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JÜDISCHE PRESSE
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Die Frankfurter Agudajugendtage.
Etwa 300 Delegierte und Gäste, zumeist junge Leute,
waren am Ghauukasabbat und a,n den darauffolgenden
Tagen in Frankfurt versammelt. Es galt, der gesetzestreuen
Jugend neue Wege zu den alten Zielen, die im Kultur-
ge wirre Westeuropas längst nicht mehr so klar und sicht-
barlich in die Augen fallen wie im primitiven, eindeutigen,
in sich geschlossenen jüdischen Leben von dazumal, zu
ebnen. Es mögen im einzelnen nicht immer die gleichen
Ambitionen gewesen sein, die die Jugend aus allen Teilen
Deutschlands, aus Oesterreich, Holland, Tschechoslowakei,
Dänemark und der Schweiz hiehcr führten, im großen war
es doch ein Ziel und eine Hoffnung: der heiligen Thora
sichere Wegbereiter zu sein, bis zu einer Etappe, da sie
vom Herzpunktc aus das jüdische Leben in all seinen ent-
legensten Bezirken souverän beherrscht.
Nach Aussprachen und Vorberatungen, nach einem
lichtvollen Freitagabend in der Aula und einem Sabbat-
mittag bei einem Vorträge des Herrn S. Schachnowitz
über: ״ Die Jugendbewegung der Makkabäer ״ fand man
sich Sonntag ■abends 8 Uhr im Handwerkerhause, Brau-
bacihstraße, zur
E r ö f f n u n g s s i t z u n g
zusammen.
Der Andrang war so außerordentlich, daß die Polizei
zu Beginn der Sitzung aus Sicherheitsgründen einen Teil
der Galerie räumen mußte. Der Abend verlief dann in bester
Ordnung und gestaltete sich zu einer machtvollen Kund-
gcbiing. Dr. W. Hof mann als Vorsitzender des 0. V. er-
öffnete den Bundestag mit einem שלום an! Delegierte und
Gäste der verschiedenen Gegenden und Länder und ge-
dachte der Toten der letzten Jahre. Bei Nennung der
Namen Rabbiner Dr. Breuer, Dr. Blirentrcu, Dr. Em. Carle-
bach. Direktor Dr. Lange זצ״ל erhoben sich die Ver-
sammelten spontan von ihren Plätzen.
Es begann die Reihe der Begrüßungen mit der des
Herrn Frankenthal i:m Namen der Frankfurter A. J. Jugend-
gruppe und sie schloß mit einem hebräischen Glückwunsch
der ״ Zeirim“ in Jerusalem, verlesen vom Jerusalemer
Delegierten L. Porusch. Dazwischen sprachen die Herren
Lcop. Oppenheimer für A. J. Ortsgruppe .Frankfurt; Leo
Wreschner im Aufträge des G. A.; Dr. S. Ehrmann für die
Palästinazentrale; Wolf Jacobson, Hamburg für die Landes-
Organisation und Keren Hathora; Max Feuchtwarager im
Namen des Esra; Dr. Ephraim für den B. j. A.; M. Lewen-
stein. Zürich, für die Schweiz und den Westeuro-
päischen Jugcridverband; Stern, Wien, im Namen der Vor-
treter von Oesterreich und der Tschechoslowakei. Alle
Redner fanden, so grundverschieden nach Temperament
und Einstellung ihre Ausführungen waren, warmherzige
Worte des Dankes und der Begrüßung.
