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Nr. 2
jttDISCHE PRESSE
ßefte t*
um über die Frage der Unterstützungen sowie der Er-
ziehungsverordnang zu verhandeln. In bezug auf die letzte
Frage hat die Aguda energische Schritte bei der Regierung
unternommen. Auch mit den wirtschaftlichen Instanzen der
Regierung standen wir in bezug auf religiöse Fragen in
Verhandlung״ Selbstverständlich wird die Aguda-Leltung
auch offiziell zu allen Veranstaltungen der Regierung ein-
geladen. Ais ein besonderer politischer Erfolg Ist die Wahl
eines Aguda-Vertreters in die Stadtverwaltung von Jeru-
salem, Tiberlas und Safed zu buche!!. Bei Gelegenheit
dieser Wahlen hat auch die jüdische Gesamtheit erkennen
können, daß die Aguda keineswegs aus Prinzip den Ge-
danken der Trennung von den übrigen Strömungen in der
Judenheit vertritt, sondern daß sie überall zum Zusammen-
wirken bereit ist und Opfer dafür bringt, sobald keine
religiösen Prinzipien auf dem Spiele Stehen.
Die ganze Aufmerksamkeit der Aguda beanspruchte
während des abgelaufenen Jahres die drohende Gefahr des
die Orthodoxie unterdrückenden Gemeindegesetzes. Fol-
gende Maßnahmen wurden zur Abwehr dieser Gefahr er-
griffen:
a) O e f f e ! 1 1H c 11 e P r o t e s t v e r s a m m Jungen.
An einer dieser Versammlungen beteiligten sich mehr
als 2000 Menschen. Es wurde eine Resolution angenommen,
die telegraphisch dem Kolonialminister in London und
brieflich dem Oberkommissär übermittelt wurde.
b) Unterschriften Sammlungen.
Die Agudas Jisroel sammelte in Erez Jisroel die
Unterschriften von 7400 Familienoberhäuptern, die von der
Regierung verlangen, daß das orthodoxe Judentum in Erez
Jisroel das Recht erlangt, sich unabhängige und selb-
ständige Gemeinden zu bilden. Die Unterschriften stammen
aus allen Städten Erez Jisroels: Jerusalem, Safed, Tiberlas,
Haifa, Jaffa, Tel-Awiw, Petach Tikwab, Hebron, Bne Brak.
An den Unterschriften beteiligten sich alle Gemeinden.
Die Eingabe wurde alsdann durch die Agudas Jisroel dem
Öberkommissär überreicht.
c) Ein ähnliches Gesuch
wurde auch von den Vorstehern der Synagogen der Ge-
meinden unterzeichnet. Mehr als 200 Synagogen leisteten
diese Unterschrift.
d) Ein Gutachten der Thora großen.
Die Agudas Jisroel wandte sich an die bedeutendsten
Thoragrößen und chassidischen Rabbis mit der Bitte um
Erstattung von Gutachten über das Gemeindegesetz. Es
gelang, von einer großen Zahl anerkannter Führer des
Judentums der Diaspora Erklärungen zu erhalten, in denen
der Austritt aus dem Waad Leutni und der Anschluß an
die orthodoxe Gemeinde zur Pflicht gemacht wird.
VIL Schutz des Sabbats.
Gegen die Sabbatentweihung bei Fußballspiel leitete
die Aguda eine wirksame Bewegung ein durch Reden, Er-
tnahnungen der Rabbiner und Volksversammlungen. Als
Ergebnis einer Versammlung des Ausschusses der Stadt-
viertel, die im Aguda-Lokai stattfand, wurde der Regie-
rung ein Gesuch überreicht, dagdken einzuschreiten, da
durch das Fußballspiel die religiösen Gefühle der meisten
Bewohner Jerusalems verletzt und Ruhe und Frieden ge-
stört würden. Die Eingabe war ergebnislos. Jedoch
machte die Bewegung einen gewissen Eindruck auf die
Führer des Makkabi, die mit Herrn Oberrabbiner Chairn
Sonnenfeld ■ln Verbindung traten und ihm verschiedene
Versprechungen in bezug auf die künftige Wahrung des
Sabbats gaben. Zu unserem Leidwesen wurden diese Ver-
sprechungen jedoch nicht gehalten.
