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!ümsr he presse
matnorcen den Vertreter des englischen Kalonra'lminJste- י
niums, !Heinro Ormsby-Gone zu einem trefflichen Anwalt
ihrer Sache !zu machen׳. Wie ׳hätte es sonst kommen
können, •dass ■das alte, (verbrauchte Argument aus der
Rüstkammer demagogiisaher Kämpen, vor •einer so hohen
Körperschaft wie dem Völkerbund paradieren! darf? ׳Wer
halt Hierm Onmsby-Gane imibgeteiislt, !dass diie tboratreuen
Kreise hi ׳Palästina das ׳Sprachrohr von ״!Frankfurt" sind?
Soweit ■wir ׳informiert sind׳, erscheint in den׳ Akten des
CoÜoniai lafifice in !London !Frankurt dbensowemig ■wie in
d׳en ׳Akten׳ des Hiiigli commlissroners in Jerusalem. Wie
konnten Juden ■es wagen, in dieser Weise einen so hohen
Beamten! •derart zu imformieren׳? Wollten! •die Herren, die
sich noch In letzter Stunde in Genf bemiiiiht halben, die
A׳gu׳da ais 'Verräter izu stigmatisieren), wirklich die so vor-
nehme Regierung ׳Englands ׳veranlassen, das Mandat zu
einem !Instrument ׳geigen׳ die !Bibel !des Volkes zu !machen׳?
Wollten sie wirklich !provozieren׳, (dass nun wirklich Pro*
testtversammiungen ider Thoratreuen׳ der ganzen!Welt gegen
diesen Versuch ׳der Bagatellisiert!ng !des Wüllens !zur Thora
sich erheben? Diie Zfontet'iisdhle 0!nganlisa׳til0i11 hat es w!ahr-
liaftüg nicht nötig, solche •DesperadopoiHitik zu treiben!. Wir
können mir •das eine noch zu diesem !traurigen *׳Kapitell
sagen: •Unsere Gesinnungsgenossen in !Palästina haben es
wirklich nicht verdient, in ׳dieser Weise öffentlich bloss-
aesbeUH zu werden, ׳als ob •die •sich von irgend jemand
hätten amfiputscihen lassen, als ob sie ׳den iRiesenlkampf
nicht aus eigener ׳Ueberzeugung unternommen hätten.
Nein, jene so v&efl׳Ä׳e־sdInm!ähtien׳ Clvan!uk!a׳ju׳den, •d 1 i:e es‘ väell
loichter !und bequemer hätten haben können, die auf jeden
materiellen Vorteil verzichtet 11׳aben, haben !Anspruch zu!m
mindesten ׳auf ׳d'ie Achtung aller edlen !Menschen׳. ,Es war
ein sittlich schlechter Akt. Herrn Ormsby-Gore zu sugge-
rieren, ׳dass Menschen, iclile mit Ihrem 1 H!anzfb׳I!ut !kämpfen,
uneheliche, rnis׳s!b rauchte, (Menschen seien. W!ir lieben es
nicht, mit !Gegenfragen zu dienen; sonst wäre es ja ein
lieüaliites, •festizius teilten!,’ idalss !den !Sc111ivye!npunkt der zloniis#-
sehen! Tätigkeit ׳nicht im palästinensischen Menschen׳ !liegt.
Für den ׳sittlichen; Wert eines geschichtlichen ׳Ge-
sdhehens ist es wirk lieh einerlei, wieviele Menschen
Träger ׳einer Idee ■sind. Wiiirde man !wagen, ein Gleiches
irgendeiner noch so kleinen• christlichen• oder mohaimme-
danisclien Konfession ziu hielte n?
!Was spricht ,man •da von Frankfurt:. Ist es nicht
einfache jüdische •Pflicht jedes Orthodoxen., ׳doch was sagen ׳
wir, jedes Juden׳, anderen. ׳Juden, !die ein so 111 erotisches
Rängen •auf stell genommen haben!, !zu heiifen׳? Führ !den
materiellen Aufbau Palästinas •ruft ׳man die ganze Welt,
und׳ •dem ideellen. •Aufbau soll !man sich versagen dürfen?
Nein, !nicht Frankfurt, nicht Warschau, nicht Amerika,
nicht Europa haben Ihre Pfltelht erfüllt. Jetzt gilt •es gar
nicht dlelr , Sache Um Palästina selbst, jetzt gilt ׳es, der von
sicher ■unveranttwortilichen !zionistischen! Stellen׳ ausgehen*
•den Verleumdung anständiger Menschen ׳zu begegnen׳.
