .
:0 rmslb y -G 0 r ׳ c er.wildert: Es miag..seiin, dass die
aschkeimsisclli.c Griuppe dieses wünscht, sie hat es• aber
vor dler Ad!n 1 ii!n ׳ isfcr.atii 0 ii 1 nicthit ׳ klar ausgesprochen. Als
Kebiiah reliichten -s!ic- eine» eiligenen, •Entwarf ein ׳ , der ,aut
ganz .anderen .GruiiidH'agen ihieranlit ׳ und voHkommen voai den
Anschauungen, der • Z 1 !rmisiiion . ab. w,dicht, die dille entschiei-
elende ■Majorität in der jüdischen Gemeinschaft dieis Landes
blillden.. Die englische Riegiiieirung ׳ ist weit davon entfernt,
der aschkenasisclien Gemeinde ihr religiöses Sclibstrecht
zu nehmen ׳ .
V a ,n Rc e-ss fragt, ob öildses soviieil !bedeuten soll,
׳ als sei die in !Betracht !kommende ascbkenasische Gemeinde
• nicht gehalten, 51011 י den Zionisten tin religiösen Angelegen-
helfen •zu! Bügen, was O ran slb y - G o r e bestätigt. ,
1P e r e i r a dli ׳ A n d ra de .schlägt vor. die Diskus-
sion über diesen: .Gegenstand ,zu vertagen ׳ ,׳ da ilhm von
ziionlistlisciliicir Seite !dliie Mitteilung ztigeganigiem ist, dass zur-
®eilt Verhiaindlliungen• zwischen •veirisclliiiiedenen Gruppen <i!m
Gange seien 1 . .!Es scheint dieses eine •interne religiöse Aus-
einandersetzung innerhalb der .jiildisahen Gemeinschaft zu
sein, und es wlind ׳ der !Mandatskommission schwer fallen,
da hineinjzureden, abgesehen von der Zusicherung des
religiösen !Rechtes ifiiir alle religiösen Gruppen,.
Der , Vorsitzende weist darauf hin, !dass idle an-
geblichen Verhandlungen keinen offiziellen• Charakter
•haben ׳ .
0 r.mislb y -1G 0 r e teilt !mit, ׳ dass der Oberkommissar
Lord Pluimer Weisung erhielt, die Frage ׳ der Organisation
der jüdischen Gemeiiinscihaft zu studieren ׳ und! ,Anträge
an die britische (Regierung izu stellen. Er wurde überdies
gelbeten, nach Möglichkeit auf eine Verständigung zwischen
den verschiedenen Parteien ׳ ■hinzu,arbeiten. Die Regierung
,wartet den Ausgang der Verhandlungen .-zwischen den
J'ttidlen vcm Palästina ,und dien, Frankfurter J:ud!en• ׳ aib. !Die
Mandatsmacht ist absolut Ibpreit, ider kleinen Gruppe das
Recht der ׳ Gründung einer Kehilah ln der KehiiLaih ■zur
Wahrung !ihrer religiösen !Rechte ׳ zu erteilen. - Aber die
Regierung wird .die Gründung ׳ zweier religiöser Gemeinden ׳ ,
die !vollkommen getrennt gehen, nicht erlauben ׳ .
< Der Vorsitzende meint, dass, soweit• ׳ das re;1!i-
®löse Moment der Frage 'in Betracht- !kommt, er ׳ den An-
sichten der ׳ asdhkenaslschen !Gruppe zustimmen !muss. Nach
seiner ׳ Ansicht hätte ׳ die Mandatmacht mehr Verständnis
für solche dlelHikafe Fragen •zeigen !müssen. Die Mandats-
kommisslon !hat ׳ über d'ie •Kernfrage zu entscheiden:
Warum soll die ■aschkenasische IKeliilah nicht gleiches
Recht •und gleiche ׳ Freiheit gemessen wie die zionistische?
S'ile verlangt ja ׳ nicht, ׳ diass man ihr !eind Hiemnsohaft ׳ über
andere Kreise zusprioht, sondern dass sie Ihr bisheriges
eigenes ׳ Leben, ohne Abhängigkeit von anderen Instanzen,
führen d ׳ anf.
