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JÜDISCHE PRESSE
OliOJtM FUN PIK INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS.
Radaktlon a. AdmlnlilritlomWIen, II., Leopold!•
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Wien-Bratislava, 2. Jänner 1931 ב*ד. וינא־םרעסבורג י״ג טבת תיציא
17. Jahrg.
Das wahre Gesicht
Dichtung und Wahrheit.
Die wirtschaftliche Lage der Juden in allen Ländern.
Schulter an Schulter mit clen Arabern, also mit
Semiten reinsten Wassers, kämpfen die bräunlichem-
deten Scharen der Aut i s e in i t e n Deutschlands gegen
das jüdische Volk. Aber in. diesem Kampfe*Iwird • mehr
noch als das unzerstörbare Judentum das Christentum
selbst untergraben und in Wirklichkeit ist der ״ Anti-
semit“ eigentlich der ״ Antichrist“. Wohin dabei die auf
die Spitze getriebene Rassenhetze führt, zeigt am cleut-
lichsten das Abenteuer eines katholischen Priesters, der
vor kurzem erst in Berlin als ״ Jude“..attackiert wiircle.
Ja, man braucht eben heutzutage nurjfein wenig intelli-
gent aussehen und allenfalls noch einen Bart tragen —
und flugs ist man schon zum Juden gestempelt. In den
südlichen Ländern dürfte es unseren ״ Nazis“ wahrschein ־
lieh, wenn sie sich einmal dorthin verirren, überhaupt
von Juden zu wimmeln scheinen.
Am sinnfälligsten dokumentiert sieh der Geist, der
jetzt von Deutschland ausgeht, in einem der Anschlag-
kästen der Wiener Universität, der in weithin leuchten-
den Lettern die Forderung noch Sterilisation erhebt.
Nun. dieser Wunsch scheint den wackeren Recken,
wenigstens in geistiger ׳ Hinsicht, schon längst, ohne daß
sie es erkennen, in Erfüllung gegangen zu sei tu Eines
ihrer Kampfblättchen liefert clen Beweis dafür. Es
tischt seinen Lesern unter dem Titel ״ Die Sirene heulte“
ein Geschichtch'en auf, das wirklich zum Heulen ist. Der
Autor .dieses, literarischen Produkts hält scheinbar alle
Juden für Müßiggänger und Prasser, wobei er natürlich
, uorh nie »'■pscüon haben dü’*ft° wie sich ,das .in ^]er.
“Wirklichkeit axisnimmL Man wird zwar vielleicht *huf*
•jüdischer" Seite einwenden, es verlohne sich nicht, mit
:solchen Geistesprodukten zu polemisieren. Schweigen*
von jüdischer, von wirklich informierter Seite, könnte
aber nur zu leicht als Zustimmung gedeutet werden, und
;deshalb ist es notwendig, immer wieder darauf hinzu-
weisen, daß alle diese Dinge oft wirklich geglaubt
werden, da eine ganze Literatur die Vorstellung vom
genießenden, mühelos verdienenden und ־ — deutsche
'Mädchen schändenden Juden züchtet und pflegt. Gewiß
kennt auch jeder Nichtjuclp, soweit er überhaupt Juden
‘kennt•, aus eigener Erfahrung den schwer arbeitenden,
den; leidenden und — trotz Großstacltmilieu — sittlich
zumindest nicht unter seiner Umgebung stehenden
Juden, Sobald ihnen aber einmal solche geistige Kost
vor gesetzt wird, vergessen die meisten Durchschnitts-
‘menschen alles, was sie vorher gewußt hatten, und
{?lätiben;... • ■ ־׳ •- י־ ■ג י י
Darum ist kein Wort der Abwehr lind AuIV
klärung von jüdischer Seite zuviel uncl. dar um. muß auch
alles vermieden werden, was mißdeutet werden könnte.
