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JUEDISCHE RUNDSCHAU
Nr. 58
Die Notwei:
asc’ä eil
ilpCikiia
laer clgccea
13 Palästina
V״״ Dipl.-Kaufmann G. Tschcrnowitz, Mannheim.
Diivchfülirung unserer Aufhautätigkeit im Lande stellt
in ......,
«ms vor eine Menge wirtschaftlicher und sozialer Aufgaben
praktischer Natur. Wie man zu diesen grundsätzlich Stellung
nimmt, ist von untergeordneter Bedeutung. ״ Nicht gleich-
gültig ist es aber, ob diese Aufgaben tatsächlich aus-
geführt werden oder nieist; wird die aus ihnen sich ergebende
Richtung nicht eingeschlngcn, so muß notwendigerweise ein
sozialer bzw. wirtschaftlicher Rückgang erfolgen. ^Zu den
wichtigsten ! ־ 'ragen dieser Art gehört auch die Sozial-
politik. Die 'Notwendigkeit sozialer Fürsorge und eines
sozialen Schutzes des Schwachen ergibt sich _ bet einer _ bc-
stimmten wirtschaftlichen Entwicklung. Palästina steht jetzt
wohl noch nicht in diesem Stadium; mehrere Anzeichen
deuten aber darauf hin, cl ׳״״־ binnen kurzem auch diese Frage
akut wird. So insbesondere das rasche Ansteigen der In-
dustric in den letzten Jahren, und in der Industrie steckt der
Keim der Sozialpolitik. Aber bereits der gegenwärtige Stand
macht die tjtlfaltuno edier solchen Tätigkeit auf manchen
!Gebieten, wenn vielleicht noch in beschränktem Umfange,
erforderlich.
Der Mangel einer sozialen Gesetzgebung macht
sich jetzt sehr tühibar. Die palästinensische Regierung vor-
fährt in dieser Beziehung, wie auch auf_ dem Gebiete der
Wirtschaftspolitik, nach dem Beispiele Englands: sich so
wenig wie möglich in die inneren Angelegenheiten der Arbeit-
gelier und -nelimcr ein/umischcn und den Dingen ihren
freien Lauf zu lassen. Bedenkt inan, daß in Lngland die
staatliche Intervention zugunsten der Arbeiter erfolgte, erst
nachdem die Mißstande in der Industrie eine unerträgliche
Höhe erreicht hatten und die Gefahr der Degeneration be-
stand, so wird man verstehen, weshalb die Regierung Herbert
, Samuels bis jetzt als nicht notwendig erachtete, irgendwelche
■sozinlgesetzpobcrischcn Maßnahmen cinzuieitcn. Die Wirt-
schaftsgeschichte ist aber nicht da, um bloß die Wirtschaft-
׳ liehen Geschehnisse zu zeigen, sondern auch damit man
aus ihr lerne, indem man sie kritisch betrachtet. Es wäre
einfach sinnlos, wollten wir nun dieselben Fehler wieder-
•holen, von deren schädlicher Wirkung die ganze Welt und
•die Engländer selbst überzeugt sind. Wir tun besser, uns
nach dem Beispiel Deutschlands zu richten, welches in seiner
:sozialen Gesetzgebung allen anderen Ländern voranging, und
.wo vor dem Kriege der Arbei’terstand in hygienischer und
'wirtschaftlicher Hinsicht uro meisten gesichert war.
