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JÜDISCHE PRESSE
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allen Tagungen war er zu sehen, nie ermüdet, immer
begeistert und stets arbeitsfreudig. Die Beth-Jaakob-
Bewegung und die Jessode-Uathora-Organisation in
Polen hatten in ihm einen freigebigen Förderer und
Mitarbeiter. Das Krakauer Lehrerinnen-Seminar der
Bcth-Jaakob-Schulen dankt ihm eifrige !Mitarbeit.
Das flaus Bauminger war wegen seiner Gast-
freundschaft auch ein Treff- und Mittelpunkt aller
orthodoxen Kreise. Gelehrte, iRabbonim, llebbes, Po-
liliker, Klaltuer aller Art fanden sich dort stets zu-
summen, die wichtigsten politischen und kulturellen
Arbeiten wurden in diesem vornehmen Patrizierhause
gesponnen, und die schönen Empfangsabende in seiner
.künstlerisch uusgestatteten Villa anläßlich der vor-
schiodensten Agudatagungen in Krakau, die gastfreund-
•liehe Bewirtung und die liebevolle Aufnahme sind den
Teilnehmern aus aller Welt noch in lebhafter Er-
innen! ng.
Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer !im-
posanteu Trauerkundgebung dev polnischen Orthodoxie
für diesen guten Sohn seines Volkes. Aus allen Städten
erschienen Deputationen. Sämtliche jüdischen und nicht-
jüdischen Zeitungen würdigten die Persönlichkeit des
DahingeschLedenen. Die Krakauer Kultusgemeindc, der
er 25 Jahre als Vizepräsident Vorstand, hielt eine feier-
liehe Trauensitzung •ab. Audi !in Wien, wo einer seiner
Söhne als Mitglied des Kultusvorstandes verdienstvoll
wirkt, rief die Todesnachricht allgemeine Anteilnahme
hervor. Präsident P»־ofessor Pick gedachte während der
letzten. !Plenarsitzung des •Wiener Kultusvorstandcs des
Verblichenen in warmen Worten und würdigte dessen
Persönlichkeit in überaus eindrucksvoller Weise.
0
JlRCHSlCHTEfl ©
Verein zur Unterstützung armer kranker
Israeliten.
Am 16. Dez. fand die Besichtigung der im AUgc־־
meinen Krankenhause befindlichen, dem Krankenhaus#
vereine gehörenden rituellen Küche durch das Präsidium
der Israel. Kultusgemeinde statt.
Es waren erschienen: Herr Präsident Professor Dok#
tor Alois Pick, Herr Vizepräsident Dr. Jalqob Ornstcin,
Herr Amtsdircktor Reg.sRat Guido Fuchsgclb und Herr
Chef der Fiirsorgezentrale Emil Engel. Zur Begrüßung
hatten sich eingefunden: Die Vorstandsmitglieder Herr
Isidor Frommer, Vizepräses, Chewra־Kadischa#Vorstehcr
Herr Sandor Adler, Herr Adolf Bernfeld, Herr Leopold
Kohn, Schriftführer, die Vorstands־Damen Frau Lilli
Fischer und Frl. Eugcnie Frommer. Nach Empfang ,hielt
der Vizepräses Herr Isidor Frommer folgende Ansprache:
״Im Namen des Vorstandes des Krankenhaus#
Vereines erlaube ich mir, das hochverchrl. Präsidium der
Kultusgemeinde aufs herzlichste zu begrüßen, und danke
Ihnen bestens, daß Sic unserer Einladung Folge geleistet
haben, um sich von der Notwendigkeit uqd segensreichen
Tätigkeit unseres Vereines, welcher zu den ältesten
Wohltätigkcitsvereinen Wiens zählt, persönlich zu über#
zeugen. Obwohl an unseren kleinen und bescheidenen
Räumen nicht viel Sehenswürdiges ist, so wollen wir
Ihnen nur vor Augen führen, daß, trotz der Einsicht der
besonderen Wichtigkeit der rituellen Küche und der
wohlwollendsten Haltung von seiten der Direktio'n des
Allgemeinen Krankenhauses, es uns doch viel Zeit, viel
Mühe und Geld gekostet hat, bis cs uns gelungen ist,
auch bei der Statthalterei die Bewilligung und diese
Räume zu erhalten. Es sind jedoch nicht die Räume,,
