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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS.
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Nr . 2 | Wien-Bratislava 13. Jänner 1928 nBVWB נ׳ na»r ־ *W IW
14 Jahrg.
Agodas JM Otts- und Jaoemtgroppe. Wien
Samstag den Id. Jänner 1928, um 72 8 Uhr
abends im Festsaale des Alten Rathauses,
Wien , Z, Wipplingerstraße 8
Tagesordnung:
Die Berliner Zentralraistagnng
Referent״. Herr Rabbiner Dr. Pinchas Rohn,
Vorsitzender des G. A.
Die Frankfurter Tagung
Referent״. Herr Siegmund Stern, Delegierter
der Arbeitsgemeinschaft agudistischer
Jugendgruppen ,
Gäste, Damen und Herren willkommen!
Asadai Jtsroe! Orfs- und Jagendgruppe, Wien
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(תחח השגחח הרג ר ישעי פורסט שיפשוהר)
Erzeugt unter Autsicht Sr. Ehrwuruen Herrn
Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel)
U eberall erhältlich!
Kultus und Unterricht
die Stiefkinder der Wiener Kultusgemeinde
Vorschläge zu einer wirklichen Sanierung
In unserem vor wöchigen Leitartikel hatten wir die
Gliederung des Budgets der Wiener Kultusgemcinde
einer kritischen Betrachtung unterzogen und an Hand der
Haaiptausgabenposten gezeigt, daß
Die Wiener Kultusgeraeinde weder ihrer s t a t u t a r i-
sehen Bestimmung noch einem natürlichen Selbst-
erhaltungstrieb entspricht,
da sie für eigentliche Kultuszwecke (S 900.000) nicht
einmal ein Sechstel ihres Gesamtbudgets von 5,5 Millionen
Schilling aufwendet. Wir haben hauptsächlich zwei Ziffern
gegenübergesteiilt, und zwar die Ausgaben für das G e-
meindespital und Versorgungshaus in der
Gesamthöhe von S 1,300.000 einerseits und die Ausgabe-
post für den gesamten Kultus und Unterricht
in der: Höhe von S 1,270.000 andererseits. Um Mißverstand-
nissen vorzube-ugen, halten wir es für unsere Pflicht, noch-
mals zu •betonen, daß
wir nicht die Ausgaben .die obenbezeichneten Für-
sorgezwecke für zu hoch, sondern die Budgetierung des
Kultus und׳ Unterrichtes für zu niedrig
finden.
Es ist geradezu lächerlich, daß man die gesamten
religiösen und kulturellen Bedürfnisse einer jüdi-
sehen Gemeinde von einer Viertelmillion Seelen mit einein-
viertel Millionen Schilling befriedigen will. Die bei den Sta-
tistikern beliebte Methode, diese Summe auf den Kopf um-
zureclmen, würde ergeben,
daß die gesamten religiösen und kulturellen Bedürfnisse
eines Wiener Juden mit fünf Schilling und noch genauer
mit dreieinhalb Schilling für den Kultus und eineinhalb
Schilling für den Unterricht por Kopf und Jahr von der
Kultusgemeinde bedacht sind.
Allerdings ist die religiöse Versorgung, die die Wiener is-
raelitische Kultusgemcinde ihren Mitgliedern angedeihen
läßt, kaum mehr als fünf Schilling pro Kopf und pro Jahr
wert. Man möchte lachen, wenn die Sache nicht so
traurig wäre, denn
es liegt eine tiefe Tragik in den Kapiteln, die im Budget
der Kultusgemeinde dem Kultus und Unterricht gewidmet
sind.
Wir haben bereits vorige Woche festgestelit, daß die
Aufwendungen für diese Zwecke völlig unzulänglich sind.