VIII. Presse und Drucksachenpropaganda.
Trotz der schwierigen ökonomischen Bedingungen
konnte der ״Kol Jisroel“ ununterbrochen erscheinen; zu-
weilen wurden auch Extraausgaben veranstaltet. Der ״Kol
Jisroel“ beschäftigt sich mit allen auf der Tagesordnung
stehenden Fragen und (eistet der Aguda auf allen Gebieten
Spendet für den
Kindergarten 111 tafle Mora
dar Adas Jisroel, Wien, ll. r Neetroygasse 11
ihrer Arbeit und ihrer Einflußsphäre wesentliche Hilfe. Zur
Feier seines fünfjährigen Bestandes gab der ״Kol Jisroel“
eine Jubilänmsnummer heraus mit einem Ueberblick über
die bisherigen Leistungen der Aguda am Aufbau Erez
Jisroels. Außerdem erschienen zahlreiche Aufrufe, Fing-
bliitter und sonstige PropagamJadruckschriiten zu ge-
cigneter Zeit.
IX. Die Aguda und die orthodoxe Gemeinde.
In den Städten des alten Jischuw stand die Aguda in
steter und bester Verbindung mit den orthodoxen Ge-
meinden und ihren Rabbinern. Es ist dies im besonderen
in Jerusalem, Safed und Tiberias der Fall. Alle Aktionen
zugunsten des religiösen Judentums und zur Hebung der
Thora wurden in Gemeinschaft und gegenseitiger Unter-
Stützung mit diesen Instanzen ausgeführt. In Jerusalem
steht die Aguda in fester Verbindung mit dem Waad Hair
Aschkenasi unter Oberleitung des Herrn Oberrabbiners
Chairn Sonnenfeid, der auch der Vorsitzende der palästi-
nensischen Landesorganisation der Agudas Jisroel ist. Im
letzten Jahre konnte die Aguda die orthodoxe Gemeinde
bei der Errichtung und Fundierung ihrer Schechita unter-
stützen.
X. Außenpolitik.
Auf dem Gebiete der Außenpolitik hat die Aguda
große Fortschritte gemacht. Sie stand in steter Verbindung
mit der palästinensischen Regierung, mit der Zentral-
regierung in London und dem Völkerbund.
XI. Innere Politik.
In der Gemeindefrage hat die Aguda Verhandlungen
mit Waad Hair lejehudi Jeruschoioim angeknüpft sowie mit
dem Waad Leumi, mit der Zionistischen Organisation und
auch mit den gemäßigt Orthodoxen In den Kreisen der
anderen Gemeinde.
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Grundstück
's Angelegenheiten I
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== wendet man sich vertrauensvoll an die 52
==§ Realitäten-und Verwaliungikanzle! lü
Dr. Jur. Marem Somer
.
Resolutionen des Zentralrates der Agudas Jisroel
Rumänien.
Der Zentralrat gibt seinem tiefen Schmerze über
die an unseren Brüdern ln Rumänien in jüngster Zeit
von betörten jugendlichen Elementen verübten Untaten
und seiner Entrüstung über die rohe Schändung jüdischer
Heiligtümer Ausdruck. Er appelliert an das Gewissen der
rumänischen Regierung und fordert strengste Ahndung der
begangenen Verbrechen.
Kenessio Gedaitlo.
Der Zentralrat beauftragt den G. A., die Bube-
rufung der Kenessio Gedaulo im Sinne der Satzung unver-
züglich vorzubereiten. Die Festsetzung von Zeit und Ort
bleibt dem G. A. Vorbehalten. Voraussetzung für die Binbe-
rufung der Kenessio Gedaulo ist die Abführung der Kopf-
steuern für das Jahr 5688 durch die Landesorganisatioti zur
Feststellung des wahlberechtigten Mitgliedcrkreiscs bis
zum 1. Nissan d. J.
R a b b i n i s c 110 r Rat.
