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Seile 2
JÜDISCHE PRESSE
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keitsbericht erstattete und den Aufgabenkreis der
nächsten Zukunft umschrieb, sondern zugleich ein
plastisches Gemälde der geistigen Situation der jüdi-
selten Welt entwarf.
Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer (Berlin)
referierte über
״das russische Problem",
gab eine genaue Uebersicht über die geistige und
wirtschaftliche Lage in diesem Lande und ■deutete
die Möglichkeiten einer vorsichtigen und schritt-
weisen Einwirkung von außen an.
Nach Annahme einer
Resolution,
die den holländischen O b e r r a b b i n e r-
verband ersucht, diesbezügliche M a ß-
nahmen in die Wege zu leiten, scliloB der
Vorsitzende um 2 Uhr die erste Sitzung.
Die zweite Sitzung
wurde aibends um 8 Uhr durch den Vorsitzenden er-
öffnet, nachdem am Nachmittag ein Teil der Dele-
gierten dem Hesped ■auf den sephardischen Chacham
P a 1 a c h e beiwohnte, der andere in internen Be-
sprechungen unter Präsidium ■des Oberrabbiners
Tal (Utrecht) Organisationsfragen der niederländi-
sehen ׳Keren Hatorah beriet.
Der Präsident gab oin
von der Königin der Niederlande
eingegangenes Telegramm bekannt, das den Dank
für eine seitens der Konferenz ihr gebrachte ׳Hulcli-
gung übermittelte. ■Es folgten alsdann die *Referate
des ׳Präsidenten
״über die Arbeit Keren Hatorah Hollands“,
in welchem er die !Herausgabe eines Chumisch mit
holländischer Uebersetzung zu niedrigem Preise
durch den holländischen Keren Hatorah in aller-
nächster Zeit •mitteilte, über
״das Beth-Jakob-Problem"
■durch !Dr. •Nathan !Birnbaum, wobei er das
Problem der Töchtererziehung als d a s
Problem der jüdischen Zukunft bezeich-
nete, über
״jüdische Jugendliteratur“
durch Oberrabbiner T a, 1 (Utrecht). Referent zeich-
nete die Situation des holländischen Judentums und
zeigte •die •Mittel, !Schwächen zu beseitigen, ein
starkes, wissendes Geschlecht in Holland großzu-
ziehen.
1 Eine
an die Adresse der holländischen Frau
gerichtete Resolution, die Arbeit des Beth׳־Jakob־
Komitees in !Holland •betreffend, fand einstimmig
Annahme.
•Zum Schluß der Tagung traf der Vorsitzende
•des Wiener G. A. ■der A. J., Rabbiner !Dr. Pinchas
Kohn, ein; die Versammlung bereitete ihm eine be-
geisterte ׳Huldigung.
Gegen /Mitternacht schloß •der Vorsitzende ■die
zweite öffentliche !Sitzung ■und damit zugleich die
Konferenz, die, wie er ausführte,
einen Markstein bedeuten wird
in der Geschichte des gesamten holländischen
Rabbi Mosche Katz, Oberrabbiner in
Neutra זצ״ל .
Vau 1RaJb1bi'n ׳ er Josef Adler, iSclüißburg.
Ein Name, der eine Persönlichkeit ausdrückt und ein
Stück Zeitgeschichte in sich birgt. Der ihn trug, war Sohn
eines großen Vaters, und dieser Umstand lud ihm große
Verantwortung und hohe Pflichten auf. Er entledigte sich
ihrer in hervorragender Weise.
