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JÜDISCHE PRESSE
Nr. 2
LebensversieiieraagS'&esellsGiiaft
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den! Schmutz, der durch Entgegennahme von solchen Gel-
dern nolefl6 volens an der Hand haften bleibt.
Es ist dies eitle bittere Wahrheit, die aber dennoch uns-
gesprochen werden muß. Es ist selbstverständlich, daß die
KuHusgemeinde ihren Rabbinern eine a u s k ö m m l i c 11 e
Lebensstellung und ein Aequvivalent für den Enlifal! dieser
״Nebenemolumente“ bieten müßte.
Aber diese Nebenelnnahmen müssen verschwinden, falls
man ernstlich für eine religiöse Renaissance der Wiener
Judenschaft arbeiten will.
Vielfach wird behauptet, daß diese ״Nebeneinnabmeii“ zu
den schönsten Traditionen der rabbiuischen Einkünfte
gehören und daß auch die berühmtesten tabbin Ischen Kory-
öMen der verflossenen Jahrhunderte solche Entlohnungen
für Ihre Funktionen entgegennahmetu Da muß man staunen,
daß moderne Rabbiner nun auf einmal gerade in diesem
Punkt so stolz auf die ׳■Traditionen ihrer Vorgänger
Mnweisen. Führen doch diese Traditionen zu Menschen und
Verhältnissen .,die ma .11 mit den heutigen einfach nicht ver-
gleichen kann. Was von den Rabbinern hier in aller Ehr-
furcht gesagt wurde, paßt in vielleicht noch gesteigertem Maße
auf die übrigen Fiuu'ktiqnäre. Also werden die׳ fünfhundert-
tausend !SciMlilIng, die die Kultusgemeinde für den g-ttes-
dienstlichen. Betrieb in ihren sechs Synagogen und ihrem
Rabbinat aufwendet, reichlich durch den Umstand parali-
siert,־ dsiß
der ,moderne Großstadtjude nicht ln dem richtigen persön«
liehen Verhältnis zu den Führern seiner Synagoge steht.
Tatsächlich ist ln d i e s e 1 t Synagogen von einem pulslc-
feiiden religiösen Leben,׳ das so tief im Wesen des Jüdischen
Menschen liegt, nichts 3511 merken. In diesen großen Syna-
gbgen Ist alles kühl, ohne Stimmung, man möchte
fast.sagen mechanisiert. Man kommt selten aus Minen er-
baut, oft aber ge langweilt und ermüdet.
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Fariliprtchar Nr. 41 -O-Sf
auf dem Gebiet des Schulwesens, auf dem Territorium der
Wiener Kultusgcmclnde herrscht.
Als Einleitung zu der Behandlung dieses Kapitols
muß vor Augen gehalten werden, daß
die Kulfusgemeinde schon aus rein fiskalischen
Gründen, um Steuerobjekte zu besitzen, Wert darauf legen
müßte, eine jüdisch fühlende, in jüdischen Kenntnissen ver-
« siertc Generation hcranzubilden,
denn die Furcht, die Gemeindesteuern^den Lebe •n s-
b e d ü r -f n i s s e n •der Kultusgemelnde angemessen zu er*
höhen, ist wohl unseres Erachtens übertrieben, aber
leider nicht so leicht von der Hand zu weisen.
Wie sind diese Steuersätze beschaffen?
!Bei allen Wahirechtdcbattcn in der Kultus-
gemeinde hört man, daß filr sechzig Groschen pro Jahr
jedermann Mitglied dieser Gemeinde werden und somit
das Wahlrecht, das Mitbesthmnungsrecht an dieser Kultus-
gemeinde ausüben kann.
Wir staunen über ‘die G e r i tt g IÜ g i g k e i t dieser Summe.