Der Zentralrat beauftragt den G. A.. alle Mittel an-
zuwenden, um eine entsprechende Funktion des Rabbini-
sehen. Rates, und insbesondere dessen häufigeren Zu-
sammentritt im Sinuc der Satzungen zu ermöglichen. Be-
sonders wird der G. A. beauftragt, für die eheste Be-
Stellung eines mit der Leitung der Agenden des Rabbini-
sehen Rates zu betrauenden speziellen Sekretärs Sorge
zu tragen. Der Zentralrat drückt Herrn Oberrabbiner
Fürst in Wien besonderen Dank für seine Bemühungen In
dieser Richtung aus.
Organisation.
Der Zentralrat überweist den ihm vorgelegtcn Orga-
nisationsplan, der in seinen Einzelheiten nicht genügend
durchberateii werden konnte, dem G. A. zur Beratung
lind möglichst umfassenden Ausführung.
Auli m.
Der Zentralrat nimmt von den bedeutungsvollen An-
regurigen und Vorschlägen des Referenten Dr. Nathan
Birnbaum mit lebhaftem Interesse Kenntnis und beauftragt
den G. A., zu erwägen, ob und in welcher Welse die
Grundgedanken Dr. Birnbaums im Rahmen der agudlsti-
sehen Organisation eventuell für einzelne Länder, ver-
wirklicht werden können, y
J u g c 11 d 0 rg a 1 t i« a t i 0 n e n.
Die vorgelegten Leitsätze betreffend Regelung der
Beziehungen der Jugendorganisationen zu den Landes-
Organisationen und zur Gesamtorganisation werden
Ihrem Grundgedanken nach genehmigt. Der G. A. wird be-
auftragt, unter Berücksichtigung der in der Diskussion, ge-
äußerten Abänderungswünsche sowie nach Anhörung
sämtlicher beteiligten Landesorganisationen und unter Zu-
Ziehung der Vertreter der Jugendorganisationen die Leit-
sätzc nochmals durchzuberaten und alsdann endgültig in
Kraft zu setzen.
G t m e i n d e b 11 d u n g f n P a 1׳ ä s t i n a.
Der Zentralrat spricht der palästinensischen Agudas
Jisroel, dem Waad Hair Aschkenasi. und insbesondere
ihrem verehrten Oberhaupt. Rabbi Chaiim Sonnenfeld, den
wärmsten Dank aus für den in jahrelangem, schwerem
Ringen erfolgreich geführten Kampf für die Selbständig-
keit der Orthodoxie in Erez Jisroel.
Der Zentralrat spricht den dringenden Wunsch aus,'
daß die selbständigen orthodoxen Lokalgemeinden in!
heiligen Lande einheitliche seien und alle orthodoxen
Juden umfassen, die aus religiösen Bedenken dein Waad
Leumi nicht angehören wollen.
Der Zentralrat erwartet daher von der Leitung der
bereits bestehenden organisierten orthodoxen Gemeinde in
Jerusalem (Waad Hair Aschkenasi). daß sie die äußersten
Anstrengungen machen werde, um sowohl die jetzt neu ge-
gründete ״Adaß Jisroel Hacharedis“ als auch alle in Be-
tracht kommenden Kreise in einer einheitlichen orthodoxen
Gemeinde zu vereinigen.
Leitsätze betreffend A g 11 d a s - .1 ׳i s r o e 1׳-
Jugendorganisationen.
1 a. In jedem Lande ist — vorbehaltlich der Zu-
Stimmung des rabbinischen Landesrates — eine Jugend-
Organisation zu errichten, die die einzelnen Jugend-
gruppen zusammenfaßt, neue gründet und ihre Tätigkeit
regelt.
1 b. Aufgabe der Jugendorganisationen ist die Ge-
wipnung der Jugend im Alter von 10 ,bis 24 Jahren für die
religiösen Ideale des Thoraijuäentums und für die agudisti-
sehe Gemeinschaftsidee.
• 2. Die Jugendorganisation untersteht der allgemeinen
Aufsicht der Landesorganisation, die ihre Rechte durch drei
in den Vorstand der J. O. zu entsendende Vertreter ausübt:
ebenso entsendet der Vorstand der J. O. drei Vertreter in
den Vorstand der Landesorganisatioti.
3. Anfragen der Jugendorganisation an den Rabbini-
sehen Rat des Landes erfolgen durch Vermittlung der
Landeisorganisation.
4. Jede Jugendorganisation hat sich eine Satzung zu
geben, die der Genehmigung der L. O. und des Rabbini»•
sehen Landesrates bedarf.