Es war 10 Uhr geworden, als die Reihe zu Ende
war und der Referent des Abends, Herr Jacob Rosenheim,
zu Worte kam. Das Thema hieß: ״ Die Politik der Agudas
jisroel“. Ein grandioser Gedankcnbau entstand vor unseren
Augen, von dem einige Striche im Rahmen eines Vor-
berichtes nicht annähernd ein Bild ergeben. Politik sei die
Wissenschaft und Kunst der Verwirklichung sittlicher
Grundsätze im öffentlichen Leben. Die jüdische oder Aguda-
Politik ruht auf der jüdischen Ethik. Bei Herstellung des
Zusammenhanges zwischen individuellem und Gemein-
schaftsloben ist die Politik — in gutem Sinne — nicht
zu entbehren. Redner zeigt ln allen Einzelheiten die drei
Leitmotive der jüdischen Pflichterfüllung: 1. Gesetzes-
gehorsam; 2. da« ‘Bewußtsein, das מלכות שמים zu
realisieren; 3. den Weg zu עולם הבא für das Individuum
zu finden. Nach diesen drei Richtungen bewogt sich auch
die Politik der Aguda. Danach besprach Redner das Pro-
gramm der Aguda, ihr Tun uncl Wollen, was sie als letztes
Ziel erstrebt und was sie bis heute erreicht hat.
Mit Dankesworten au die Redner und den Refc-
reuten schließt gegen 11.30 Uhr der Vorsitzende die irnpo-
sante, von tausenden besuchte erste Versammlung.
Die V e r 11 a n d 1 u n g e n.
Sonntag vormittags begann der Bundestag in der
Aula der Realschule Am Tiergarten gegen 10 Uhr unter
dem Vorsitz von Herrn Dr. Hofmann mit einer An-
spräche des Herrn Studiendirektor Dr. Fink, der die Er-
schienenen in der Halle der von ihm geleiteten Schule bc-
grüßte und auf das gleiche Streben hinwies, das die An-
stalt mit der Jugendorganisation verbinde, deren beider
Ziel es sei, junge jüdische Menschen zu Persönlichkeiten
hcranzubilden.
Alsdann ergriff Herr Dr. Ascher-iBex les Bains das
Wort zu einem großangelegten Vortrage über Muss׳a!r. Der
Referent zeigte an einer Fülle von Einzelheiten u. a., wie
die Ergebnisse der Wissenschaft und Zeitkultur nur relativ
zu werten und stets unsicher und mit der Zeit wandelbar
seien, während die Erkenntnisse der Thora allein einen
objektiven Maßstab für das Weltbild bieten. Er schloß mit
einem Aufruf zum intensiven Lernen.
Es fand nunmehr die Wahl des Tagespräsidiums statt.
Per Akklamation wurden die Herren Dr. Siegmund Stein-
Köln, Rabbiner Dr. Elie Munk-Ansbach, Dr. Willy Hof-
mann-Frankfurt a. M. und Dr. Gustav Müiiz-Niirnberg zu
Tagesleitern, die Herren Bing-Frankfurt a. M., Colin-Ham-
bürg und A. Cohn-Marburg zu Schriftführern gewählt.
Herr Rabbiner Dr. Eli Munk-Berlin nahm dann das
Wort zu seinem Referat über: ״Die Aufgaben der Agudas
Jisroel-Jugendbewegung“, sowie Herr David Ullmann-
Kassel als Korreferent über das gleiche Thema. Während
der erste Redner mehr die idealen Gesichtspunkte würdigte,
ging der letztere auf praktische Ausgestaltung der zu-
künftigen Arbeit in Stadt und Land in ausführlicher Weise
ein. An beide Referate schloß sich am Nachmittag eine
ersprießliche Diskussion au. Vornehmlich drehte sich die
Aussprache um die Frage: individuelle erzieherische Bin-
Wirkung oder Organisation als Erzieherin zum
Gedanken, und wurde vielfach auf Möglichkeiten einer Ver-
einigung beider Ziele •hingewiesen. 1m Verlauf der Dis-
kussion ergriff, mit großem Beifall begrüßt, Herr Rabbiner
Dr.. Pinchas Kahn das Wort, der, gerade von Erez Jisrael
zurückgekehrt, insbesondere von dem weltgeschichtlichen
'Geschehen im Kampfe um die Freiheit der Gemeinden
im Heiligen Lande berichtete. Mit trefflichen Worten
zeichnete er die Schädlichkeit der sogenannten Neutralität.