Ormsby-Gore antwortet: Die kleine aschkena-
«fische Gemeinde gibt sich als die ■jüdische Kehilah in
Palästina unfd ׳begründet.dieses damit, !dass sie schon lange
vor den Zionisten ilm ׳Lahde wa!r. Die Admiiihistrafci'Oh
würde recht gern Vorschläge der Kommission entgegen-
nehmen׳. Man ׳hat aber !bisher nur־ die Ansichten der ge-
ringen Minorität •in dieser Frage gehört, während die
entscheidende Mehrheit der zionistischen Jufden •noch keine
Gelegenheit hatte, sich vor der Mandatskommission zu
äussern. !Die Mandatsregieriung erklärt, dass sie keinen 1
Punkt ,des Mandats übertreten• !hat. Das religiöse Recht
wird unbedingt siohergesteiHt werden in jedem Statut, ׳das '
angenommen wird.
Der Vorsitzende !bezweifelt, ob diiese Erklärungen
•bei den Koimmissionsmitgliödern den lEindruok befestigt
,haben, als würde der !asahkenasisebem Gemeinde das Ihr
nach dem Mandat ׳zustehende Recht anerkannt werden. •
V!an Rcess ,erkennt !an, ■dass !die !britische Regierung
nicht die Möglichkeit hatte., alle •in ׳der Denkschrift ange-
führten Ueibel abzusteMen. Die Regierung ist !bereit, ׳der
aschikenasischen. Gemeinde zu erlauben, •eiine •Neben-
gemeinde innerhalb der •jüdischen Keihilah zu gründen.
Das vermag ihn aber nicht zu beruhigen. Was •er mit ab-
so luter Gewissheit •wissen möchte, j!st, ! 011 ) die ointhodioxen
luden 1 absolute ,Freiheit in religiösen !Fragen ln dieser
Neibengemeinde ,gemessen? :׳Ormsby-Gore antwortet darauf,
dass ■eilne feste Formiuilileminig ׳dies G!em׳e!i!ndege׳s׳etzle 1 s noch
ausstelit.
Rappard ist ׳der Meinung, es sei nötig, ein Ge-
׳meindcorgan zu schaffen, dem es zusteht, sich !mit den
׳gemeinsamen Angelegenheiten', die Beziehungen zu religio-
sen ׳Fragen haben, zu befassen, 1 und dass in dieser Orgaivi-
satten diüe Meinung der Majorität imassgebenid •sein muss.
Es ist aber vielleicht möglich׳, !eine Klausel' tin das Statut
׳einaulbringen. dahingehend, dass, wenn eine . Minderheit .es
als gegen iilire Uebenzeuguiig empfindet, sich in Sahechiita-
Sachen unter ■die Aufsicht der Majorität zu stellen, ihr das
Recht erteilt ׳wird. auf.ihre eigene Art und !eigene Kosten
die Sclhedhiit'a 1 i;n 1 dliie' Hand 1 z!u !nehmen.
0 r m sb y -׳Go r e dankt Rappard für !seinen Vor-
schlag, ׳den er der englischen Regierung unterbreiten will.
Er •erhofft •aus dieser Konzession eine Lösung der
schwierigen Firage.“
* 1
׳Der Frankfurter ,,I s r a e 1׳H‘ nimmt folgend ziu
diesem , Protokoll ׳Stellung:
Das Protokoll :zeigt׳, dass liier !zwei gegensätzliche
Auffassungen, die des englischen ,Unterstaatssekretärs
Qr.misby-Goirie ,und dilejenliige■ dar Kam 1 m!i!ssi, 0 ;n 1 smehrheit mit-
einander rangen, dass aber Idie •Kommission 1 fes׳t blieb und
sich: gegen den Standpunkt des Unterstaatssekretärs —
Kolonialminli'Ster Arnery selbst !üble stärkere ׳Zurückhaltung
— ausgesprochen׳ ׳hat. Ormsby-iGore, ein warmer Freund
des jüdischen Palästina, •oben darum aber begreiflicher-
weise ׳völlig unter parteizionlistiiscliem ׳Einfluss stehend,
wiederholt immer wieder , ׳das von Herbert ׳Samuel auf-
gestielte ׳Dogma, ■e׳s dürfie ii!n Bnez Jiiisroeil hur eilrue Kehiilla-
Organisation geben. Dabel^ herrscht bemerkenswerte Un-
klarheit über den Gharakter dieser Einheitsorganisatipn.
Orm׳stoy-!Gor׳e ׳denlkt offenbar ' an eine konlfessioneire
Organisation, die er infit ׳der ׳nationalen 1 •idenitiifiziert also
an eine RClligionsgemeins^ift,deren ,jBekemitnls“ wt־•
sehen! 'Atheismus' ׳und Chässidismius schw.amikt ׳und die,
Elnjährher HanrelakufS Wiener Einjähriger Handelskurs
Talmud ־Thora ■ Schulverein
Volks- und BDrg 81 scha!e für Knaben und
Wien, l| ay Malzgasse 16 Oest.Postspark.-Kto. 182.169
Spendet für das älteste und grösste
jüdische Schulwerk Wiens !