5. Der Regel nach .sollen junge Leute, die das
richtet hat, findet seinesgleichen weder in der jüdischen,
noch in der Geschichte eines anderen Volkes.“
Aus diesen Schilderungen ist klar ersichtlich, daß
Her ödes, obschon er den Titel Judenkönig führte, ein fana-
tIscher Hasser, ein grimmiger Feind der Juden war und
seinen Stolz darein setzte, die Juden im eigenen Lande
zu Sklaven zu machen, allen Erniedrigungen auszusetzen,
sie dem Spotte, der Laune und der Böswilligkeit der Völker
preiszugeben. Die Juden wurden vogelfrel erklärt, wer sich
an ihnen sein Mütchen kühlte, der bereitete Merodes ein
Seelenvergniigen. Das sahen, das hörten die Völker außer-
halb Palästinas und taten dasselbe, und noch mehr als das,
in der Ueberzeugung, daß sie dafür straflos, ja sogar ver-
dienstvoll sind in den Augen Herodes׳. Zum Beweis dafür,
daß die fremden Völker nur im Vertrauen auf den abgrund-
liefen Judenhaß des Herodes gegen die Juden alles wagten
und daß Herodes ihr Berater und Beschützer in dieser
Sache war, mag der Umstand dienen, daß die Juden aus
Kleinasien und Lybien, als sie sich wegen der Leiden, die
ihre Mitbewohner auf sie häuften, ah Augustus wandten,
da erhörte dieser ihre Bitten und erteilte strengen Befehl,
daß mau die Juden unbehelligt lasse, daß man ihre alten
Vorrechte respektiere, daß man weder sie noch ihr Ver-
mögen autastc, und mit besonders scharfen Strafen bc-
drohte er all diejenigen, die es wagen würden, an jüdische
Heiligtümer frevierische Hand zu legen. Als die Juden der
jonischen Städte hingegen dieselben Beschwerden anführ-
len und ihr diesbezügliches Memorandum dem Agrippa,
dem Schwiegersohn des Augustus, überreichten, der im
Geleite des Herodes die Provinz durchreiste, da lautete
die Antwort Agrippas, obwohl die Griechen gegen die
gegen sie erhobenen Beschuldigungen nichts zu sagen
hatten, daß er aus Liebe zu Herodes ihnen Gnade wider-
fahren lassen und ihnen Schutz gegen etwaige Ausschrei־
lausen bieten wolle. Es muß gar nicht betont werden, daß
die Feinde der Juden vor diesen lendenlahmen Worten
gar nicht erschraken, denn wenn Agrippa ihnen nur Gnade
mit Rücksicht aui Herodes zuerkannte, so wußten sie hin-
wieder, daß sie infolge der Liebe des Herodes zu ihnen
iukI in Anbetracht seines tiefen Hasses gegen die Juden
ihr Verhalten diesen gegenüber durchaus nicht zu/ändern
brauchten.
So entstand durch das Verfahren Herodes’ gegen
die Juden das Bewußtsein, daß sie ein inferiorer Menschen-
schlag seien, die jeder Bube ungestraft beleidigen, pekii-
gen, berauben darf, weil sie kein Gesetz schützt, weil die
ihnen zugesicherten Rechte nur ein Papierfetzen seien, der
keine Gültigkeit und dessen Uebertretung keine Straf-
Sanktion hat. Was Wunder, daß ein solches Volk dem
Mohne, der Verachtung zur Zielscheibe diente, da es doch
an letzter Stelle unter allen stand, dessen Zugehörige nicht
als vollwertige Menschen betrachtet werden, deren Leid
kein Mitgefühl, deren •Elend keine Erbarmuns, deren
Schmerzen kein Mitleid, deren Unglück keine Träne wert
sind. So wurde Herodes der fluchwürdige Schöpfer des
Judenhasses im Judenlande und ■seiner Umgebung, und als
nach nicht langer Zeit danach die Juden, ihres Landes ver-
lustig, ins Exil getrieben wurden, da zogen sie in aller
Herren Länder schon als die Geächteten, als die Ausge-
stoßenen, als die Verachteten, als diejenigen Volkssplitter,
die schon seit Jahrzehnten aller Rechte bar, ohne Schutz
und ohne Schirm dastchen und die Fußtritte aller Gassen-
buben geduldig über sich ergehen lassen mußten. So zog
mit den Fahnen des überallhin sich ausdehnenden Rom der
Judenhaß in alle Länder der jüdischen Diaspora.