Wir sind ehrlich überzeugt, daß die jüdischen Ge-
melnden n 1 c h t v o n d c n ' 1 M i 11 i o n e in der S •p 11 z c n
der Finanz w e 11, sondern von •den Groschen der
kleinen Leute erhalten werden. Aebr es wirkt doch
tief degradierend auf den m 0 r a :1 i s ch c n Wert
einer Kultusgemelnde, •wenn man einen Mindeststeuersatz
von sechzig Groschen vorschreibt.
Es gibt kaum einen Verein, eine Korporation, von den Ge-
werksehaften, von Arbeitervereinen gar nicht zu reden, wo
man mit einem Jahresbeitrag von sechzig Groschen das
Auslangen finden würde.
Die verantwortlichen Führer unserer Kiiiltusgemeindc fürch-
ten sich heute, diesen lächerlich geringen Steuersatz 211
erhöhen, da sie eine F1 u c 111 • a u s d e r •K u 1 tu s g e-
m c i !1 d e b e f ü r ch t e;n.
Upter diesen Umständen, müßte man eben dieser
Fluchtgefijihr mit aller Energie entgegentreten. 1 , Man müßte
mH allen Mitteln die Jugend für das Judentum und die
jüdische' Gemeinde interessieren.
Das geschieht in Wien nicht.
Der Religionsunterricht ist u 1 t z u iä u g-
lieh, schon deshalb, weil man in 50 bis 60 Stunden im Jahr
bei einem Massen u 11 1 e r r 1 c 11 t nichts erreichen
kann, und inan kann ohne Uobertreibung behaupten, daß
Pulsierendes religiöses Leben findet man in den kleineren,
sogenannten Vereinsbethäusern, die nur selten von
dem Strahlenglauz des Interesses der Kultusgemelnde, zu
deutsch: Subvention, erhellt werden.
in vielen dieser Befchausverelne wirken Rabbiner, die wohl
meistens nicht auf Titel und Mittel eines ,,Geineiuderab-
blners“ Anspruch erheben können, deren Einkünfte in kras-
sem Gegensatz zu ihrer großen Familie — sie haben sich ja
noch nicht auf das Zweikindersystem festgelegt — sich
zwischen hundert bis dreihundert Schilling !monatlich be-
wegen; trotz ihrer Anmut sind diese Rabbiner in ihren Sy-
uagogen als Führer, als respektierte Persönlichkeiten an-
erkannt, und täglich morgens und abends lehren sie jiidi-
sehe Weisheit jüdischen Menschen, die noch gewohnt sind,
das Wort G-ttes nur von jenen entgegenzunehmen, die in
ihrer Lebeiisauschauung und Lebensführung selbst von der
Wahrheit und Heiligkeit dieses G-tteswortes tief durch-
drangen sind. Für diese
Zellen des religiöse«! Lebens in Wien,
für diese wertvollen Zellen, aus denen der ragende Bau
einer religiösen Renaissance in Wien entstehen könnte, hat
die. Kultusgemeinde nichts übrig.
Nichts übrig ist 'vielleicht zu gelinde gesagt, denn die Kui-
Hisgemeinde wendet für diese Zwecke ungefähr 10 Pro-
zent des Budgets der sechs Gemeindesynagogoti, fünfzig-
tausend Schilling, pro Jahr auf.
Wenn wir die Zahl dieser subventionierten Bethansverehie,
nicht alle sind dieser Gnade teilhaftig, der Einfachheit hal-
her rnt fünfzig ׳ annehmen,
so fällt auf jedes einzelne tausend Schilling jährlich.
Dreieinhalb Schilling für den Kultus pro Kopf und
Jahr; tausend Schilling pro Jahr und Bethausverein, das
sind charakteristische Ziffern.
Das sind die Summen, welche die Wiener Kultus-
gemeinde, die Wert darauf legt, als K u 1 t u s gemeinde zu
erscheinen, für den Kultus jährlich auiwendet.
Fünfzigtausend Schilling für fünfzig Bethausvereine,
dies ist der Aufwand, den die Wiener Kiütusgemeimde für
diese wertvollsten Kristallisationspunkte des religiösen
Lebens in Wien bietet.