Es widerstrebt uns׳, den sehr interessanten !Hinter-
gr-iwid •politischer !A׳r׳t zu enthüllten, 1 a!uf !deim sich diese
Taktik auf baut, die sich !bis ■zu falschen Informationen
einer so ;hohen Stelle. ivieirgülsisit. ׳Es !genügt, !zu sagen, ׳dass
wir diesen! Hintergrund (kennen; er ist sehr fadenscheinig.
Aber wir ;wenden uns an •die Orthodoxie, an die
״Peiesträger“, !über ׳die man gHeichfalüs umriahtige Infor-
•mabronen suggerierte, !als ob sie moht Lust, ׳nicht Fähig-
keit !zur Arbeit hätten, ׳an die grossen, ׳grosserl •geschmähten
Massen der Thoratreuen wehdeti wir uns •mit der Frage:
Warum schweigt ihr? Warum duldet ihr •in so behaglicher
Stille, dass die Sache, (die .heilige Sache unserer Thora
so entstellt von Juden •der Welt dargestellt werden darf?
Lau saa maud al cfam reecho?
Und nun noch ein Wort über die Kehrseite. Bei
äililiedlem lilst ״Jewüsh GhmmiaÜe“ !miiit He׳rrn Ormsby-Gore un-
•zufrieden und beklagt sich, dass Herr Ormsiby-Gore •in
Palästina ein jüdisches Ghetto errichtet sehen w.ii'l!
Wie die englische Regierung über
die Aguda informiert wurde.
Anlässlich der jüngst bekannt gewordenen Aeusse-׳
rungen des englischen Regierungsvertreters ■O r m s b y-
Gore in der Mandatskommission des Völkerbundes
über die Forderungen Agudas, die er als Wunsch einiger
Frankfurter bezeichnete, dürften die Aufzeich-
nungen von Rabbiner Dr. Leo Jung in New York in
der vornehmen New Yorker Monatsrevue ״The Jewish
Forum“ über die Geschichte der Balfour-Deklaration,
denen wir die nachstehenden Kapitel entnehmen, auf
allgemeines Interesse Anspruch erheben.
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Telephon 7426 ״ 2 ״
Telephon 742 - 26 ״
(gegenüber
der Pestsäule)
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angeoasst, daher vollkommen unauffällig! 1
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Das Intormationsministerium und die Vernichtung der Aguda.
Nach der Balfour-Deklaration trat der Zionismus
mit der englischen Regierung offiziell in Verbindung und
als das Informationsministerium gegründet wurde, wurde
die Zionistische Organisation dessen jüdischer Beirat.
Dieses Ministerium war, wie ein grosser Parlamentarier
es bezeichnete, die vollkommenste Spionageorganisation,
die je erdacht wurde. Und die jüdischen Mitglieder er-
wiesen sich sehr tätig. Die Ergebnisse blieben nicht aus.
Innerhalb kurzer Zeit hatte man die Aguda in England
unmöglich gemacht. In der letzten Woche vor dem Krieg
hatten die Londoner Juden den Agudadelegierten einen
sehr begeisterten Empfang bereitet. Als Deutschland
während der absoluten Regierung der Gelben Presse
sich in den ״fleischgewordenen Teufel“ verwandelte, war
es nur natürlich, dass man ein Ding in England tötete»
sobald man es als ״deutsch“ bezeichnete. Die agudistische
Organisation war die gemeinsame ,Schöpfung der Gaonim
Osteuropas und der westeuropäischen Orthodoxie. Ihre
erste grosse ״Kenessio“ (Versammlung) sollte im August
1914 stattfinden. Plötzlich begannen seltsame Gerüchte vom
Informationsministerium auszugehen. Die Aguda wurde
nun deutsch gesinnt befunden, und zwar nicht allein ihre
zentraleuropäischen Führer, sondern sogar der Rabbiner
von Brjsk, der Rabbe von Our, der Cnofez Chajim, der
Gaon von Minsk, Rabbiner Ch. O. Grodzenski
und alle grossen Führer überhaupt wurden plötzlich als
Werkzeuge ihrer kaiserlichen Majestät entdeckt. Der Lon-
dotier ״Jewish Chronicle“ und ein Heer gleichgesinnter
Zeitungen tanzten nach dieser Pfeife, und es klang wie das
Totenglöckchen der Aguda in den alliierten Ländern. Ich
erinnere mich, wie eine führende jüdische Persönlichkeit
zu meinem Vater sagte: ״Rabbi, ich stimme der Aguda voll-
kommen zu, aber sie ist öffentlich als deutsch-gesinnt be-
kannt und in dieser Zeit eines Bottomberg und anderer,
die behaupten: ״Kratzt einen Juden ab, und ihr werdet
einen Deutschen finden,“ kann ich nicht dulden, dass mein
Name in diesem Zusammenhang genannt wird.“ Diese
Ansicht wurde mir von einer ganzen Anzahl führender
englischer Juden selbst nach dem Kriege wiederholt. Ich
weiss, dass es einer Anzahl Agudisten nicht gestattet war,
1919 an einer Londoner Massenversammlung teilzunehmen,
weil sie, Rabbiner und weltliche Führer der Aguda, von
den Zionisten auf die schwarze Liste gesetzt worden waren.