׳ Die Regelung der Arbeitszeit — um nur auf
einige sozialpolitische Maßnahmen ciuzugchcn, die schon jetzt
erforderlich sind ־ - ist besonders wichtig. Beim Fehlen
.jedes gesetzlichen Schutzes liegt cs nahe, daß die Arbeiter
von einer Ausbeutung nicht verschont bleiben. Die orgaui-
siertc Arbeiterschaft (1 iistaürut haowdim haklalit) tut wohl
alles mögliche, um eine solche Ausbeutung zu verhüten und
den Achtstundentag aufrecht zu erhalten. Allerdings gelingt
ihr das nicht immer und bei der großen Arbeitslosigkeit,
die bis vor kurzem im Lande herrschte, konnte cs ihr natiir-
fielt noch weniger gelingen. Bei privaten Unternehmungen,
namentlich wenn die Arbeiter, der Organisation nicht angc-
Iiören, kommt der Einfluß der Histadrut, wenn überhaupt,
nur in einem sehr beschränkten Umfange zur Geltung, da
die jüdischen Arbeiter dabei einen schweren Kampf zu führen
haben, um ihre Existenzberechtigung zu erweisen. Die Or-
ganisation muß diesen Umständen Rechnung tragen, wenn
sic nicht aus doktrinären Gründen die jüdische Arbeit von
der ohnehin starken arabischen Konkurrenz verdrängt sehen
will. In den privaten Unternehmungen ist, wie ich aus
Palästina informiert bin, die Aclitstundenarbeit eher Ausnahme
als Regel. Selbst ein Unternehmen wie das Ruthcnbcrgschc,
das ja beinahe zionistisch-öffentlichen Charakter trägt, ließ
vor einem Jahre seine Ingenieure zehn Stunden und darüber
im Tage arbeiten. Allerdings galt cs damals, das elektrische
Licht, gemäß den vertraglichen Bestimmungen der Konzession,
mindestens in einem Orte — Jaffa — bis zum bestimmten
■Termin cinznführcn. Hätte denn Ruttienhcrg ■während dieser
heißen Sommermonate nicht noch einige ElcKtrotcchnikcr ein-
stellen können?
Ich persönlich bin nicht für die restlose Einführung des
Achtstundentages in allen Arbeitszweigen, da die Dauer der
Arbeitszeit nicht schematisch, sondern entsprechend der Öko-
nomischcn Leistungsfähigkeit und den hygienischen Anforde-
rutigcn der Arbeit bemessen werden soll. Bei der Schwere
unserer Aufbauarbeit und den geringen Mitteln, die uns
zur Verfügung stehen, können wir, jetzt mindestens, uns nicht
den Luxus einer allzu großen Muße leisten. Aber gerade
im Interesse einer rationellen Arbeit, wie sie für-uns wiinschens-
wert, ist es erforderlich, jede Ucbcrarbeit zu vermeiden.
Die Klimavcrhhltnisse, besonders für die Ncticinkoinmcudcn,
sind unbedingt zu berücksichtigen, will man den Verhängnis-
vollen Raubbau verhüten. Eine gesetzliche Regelung der
Arbeitszeit würde sich insofern empfehlen, als diese nur
die höchste Grenze - - von vielleicht zehn Stunden tm Tag —
angeben wird. Darüber hinaus darf nicht gearbeitet werden,
wohl aber kann die Arbeitszeit je nach den besonderen
Umständen und der Schwere der geleisteten Arbeit herab-
gesetzt werden (9, 8 Stunden und darunter im Tag),
Im eigentlichen Gebiet der Sozialpolitik, in der Sozial-
Versicherung tut ein gesetzliches Eingreifen besonders
not. Ist doch das Entstehen und Bestehen einer solchen Ein-
riclitimg erst mit einer bestimmten gesetzgeberischen Tätig-
keit überhaupt möglich. Eine weitherzige soziale Gesetz.-
gcbuiig hat sich auf diesem Gebiete selbst in England nicht
entwickelt. In Palästina wurde in diesem Sinne auch noch
nichts unternommen. Diese erwies sich aber schon bei der
jetzigen unentwickelten wirtschaftlichen Lage des Landes als
notwendig. Und so sehen wir die musterhafte Arbeiter-
Organisation zum ersten Male und auf eigene Faust die
Krankenkasse u errichten. Ihr Erfolg bei der fort-
dauernden Malaria, der besonders die Chaluzim fast aus-
nnhmslos in der ersten Zeit zum Opfer fallen, kann nicht
hoch genug ciiigcschützt werden. Noch vor einigen Jahren,
als darüber zunächst diskutiert wurde, begegnete man diesem
Gedanken selbst in maßgebenden Arbeiterkreiseil mit großer
Skepsis; heute stellen die Krankenkassen fast keine Be-
laslung für die allgemeine Organisation dar. Diese Selbst-
stäiuligkeit konnte allerdings nur durch große Opfer erreicht
werden und durch Auferlegung von Prämien, die die Vcr-
sicherten beim geringen Lolin sehr schwer treffen. Aber
gerade diesem Z w a 11 g s Charakter verdanken die wertvollen
Unternehmungen ihre Existenz. Und in dem Sinne wurde
hier ein glücklicher Ersatz für das fehlende Gesetz geschaffen.