׳ Aus solchen Erwägungen heraus müßten Juden . und
Juclenstäjnmlinge sich geflissentlich davor hüten, . die
Wortführer sexueller, Reformbestrebungen zu seih, auch
wenn das Sittengesetz der Thora den Juden ׳ nicht aller
Zweifel' in diesen Dingen schon von vornherein ent-
heben und an den Mann ebenso hohe Anforderungen
stellen würde*wie an die Frau. Es könnte mancher Gift-
stoff der Schlange des Judenhasses entzogen werden,
wenn nicht gerade der Jude Ellenbogen im Namen der
sozialdemokratischen Partei den Kohgreß religiöser
Sozialisten begrüßen und der Jude Max Winter in einem
^luvimftsbilcle die Stephanskirche, durch eine ״ Viktor-
Adler-Halle“ ersetzt sähe. Hier müßte der Takt die
Taktik vorschreiben und die Erfahrung• lehrt, daßduch
der Kommunistenherrschaft in Ungarn sicher kein so
rasches Ende beschießen . gewesen wäre, wenn sie sich
nicht durch Enteignung religiöser Gesellschaften unmög-
•Reh• gemacht hätte. Schließlich dient es. auch durchaus
nicht clem Abbau alfeingewurzeiter Gegensätze, wenn
einem Stadtrat jüdischer Abkunft von ernster, deutsch-
nationaler Seite erst jüngst vorgehalten werden konnte,
er habe den Geburtenrückgang iin deutschen Wien bei
!grüßt, . Leider ist dieser Rückgang aber nicht auf das
deutsche Wien beschränkt; er läßt sich in noch
höherem Maße auch am jüdischen Wien konsta-
tieren. Schon Raschi zeigt in einer kurzen Notiz zu der
Stelle der biblischen Erzählung, die berichtet, Josef seien
Vor den Hungersjahreu zwei Söhne geboren worden,
wo die gemeinsame Wurzel des Uebels liegt, und gerade
die Frcuclentage des Chanukafestes mußten in diesem
Jahre der Wiener ״Wahrheit“ den Anlaß bieten, ein
erschütterndes Bild der jüdischen Not in Wien zu ent-
werfen.
Diese jüdische Not hat wohl dieselbe Wurzel wie
die allgemeine Wirtschaftsnot; in ihrer grauenhaften
Steigerung aber, die man bei einiger Menschenkenntnis
schon auf der Gasse den besorgten Gesichtern aller
Juden ansieht, ist die jüdische Not eine Folge der
offenen oder versteckten Feindschaft, die überall dem
Juden auflauert. Diese spezifische Juclennot ist'nicht im
geringsten lokal begrenzt; sie stand auch kürzlich erst
im Mittelpunkt der Erörterungen cler Berliner jüdischen
Gemeinderepräsentanz. Dort wurden Dringlichkeits-
unträge zur Linderung cler Not der Erwerbslosen und
des depossedierten Mittelstandes gestellt. Einem er-
höhten Etat des Wohlfahrtsamtes steht eine Verschied!-
terung cler Einnahmen cler Gemeinde gegenüber.
In diesem Zusammenhang ist auch die Lektüre
des von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden
hcransgegebenen Dezemberheftes der Zeitschrift ״Jüdi-
sehe Wohlfahrtspflege uncl Sozialpolitik“ von Interesse.
Namentlich der Beitrag ״Zur wirtschaftlichen Entwick-
lung der Berliner Juden“ von Alfred Marcus ist sehr
informativ. Er zeigt an amtlich fcstgestellten Zahlen,
auf wie schwachen. Füßen cfar; Großteil cler jüdischen
große Labilität cler jüdischen Gründungen auf .allen
Gebieten. Auch für den Berufszweig cler Versicherungs-
ageuten zeigt Marcus, wie unerfreulich dieser vom
Standpunkt jüdischer Wirtschaftspolitik ist, und so׳ läßt
sich durch alle seine Darlegungen eine deutliche Pa-
rallele mit unseren Wiener Verhältnissen feststellen.