Diese Tatsachen geben Aufschluss über zwei Fragen:
Warum die Aguda keine Fortschritte in England und in
den Vereinigten Staaten gemacht hat, und• warum ein sol-
eher Pessimismus hinsichtlich der Möglichkeit eines fair
play des Zionismus gegen die Aguda herrscht. Einer der
besten jüngeren Agudisten, der etwas spät die Wahrheit
erfuhr, hatte 1918 die Aguda als deutsch-gesinnt ange-
griffen. Er War durch einen Schweizer Agenten des zioni-
stischen Bureaus in London irregeleitet worden. Dieses
״Brandmal“, das während der fieberhaften Heuchelei der
Kriegszeit Erfolg hatte, haftet unserer Organisation noch!
an. Erst vor wenigen Monaten wurde einem Aguda-Fiihrer
fälschlich die Behauptung in den Mund gelegt, die ״Agudä
sei als pro-deutsch gegen Palästina, weil dieses eine Kolo-
nie der Alliierten ist“.
Der ״Frankfurt“-Wahn.
Die Anstrengung, die Aguda zu ״frankfurtisieren“,
entspringt denselben Ursachen. Einige der jüdischen Schrift- 1
steiler leiden offenbar hinsichtlich Frankfurt an einem(
pathologischen Wahn. Das Judentum jener Stadt, der Ge-
burtsstälte der jüdischen Renaissance im 19. Jahrhundert,
hat auf allen Gebieten jüdischer Bestrebungen wertvolle
Arbeit geleistet. Seit den Tagen des unsterblichen
S. R. Hirsch hat es starke Kräfte und reiche Mittel zur
Förderung jüdischer Wohlfahrt auf der ganzen Erde ge-
spendet. Es ist möglich, dass jene Schriftsteller an irgend
eine unangenehme Erfahrung denken, die sie in Frankfurt
gemacht haben, die ihre Gemütsruhe stört, aber sie gehen
in ihren Anstrengungen, zu beweisen, dass die Aguda eine
Frankfurter Angelegenheit ist, weit über die elementarsten
Grundsätze der Wahrhaftigkeit hinaus. Als ob die Rabbiner,
würdige F!na!u .gesell lü, idi!e ׳ bei den! , Juden als die Nonne
bezeichnet ׳ wird, da sie vor langen Jahren 1 als Nonne in
einem Tiroler Kloster ihre jüdische Abstammung erfahren
haben und geflüchtet sein •soll. Zu Fuss ׳ und bloss in den
Nächten wandernd, soll diese Frau endlich in JKlttsee beim
Raiblbi Zullucht !gefunden ׳ — ׳ damals galt ja noch der Ueber-
tritt ׳ ׳ zum Judentum als ein schweres Verbrechen — ׳ und
einen Juden •geheiratet haben ׳ .'Auf dem Frledholf von Kitt-
see, da wo R. Mosche Elieser, R. Jetada Lölb Popper,
R. Menidei Ko!hn, R. Zwi Broda und R. Meir. Albeles be-
graben sind, befindet sich auch das Grab dieser ,,Nonne“.