Trauriger, als dieses Kapitel ist mir das, was
von zehntausend jüdischen Kindern beiderlei Geschlechtes,
die durchschnittlich die Volks- und Bürgerschule in Wien
besuchen, nahezu 8000 bis 8500 am Ende ihrer Schullauf-
bahn des hebräischen Lesens unkundig, bar des primitivsten
Wissens über das positive Judentum ihre Lebenslaufbahn
beginnen.
Das Wenige, das man‘ihnen über religiöse Dingo in den
Schuljahren vermittelt hat, wird in den folgenden Jahren
des Sturmes ; und des Dranges nach einem Stückchen Brot
vergessen. Daß bei dieser Sachlage die Pluchtgefahr ge-
geben ist, ist sicher.
Schuld daran sind aber jene, die für das Schicksal
der zweitgrößten KuHusgemeinde in Europa verantwortlich
sind.
Damit wir aber die Balm der Ziffern nicht verlassen,
Wollen wir vermerken, daß
für diesen offiziellen Religionsunterricht,
abgesehen von den Aufwendungen des Staates und der
Stadt,
die Kuitusgomeinde jährlich hundertfünfzigtäuseud Scliil*
ling aufwendet.
ספ" איריות סופ״ייים
תוכו רצוף אהבה מכתבי קודש מגאוני גדולי הדור ראשי
הנולה ממשפחות איגר־סיפר העהיסה ועוד מי רולי ישראל אשר
ערכו מכתבים אליהם וסחור טרביגו הגדול מופת הדור מרן
עקיבא א י ג ר זצ״ל אברקיה פיינא והמרינה ומרבינו הגדול
מופת הדור■ מרן משה סופר זצ״ל חתנו אברס״ש ברעש־
מרב ומבנם רביני הנחל מרן אברהם שמואל
בנימין זצ׳יל אבדק׳יק פ״ב ואחיו רביני הנחל מרן שמעון
ם 1 פ ר זצי׳ל אבדק״ק קראקיי. יכילו תורה חכמה מיסר הנהנות
טובות משולסת בסיפורים נפלאים אשר חיבור סח במקצוע הזה
עוד לא הי׳ בעולם הספרות ונלוח אליו
אילז
ספר יחים שתי משפחת אלו סחר תר
כל אלה לקטי ואספו וחוברו לה יחדיו עם הויספית והערות
יקרות רבות ונחמדות רב התוכלת בהרבה ענינים
מאת בנם ונכדם
הצעיד רדק שלמד סוסי בהנמהראשבס זצ״ל
אבדק״ק כערעגסאם והנל'ל יע״א
FRANZÖSISCHE
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VON HAMBURG, HAVRE, BORDEAUX,
GENUA, MARSEILLE NACH
SÜD-AMERIKA
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BRASILIEN, URUGUAY, AROtN IINIEN
KUBA, MEXIKO
;llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllillllllllllllllllllllllllllir
COLUMBIEN
llilillllllllllllllllllllllllllilllllllllilllllllllinillllllllllllllllllllllllllllllllllllf '
VORZÜGLICHE EINRICHTUNGEN
DER 3. KLASSE
RITUELLE KÜCHE
WIEN, IV., WIEDNER GÜRTEL 24
(GEGENÜBER SÜDBAHNHOF)
Wem! wir nun oben •bei einer Anzahl von Schulkindern
in der Höhe von 1500 bis 2000 angenommen haben, daß sie
mit dein hebräischen .Buchstaben etwas vertrauter,
des jüdischen Geistes etwas kundiger sind, so haben
wir optimistisch angenommen, daß diese Kinder eine Bi-
beischule, private Kurse, Chadarlni und Talmud-Thoras,
besucht haben.
Diese 2000 Kinder geben förmlich den Kern einer gesunden
religiösen Entwicklung, die Basis unserer Hoffnung für die
Zukunft ab.