״^. r ״ , TIFERES BACHURIM
unterstützt Wiener Kinder, die auf Jeschivoth lernen.
§1^ Fördert daher diesen Vereinige
. 51.807 . Postsparkassen-Konto Nr
organisatorisch ihr völlig ■unterworfen, eine kleine ortho-
doxie Sepafatgemeinde' in sioh schliesst.
•- Diese Konzeption hat nun in der’ Mandatkommissiou
erfreulicherweise keinen Anklang gefunden!; vielmehr
: wurde in offensichtiliciliem Gegensatz zu ihr beschlossen
les disposltions ׳ , IDs favds de la Com'mission ״/
du mandat ne paraissent pas oibliger la ,Puissance !man-
ne reconnaitre qu’üne seuie comrnunaut'e ־ dataire ä
reiigieuse ijuive en !Palestine.“
Deutsch: - ...
Nach Meinung der !Kommission scheinen !die (Be-
gs ׳ • Stimmungen des Mandats die !Mandatarmacht !kei 11 e®we
jüdisch-religiöse Gemein- ׳ zu nötigen!, nur eine einzige
sahaft in Palästina anznerkennerr.
unter- ׳ e!r, Kom!mii!ssion ,nicht etwa ׳ Mau darf fiter d
. Stollen, dass sie zwischen naittemal und •rieligiös !unterscheide
Dif.fienenziiorüng ׳ n&li'giöser ׳ umd ,etwa inatioinale' ■Einheit bei ׳
offenbar die von ׳ man ׳ geschaffen sehen wolle,• vieilmchir !hat
den Vertreterin der Mandatarmacht angewandten • Forma-
berungen, die immer narr von Konfessionen !und •Reliigtonen
Komimlilssioa spricht ׳ spflechen, !einfach ■übieriiioiTimeni. Die
■aach kiQimieswegs !bloss von Jerusalem, sondern hält diie
Schaffunig zweier palästinensischer Rlelliiigioinsvieirlbäudie •für
ur Wahrung dar religiösen Gewiis- ׳ 1 den gegebenen We.g ,z
׳ . ®enisifrei,hebt
Die !seltsame Roille!, die ,iFnankfurt“ in •dien Aus-
englischen Vertreter spielt, verrät dem Biin.-. ׳ führ,ungen ,der
geweihten das ,bösartige izlomiiisti'ilsche Konzept, ,au. deutlich,
man sich darüber wundern !dürfte. Es .!ist jä auch !׳ als dass
zu bequem, ider brliitisahien Rielgierirng vorzutäuschen, ׳■ gair
i dem •von d:er orthodoxen Judenibeiit der ׳ e ׳ ,es !handle sich b
.ganzen Wlelt ,geftihrfien Kampfe gegen dliie Machtgeliiste ider
Juden ״ um eine L’iebhiabeirel !der ׳, Waad ,lenimii-!Politiker
111 !dem eniglllBschen P,a- ׳ 11 ' tllic ׳ doch ,eiigen ׳ Frankfurts“, • idiie
Glücklioherfwaise hat ׳ . ilästiua gar niidh.bs zu !suchten ,liättien
■auch dieser T,r!i 10 k dliesimial nicht verfangen — ,aber die
die ge!- ׳ ganze Eimstleillung dies briiitischen Vertreters ,unfd
zionisbi- , •׳ er !mach ׳ rade zu ungeheuer liehe Chairaktlariistlik, !die
schem Diktat von den. orthodoxen Juden !Palästinas gibt
zeigte deutlich, welch gewaltiges Mas,s von Aufklänungs-
dem Tage, •an dem ׳ r|d!, bis m ׳ !arbeliit noch zu !Hellsten seiiin wi
m alten, ihiistonischen ׳ auf !dem Baden !Enez Jiiisroels !auch die
Gemeiinschaf(siebens ׳ seines ׳ Judentum die freiiie Entfalbimg
, gesichert .seiiin wind
״Frankfurt“.
In den offiziellen Organen ׳des Zionismus •ist laug
ntnid breit ׳davon idiie Rlelde, ׳dass die Zionistische Qnganif-
siatioinen es ׳kiugar!wieise albgedethnt habe, !in !ihreim Mietmo-
ranidam an : ׳den Vöilkie'rlbund !zu den ,Forderungen der
Agudia auf Gewissensfreiheit !Stellung zu nehmea Jai, wir
g׳asbelh 1 en zu, ,sehr ikilugeiriweliise. Denn ■slle !halben es■ ,ver-
standen׳ ,׳durch den׳ Tatscahen nicht entsprechende Jufor-
׳: Bilder aus Oesterreich.