Kritisch betrachtet, !möchte •man ihrer inneren Struk-
tur n/ach die Bewohner der Scbewa Keiiiiteth in eine ׳ hoch-
zivilisierte Schicht von Talmudgellehrteai !und Frommen
einerseits und ein ,unwissendes und auch religiös !mehr oder
weniger mldilfiferentes Proletariat e 1 int ׳ eilen, das sich von dem
jüdischen und von dem nic ׳ h ׳ tjii ׳ disc!hen Proletariat einer
Grosstadt nicht sonderlich unterscheidet. Zwischen diesen
beiden ׳ Schichten ׳ gibt es allerdings auch !viele Ueibengänge;
im grossen ■und ganzen sahen wir hier aber in solch kleinen
Gemeinden am deutlichsten die geistige und ökonomische
Struktur des Diasporajudentuims mit allen seinen Vorzügen
und Fehlern ־ blossgelegt — doch darüber soll vielleicht ein
anderes •Mal gesprochen werden.
!Man muss niaht erst weit fortreisen, ׳ um ׳ beobachten
•und erzählen zu können, wenn man nur offene Augen !und
ein empfängliches Herz mitnimmt. Und dieses Gepäck will
ich י auch mit mir nehmen auf meiner weiteren Fahrt durch
ehemalige Judengemeinden in Niederösterreteh.
Zum Wochenabschnitf a
Wahre und falsche Politik.
Die Entlassung der Juden׳ aus. Aegypten׳ wa׳r für
Pharao und sein Kabinet entschieden eine hochpolitische
Angelegenheit. Hiezu ist zu bemerken׳, dass das Kabinet
in der heiligen Schrift bezeichnenderweise als die ״Knechte
Pharaos" erwähnt werden. Es Ist ׳natürlich, dass Pharao
und seine Leute die ganze Angelegenheit mit anderen.
Augen ,ansahen, als wir. 'Es 1 ist möglich, dsas d'ie Aegypter
das Verlangen׳ nach Entlassung !der Juden u׳n!d die Sehr
deutlichen׳ und schmerzlichen Argumente, durch die diesem
Verlangen Nachdruck verliehen !wurde, ,als ,einen Streit
überirdischer Mächte ansahen, ׳und •es ist ׳begreiflich, wenn
die Aegypter die M׳ac!ht •ihrer ׳Götzen höher •eirisichätzten.
Gewiss •jedoch spieien neben !diesem religiösen Einschlag
innen- und aussenpalitische Motive für (Pharao und seine
Leute die Hauptrolle.
Die '!heilige Schrift würdigt diese Situation •und
gewährt uns ׳dadurch «inen׳ wundersam •tiefen Einblick in
das politische !Auf und Ab •des damaligen Aegyptens. !Noch
wundersamer ist es. wenn wir In ■dieser ׳Beleuchtung er-
fahren, dass sich in dieser ׳Politik der Grossmächte seit
Pharao •blutwenig •geändert •halt,
,Zunächst irmenpolitüsch: Seitdem es ׳eine Vergesell-
schaftung der Menschheit ׳gibt, ׳war 1 im׳m׳er ׳eine breite
Oberschicht vorhanden, ׳die ׳es verstand, eine noch breitere
Untenscihioht ׳durch Gewalt ;zu •zwingen, ihre Arbeitskraft
in den Dienst ider Machthaber zu !stellen׳. Ebenso lange geht
das ׳Bestreben •der Unterschicht Gewalt ׳gegen׳ Gewalt zu
setzen. Ebenso lange währt 1d!f׳e Erfahrung, ׳dass auif die
Oberschicht die Gedanken !des ׳Rechtes und der Moral nie-
mals Eindruck ׳machen. Auch im Innenleben der Völker
galt und gilt •der sehr bedenkliche Satz: Macht !gibt Recht
und Macht sohafft Recht.
Sodann aussenpoiitisch: Die ׳damalige Lage Aegyp-
tens war äu׳sse׳rlich glänzend. Die •breilte 11 ׳ ׳Gebiete Vorder-
asien's waren •tributpflichtig geworden. Allein !die Gefahr
war nicht von ׳der Hand zu weisen!, dass geigen ׳diese Unter-
drückung •eine gewaltsame Erhebung !stiaftfinden׳ ׳könne ׳und
dass !die Unzufriedenen im eigenen Lande eis unter Um-
ständen verstehen ׳würden, mit •den Empörern .gemeinsame
Sache ׳zu •machen.' U׳nd ׳diese Frage geisterte wie ein.
bleiches Gespenst •durch die hohen •und höchsten Kreise
und verdüsterte Pharaos Gemüt. .
So •wurde denn idle ägyptische Politik zu einem Ge-
•bilde, das in •jeder •Beziehung !der,• grossen Linie entbehrte.
An dieser Grenze scheiden sich •eiben Immer die •meisten.
