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JÜDISCHE DRESSE
Nr. 2
FASCHING! PURIM! FASCHING!
mehreren Sprachen über -die allgemeinen und die spezifi-
sehen agudistischeit Palästlfinangelegetiheitei!, 97 Vor-
träge ׳in 1 kleinerem !and größerem Kreise, Herausgabe
von Brosc'11 iir e 11 , Verkauf von P a I ä s t i n a-
Produkten dienten diesem Zwecke.
Wenn durch diese Konferenz, so schloß Redner, das
Bewußtsein der Verantwortlichkeit, welches auf der selb-
ständigen Orthodoxie für Erez Jisroel lastet, gesteigert , and
in die einzelnen Länder hinausgetragen wird, hat sie ihren
Zweck erreicht. Nicht Geld fehlt uns, sondern
die Men soll eil, welche dieses Geld ver*
lange tu und die Erkenntnis, daß w>ir nicht das Recht
halben, die Sorge' für Erez Jisroel auf andere Orgnni-
sationen abzuwälzen.
Redner forderte zur offenherzigen Kritik auf, bat
aber, nicht zu vergessen, daß das Recht zur Kritik
sowohl der eigenen wie auch außenstehen-
der Organisationen nur erworben werden
könne durch eigene aktive Tätigkeit.
Im Anschluß an diesen Tätigkeitsbericht Übermächte
Herr GMokunan-Porusch-Jerusalem die Grüße der palä-
stincnsJschcn Land es Organisation und unter-
strich vor allem die Notwendigkeit des ־palästinensischen
Schul Werkes, schilderte die verheerenden Folgen
der Missionsschulen und wies darauf ■hin, wie
heute der Kulturkampf in Erez Jisroel in aller-
letzter Linie sich darin !betätige, daß um die Seele jedes
einzelnen Kindes von den Vertretern der verschiedenen
Weltanschauungen gerungen werde. In diesem Kampfe
nicht untätig beiseite zu stehen, bittet er die Konferenz
namens der palästinensischen Führer. Er überbrachte die
Grüße der ehrwürdigen Rabbiner Sonnenfeld, Klatzikin,
KlJers, Rubin und diejenigen der palästinensischen Landes-
Organisation der Agudas jteroel.
Herr Stadtrat Trockenheit«- Warschau verliest
ein Begrüßungsschreiben namens des Gerer Rabl, welcher
seine warmen Segenswünsche der Konferenz ausspricht,
seinem Bedauern Ausdruck verleiht, nicht selbst ati •der
Sitzung teiilnebmen zu können, und initteJlt, daß er mit
seiner Stellvertretung bei der Konferenz Herrn J. M. Lewin־
Warschau betraut ■habe. Sodann berichtete Herr Trocken-
heim über die Erez Jisroel-Tätigkeit der polnischen
L a n d e s 0 r g a n 1 s a t i 0 n. Er betonte zunächst, daß
Polen der allgemeinen Palästina-Zentrale dafür Dank
schulde, daß sie es durch eine aufopferungsvolle Tätigkeit
und Hingabe verstanden׳ habe, bei aller Schwere der
Situation den polnischen Bodenkäufern gerecht zu werden
und jene Skandale zu vermeiden, die bei anderen Organ!־
satlone« zur Schädigung des jüdischen Namens leider viel-
fach sich ereignet hätten. Wenn auch augenblicklich ein
Stillstand in der wirtschaftlichen Betätigung eingetreten
sei, so glaube er doch, Im Namen der polnischen Landes-
Organisation die Bitte aussprechen zu dürfen, daß die Pa-
lästina-Zentrale in ihrer Tätigkeit nicht erlahme, sondern
ruhig auf eine •günstigere Entwicklung der Zeiten warte,
am den wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau mit ver-
stärkten Kräften fortzusetzen. Habe auch in den beiden
letzten Jahren die polnische Landcsorganisation nur zirka
Dollar 100.000 ihrerseits beigetragen, so könne doch die
Palästina-Zentrale auch ln Zukunft auf die aktive Mitarbeit
der polnischen Landesorganisation rechnen.