Von L. Moses.
(Schluss.)
VIII. Die Parndorler Heide; Kittsee.
Am nächsten Tag erreichen wir dann ein Gebiet* das
mit seinen Auen und Kanälen schon die Nähe eines grossen
Flusses verrät, und bald taucht auch im Hintergründe das
wohlbekannte Bild •des ׳Pressburger Sclilossberges auf.
Dort ׳befindet sich jene grosse Judengemeinde, die in geisti-
ger Hinsicht die Metropole des ungarischen ׳Judentums war
lind auch wie ein gewaltiger Magnet alles Leben aus ׳den
kleinen ׳Gemeinden der !Gegend an sich zog. Da liegt bei-
spielsweisc etwas !weiter östlich, schon auf !ungarischem
Gebiet, das hier ׳in einer neuen Dreiländerecke mit öster-
relchischem und tschechoslowakischem Gebiet zusammen-
stösst, der zum Komitat Mosan gehörige Ort Karlburg
(ungarisch Oroszvär) mit einem Schlosse der, Gräfin
Lonyay, der ehemaligen Kronprinzessin Stephanie. Dieser
Or» nun, der bei den Juden Kadelburg heisst und in dieser
Version auch den Familiennamen des bekannten Lustspiel-
dichters Gustav Kadelburg darstellt, war einst eine ganz
bedeutende Gemeinde, in der noch i׳n den Siebzigerjahren
R. ,Michael Suranyer, ein Nachkomme des Verfassers von
,;Meirath Enamjim“, einem Kommentar zum Schulchan
Aruch, wirkte. In den letzten Jahren ist diese Gemeinde
aber so rapid verfallen׳, dass nur mehr zwei alte Frauen
noch dort wohnen sollen und durch das !bereits schadhaft
gewordene Dach der Synagoge der Regen eindringt. Es
besteht dort Gefahr !für die Thorarollen ׳und alle anderen
Einrichtungsgegenstände der Synagoge, und es wäre wohl
am besten und würdigsten, wenn auch hier, ähnlich wie
dies vor kurzem bei einigen kleinen untergegangenen Ge-
meinden in Polen der Fall war, die Thorarollen in sichere
Obhut genommen und neu entstehenden Kolonien in Erez
Jisrael überlassen würden. So käme die Thora in ihre
Heimat, zurück, in ihren natürlichen Nährboden, ׳und eine
solche Rückkehr könnte uns wenigstens auch über den
Verlust trösten, den wir durch die Auflösung so vieler alter
Gemeinden erleiden.
־ Wir sind in Kittsee, •der siebenten unserer ״Sieben
Gemeinden“ — denn auch Kitt&ee gehörte früher zum
Herrschaftsgebiete der Esterhazy, kam aber später !in den
Besitz der Grafen •Batthyäny — angelangt. Viele SÖhnie dieser
Gemeinde sind schon lange vor dem •Kriege •nach Press-
•bürg-und auch nach Wien abgewandert und so ■fand schon
vor vielen Jahren die von ,einem Witzbold in Umlauf ge-
brachte Version •des Bi'belverses, die für (Naim. 23, 13)
אפס קציהו תראה וכלו לא תראה אפס קיצע תראה וקהלה לא תראה
setzte, viel Verständnis. Und in der Tat dauerte es lange,
bis wir in Kittsee einen jüdischen ,Kaufladen und dann
auch ■die Synagoge entdeckten. Es .war der Vorabend des
9. Ab und a!n diesem Abend ebenso wie am darauffolgen-
den Vormittag bei der Rezitation der Klagelieder konnte
ich mich nicht genug sattsehen an der ,inneren Ausstattung
dieser kleinen, aber reich verzierten Synagoge, die der
bekannte Maler Isidor Kaufmann durch seinen Pinsel ver-
owigt hat. Der Almemor und Aron ha-Kodesch sind wahre
Prachtstücke edelster Synagogenkunst, die man am wenig-
sten in diesem von aussen, so unscheinbar misseihenden
Gebäude und in dieser Gemeinde vermuten würde, deren
spärliche Ueberreste von kaum zwei Minjanim sich da müde
lind verdrossen zusammenf^nden. An einem passenderen
Oorte hat wohl selten jemand den Fasttag des Tischa b'Ab
verbracht als ich in dieser Ruine einer einst hervorragen-
den •Gemeinde und nicht nur des scheinbaren Homonyms
wegen schien mir der Satz (Echa 4)
צדו צעדינו מלכת ברחבתינו קרב קצנו מלאו ימינו כי בא קצנו
geradezu auf ׳ Kittsee gemünzt.