Klarheit und Entschiedenheit sei nötig.
Nach Schluß der Sitzung — 8.30 Uhr — fand noch
eine Nachtsitzung der Delegierten statt, die erst um
.2.30 Uhr morgens ihr Ende fand. ■In ihr wurden wesent-
׳liehe und grundlegende Fragen der Organisation vertrau-
lieh behandelt.
Am Montag morgens wurden zunächst Begrüßungs-
telegramme verlesen. Dann sprach Herr Bernhard S. Jacob-
sohn ■zum Thema: ״Sittliche Ertüchtigung der jüdischen
Jugend“. Er legte im besonderen ein ausführliches Lern-
Programm für Jugendliche dar und betonte, daß das Lernen
so stattfinden müsse, wie cs der jugendlichen Seele gemäß
sei. Insbesondere forderte er Verselbständigung des
Lernens, so daß der Jugendliche fähig sei, mit. eigener
Initiative Ersprießliches ' zu ;; seiner׳•• geistigeü Erziehung'
selbst .beizu tragen. ‘ . ,
Das Korreferat zu ׳diesem Thema hielt für die Herren
Herr Dr. Arnold Merzbach, Frankfurt a. M.: für die Damen
Fräulein Studienrätin Lilly Freimann, Hamburg. Beide Ro
ferenten legten in ׳gründlicher Weise dar, wie eine .sitt-
liehe Erneuerung ׳der männlichen!, ibczw. weiblichen jüdi-
sehen Jugend auf allen Gebieten •des Einzellebens und des
Gesamtdaseins zu erreichen sei. In voller Offenheit wurden
in ■diesen Reden ■die 'Schäden aufgezeigt, die durch die
Ein bis in die letzten Jahre reich ausgefülltes Leben
hat hochbetagt sein Ende gefunden. Mögen seinem Taten-
drang ebenbürtige Nachfolger erblühen.
Prof. Dr. Jonas Bondi זצ׳ל
Am Montag, den 2. Tebet, verbreitete sich die Kunde
vorn Ableben Professor Dr. Bondis, und’ Schüler-
generationen, die über die Schulzeit hinaus in tiefster Liebe
und Verehrung zu ihrem Lehrer und Meister hielten, eine
ungemein große Freundesschar erzitterten bis ■ins Innerste.
Obwohl schweres Leiden ihn seit einigen Jahren seiner
geliebten Wirksamkeit und der Oeffentlichkeit entzogen
hatte und uns alle schon lange mit schwerer Sorge um
das kostbare Leben erfüllte, wollte man es doch nicht
wahrhaben, daß Bondi nicht mehr in unserer Mitte, spen-
dend von der Fülle seines Wissens und seiner Geistigkeit,
weilen sollte.