Die gesetzliche Regelung ganz zu ersetzen vermögen die
Krankenkassen nicht, da sie natürlich nur die Mitglieder
der ״ Histadrut“ erfassen können und es braucht nicht ge-
sagt zu werden, daß die Arbeiterorganisation trotz ihrer
Stärke mit der Gesamtheit der - jüdischen Arbeiter in Pa-
lästina nicht identifiziert werden kann. Die Nichtorganisierten
können aber nur mittels des Gesetzes erfaßt werden. Dabei
sei bemerkt, daß der Vcrsicherungszwanp allein, wie er etwa
in England besteht, ungenügend ist. Bessere Gewähr für
die Organisierung der Massen, auch aus finanziellen Gründen,
bietet der in einigen Ländern, namentlich in Deutschland
und Dc 11 t ־ ch-Ocstcrreich, übliche Kassenzwang, d. h.
die Versicherten werden gezwungen, sich auch bei einer be-
׳ ,stimmten Krankenkasse י־ «ach regionaler Einteilung —
zu versichern.
Außer der Krankenversicherung ist nichts weiteres au!
diesem wichtigen Gebiete geschehen. Daran trägt das Fehlen
der hier in Fräse kommenden gesetzlichen Bestimmungen
schuld. Die Krankenkassen konnten ohne erhebliche Schwierig-
keit tu errichtet werden, weil dies nicht mit unüberwiml-
liehen finanziellen Schwierigkeiten verbunden war. Tragen
ja auch in anderen Ländern die Arbeiter die Hauptlast
(so in IXulsi'hlaiid und auch in den meisten anderen Ländern;
t’ii die Versicherten und >/s die Unternehmer). Anders liegen
die Dinge, bei der Unfallversicherung. Hier werden
die Lasten, wenn nicht ausschließlich, wie etwa in Deutsch-
!and, so doch hauptsächlich von den Arbeitgebern getragen.
Der Arbeitgeber hat schon aus moralischen Gründen für
den in seinem Betriebe dem Arbeiter aus dem Berufe ent-
;,t.iiideiieii Unfall aufznkommen. Bei den bestehenden Lasten
der Krankenkassen ist eine weitere weitgehende Belastung
der finanziell schwachen Arbeiterschaft einfach unmöglich.
Und so erklärt sich, daß bis jetzt eine Unfallversicherung
noch nicht geschadet! worden ist. Sic ist aber unbedingt
notwendig, besonders beim Baugewerbe, das beim Umlang
der Bauindustrie stark au Bedeutung gewonnen hat. Un-
fälle, auch Todesfälle, sind nicht selten, und den Beschädigten
bzw. deren Hinterbliebenen wird die notwendige Hilfe vcr-
sagt. Line Aenderuiig kann nur auf Grund gesetzlicher
Regelung geschehen, da cs kaum anzunehmen ist, daß die
Arbeitgeber die ganze oder auch nur die Hauptlast frei-
willig zu tragen gewillt wären. ׳
Dringend ist noch eine Angestellten* und lnva-
I i d c 11 - V c r s i c 11 c r u ng. Ein kleiner Anfang ist dazu
insofern getan worden, als bei den Lehrern schon seit
Jahren ein* Peusiousfouds besteht, der etwa denselben Zweck
erfüllen soll, wie die Angcstellicnversiclierung. Tatsächlich
ist dies aber fast ohne Bedeutung, wegen der geringen Höhe
der Beiträge und auch der Unregelmäßigkeit der Entrichtung,
was bei der schlechten, vielfach mit Verspätung erfolgten
Besoldung nicht schwer zu erklären ist. Bedenklich erscheint
mir dabei auch die Form: die Gelder, soweit sie aufgebracht
werden, werden einfach auf der Bank deponiert. Auf diesem
Wege können die Gefahren nicht so gut bekämpft werden
wie bei einer Versicherungsgesellschaft, die eben durch die
exakten Wahrselidnüchkcitsberechtrungen, den zufälligen Cha
raklcr der Risiken ausschließt.