Seine Jugend fiel in die Jahre des ■Sttirmens unfc
Drängens der jüdischen Reform und hatte im Hanse seines
Vaters, R. Menachcm Proßnitz, des durch seine Weisheit
weitibe ™Junten !Zehlimce' IR-aws, außerordentliche 'Gelogen-
heit, den Schmerz, die Bestürzung, die Verzweiflung, den
Mut, die Energie, die überlegene Moral und die tiefe Ein-
sicht kennen und bewundern •zu lernen, mit denen die Gei-
stesheroeti !dos a1 ׳ n1garischen •gesetaestraien .kidenhims
von dazumal die von unseren abgefalleiien Brüdern mit
Leidenschaft geführten, gegen den Bestand der Thora ge-
richteten Axtliicbe aufitalunen und parierten. Die unaus-
lösclilicheii Eindrücke, die das für alles Holte und Edle
•ii!beraa ׳ s empfängliche iH'enz, den für •alles Wahre und Gerechte
geölfincten Sinn des Rabbi Mosche !Katz ׳ זצ״ל :« jener be-
weg tea Zeit seiner Jugend füllten, ׳ begleiteten !ihn■ auf
seinem langen Lebensweg und standen ihm zur Seite in all
seinen Kämpfen und Siegen, die den Inhalt seiner langer.
Amtstätigkeit ausmachen.
Seine Laufbalm begann er in Wien au der Seite Reh
Sahnen Spitzers als Bethamidraseh-Rabbiner. Von seinem
Vater hatte er eine nicht alltägliche Beredsamkeit geerbt,
und später, zu Füßen seiner großen Lehrer, der Rabbiner
von Kobersdorf, Wattersdorf und Preßburg, seine angc-
bor-ene Fertigkeit zum herzgewinnenden, imgcwungencM
und geistreichen Magidus vervollkommnet. In Wien konnte
er diese seine Anlagen erst recht aiisbilden, und durch das
von Rabbi Salinen Spitzer gereichte Beispiel auf ein hohes,
auch moderne Ansprüche befriedigendes Niveau heben.
Dort hatte• er schon die erste Gelegenheit, eine Probe seiner
Gesimuuigstiielitigkeit abzulegen. Eines Tages• suchte ilm
Adolf Jellinck in Begleitschaft zweier Herren auf, die eine
führende Rolle im Leben der Großgemeinde spielten, und
boten dem jungen, mit Nahrungssorgen kämpfenden Rab-
binar eine glänzende Stelle an. Die Großgemeinde wollt ׳ .*
!damals eine iRosci1(besd ׳ in:s teile kreieren und sie mit ■einer
Person besetzen, die durch Thorawissen, echte Frömmig-
keit, Intelligenz, Weisheit, gewinnendes Aeußercs, Anzie-
hungskraft im persönlichen Umgang mit Menschen attsge-
zeichnet ist und vermöge dieser Vorzüge die Einheit der
Gemeinde gegen die Vorstöße der Schiffschul retten könnte.
Er wäre, so sprachen die Herren, diese !Person, die in sich
alle •diese Vorbedingungen glücklich vereinige, darum möge
er die ihm angetragene vornehme Stelle aunehtnen, denn
גיס warte !seiner ׳ in dieser 'Riditiunig eine große Zukunft. Wi ׳ e
bestrickend dieser Antrag auch lautete und wie meistervoll
verlockend er, aus dem Munde eines Jelliuek kommend,
klingen mochte, Rabbi Mosche Katz זצ״ל ließ sieh nicht
betören. Er gab der Delegation die auf gründliche rvlen-
sclienkmmtais und stählerne ׳ ! Oluirakter deutende Antwort:
״ Sie haben, meine Herren, alle meine Vorzüge aufgezählr,
durch die Sie sich bewogen fühlen, mir den in Rede stehen-
den Posten anzubicten. Aber meinen Hauptvorzug, dem ich
diese Ehre verdanke, haben Sie wohlweislich verschwie-
gen, den Vorzug nämlich, daß ich der Solm des rühm-
genannten Zelilimer Raws bin. Sie schlüpften über dieses
Moment stillschweigend hinweg, um mich durch die Neu-
mmg meines Vaters in ■meinem Entschlüsse nicht wankend