Herr Henry D. Weil!-New York überbrachte die ,
Grüße der amerikanischen Landesorga 11 1־ \
sation und gab der Uebcrzetiigung Ausdruck, daß durch j
die neueste Entwicklung der G1am- und Madhar-Frage es j
auch gelingen wird, große interessierte Gruppen aus den •
orthodoxen Kreisen der amerikanischen Judenheit für die j
kolonisatorischen Bestrebungen der Agudas Jisroel zu
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Heuu A. W. Rose 11 z wclg-Zürich berichtet über
die eifrige Tätigkeit der schweizerischen Palästina-Zentrale,
welche Im Verhältnis zu der geringen Zahl der Juden in
der Sohwei<z mit Recht eine vorbildliche ■genannt werden
könne. Hat doch die Schweiz •sich nicht nur an den Boden-
kaufen beteiligt, sondern auch •In all ihren Gruppen die
Durchführung der Rösch Chaudesch-Spenden-Aktlon erfolg-
reich unternommen. Er wünscht namens der schweizerischen
. Palästinazentrale der Konferenz den besten Erfolg.
Hiermit Schluß der Voradttagssitzung gegen 2 Uhr.
(Fortsetzung folgt.)
Bericht
an die Mitglieder der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel
über die Tätigkeit der palästinensischen Landesorgan!-
sation der Agudas Jisroel — 5688 — 1926-27.
I. Erziehungswesen.
Unter außergewöhnlichen Anstrengungen hat die
Aguda ihre Lehranstalten für Knaben und Mädchen ■in den
Städten und Kolonien Jerusalem, Tei-Awiw, Petacih Tikwah,
'Liberias, Safed, Bne ■Brat und Giwas Schoul mit
1250 Schülern und 52 Lehrern fortgesetzt.
Während de׳s Jahres wurde trotz der ungünstigen
Vorbedingungen eine Klasse der Mädchenschule in Tiberias
lilnzugefügt und eine neue Flliaischuie in dem Stadtteil
Schaare Ghessed als Töchterschule in Jerusalem eröffnet
Eine einmalige Subvention wandte die Aguda der
Talmud Thora in Haifa und der Jerusalemer Talmud Thora
in Siclirou Mosche zu.
Die Talmud Thora ln Petach Tikwah wurde ln mehr-
facher Hinsicht wesentlich verbessert. Eine neue Halle
wurde gebaut und sonstige bauliche Veränderungen aus-
geführt. Die Kosten wurden von der Landes aguda durch
die Bemühungen eines Mitgliedes aufgebracht.
II. Kolonisation.
Der Landbesitz der ־Aguda wurde durch den Hinzu-
erwerb der Waisengrundstücke in Machaneh Jisroel ver-
größert. In Machaneh Jisroel wurden im letzten Jahre mehr
als tausend Dun am bopflügt und 1800 Dumam durch die
Habajith bearbeitet. In Verbindung ׳mit der Landarbeit der
Aguda muß des tragischen Todes des Wächters Zinder
gedacht werden. Der Mörder ist trotz der Bemühungen der
Aguda bei den Behörden bis heute nicht entdeckt worden.
In Jerusalem ist das Haus des Herrn Adolf Lewin
als Schenkung in den Besitz ■der Aguda übergegangen. In
dem Hause wird eine Filiale der Mädchenschule betrieben.
III. Unterstützungen.
Die Erdbebenkatastrophe. Infolge der Erdbebeukata-
Strophe cröffnctc ■die Aguda eine Aktion zur Unterstützung
der durch das Erdbeben Geschädigten. Mit Hilfe der ver-
sohiedeneti Aguda-Zentralen in europäischen Ländern
wurden durch •den Hilisausschuß sowohl einzelnen als auc-h
Institutionen beträchtliche Unterstützungen ausbezahlt, ■und
zwar ■insgesamt Pfd. Sterl. 350, Die meisten hiemit Be-
dachten wohnten in Jerusalem, indessen wurde ein kleiner
Teil auch ■nach Tiberias und anderen Orten gegeben.
Trotz der ungünstigen Finanzlage wurden Unter-
Stützungen verschiedener Art im Gesamtbeträge von Pfund
Ster!. 200 au Arbeiter und sonstige Bedürftige ausbczahlt.
IV. Organisation,
Außer der Zentrale in Jerusalem bestehen organi-
siertc Gruppen in Tiberias und Safed. In Hiaifa und Tel-
Awiw bestehen ■keine organisierten Gruppen, wohl aber
Bureaus, die ln Verbindung mit der Zentrale stehen. Die
Jugendorganisation der palästinensischen Agudas J.isroei
hat organisierte Gruppen in Jerusalem, Tiberias und Petach
Tikwah.