die wir Ihnen vorführen, sondern die Errungenschaft,
hier im weltberühmten Allgemeinen Krankenhause eine
streng rituelle Küche zu besitzen. Und wie lobend und
rühmend sich auch Andersgläubige aussprechen, will, ich
Ihnen folgende Beweise bringen. Als im Jahre 1915 die
höchsten Vorstandsdamen des Roten Kreuzes in Berlin
die Einrichtungen des Allgemeinen Krankenhauses be־
sichtigten, hat die Direktion ihnen auch unsere Küche
gezeigt, wobei sie sagte: Wir weisen mit Stolz auf
unsere rituelle Küche hin. Auch legen wir Ihnen hier
die Bestätigungen und Unterschriften der größten Kapa#
zitäten und Professoren vor, wie sie sich über unsere
Küche aussprechen. Ich will Sie nicht länger aufhalten,
um Ihnen den Werdegang und die Wichtigkeit unserer
Institution noch näher auszuführen, und bitte Sic, indem
unsere Küche die Kultusgemeinde entlastet, da es außer
Zweifel ist, daß, falls wir nicht die rituelle Küche ge#
schaffen hätten und erhalten würden, die Kultusgemeinde
eine derartige schaffen und aus eigenen Mitteln erhalten
müßte, da sie sich nicht •den Pflichten gegenüber 250 Ju#
den, die jahraus, jahrein bloß im Allgemeinen Kranken#
hause liegen, abgesehen von allen anderen Wiener Spi#
tälern, entziehen könnte, unsere Subvention derart zu
erhöhen, daß wir unsere Küche erhalten können, und
eine derart wichtige Institution durch die schweren
Wirtschaftsvcrhältnisse nicht genötigt ist, ihre Tätigkeit
einstellen zu müssen.“
Nach Besichtigung der Küche sprach sich Herr
Präsident Prof. Dr. Pick außerordentlich lobend über
die Küche, die Einrichtungen und Zubereitung aus, an#
erkannte die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Erhal#
tung derselben und sprach dem Vizepräsidenten, Herrn
Frommer, den besonderen Dank für sein segensreiches
Wirken und seine stets aufopfernde Tätigkeit bei so
vielen Wohltätigkeitsvereinen aus.
׳ Sefer/Thora־Eimveihung in der Brigittenau.
Sonntag, den 21. Dezember v. J., fand in der Bri#
gjttenau im Bethaus ״Ansche Dath Wuzedek“, XX.,
Traunfelsgasse 3 , die Einweihung eines neuen Sefer Thora
statt, das "der' auch außerhalb des Bezirkes durch seine
Wohltätigkeit und nimmermüde Hilfsbereitschaft bekannte
Herr Pinkas . Gruber dem oberwähnteu, Verein, dessen
Vorstandsmitglied und Verwalter er ist, widmete. Die
Feigf nahm einen ungemein wirkungsvollen Verlauf. Das
Sefer Thora würde in festlichem Zuge abgeholt und unter
massenhafter Beteiligung in das festlich beleuchtete Bet־־ *
haus geleitet. Der Obmann des Vereines, Herr Pinkas
Seiden, begrüßte erst die anwesenden Festgäste sowie die
erschienenen Delegierten de'f verschiedenen Vereine. Er
entwarf dann in äußerst prägnanter Weise ein Bild der
Tätigkeit des Herrn Pinkas. Gruber, worauf Herr Rab*
biner Mayer Gottesmann die eigentliche Festrede hielt.
Groß angelegt und in überaus temperäment# ünd wir#
kungsvoller Weise vorggtragen, machte sie auf die An#
wesenden einen tiefen Eindruck. Die kantorale Funktion
versah Obefkantor des Talmud*Th 0 ra#Bethäusvefeins Herr
Satriüel Roth. Anschließend an den offiziellen Teil der Feier
fand im Heinrichshof ein Bankett statt, das ebenfalls sehr
gemütlich verlief. Die Leitungsmitglieder des Vereins, die
Herren Rudolf Feldschuh und Moses Maier, hielten tief#
empfundene Tischreden, in denen sie ebenfalls die Tätig#
keit des Herrn Gruber beleuchteten und ihm den Dank
des Vereines üb erb rächten. Auch Herr Ch. D. Hartmann
brachte eine sehr schönen Toast auf Herrn Gruber aus.