Der angesehenen Mainzer Familie Bondi ent-
stammend, ein Enkel von Rabbi Samuel Bondi זצ״ל und
Sohn von Hugo S. Bondi זצ״ל , sog er sich schon in den
Kindheitsjahren voll an den Quellen des jüdischen Wissens,
der תורה U. חכמה Er studierte dann in ׳ Berlin und Leipzig,
hörte lange Jahre bei den weltberühmten Orientalisten
Delitzsch in Leipzig und N ö 1 d c k e in Straßburg. Ein
Mann von reichstem, vielfältigem Wissen, eine gereifte
Persönlichkeit schon, kam er 1889, 29 Jahre alt, an die
Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frank-
»urt a. M., wo er gleich an der Seite des Direktors
Dr. Mendel Hirsch זצ'ל < dem er alle Zeit ein treuer Freund
blieb — er gab auch dessen Kommentar zu den ״ Zwölf
kleinen Propheten“ heraus — eine segensvolle Tätigkeit,
die die Bewunderung und Anerkennung aller.hervorrief. Er
Y ar 7 ־ und blieb bis zuletzt — mehr denn ein Lehrer,
der Wissensstoff vermittelt, er war Erzieher im besten
dud jüdischsten Sinne, Jugendbildrier par cxceilence, ein
^^.! 1 י d . er mit ungewöhiih'chem Reichtum an Geist und
scnonheitssinn, mit dem Zauber seiner Persönlichkeit junge
Lvienscnen hcranzog und sie in einer Art an sich fesselte,
nie aut Charakterbildung, ja auch auf fernere Lebensbahn,
ott von entscheidendem Einfluß war. Niemand wie er
konnte so vermittelnd zwischen Lehrern und Schülern und
\} v r e ׳ l e1 : em , ״ e 2 Absehen Schule und Haus wirken. Sein
Verhältnis zu den Kollegen war mustergültig. Auch hier
wirkte sem mildes, Anderer Gesinnung respektierendes
Wort stets versöhnend und ausgleichend
Ein Spezialgebiet seiner Studien bildete die A e g y p-
Hologie. und wir erinnern uns gern der Schätze,‘die
«r uns in Artikeln und Vorträgen aus dieser Vielen dunklen
issenschaft erschlossen hat. Aber Bondi erstarrte nicht
1 j 1 ' Alten, sein klares Auge und sein wacher Sinn blieben
oem Neuen und dem Neuesten zugewandt. Jung war er
allezeit mit der. Jugend, die er. führte, und um dieser
Jugend wegen blieb er allem, was jung und neu ■und ■gut
ist in Literatur und Kunst, Wissenschaft und Leben nahe
und vertraut. Wie anregend sein Unterricht war, speziell
in Tenach und in den 1 deutschen Literaturstunden, haben
seine Schüler und Schülerinnen noch in guter Erinnerung.
In Dingen der Kunst und Literatur blieb er aber der
Jugend auch lange •und weit über die Schule hinaus Freund
und Berater und bewährter Führer. Bis aufs Kleinste
konnte sein ästhetischer Sinn ordnend und befruchtend
eingehen. Wir konnten uns in vielen Jahren kein Fest in
Schule und Verein, keine irgendwelche gesellige Ver-
anstaltung denken, ohne Dr. Bondi als Spiritus rector
hinter den, Kulissen zu wissen.
Ein aufrichtiger Jugendfreund, gehörte seine Liebe
neben der Schule auch den verschiedenen Vereinen in
unserer Gemeinde. Viele Jahre hindurch wirkte er im
״Mekor C11a׳jim“ als Dozent für Mischna. Im ״Nachlath
Zwi“, der bis zur Gründung der Aguda-Jugendgruppe
neben dem ״Mekor Chajini“ die höheren geistigen Bedürf-.
nisse der Jugend zu ׳ befriedigen hatte, hatte er sich in
segenvollster Weise betätigt. Er war Mitbegründer der
Jüdischen Frauenvereinigung, gehörte •bis vor einigen
Jahren ihrem Vorstande an und war bis zuletzt Ehren-
mitfflied der Vereinigung. Auch dem Vereine ״Gegen-
seitigkeit“ diente er bis zuletzt als Vorstandsmitglied mit
vollem Herzen.
Iri jungen Jahren weilte und wirkte Bondi eine Zeit
laug als Pädagoge in ׳Bobrausk, damals Rußland. Von da
rührte seine Liebe •und sein tiefes Verständnis für das Ost-
judentüm her, von dein sein letztes Werkchen ״Aus dem
jüdischen Rußland von 40 Jahren“ glänzendes Zeugnis ab-
legt. Seit 1889 war Dr. Bondi mit einer Unterbrechung von
einem knappen Jahre — 1899/1900 — fast 38 Jahre an der.