In Kittsee, das wahrscheinlich vielen Wiener Exu-
lanten aus dem Jahre 1670 zweite Heimat geworden, fand
ich u. a, das Grabmal des R. Zwi Hirsch Broda, der hier
als Rabbiner wirkte. Aus der Tatsache allein, •dass dieser
Mann, von dem ein Kommentar zum Schulchan Aruch
(Eben Haeser), Erez Zwi u’ Theome Zwi herrührt, in Kitt-
•see das Rabbinat innehatte, kann schon auf die einstige Be-
deutung dieser Gemeinde geschlossen werden, die wohl
erst viel später von Pressburg überflügelt worden sein
mag.
Einer der Vorgänger ■des R. Zwi Hirsch Broda,, des-
■sen Urenkel der bekannte Wiener Prediger Ahron Jellinek
war, ist der im Jahre 1758 verstorbene ■R. Mosche Elieser.
dessen Mazewa als sein Herkunftsland Polen bezeichnet.
Und dieser R. Mosche Elieser dürfte auch der Rabbiner
gewesen sein, von dem die Sage in Kittsee folgendes er-
zählt:‘ Kaiserin Maria • Theresia weilte, als sie in Pressburg
׳den !bekannten Treueid der ungarischen Magnaten! ent-
gegengenomimen hatte, auch kurze Zeit ;in Kittsee auf dem
Schlosse des Grafen Esterlhä׳zy. Dieser, eine der Haupt-
•stützen des Habsburgerthrones, hatte ja vor diesem histo-
risch bedeutsamen Akt !seine Standesgenossen durch reich-
liehe Bewirtung •mit seinen vorzüglichen! Weinen auf dem■׳
selben Schlosse in die zu solchem Tun notwendige patrio-
tische !Begeisterung versetzt. Als sich nun die Nachricht
von der Ankunft der Kaiserin im Judenviertel von Kittsee
verbreitete, legten die Vorsteher dem Rabbi nahe, der
Kaiserin ■auf dem Schlosse im Namen der Judengemeihde
seine Aufwartung zu ,machen. Mit Bangen und Zittern
entledigte sich der !Rabbiner •dieser Aufgabe, indem er sich
vor der Kaiserin wegen seiner mangelhaften Gewandtheit
im Sprechen entschuldigte und sich die Erlaubnis erbat, s ! e
segnen zu dürfen. Zum Schlüsse prophezeite er der Mon-
archin noch Glück in idem bevorstehenden Kriege und hat
vielleicht so als erster Vertreter der Kittseer Juden-
gemeinde •etwas von dem Sinn für die Dinge ■der Aussen-
weit !bekundet, den dann ׳zum Beispiel auch die Ange-
hörigen der Familie Figdor aus ■Kittsee, die als Juwelen-
grosshändler später in Wien ,zu Reichtum und Ansehen ge-
langten׳, reichlich an den Tag zu legen wussten.
Auch ein Oheim des berühmten Budapester Orien-
tali'Sten Ignaz Galdziiher, R. M׳ei׳r Zwi Goldziher, Rabbiner
vo,n Losoncz, ׳stammte aus Kittsee; der bekannteste Sohn
dieser Gemeinde ׳dürfte aber der 1m Jahre 1831 dort ge-
borene Virtuose und Komponist Josef Joachim sein, an
dessen Geburtshaus wir eine ,mit seinem Bildnis versehene
Bronzetafel mit -ungarischer Inschrift sahen. Der jetzige
Rabbiner* R. -Zw׳i Hirsch Perles, ein Enkel des R. Isak
Moses Perles, der von 1821 bis 1840 Rabbiner von Eisen-
stadt war, ist ein auf den ersten Blick imponierender Mann
von strengster Frömmigkeit, dem man bol seinen Erzählun-
gen aus der Vergangenheit seiner Gemeinde den Schmerz
über ihren gegenwärtigen■ Tiefstand nur zu •deutlich an-
merkt. Mit Wehmut spricht er von den- grossen Männern,
die ehemals die jetzt fast nur von Nichtjuderi bewohnten
Häuser rings um die Synagoge bevölkerten und durah ihre
Lehre beseelten, und zu denen sich ׳auch noch eine merk-
Hiniyiniiniim WM »ff wwill^ann ...