Viel zur Gemütlichkeit trugen auch die wunderschönen
Gesangsvorträge des Öberkantors Samuel Roth bei. Zu
erwähnen wären noch die Herren Bloch, Forst, Griffel,
Rosenblatt, Sucher und Traum, die zum Gelingen des
Festes viel beitrugen.
Festjause der ״Frauenhilfe der Adass Jisroel“.
Am Sonntag, den, 28.. Dezember, veranstaltete die
״Frauenhilfe“ im Fcstsanl des Dr.־Krüger־Heimes, den
Herr Dr. Krüger in liebenswürdigster Weise zur Ver#
fiigung gestellt hatte, eine gemütliche Jause. Den zahl#
reich erschienenen Gästen 5 5 wurde ein reichhaltiges Pro#
gramm geboten. In launiger Wöisrc übte Fr. Perles ihr
Amt als Confcrcnciere aus und 1 stellte die Künstler in-
poetischer Form vor. Wer vermag es besser, durch sein
ursprüngliches Talent zu erfreuen und hinzureißen, als
Frau Rosa Wosncr mit ihrem unvergleichlichen gesang#
liehen Vortrag. In gleicher Weise entzückte Fr. Dr. Torna#
schoff aus Petersburg die begeisterten Zuhörer durch ihre
hohe Gesangskunst. Auch Frau Stella Schiff bezauberte
durch den Wohlklang ihrer Stimme und Frl. Mimi Schiff
brachte mit viel Charme wienerische Humoresken ent־־
zückend zum Vortrag. Als Frl. Blanka Löwingcr, die
anmutige, liebreizende Tänzerin, ihren Phantasietanz vor#
führte, brach ein nicht endenwollender Beifallssturm im
Saale aus. Ein Altwiener 'Tanz, von Frl. Mayer und
Frl. Fröhlich ganz reizend getanzt, erntete ebenfalls
großen Beifall. — Herzlichsten Dank all jenen Damen, die
ihr Können in selbstloser Weise in den ׳Dienst dieser
Sache gestellt haben, und herzlichsten Dank all jenen
Damen, die zum Gelingen dieser schönen Veranstaltung
beigetragen haben. f '
Frau Mirjam Fischer ges. And.
Vor Redaktionsschluß erreicht uns die crschüt־
terndc Nachricht von den־! Ableben der Zcddekes von
Wien, Frau Witwe Gabriel Fischer. Wie dieses echt
jüdische Biederweib vcrciiit mit ihrem Gatten s. z. 1.
ihre Kinder erzogen, wie sic die Mutter aller Armen und
Unglücklichen war, welch ungeheure Arbeit sie für Wohl#
fahrt leistete, läßt sich mit Worten nicht schildern. Die
übergroße Teilnahme beim Leichenbegängnis war ent#
sprechendes Zeugnis für den schweren Verlust, den das
Wiener Judentum und speziell der orthodoxe Kreis durch
diesen Hintritt erlitten hat;
Chanukafeiei• im Jüdischen Waisenhause Baden.
Sonntag, den 24.'Kiisilew, aböntls wunde im großen
Lehrsaale des Jüdischen Waisenhauses Baden, Germer-
gasse 48, ein schönes Clumukafest gefeiert, zu welchem
sich der Vorstand des Waisenhauses, mit dem Präsiden-
ten Hern! Tsak I. Thumim und dem Vizepräsidenten
Herrn Wolf Pappenheim an der Spitze, ,korporativ ein-
fand. In Vertretung des Bethauses Marpe Lanefesch war
Se. Elrrw. Herr Rabbiner D. ׳Friedmann, für das ׳Bethaus
Talmud Tliora Herr Gustav Weiß, von der Kultusge-
meinde .!Baden Herr Adolf Gelles und vom iBctih-Hamid-
rasch Baden die Herren M. Fußmann und S. Rapaport
u. v. a. erschienen.
Nach dem Minchagebet begrüßte Direktor Philipp
Friedmann die Gäste, dann wurde von einem Zögling
des Waisenhauses ein Prolog von Prof. M. Antscherl
vorgetragen und die Menorali von einem stimmbegabten
Waisenknaben in Begleitung eines großen •Kiudercliors,
dirigiert von Abraham Reich, angezündet. Der Präsi-
deut hielt die Festrede, Herr Pappenheim feierte die
Leistungen des Präsidenten und des Dir. Fried mann,
worauf ein Zögling des Waisenhauses einen halb-
ständigen Charifusvortrag über ״Kowsoh“ hielt, der alle
Gäste in Erstaunen und Entzücken versetzte.