Was wendet die Kultusgemelnde für diese Bibel-
schulen, Talniud-Thoras, Chadarim und Lernvereine auf?
Mit hunderttausend Schilling kann diese Summe be-
zittert werden. Die Winzigkeit dieser Summe wird nur dann
klar erfaßt werden können, wenn mau •bedenikt, daß d i e-
selbe Kultusgemelnde für ״die Bibliothek seohzigtau-
send Schilling im vorigen Jahr aufgewendet hat. Sicherlich
benötigt eine solch große KuHusgemeinde wie Wien eine
reichlich ausgebaute und wissenschaftlich geleitete Biblio-
thek, aber dort, wo
für die lebendige Zukunft, für die religiöse Unterweisung
und Ertüchtigung der Jugend, die heute nur in den Bibel-
schulen und in ähnlichen Anstalten, wenn überhaupt irgend-
wo Yorgenommen wird, insgesamt bloß hunderttausend
Schilling übrig sind, muß man sich wundern, wie dieselbe
Kultusgemelnde sechzigtausend Schilling für Bücher und
Bibliothek ausgeben kann.
Hat man dort, wo über das Budget entschieden wird,
gar kein Verständnis für das Lebendige im Judentum? Daß
man förmiieb von einem bösen Schicksal geleitet, nur für
die erstarteten, leblosen, mechanisierten Teile des Kultus
und der jüdischen Kultur Verständnis hat und sich geradezu
Instinktiv von allem abwendet, was mit dem Leben, was
mit der Zukunft, was mit dem jugendfrischen Aufstieg des
jüdischen Lebens zu tun hat.
Wär waren in unserer Kritik bestrebt, •innerhalb des
Rahmens des heutigen Budgets auf die abnormale
Gliederung, auf die tt n s y rn e t r i s c 11 e n Proportionen
der einzelnen Posten hinzuweisen. Von der
Personalpolitik
der Kultusgcmeinde sprechen wir absichtlich nicht, obwohl
auch dieser Posten ein bißchen genauer betrachtet wer-
den müßte. Gab doch die KuHusgemeinde im Jahre 1927 für
die Zentrale — Verwaltung und Steueradministration eine
Million Schilling (einFünftel der Gesamtausgaben) und für
•die Personalausgaben aller Ressorts zusamineugefaßt, zwei-
millionenzweihundertfünfzigtausend Schilling (40 Prozent
der Gesamtausgaben) aus. Allein die sachlichen Mo-
mente stehen in unserer Betrachtung diesmal im Vorder-
«rund.
Eine Sanierung der Finanzen der KuUusgenicimle
können wir nur Hand in Hand mit der Ausrottung der
religiösen Defizitwirtschaft vorstellcn.
Dies ist nur zu erreichen, wenn die Aufbauarbeit bei
der Jugend begonnen wird.
Systematische Schaffung von Kiudergärteii, jüdischen
Voll- und Religionsschulen, kann nur eine Generation auf-
züchten, die fähig ist, allen sozialen, kulturellen und reii-
giöseu Aufgaben einer großen Kutusgemeinde gerecht
zu werden.
Dieses Ziel ist kein «׳ t o pi s t is c h es, es ist zu er-
reichen in vollendetem Maße, wenn die KuHusgemeinde sich
entschließen würde,
für das Schulwesen ebensoviel zu verausgaben, wie für das
Wohlfahrtswesen* und für den Kultus soviel wie etwa
für den Bau der neuen Zereinonieulialle am Zentralfriedhofe.
Zwei Millionen Schilling jährlich würden hinreiclieu,
um in allen Wiener Bezirken solche Schulen, die ein wirk-
liebes jüdisches Zentrum bilden und eine gesicherte Zu-
kunft vorbereiten würden, zu errichten.
Woher auf einmal diese große Summe beschaffen.׳־
Darüber wollen wir in einem weiteren Artikel schreiben.
* P.