Schule tätig. Was er hier und auf dem Gebiete der Er-
Ziehung über die Schule hinaus geleistet hat, gehört der
Schulgeschichte und der Geschichte der Israelitischen Re-
ligionsgesellschaft an. Ungemein viele beweinen aber neben
dem Gelehrten und Lehrer insbesondere auch den Men-
sehen Bondi. Wer einmal das Glück hatte, in seinen Ar-
׳beitszimmer zwischen den vollgefüllten Bücherregalen sich
׳in seinem milden Blicke zu sonnen und dabei die Ruhe
und: Vornehmheit seines Wesens, die kluge Abgewogenheit
seines Wortes zu bewundern, dem werden diese Stunden
unvergleichlicher Geistigkeit und Geselligkeit unvergeßlich
bleiben• In Wehmut und tiefer Dankbarkeit denken wir
heute der Fülle von Licht und Liebe, die aus dieser schönen
Seele zu uns ausströmte, unerschöpflich, unermüdlich, bis
der Körper, von tückischem Leide unterwühit, ihr, der
schönen freischaffenden Seele, Fesseln anlegte, die ihre
Kraft unterbanden. Wir werden Dr. Bondis gedenken, so-
lauge der Sinn für Edles und Gutes, für ,jüdisches Gott-
dienen in Anmut und Schönheit in uns wachbieäbt.
ן Angelegenheiten m
| Kauf * Verkauf |
| Verwaltung gj
| Belehnung g
Ü= Realitäten-und Verwaltung« kan ziel
betreffend
wendet man sich vertrauensvoll an die
Realitäten-und Verwaltungskanzlei
jur,
U Wien,IX.Währingersirafje 3
5S5 Telephone: A 26-4-47 * 15-506
Hl
I1F.I
mangelnde Synthese von Thorakultur ■und Weltkultur ent-,
stehen, sowie die Wege zur Verinnerlichung und Ver-
vallkommming ■der jung-jüdischen Persönlichkeit ׳ gewiesen.
Am Nachmittag wurde der Delegiertentag !um 3 Uhr
f eröffnet. Dr. Hofmann erstattete den Geschäfts-, Edgar Cori
den Kassenbericht. Die Organisation ist schuldenfrei. Hein-
rieh Landau, Fürth, berichtete über die'Naohtsitzung der
Delegierten, in der angeregt wurde, von seiten des O. V.
■mit ׳ den agudistischen Führern der Esra Fühlung zu nehmen,
bezw. zuvor die Jugendgrappen auf die Erziehungstätigkeit
umzustellen. Dr. Ernst Freimann bemängelt, daß die Ge-
meirideorthodoxie zu oft abgestoßen werde. Wolf S. Jacob-
sohn stellt in kurzen Worten die Stellung der Leitung zu
dieser Frage wieder einmal fest und erklärt, daß der bald
zu rekonstruierende Rabbinische Rat in Deutschland sich
mit der endgültigen Klärung dieser Frage befassen werde.
Den! Organisationsvorstand wird Entlastung erteilt,
Frankfurt zum Vorort, Dr. Willy Hofmann .zum Vorsitzen-
den wiedergewählt. Nach erregter Geschäftsordnungs-
debatte werden als weitere ■Mitglieder gewählt: die Herren
Joel Sänger, Fritz Stern, Gerson Schwert), Isaac Rosenheim,
Edgar Cori, Fritz Strauß wieder und D 1 *. Arnold Merzbach
sowie (Max Feil ah t wange r neuigewählt. Die Anträge werden'
einer Kommission •überwiesen.
U!m 6.30 Uhr konnte endlich Herr Jakob Landau das
Wort zu seinem Palästinareferat ergreifen. Er griff weit
zurück, um ׳ nachzuweisen, daß die Erkenntnis ■der Thora
■die Notwendigkeit der Schaffung eines Landes als Heimat
•der Thora in sich schließt. So wind in der Thora als
Voraussetzung der ■Pflichterfüllung schon das Land v ׳ er-
sprochen. In einer interessanten Abhandlung definierte er
die ׳ Begriffe Volk und Religion. Mit festnmrissenem Pro-
״ ramme sei Israel ins Gesohiohtsleben nach dem Willen
Gottes getreten. In der Tatsache, daß מצות ישוב א״י
im Golus nicht ■aufgelöst ist, liegt der :beste Beweis dafür,
daß Gott uns wieder ins ׳ Heilige Land wünscht. Das Golus-
Schicksal sei Mahnung ׳ und Ansporn zur תשובה Aber
stets haben wir das Golus als Provisorium zu betrachten:
Mit ׳ der Stabilisierung ■des Golus durch die Assimilation wird
der Gcula-Begriff verwässert und zum Phantom gemacht.