Dann führten die Waisenkinder verschiedene
humoristische Stücke auf und Herr Karl Beer beschenkte
die Kinder mit neuen Anzügen. Zum Schluß gab es ein
reichliches Festessen für die Waisenkinder, das bis spät
in die Nacht in Anwesenheit der Gäste anhielt.
Vortragsabend.
Herr Dr. Leo Deutschländer,. Direktor der
Mäclchenschulorganisation ״ ׳Beth Jakob“, spricht am
Dienstag, den 6 . Jänner, 5 Uhr nachmittags, im großen
Saal des Verbandsheims, VL, Königseggasse 10 , als Gast
der Frauen#Vereine für die westlichen Bezirke Wiens,
über: ״Die Bedeutung der Bibel für die Kultur der
Menschheit“. Eintritt frei (ohne Karten.) ^
Expositur für jüdische Presse und Literatur. Die
Agudas-Jisroel-Ortsgruppe Wien hat eine Expositur für
jüdische Presse und Literatur in ihrem Büro, Wien, II.,
Leopoldsgasse 16 (Tel. R-40-0-80) errichtet. Abonnements
für die Tageszeitung״ ־Das Jüdische Tagblatt“-Warschau,
die Wochenblätter ״Der lsvaelit“-Frankfurt, ״Jüdische
Presse“-Wien und clie Monatsschrift ״Der Abstieg“־Berlin
werden unter der angegebenen Adresse entgegen-
genommen. Weitere Zeitungen folgen. In allen die jiidi-
sehe Presse betreffenden Angelegenheiten wende man
sich an die Presseexpositur der Agudas-Jisroel-Orts-
gruppe Wien, II., Leopoldsgnsse 16 (Tel. R-40-0-80).
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zur Abhaltung gelangenden Kochkursc wurden wie folgt
eingeteilt: Anfänger: Ab 2. Februar 1931 jeden Montag
von 3 bis 6 Uhr. Anfänger: Ab 4. Februar 1931 jeden
Mittwoch von 6 bis 9 Uhr. Dauer zirka drei Monate. Vor#
geschrittene (Spezialkurs): Ab 12. Februar 1931 jeden
Donnerstag von 6 bis 8 Uhr. Dauer zirka zwei Monate.
Anfragen, Einschreibungen täglich exklusive Samstag und
Sonntag, 10 bis 12 und 3 bis 5 Uhr in der Anstalt.
Rechtzeitige Vormerkungen notwendig.
Vom Tage.
Nicht zählen — sondern wägenl
Die jüdischen Blätter berichten über den nieder־
schmetternden Eindruck, den die zusammengeschmolzcnc
jüdische Vertretung im Sejm erweckt. An Stelle eines
Klubs von 40 Abgeordneten gibt es jetzt nur mehr einen
solchen von 6 jüdischnationalen, die die auf der Regie#
rungsliste und von der Aguda gewählten vier Abgeord#
ncten nicht aufnehmen wollen. Ein noch traurigeres Bild
bietet die jüdische Repräsentanz im Senat, die aus dem
einzigen auf der Regierungsliste gewählten Agudisten
Mendelsohn besteht. Allein, so traurig dieser Eindruck
auch auf den ersten Blick sein mag, besteht doch ganz
im Gegenteil zu den früheren Zuständen jetzt die be#
gründete Hoffnung, daß die der Regierungspartei ange#
hörenden jüdischen Mandatare viel größere praktische
Erfolge für die von ihnen vertretenen Massen erzielen
werden. In der Politik gilt mehr als anderswo der Satz,
daß nur der Erfolg zeigt, wer recht hat, und cs wird sich
wieder einmal die alte Erfahrung bewähren, daß wenige
oft mehr sind als viele.
Die ״Weisen von Zion“ mit umgekehrtem Vor-
Zeichen.
Die Minsker kommunistische Zeitung ״Oktinbr“
erhebt gegen die jüdische Anslaudsprcsse den Vorwurf,
daß sie durch Wiedergabe bewußt unrichtiger Nach-
richten über Sowjetnißlnnd versuche, die jüdischen
Massen für einen Interventionskrieg gegen die Sowjet“
Union zu gewinnen. In besonders sclvavfev Weise wer-
den die Warschauer Zeitungen ״Hajnt“, ״Moment“, ״Das
Jüdische Tagblatt“ und ״Vorwärts“ angegriffen.