Wiederholt fanden allgemeine Versammlungen der
Agudas Jisroel ■und der Jugendorganisation statt Ein Volks-
fest wurde am Chan! Hamaued Sakkoth gefeiert. Ebenso
wurde der 15jährige Gedenktag der Gründung der Agudas
Jisroel festlich begangen.
V. Propaganda.
fm letzten Jahre wurde eine großangelegte Propa-
ganda !unter den sephardischen Gemeinden veranstaltet. Es
schlossen sich infolgedessen der Aguda an: die Gemeinden
der Bucharim, die Gemeinde von Aleppo und die von Ma-
rokko. Aus der letzteren zeichneten sich mehr als 100 Mit-
glfeder in die Mitgliederliste der Jerusalemer Aguda ein.
Die Bucharim-Gemeinde vollzog ihren Anschluß an die
Aguda ln vollster Offenheit, während sie von allen Seiten
wegen dieses Schrittes stark angegriffen wurde. Sie veröf-
fentllchte eine Kundgebung in den jüdischen Zeitungen, die
von mehr als achtzig ihrer Führer und Rabbiner unter-
zeichnet war.
Zweimal im Jahre veranstaltete die Aguda eine be-
sondere Sammelaktion für den Keren Hathora. Alle Kreise
des Judentums in Erez Jisroel interessierten sich dafür und
die Aktion umfäßt das ganze jüdische Erez Jisroel. Die
Einzelspenden sind nicht groß, aber sie sind beachtenswert
wegen eines großen Kreises, der daran teilnimmt. Die
Aktion wird in Jerusalem, Tiberias, Petach Tikwah und
Safed veranstaltet und mehr.als fünfzehnhundert Einzel-
Spender haben sich daran beteiligt. Im Laufe des Jahres
veranstaltete die Jerusalemer Aguda eine Propagandareise
durch die Städte von Erez Jisroel zur Verbreitung des
Aguda-Gedankens. Außerdem bereisten im Interesse des
Schulwerkes das Ausland die Herren Rabbiner Mosche
Blau, Porasch und Fränkel.
VI. Die Aguda als Außenvertretung.
Die Aguda ist während des abgelaufenen Jahres !11
allen behördlichen Kreisen als Vertretungskörper anerkannt
worden. Die Zeugnisse der Aguda-Zentrale hinsichtlich
Vermögenslage, Leumund und Vertrauenswürdigkeit war-־־’
den von allen Abteilungen der Regierung angenommen.
Insbesondere ist dies von Bedeutung bei der Eitiwande-
rungs- und Passageabteilung. Im Laufe des Jahres er-
langte eine Anzahl Familien die Einreisebewilligung auf
Grund von Zeugnissen der Aguda. Auch bei den Ver-
tretern der fremden Regierungen ist die Aguda anerkannt
worden. Sie hat eine Anzahl von Legitimationen zur Er-
langung von Reisevisen nach fremden Ländern ausgestellt.
Von besonderer Bedeutung ist dies beim amerikanische«
Konsul. Bis zum vorigen Jahre mußten sich die orthö-
doxen Anstalten an die Zionistische Organisation wenden,
um für Ihre Abgesandten Visen nach Amerika zu erlangen.
Dies ist jetzt nicht mehr nötig, sondern es haben auf Grund
f der Legitimationen der Aguda bereits fünf Anstaltsvertreter
das Visum erlangt. Ebenso wurden von der Stadtverwai-
tun'g die Zeugnisse der Aguda hinsichtlich der Befreiung
von der Wohnungssteuer usw. anerkannt.
Es ist nicht zu leugnen, daß die Aguda im ganze«
inneren Leben der Juden Erez Jisroels a!s wichtiger
Faktor anerkannt wird. Dies ist auch im Verkehr mit den
Banken, den Schiffahrtsgesellschaften und den Eisenbahn-
behörden bei der Erlangung von besonderen Vergünsti-
gungen oder Preisermäßigungen zutage getreten.
Bei den Wahlen zur Stadtverwaltung ist es der
Aguda gelungen, einerseits die Beziehungen zu den Arabern,
und zwar zu beiden arabischen Parteien stark zu ver-
bessern und auf der anderen Seite ein Zusammenwirken
mit den anderen jüdischen Parteien du 1 *chzuführen.