Josephus erzählt, daß Herodes, als er seinen Tod
herannahen fühlte, Befehl erteilte, die Häupter aller ange-
seltenen Familien einzusammeln und sie beim Eintritt
seines Todes zu töten, damit, wenn sein Tod bekannt wird,
nicht, wie zu erwarten stand, allgemeine Freude, sondern
tiefe Trauer in die Häuser der Juden einziehe. Zum Glück
waren seine Schwester Salome und ihr Mann Aloxos gc-
fühlvoller, und noch ehe der Tod des Merodes bekannt
wurde, gaben sie in seinem Namen Ordre, daß die Gefan-
genen unversehrt entlassen werden. Großer Jubel bemach-
tigte sich allenthalben, wo Juden wohnten, bei der Nach-
rieht, daß Herodes gestorben ist, denn sie dachten, daß
mit ihm alles UebeJ zu Grabe getragen wurde, das sein
Leben über die ,Juden gehäuft hatte. Wer konnte es da-
mals ahnen, daß die Saat, die Jener abgefeimte Bösewicht
gesät, noch Jahrtausende nach seinem Tode in die Halme
schießen werde?! Wer sollte damals meinen, daß die Ver-
achtung, der Haß und die Straflosigkeit aller Greueltaten
den Juden gegenüber das Leben Herodes׳ überdauern
werden?! Wer konnte es damals wissen, daß Herodes sich
einen Jahrtausende überdauernden Leichenstein gesetzt hat
aus jüdischem Weh und Leid, aus jüdischem Gut und Blut,
aus jüdischen Tränen und Seufzern, aus der Asche zu
Hunderttausenden verbrannter jüdischer Leiber und zer-
tretender Jüdischer Herzen, aus den tausenden Ruinen jikli-
scher Lehr- und Bethäuser und den Himmel rot färbenden
Autodaf6s jüdischer heiliger Schriften?!
Wer es wußte? Unsere alten Talmudlehrer, die g-tc-
begnadeten Lehrer wußten es. Von jener hohen Warm
aus, von der sie die Geschichte der Menschheit übersahen,
erfaßten sie die Tragweite des fluchbeladenen Wirkens
Herodes׳. Sie begriffen, daß seit der Erbauung Cäsarens
Jerusalems Unglück beschlossen war. Sie verstanden, daß
es sehr lange währen werde, bis die Ehre und das Ansehen
Jerusalems, die Herodes nach Cäsarca liiniiberraubte, dahin
zurückkehren werde. Daher ihr im Traktat Mcgiilah so
lapidar ansgedrückter, die ganze Golusgescbichte jt des
Judentums scheinwerferartig beleuchtender Sehersprach:
״Cäsarca und Jerusalem! Wenn dir Jemand sagt, daß sie
beide darnicderliegen, so glaube cs nicht. Daß Cäsaren ge-
fallen und Jerusalem sich erhoben, daß Jerusalem gefallen
und Cäsarea sich erhoben, das magst du füglich glauben,“
Das fallende Jerusalem hat den Bau Cäsareas ermöglicht,
das von seiner ethischen Höhe gesunkene und vcrpoliti-
sierte Jerusalem hat das Gedeihen der Drachensaat des
Herodes begünstigt, die Entpolitisierung und die Wieder-
aufrichtung Jerusalems auf der alten jüdischen Basis der
G-ttinnlgkeit, des Thoragesetzes und reinen Menschtumes
wird Cäsarea, diese hcrodeanische Schöpfung, dieses fiam-
mendc Symbol, diese Hochburg des Judenhasses, in den
Staub stürzen, alsdann wird versiegen die Quelie jüdischer
Tränenbäche und Blutslrönie, zu Ende wird sein jüdischer
Jammer upd mit ihm werden schwinden Weh und Elend
der Gesamtmenschheit und das ״Jammertal“ wird sich in
ein ״Paradies auf Erden“ verwandeln.