״Oktiabr“ erklärt, ״Talith Katan und JVIogen Dovid
arbeiten nach den Weisungen Poincares".
Die 97. Friedhof Schändung. — In Hattingen (Ruhr).
(J. T. A.) Auf dem alten jüdischen Friedhof in Hat־
tingen a. d.. Ruhr, der im Mittelpunkt der^ Stadt gelegen
ist, würden — wie das ״Israelitische Fartiilienblatt“' mit#
teilt — 14 Grabsteine teils umgeworfen, teils vollständig
zertrümmert. Es handelt sich um einen alten Friedhof,
der seltener aufgesucht wird, so daß der Zeitpunkt dieser
Tat nicht feststeht. Es ist jedoch nach verschiedenen An#
Zeichen anzunehmen, daß die Tat um die Zeit der ersten
Reichstagseröffnung liegt. In Hattingen wurden für die
Liste der Nationalsozialisten 2880 , für die Kommunisten
2000 und für die der Sozialdemokraten 1600 Stimmen ab#
gegeben, so daß ein gewisser Schluß naheliegt, welchen
Kreisen clie Täter angehören. Es wurde eine hohe Be#
lohnung für die Ermittlung der Täter ausgesetzt, jedoch
hat die Polizei bisher keinen Erfolg aufzuweisen.
Schächtverbot im hessischen Landtag abgelehnt.
Der letzten Sitzung des hessischen Landtags lag ein
Antrag des nationalsozialistischen Abgeordneten Doktor
Werner gegen das Schächten vor. Auch die' hessischen
Tierschutzvereine hatten in einer Eingabe entsprechende
Forderungen gestellt, während eine Eingabe der hessi#
sehen Synagogengemeinden für eine Beibehaltung des
Schächtens eintrat. Der zuständige Ausschuß hatte die
nationalsozialistische Forderung abgeschwächt.- In der
Aussprache führte der Antragsteller aus, daß er trotz des
Ausschußbeschlusses auf seiner Forderung nach Verbot
des betäubungslosen Schächtens verharre. Ein grundsätz#
liches Verbot des Schächtens sei gar nicht beantragt, wohl
aber sei die vorherige Betäubung der Schlachttiere ge#
fordert.
In der Abstimmung •gelangte der Ausschußantrag
zur Verhütung von Tierquälerei zur Annahme, so daß mit
dieser Annahme die Schächtverboteingaben ihre Erledi#
gung fanden. Die Wünsche der Tierschutzvereine waren
damit abgelehnt.
Abgewehrter Angriff gegen clie Sclieehita im eng-
lisclien Parlament.
London, 28. Dezember. (J. T. A.) Im Unterhause
fand die zweite Lesung des von dem Konservativen
Oberstleutnant Moore eingebrachten Gesetzes über das
Schlachten von Tieren statt. Ueber den Paragraphen 6 des
Entwurfes, durch den Juden und Mohammedanern die
Erlaubnis erteilt wird, das Schlachten von Tieren nach
den Vorschriften ihrer Religion vorzunehmen, entspann
sich eine lebhafte Debatte. Der Abgeordnete für Sheffield
Marshall (Labour Party) nahm scharf gegen die Zu#
lassung dieses Paragraphen Stellung. Er erklärte, der Ge־
danke der Humanität dürfe durch politische Rücksichten
nicht beeinträchtigt werden. Die jüdische Schächtmethode
sei eine grausame Tierquälerei. Auch Rev. G, Lang, eben*
falls Mitglied der Arbeiterpartei, wandte sich gegen die
zugunsten der Juden und Mohammedaner vorgesehenen
Ausnahmen und beantragte die Ablehnung des Gesetzes,
Bei aller Anerkenmmg der ausgezeichneten Staatsbürger?
liehen Eigenschaften der Juden dürfe keine Ausnahme
zugunsten einer bestimmten Bevölkerungskategorie ge*
macht werden.
Gegenüber diesen Angriffen verteidigte Walter
Guinness (kons.) den Gesetzantrag und erklärte, der An?
tragsteller Col. Moore habe durch die Aufnahme der Aus*
nahmsbestimmung zugunsten' der Juden politische Ein?
sicht bewiesen. Auch vom Standpunkt der Humanität sei
gegen den Paragraphen 6 nichts. einzuwende n.^ da .,,die
jüdische Methode der Durchtrennung der Halsschlagader