Es ׳gibt einen • politischen Weg, ׳der sich einen׳ Grundsatz
aufstellt und an !diesem Grundsatz unter allen Umständen
zähe festhält unid Ihn für keinen .noch so grossen Erfolg
des Augenblickes preisglbt. Es gtibt auf ׳der anderen 1 Seite
die Opport 1 mitätspolit׳i.k, welche •von der jeweils äugen-
blickllchen Lage möglichst Viel zu gewinnen sucht und sich
heute so, morgen so !einsjeilt, lin dem •einen ׳Augenblick sich
das Ansehen׳ gibt, als wären ׳die Forderungen der Gegen-
seiite berechtigt, in ■der anderen Stunde •sie brüsk zurück-
weist. •Das !ist die Politik Pharaos, sie führte zu seinem
Untergang. Ob wohl ׳die Politik unserer Tage am diesen
Unterschied denkt? Ob wohl die Augerib'licksweiisbeit ׳eines
Pharao •dauernd Ihr vor Augen schwebt? Alle Völker, ■die
Opportun'itätspolitiik !trieben, ׳gingen trotz ‘blendender
Machtfülle •zugrunde, nur •eine grosse !Idee und ׳die grosse
Linie ׳des Festhaltens an dieser Idee, unter allen Wand-
rungen gibt Ihnen Bestand.
Kleine Bemerkungen.
In der dieswöchentlichen Sidra (Kap. XVII, 14;
heisst es: , כתוב זאת זכרוו בספר ושים באזני יהושוע ,
Auffallend ist die doppelte Ausdrucksweise: ״ Schreibe
es zum Gedächtnis im Buch auf und lege es in Josuas
Ohren.“ Dass die Thora es nötig findet, nicht nur die
schriftliche Fixierung ( יכתוב sondern auch die mündliche
Einschärfung שי□ באוני dieses Befehles zu verlangen, hat
nach einer geistreienen Erklärung folgenden Grund:
Nach dem Talmud (Baba Bathra, 21 b) hat Joab,
der Feldherr Davids, die Weiber und Kinder der besiegten
Edomiter deshalb am Leben lassen, weil sein
Lehrer ihm den oben zitierten Schriftvers falsch
auslegte. Er las nämlich, anstatt ״ Du sollst ausrotten
das Andenken Amaleks“ (seither Amolek) — ״ Du sollst
ausrotten die Männer Amaleks“ (sochor Amolek), und
so kam es, dass Joab Weiber und Kinder schonte.
Um einen solchen Irrtum nach Möglichkeit für alle
Zeiten vorzubeugen, legte die Thora Gewicht darauf»
dass gerade bei diesem Gesetz neben der schriftlichen
Fixierung auch seine mündliche Tradition vorhanden sei,
damit durch diese die richtige Aussprache gesichert sei.
* '
Im Kampf gegen Amalek, der in der dieswöchent-
liehen Sidra erzählt wird, kam Moses eine besondere
Rolle zu. Er bestieg mit Aharon und Chur einen Hügel
und erhob die Hände gen Himmel, um G ־ ttes Segen
auf sein Volk herabzuflehen. ״ Aber die Hände Moses
wurden schwer, da nahmen sie einen Stein und legten ihn
unter ihn, und er setzte sich darauf, und Aharon und.
Chur stützten seine Hände, der eine von dieser Seite»
der andere von jener, und so blieben seine Hände aus-
dauernd bis Sonnenuntergang.“ (Kap. XVII, 12.)
Es fragt sich nun, wozu denn Aharon und Chur
einen Stein als Sitzgelegenheit für den Meister herbei-
schafften. Die Thora erzählt ja nur, dass seine Hände»
die betend ausgestreck't waren, schliesslich erlahmten und
einer Stütze bedurften, erwähnt aber mit keinem Worte»
dass Moses vom langen Stehen müde würde, so dass er
sich setzten musste.
Diese Frage kann vielleicht durch den Hinweis
aut eine Stelle Im Talmud, Berachoth 54b, beantwortet
werden. Dort wird nämlich erzählt, dass Moses von ganz
ungewöhnlich hoher Gestalt war, so dass er seine Mit ״
menschen auch körperlich weit überragte. Dann ist aber
leicht verständlich, warum Moses sich setzten musste»
als Aharon und Chur seine Hände stützen wollten. Wäre
er stehen geblieben, so wäre dies’ physisch unmöglich
gewesen, da diese bis an seine Hände gar nicht hinauf-
reichten.