A 11 Erez Israel erkennt der Jude seine Geschichte. Nur dort
lernt er, das Golus :als Provisorium zu betrachten. Jiischuw
Erez Jisroel sei aber noch nicht die Aufhebung ׳ des Golus,
noch nicht die Aufrichtung des Judenstaates. sondern ׳ die
Verwandlung der ־חוץ לארע Misere in eine eigene
heimische Atmosphäre. So dachten auch die Alten, ׳ deren
Sicdlangspolitik unter unsagbar schwierigen Verhältnissen
mehr dem Lande als den Menschen diente. Referent kon-
statiert und tadelt den ׳ Mangel an Heroismus für Erez
Jisroel in der heutigen Generation. Es sei Aufgabe des
einzelnen wie des Klal, die ■Brez Jisroel-Arbeit auf eigene
Füße zu stellen.
Ausgedehnte Aussprachen über einzelne Punkte,
Auseinandersetzungen über die Wahlliste ״ und sonst noch
Unvorhergesehenes führten dazu, daß die Diskussion über
wichtige Referate, wie über die sittliche Ertüchtigung der
Jugend, ebenso über' die Erez Jisroel-Fragen ausfaUen
mußte und ma ׳ n sich wegen ׳ der vorgerückten Zeit gegen
8 Uihr gezwungen ׳ sah, zur
Schlußsitzung
überzugehen. Herr D!r. S. Stein, Köln, hielt die erste Ab-
schiedsrede und sprach herzlichen Dank den Frankfurtern
und allen, die zum Gelingen! des Bundestages beigetragen
haben, aus. •Herr Dr. W. Hof mann dankte dem Präsidium
und insbesondere Herrn Dr. Stein, der mit großem Elan, wo
nötig !auch !mit Strenge ■und Entschiedenheit, im ganzen aber
mit Wite und Humor die Verhandlungen geleitet ׳ und allen
schwierigen Situationen gerecht zu werden wußte. Zum
Schluß richtete noch Herr Wolf Jacobsatin, Hamburg, einige
herzliche Worte ׳ de ־ s Dankes, der Aufmunterung und Er-
mahnung an die Delegierten und alle Agudtsten. Damit hatte,
der Bundestag sein Ende erreicht.
Bis zur späten Nachtstunde vereinigte noch ein
Bunter Abend Delegierte ׳ und Gäste von auswärts ׳ und
׳ Frankfurt, so daß die ׳ reiche Arbeit von Tagen ׳ den schönsten
harmonischen Ausklang fand.
Die 2. Tagung der Arbeitsgemeinschaft westeuro-
päischer Jugendgruppen.
Neben den Verhandlungen des !Bundestages fanden
gleichzeitig Konferenzen der ■nach Frankfurt gekommenen
Vertreter der Jugendorganisationen der Agudas Jisroel der
Schweiz, Hollands, Englands, ׳ Deutschösterreichs, der
Tschechoslowakei und Deutschlands statt.
In zahlreichen Sitzungen wurde das Programm einer
Arbeitsgemeinschaft der Verbände durchbesprochen, die
Forderung der Jugend an den Zentralrat festgelegt u ׳ r 1 d
schließlich die Herren M. D. Lewenstein -Zürich,
Bondi- Wien und David Ullmann- Kassel als Ver-
treter der Verbände zur Zentralratssitzung nach Berlin
׳ entsandt.