Wenn er aber die zunehmende Proletarisierung der
jüdischen Masse konstatiert, so ist das eine Phase, über
die wir in Wien schon hinaus •sind, da wir schon längst
das Stadium des Luftmenschen erreicht haben. , • ;.;
Damit aber unsere Kenntnis cler :•jüdisdien Wir.t-
sdiaftslage nicht einseitig auf mitteleuropäische Groß-
Städte beschränkt bleibe,־ ist es notwendig, einmal auch
einen Blick in die jüdische Zeitschrift ״Wirtschaft und
Leben“ zu werfen, die, vom ״Ort“-Verband in Berlin
•herausgbgeben, ausgezeichnet über clie' j üclische Wirt-
schaft ini Nordosten Europas unterrichtet. Wir folgen
jakob Lescinski bei seihen Untersuchungen über ״Die
ökonomische Lage,der Juden in Polen“' in das Stübchen
eines jüdisdien Heimarbeiters in Bialystök. Ei* sitzt • am
TiSclie Und liest׳ Sienkiewicz in. ’einer jiddischen Ausr
gäbe. Er sitzt -in ״einem kleinen : Zimmer. Im: Hinter-,
'gründe stellt eiti Oefchen, um den :Tisch;vier einfache
lange Bänke; ־An 1 der: Wand hängen zwei' Bilder: Theodor
Herzl und Wladimir־ Medern, am Fenster ein Paar Tefil-
lio, •Ini zweiten Zimmer stehen nur zwei Betten, die den
ganzen R'aiirn ausfüllen;. Uni in das. zweite Bett zu ■ge-
längen, muß mau über das erste ,klettern, das bei cler
Türe oder vielmehr hin Loche Steht, 'denneine ■Tür kanii
man diesen'Eingang׳ kaum nennen; Der Weber ist jetzt
57 Jahre alt;die EUern hatten in einem Dorfe gewohnt,
eine Schenke und einen Getreidehandel; betrieben, und
ihn in einer Jeschiwa lernen fassen. Er *hätte,ganz gut clie
Gemora gekonnt* allein nach dem Ruin seines Vaters‘,
den! die Schenke weggenommen worden war, war ei*
gezwungen, gleich vielen anderen .jüdischen jungen
Leuten zur Weberei.zu greifen. Er arbeitete sich empor
und beschäftigte vor dein Kriege bereits drei Hilfs-
kräfte. •Der Krieg; hat • ihn 1 • diniert,: Einriiekung zum
Militär, Leiden aller Art uncl —. nachdem er endlich
wieder neu beginueii' , ־Iconnte, hatte . ei*, iii. den Jahren
1925 bis 1929 durchschnittlich vier Monate inT Jahre
Arbeit. Ini Jahre 1930• aller war e'r .sechs Monate läng*
arbeitslos u״nd eine Erkrankung seiner Frau hat die
letzten ersparten Groschen aufgezehrt.;' . . ,
: T!m Zimmer ist, es feucht und kalt..,Wehn der Mann
Arbeit hat, verdient er 42 Zloty wöchentlich, während der י
Arbeitslosigkeit aber erhält er 12 Zloty wöchentlich an
Unterstützung. Schließlich wurde ihm aber, da er er-
werbende Kinder hat, clie Unterstützung entzogen.
Einer seiner Söhne ist hebräischer Lehrer, cler in Pa-
lästina war uncl enttäuscht zurückkam. Der zweite ist
Tischler und Kommunist, der dritte Handelsaftgeteilter
uncl cler vierte Lehrling.
So und an noch vielen anderen Bildern wird hier
das jüdische Leben, w־i e es wirklich i st, geschildert
uncl man möchte nur wünschen, daß dieses w a 11 r e
Gesicht des jüdischen Lebens alle Judenfeinde
kennenlernen. Allerdings liest cler Antisemit jüdische
Blätter meist nicht, um sich zu informieren, sondern um
aus ihnen eine Infamie herauszuschlagen. Aber wenn
es schon nicht in unserer Macht stellt, den Gegner zu
überzeugen, so sollte wenigstens jeder Jude dieses ״Min
hamezar“ ׳unserer Zeit •kennen unlcl ׳um diese Dinge,
die nicht, nur in Polen uncl nicht nur in Berlin, sondern
überall, wo Juden leben, so oder ähnlich ausseheh,
wissen. Wisse, was du dem Epiküräer antworten Sollst,
forciert die Mischna; wisse, was du clem Feinde
antwortest, — so lautet die Forcierung der Stundei
Izaak Bauminger s. A.