zu machen. Nun, meine Herren, ich werde den blanken
Schild meines Vaters, der mir zur Erlangung der mir an-
gebotenen herrlichen Stellung verhelfen sollte, nicht da-
durch beflecken, daß ich diese Stelle auch autretc.“ Als
nun Jelliuek sich erbötig machte, Rabbi Menachem Proßnitz
zur Einwilligung zu überreden, da antwortete Rabbi
Mosche Katz: ״ Und wenn es Ihrer Rednerkunst gelingen
sollte, was übrigens ausgeschlossen ist, meinen Vater zur
Gutheißung zu bestimmen, so würde ich den Posten noch
viel weniger annelniien. Denn wenn mein Vater aus Liebe
zu seinem Kinde und aus Sorge für seine Zukunft in einem
schwachen Moment die Zustimmung zum Vorhaben der
Wiener Kultusgeiueinde geben könnte, müßte ich aus Liebe
Judentums, die der A r b e i t d e s Keren H a 1 0 -
r a 11 Hollands einen gewaltigen An-
trieb gegeben und als ein Werk f r i e d-
Lichen Wirkens für die Thora ganz im
Sinne der großen hol 1 ä n d i s c h e n Tr a-
d i t i 0 n e n g e 1 e g e 11 s e i.
Im Laufe des Montags fanden weitere interne
Besprechungen mit dem holländischen Ober-
rabhinerverband, mit dem Präsidium
der B e 111 - Jakob-Komitees — Frau Ober-
rabbiner Vredenburg, •Frau Oberrabbiner Tal,
Frau Rabbiner S a r 1 0 u i s — statt, während im Ver-
laufe der Woche weitere öffentliche Keren-Hatorah-
Versammlungen im Haag und !Rotterdam veran-
staltet wurden.
Oberrabbiner Fürst in Holland.
Zum großen Erfolg der Kercn-Hathora-Konfercnz in
Amsterdam hat Oberrabbiner Jeschaia Fürst
der Adas-Jisroel-Schiffschu! in Wien wesentlich beige-
tragen. Oiberraibbitver !Fürst steht als 1 !Mitglied der Ex-ekti-
tive des Rabbinischen Rates ständig in Fühlung mit dem
Wiener Zentralbureau der Aguda und leistet ihr gute
Dienste. In der letzten Zeit zeigte er aber ein besonders
reges Interesse für die einzelnen Aktionen der Agudas
Jisroel. Es fiel allgemein wohltuend auf, wieviel Mühe
sich Oberrabbiner Fürst anläßlich der Anwesenheit des
Herrn Rabbiners Mosche Blau in Wien gegeben hat, um
der Not der Thoralehranstalten in Erez Israel zu steuern.
Als dann die Leitung der Keren-Hathora-Zentrale ihm das
Programm der Amsterdamer Konferenz vorlegte und auf
die Erwartungen hinwies, die durch diese Konferenz er-
füllt werden sollten; zögerte Herr Oberrabbiner Fürst trotz
dös Winters ׳jnd träte seines hohen Alters nicht, !der Bin-
ladung zur Teilnahme an dieser Konferenz zu folgen. Die
Hoffnungen, die man an seine Anwesenheit in Holland
setzte, sind nu!n• G־t׳t sei !Dank voll ■in Enfiülluing gegangen.
Die patriarchalische Erscheinung, die edle Persönlichkeit
und die klugen Worte unseres Oberrabbiners haben in
Holland einen guten ■ Resonanzboden gefunden. Dies zeigt
sich nicht nur in dem moralischen und materiellen Erfolg
■des !Keren .Hathora :n iHallaikj, sondern• !auch• in dem ge-
steigerten Ansehen, das dank der persönlichen Wirkung
von Oberrabbiner Fürst nun der Wiener Orthodoxie,
speziell aber der Adas-Jisroel-Gemeinde, im gesamten
Ausland entgegengebracht wird. Ein beredtes Zeugnis
hierüber gibt das Schreiben des Herrn Oberrabbiners
Vredenburg in Arnheim, der als Vorsitzender des Keren-
Hathora-Kommissariats für Holland folgendes Schreiben
an den Vorstand der Adas-Jisroel-Schiffschul richtete:
Hochgeehrte Herren!