Der gemeinsame Ausschuß der Jeschiwa-Leiter und
-Lehrer in Jerusalem, dem die Vertreter aller Jeschiwaus
in Jerusalem angehören, besteht samt und sonders aus
Mitgliedern der Aguda, die mit dem Ausschuß ln engsten
Beziehungen stehen.
Alle allgemeinen Fragen, die mit der Thora und dem
religiösen Leben in Erez Jisroel Zusammenhängen, sind von
der Aguda bearbeitet worden. Zahlreiche Sitzungen haben
gemeinsam mit den Leitern der Jeschiwaus stattgefunden,
Anfang der römischen Kaiserzeit niemals als inferiore Mit-
glieder der Mensohengesellschaft betrachtet wurden, ja in
sehr vielen Fällen wurden sie sogar mit allen sichtlichen
Zeichen der Hochachtung und Bewunderung bedacht.
Schon unser erster Stammvater Avrohoin wurde mit dem
Epitheton ״g-ttlichcr Fürst“ ausgezeichnet, Könige ehrten
ihn lind schlossen mit ilirn Schutz- und Trutzbündnisse. Das
nämliche Ereignis wiederholte sich im Leben Jicchoks.
Jakob wurden in Mizrajim bei Lebzeiten und ■im Tode
königliche Ehren zuteil. Das erste Golus, das unsere Ahnen
in Mizrajim durchmachten, galt nicht den Juden, sondern
den Fremden, denen gegenüber man die Autochtonen
schützen wollte, denen man aber nach dem g-ttlichen über-
natürlichen Eingreifen wieder Ehrfurcht und Achtung ent-
gegenbrachte. Daß sich diese Gefühle der Hochschätzung
durch das Wlirken eines Masche rabbenu, Joschiia, David
und Schlomo noch steigerten, läßt sich nicht nur lebhaft
denken, sondern ans unseren! heiligen Schrifttum, das doch
dem größeren Teile der Kiilturmenschheit auch heilig ist,
nachweisen. Wir können aber mit Fug und Recht die ganze
Zeit der Selbständigkeit des jüdischen Volkes in eigenem
Lande bei diesen Betrachtungen übergehe 11 , denn nur im
Golus, wenn das jüdische Volk !inmitten vieler anderer
Völker lebte, konnte der Judenhaß entstanden sein. Daß
dieser Fall aber nicht im ersten Exil eingetreten war, davon
zeugen ebenfalls die Blätter der Geschichte. Am babyloni-
sciien Hof gehörten die Juden zu den ersten Würdenträgern
des Landes, der jüdische G־tt wurde angestaunt und ver-
ehrt als G-tt aller Götter, jüdische Weisheit und jüdischer
Geist feierten dort die größten Triumphe. Abgesehen von
fern Zwischenfall Hamaus, der auch mit dem Siege und
der Erhebung der Juden endete, gab es keine Ausnahms-
gesetze iiir die Juden im nachteiligen Sinne, sondern nur
in vorteilhafter Bedeutung. Die Juden genossen als Be-
amte im Staatsdienste uno als Soldaten in den königlichen
Heeren gewisse Privilegien, durch die ihnen die genaue
Befolgung ihrer Religionsgesetze ermöglicht wurde. Diese
Vorrechte wurden vou Alexander dem Großen bereits vor-
gefunden und bestätigt. Und obwohl die Juden von dieser
Zeit ab sehr viel mit den verschiedensten nichtjüdischen
Völkern in regem Verkehr standen, so hatten sie, von elni-
gen kleineren Plänkeleien abgesehen, die nur ephemere
Bedeutung hatten, sowohl im Privatleben als auch im
öffentlichen Leben, weder als Individuen noch als Gesamt-
heit, gar keine wie immer geartete Zurücksetzung erfahren.
Daß dieses Verhältnis •in der Glanzzeit der Cliasmanäer-
regicrung unverändert blieb, ist ja selbstredend, aber auch
noch zur Zeit des unglückseligen Bruderkrieges und auch
noch, als infolgedessen das jüdische Reich in die Krallen
des römischen Adlers gelangt war, blieb die ׳Ehre ■und das
Ansehen der Juden unangetastet. Was ja eigentlich nicht
mehr als natürlich ■ist, denn schließlich hatte das jüdische
Volk doch die älteste Kultur, überragten doch jüdische
Morai lind Sitten diejenigen der anderen Völker turmhoch,
waren doch jüdischer Glaube, jüdische Liebe und Güte
unerreichte Lebenshöhen, die unwillkürlich Achtung und
Hoclischüt'Zimg abgewiunen mußten.