Nun müßte man annehmen, daß zumindest diese Verhältnis-
mäßig geringe, für diese Zwecke bestimmte Summe ra ti 0 -
n e 11 und zweckdienlich verwendet wird. Weit ge-
fehlt. Es gibt in Wien in den einundzwanzig Bezirken
insgesamt sechs Gemeindetempei, bei denen die
Kultusgemeinde als solche sowohl die Sach- wie die Per-
sonälausgaben trägt. Die Erhaltungskosten dieser Ge-
meindetempel inkl. der Aufwendung für das dreigliedrige
zentrale Rabbinat belaufen sich auf ungefähr fünfhun-
derttausend Schilling. Es fragt sich nun, ob dieser
Aufwand für diese sechs Gemeindesynagogen auch dem
Erfolg entspricht, der sich in der Befriedigung von reli-
giösen Bedürfnissen äußern sollte. Jeder sachliche Beobach¬
ter wird zugeben müssen, daß in diesen Gemeindesynagogen
wohl viel Glanz, aber sehr wenig Wärme herrscht. Da
aber bei religiösen Gefühlen Wärme belebend, Glanz
eher tötend wirkt, kann man sich leicht eine Vorstellung
von der religiösen Auswirkung der von der Gemeinde unter-
haltenen Synagogen machen. Tragisch an dieser. Situation
ist, daß man die einzelnen Funktionäre der Syna-
gogen für diese Fehlleistung gar nicht verantworte
1 i c h machen kann. Sie sind alle in
ein System
hineingepreßt worden, aus dem sie, selbst wenn sie
wollten, nicht herauskommen können. Die Schäden
dieses Systems zeigen sich geradezu in erschreckender
Weise. Der Wiener geht ungern in den Tempel, weil er
kein Vertrauen zu den Funktionären hat, die in diesen
Tempeln G-ttesdienst abhalten. Die schönsten Predigten des
Rabbiners ergreifen ihn nicht, weil er der Meinung ist, daß
diese Worte nicht , aus dem Herzen gesprochen • sind. Es
liegt in ,diesbrii 'Vorurteil eine-böse und verhängnisvolle
Verallgemeinerung; aber man beschönigt gerne
die eigenen Fehler, indem man über die Fehler an de-
rer spricht. Der Wiener weist jede religiöse Ermahnung
über seinen Lebenswandel, über seine religiöse Oberfläch•
lichkeit, über seine moralischen und menschlichen: Fehle!
gerne mit dem Hinweis von sich, daß
die Herren Rabbiner nur auf die Füllung ihrer Taschen
bedacht sind,
und dies deshalb, weil die sogenannten Kasualien (Funk-
tionen bei Trauungen und Begräbnissen) fast die einzige-
Gelegenheit bieten, wo
der Großstadt Jude seinem Rabbiner als Mensch dem Men-
sehen gegenübersteht, und weil bei dieser einzigen Gele-
genheit, die wie keine andere zur religiösen
Ermahnung und zur sittlichen Ertüchtigung
geeignet wäre, die Hauptsorge der Beteiligten die
Höhe des Honorars bildet, daß man den Funktionären
bieten muß.
Es wäre ungerecht, den Rabbinern allein die Schuld
an diesem Uebelstand zuzusohreiben. Es ist eine allgemein
menschliche Erscheinung, daß niemand eine Verdienstmög-
liohkelt preisgibt, die sich auf Grund der Gewohnheit ihm
bietet, auch Rabbiner nicht, selbst dann nicht, wenn
die schädlichen Wirkungen dieser VerdienstmögHchkeit
augenscheinlich sind.
Wie sich aber, das gibt heute jedermann zu,
die ganze Stellung der Rabbiner ln Wien mit einem Schlage
sich ändern würde, wenn dieses — wir wollen das Kind
beim richtigen Namen nennen — wenn dieses
Trinkgeldsystem
abgeschafft werden würde, beweist am besten der Umstand,
daß der jüngst verstorbene Oberrabbiner Dr. C h a j e s nach _•
dem Urteil vieler ernster Kenner der Verhältnisse
seine überragende Stellung dem Umstand zu verdanken
hatte, daß er von vornherein seine Hände rein hielt von
Der Kauf einer Perücke ist eine Vertrauenssache!
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