Die ergebenst Unterzeichnete Verwaltung des hollän-
dischen Keren Hathora sagt Ihnen herzlichen Dank dafür,
daß Sie Ihren ehrwürdigen Raw zu unserer Tagung ent-
■sandt halben. Seine patriarchalische !Gestalt, !sein gütiges
Wesen, sein zündendes Wort haben hier außerordent-
liehen Eindruck gemacht und der holländischen Judenheit
ein !Begreifen der Wiener ׳Scblffsdnilgemeiiüde und ihrer
Bedeutung für das wahre orthodoxe Judentum vermittelt.
Es ist uns ein Bedürfnis, Ihnen dies zum Ausdruck
gebracht zu haben.
Wir begrüßen Sie in vollkommener Hochachtung
Vredenburg, Vorsitzender.
zu meinem Vater und aus Besorgnis um seine Zukunft das
Anerbieten zuriiekweisen.“
Diese Standhaftigkeit und Intrausigenz seines Wil-
lens gehörte zu den markantesten und erfolgreichsten
Zügen seines Wesens, ■die ihm die Achtung seiner Gegner
auch abgewinnen mußten. Als ihm als Rabbiner von Magen-
!dorf, wohin er von !Wien׳ gezogen war, das Rabbinat von
Neutra zum ersten Male angeboten wurde, scheiterten die
Verhandlungen ebenfalls an seiner eisernen Konsequenz
iin/d Festigkeit;, kein Türtekhen vorn ■i !der jü'd'isehen Ge-
brauche rütteln zu lassen. !Die damals noch einheitliche
Neutraer Gemeinde hatte einen Vorstand, der aus Vor-
kämpferu der Neologie bestand. Diese stellte in ihren
Verhandlungen mit dem in ärmlichen Verhältnissen lebenden
Magendorfer Rabbiner einige Reformwüiische auf, in der
Meinung, daß er, von den Vorteilen, die eine Neutraer Ge-
meinde zu bieten imstande ist, verblendet, sie sofort mit in
den Kaulf nehmen ■würde. Nach langen Pourparlers ■zogen
die Abgesandten ihre Reforrngeliiste ein und versteiften
sich nur mehr noch auf den einen Punkt, daß der Magen-
dorfer Rabbiner, so er in Neutra gewählt werde, da die
Traiiungen in der Synagoge vornehmen solle. Als er auch
diese Forderung rundweg abwies und ihm die Unterhändler
initteilten, daß sie bedauern, unter solchen Umständen nicht
weiter verhandeln zu können, antwortete er ihnen in
seiner schlagfertigen, humorvollen Weise: ״Nun, so wird
eben wegen der Ch'iipoli der Schithidi annulliert ׳werden.“
Jahre verflossen inzwischen. Er ging von Magendorf
nach Tokaj. Die Neutraer Gemeinde konnte aber keinen
Rabbiner finden, der auch die Orthodoxen hätte befriedigen
können. Nach wiederholten mißlungenen Versuchen der
Neologen, einen Rabbiner nach ihrer Fasson zu wählen,
wurde doch Rabbi Mosche Katz einstimmig gewählt und
mit großer Begeisterung installiert. Dana begannen aber
die großen Kämpfe, zu deren Führung es seiner Weisheit,
seiner eifervollen Frömmigkeit, seiner Unerschrockenheit,
seines makellosen Charakters und seines zielbewußten
Strebens bedurfte. Schon in der Amtszeit seines uimiit-
telbaren Vorgängers, nachdem sich die Neutraer Gemeinde