Nun sind wir aber bei dem Zeitpunkt angelangt, ln
dem ganz unvorbereitet, ohne jeden Uebergang, der Um-
schwung einsetzte. In der Kegicrungsperiode Herodes r kam
der Wandei. Da lesen wir plötzlich, daß alle Völker, und
ganz besonders die Griechen, wie auf ein gegebenes
Zeichen, die Juden zu drangsalieren, zu hassen und zu
verachten begannen, Josephns beschreibt des langen und
breiton die Unterdrückung und Ausbeutung, sogar die An-
iastung und Plünderung der Heiligtümer der Juden. So in
Kleinasien. Kyrenc, Lybien und iu den jonischen Städten
zu gleicher Zeit. Es ist klar, daß hier ein Zentralanlaß vor-
lag; von einem Mittelpunkt aus wurde dieser plötzliche
Gefiihlswechsel herbeigeführt und die Judenpogrome in-
szeniert. Und die treibende Kraft war Herodes selbst, den
man wohl jüdischen König nennt, der es aber selbst nie-
nmls sein wollte, der hn jüdischen Laude eine ganze Reihe
großer Festungsstädte baute und sie mit Heiden, mit be-
sonderer Vorliebe mit Griechen bevölkerte, um die Juden
einzuschüchtern und 'gleichsam im Belagerungszustand zu
halten. Er umgab sich ausschließlich mit Nichtjuden, er
verlegte den Mittelpunkt des Landes vom jüdischen Jeru-
salen! in die von ihm mit unerhört riesigem Kostenaufwand
erbaute, an Prachtgebäuden und der Lust und Unterhaltung
dienenden Institutionen mit Rom selbst wetteifernde, aus-
gesprochen heidnischen Charakter tragende Stadt Cäsarea.
Die Grausamkeit und Blutrünstigkeit, mit der er unter den
Juden gehaust hat, überschreitet doch alle blutigsten Vor-
Stellungen der erhitztesten Phantasie. Aber all das nur den
Juden gegenüber; gegen die anderen Völker war er mild,
versöhnlich und gnädig, denn er machte kein l-lehl daraus,
daß sein Herz in viel größerem Maße zu den Griechen
neige als zu den Juden, ■und darum verpraßte er ein enor-
mes Vermöge« an die Befriedigung der Wünsche der ver-
schiedenen Völker, während er für jüdische Zwecke und
Städte niemals einen Heller verwendete. Da die Deckung
der enormen Ausgaben, die er im Interesse der anderen
Völker machte, die Einnahmen des Landes bei weitem über-
stieg, mußte er die Juden mit der größten Grausamkeit
bis zum Weißbluten aussaugen. So berichtet Josephns, ein
Verehrer des Herodes, in den Alt. XVI, 5, 4. Das nämliche
betonen die Abgesandten der Juden in ihrer denkwürdigen
Klageschrift,'die sie nach dem Tode des Herodes an den
Kaiser Augustus eingabein. ln dieser’ Denkschrift betonen
sie auch unter anderem: ״Alle Städte unserer Nachbarn,
die Städte der fremden Völker schmückte und zierte er
mit den prachtvollsten Bauten und die jüdischen Städte
ließ er verwahrlosen. Das ungeheure Geld hingegen ■zu
jenen Bauten preßte er aus dem Mark der Juden heraus.
Sie.liegen unter ihren unerschwinglichen Opfern im Staube
und Herodes erreichte sein Ziel — die bei sciuem Re-
gierungsantritt sehr reichen Juden sind zu Bottlern ge-
worden. Die Spitzen des Volkes ließ er hinrichten, damii
er ihr Vermögen konfiszieren lassen könne. Außer den 1111 -
erträglichen Steuern, die er mit unbeschreiblicher Grau-
samkeit eintreiben ließ, waren die Juden noch besonders
gezwungen, durch kostbare Geschenke und enorme B־-׳-
stechungen an ihn und an seine griechischen und syrische!!
Freunde ihr bloßes Leben zu erkaufep. Mit einem Worte,
wenn ein wild tobendes und reißendes Tier unter uns ge-
haust hätte, wäre das Unglück noch lange nicht so groß
gewesen, wie.dasjenige, das die Herrschaft Herodes’ ver-
ursacht hat. Das jüdische Volk hatte in der Vergangenheit
auch schon zu leiden, aber das Unheil, das Herodes äuge-