Eine markante Persönlichkeit des gesellschaft-
Lichen und politischen Lebens der Juden in Polen, Se-
nator Izaak B a u m i n g* e r in Krakau, ist am 15. Kislew
cl. J. im 63. Lebensjahre in Krakau verschieden. Als
Enkel des Krakauer Raw ״ Toklotli Jizchok“ ,und •direkter
Nachkomme des wegen, seiner Gelehrsamkeit und Teil-
nähme an! ״ Wand arba Haarazoth“ weltberühmten
״ Rebbe Rab Heschel“, ferner als Schwiegersohn des
Brodyer Raw Rabbi Itzdiok Chajes s. A., war er schon <•
vluvcl). ,Ab^.t:!min’4ug..^tutl v eben.lüir,tige Verbinduugeii ״ ziv ׳ ,
einem prominenten ‘ Maniie größeren Formats '.prä-fa•'
destilliert. Dazu gesellte sich noch sein reiches talmucli-
sches Wissen, gepaart mit allgemeiner Bildung und pro-
faiier Kultur, eine für die religiös-polnischen Verhält-
nisse seltene Erscheinung. Sein tiefer Opfersinn und
.seine Milde, nie versagende Hilfsbereitschaft, ־ 'ferner ׳ .die
unendliche Liebe zur Thora und ihren Bekennern,
trugen das Ihrige b,ei, um Senator Bauminger in seinem
Lande und außerhalb, :desselben zu einer populären Ge-
stalt zu erheben, uncl sein vornehmes Haus zu einem
Mittelpunkt der rabbinischen, gesellschaftlichen und po-
litischcn, Welt des jüclisdi-ortliadqxen Polens zu machen.
•Sclion zur.Zeit.dcr altöstevreichisclien Monarchie hat
sich Senator• Baiuninger. große Verdienste erworbeifaSeit
mehr als zwanzig . Jahren stand. er an der Spifae; Aoinfer
Gemeinde, ־ immer, wirkend ' ־ und■kämpfend für f die
Rechte der. Orthodoxie, stets • helfeiKlund. stiitzän^^Alß
Haniclclskammerrat hat er sich unvergängliche VfercHeiiltfe
um. die. jüdische.-Kaufmannschaft erworben, indem L er
immer wieder ;für die Berück,sichtigung, der besondirs
schwierigen LägP V der ortliöcloxeii ' ׳ ;K r ä!1fle.u|e
treten war. Als Präsident vieler■ humanitärer, ׳ ;IcultürfeLlei?
und ׳ religiöser Vereine Wirkte' er unermildet' ise.it, mein*
als drei Dezennien auf allen Gebieten des jüdischen
Lebens in vorbildlicher Weise,, stets helfencl mit Rnk und
Tat; mit seiner reichen Erfahrung( wie mit seiner milden
Hand. Daß die ; ־ a-ltelirNvitixlagoi.' Gemeinde Krakau, die
infolge in 11 erpo litis eher Reibungen seit mehr als zwanzig
Jahren vakant igowesene' Stelle eirteS' Öberrabbifims,
mit dem !Enkel : des. ' alten Rabfaners* und J ReicEstEgs-
abgUoixlhcfen ,Rabbi.. Simon. Schreibor ־ 's. :• A., ־ H'errn
Necheihfas Kornitzer, ׳ einem ungarischeä Rabbiner, ;trotz
aller •Widerstände’ der - polnischen .Regierungsstellen 1 uid
der liberalen Quertreiberoien; besetzen . konnte, war
einzig und alleihjseinerii . Einfluß zu ;vefda'nkon. ־, . . ־ :
Durch die Algucla ins polnische ׳ Herrenhaus put-
sendet, eutlältöte Senator Bäumiiiger eine rege Tätigt
keit für die Rechte der Orthodoxie; tincl'stelifö sich“glmch
in die; vordersten. Reihen in X1.&#.; ׳ 'Kspaßl.:
alle Fronten, seien es jüdische, oder nicht jüdische«! Iiis-
besondere aber kämpfte er unermitdet. um die Reclvte
der' orthodoxen Rabbiner iin der jetzt auf Grund des
sogenannten PilsudskbDekrcts in Uinorganisieriuig/Be,
griffeneu jüdischen Gemeinde. 1 ־”’;' .' ־
-- Senator Bauminger. war auch als.Teiin'elimerder
Gründuiigsversammlung elfer Agudas Jisroel‘ in Katto-
witz einer der ersten Pioniere des Agucfagedä 1 |kens;AA 11 f
Was die ßhrena&
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