Auf die anderen zu ergreifenden sozialpolitischen Maß-
nahmen kann hier nicht weiter ciiigegangcn werden. Vor
allein muß gesehen werden, daß die Löhne und Gehälter
der öffentlichen und privaten Beamten und Angestellten so hoch
sein sollen, daß sie eine angemessene Existenz zu führen
gestatten. Die Beamte.nfürsorge im modernen Sinn, nämlich,
daß der Beamte während dc8 Dienstes gegen Krankheit
und Unfälle und in seinen alten Tagen gesichert wird, wie
auch, daß bei dessen Tod für seine Hinterbliebenen gesorgt
wird, ist weder der Zionistischen Organisation noch der
palästinensischen Regierung bekannt. Bei Durchführung von
Sparmaßnahmen erachtet es die Regierung nicht einmal für
notwendig, die abgebauten Beamten (freilich die niederen nur)
durch Pensionierung oder andcrw'ärts zu entschädigen! Da■
gegen soll jede Philanthropie beseitigt werden. Diese un■
produktive Hilfe ist dem alten ״Jischuw", in Jerusalem ins
besondere, geradezu zum Verhängnis geworden. Und cs
ist eines der großen Verdienste des Zionismus, den
Kampf dagegen erklärt zu haben. Wenn die Leute unter■
.stützt weiden, so soll dies nicht auf diese entehrende
Weise geschehen: den unvermögenden Kranken und Alten,
wie auch den Arbeitsunfähigen soll genügende Hilfe gewährt
werden, nicht aber denjenigen, die arbeiten können und cs
nicht wollen. Sollten wir ztt diesem Zwecke überflüssige
Gelder haben (wenn etwa die Chalukkagelder zu unserer
Verfügung ständen, so sollen diese nur zur Beschaffung
neuer Arbcitsmöglichkcitcn oder als Zuschüsse für Invaliden-
oder anderen Versicherungen verwendet werden.
Wir kommen nunmehr zu dem schwierigsten Problem,
nämlich: zur Ausführung dieser sozialpolitischen Re
formen. Lind hier muß eben der zionistische Einfluß zur
Geltung kommen. Zunächst soll dies bei zionistischen oder
unter unserer Aufsicht stellenden Unternehmungen durch-
geführt werden. Eine wesentliche Unterstützung dabei wird
die Organisation, wie bis jetzt schon, bei der Arbeiter-
schaft finden. Das genügt aber nicht, denn, wie erwähnt,
verlangen einige dieser Maßnahmen, besonders auf dem Ge
biete der Sozialversicherung, eine gesetzgeberische Regelung
Das überschreitet bereits den Rahmen unserer Maclit, aa
wir trotz Erfüllung staatlicher Funktionen nicht über die
Staatsgewalt verfügen. Eine Mitwirkung der palästi
nens !scheu Regierung ist In diesem Sinne Uncrläß
lieh. Die Zionistische Organisation muß dahin wirken, daß
die Regierung ihre unsoziale Gleichgültigkeit aufgibt und
mindestens die zu diesem Ende erforderliche soziale Gesetz-
gchung erläßt, wenn ihr, aus materiellen Gründen, eine tinan
zicllc Unterstützung, wie sie in allen Kulturländern üblich
ist, unmöglich ist. Ich erachte als eine der wichtigsten
Aufgaben der■ zu bildenden J c w i s h»A gc ncy, die Re
gierung zu veranlassen, auf diesem Gebiete wie auch in bezug
äudern und
... gerade för
dernd, so doch zumindest nicht hemmend auf
bautätigkeit wirkt, wozu wir auf Grund
Mandats ohne weiteres berechtigt sind.
auf die Wirtschaftspolitik den alten Kurs zu
einen solchen cinzuschlagcn, der, wenn nicht
cht hemmend
des
unsere
Art. 4
der Beerdigung wurden öffentliche Protcstvcranstaltungen
gegen die Zionisten abgchaltcn. Die intellektuelle Urheber,
schaft des Mordes wird der Verhetzung in der Presse zu■
geschrieben. Dr. de Haan erhielt drei Rcvolvcrschür.w
mit Dtim-Dum-Ktigeln. Von dem Mörder fehlt jede Spur,‘ 1
Sic ersehen hieraus, daß wir absolut nicht die Zionistische :
Organisation als solche, von der wir sicher wissen, daß
sic ebenso wie wir den Mord als politisches Kampfmittel
verabscheut, beschuldigten, wohl aber die auch in nichtzio-
nistischcn, aber .־inHgtidistfcclien Organen betriebene maß.
lose Pressehetze. Wir bitten Sic, unsere Erklärung in ihrer
gcsch. Zeitung zu veröffentlichen. !
Zu diesem Schreiben bemerken wir, daß wir die Erklärung
tn der von uns gebrachten Fassung wörtlich der ״Zeit“
(Nr. 155 vom 4. Juli), bekanntlich dem Orgpn der Deutschen
Volkspartci und des Außenministers Strcsemann,
entnommen hatten. Bereits vorher war uns die übereinstim-
mende Meldung des W. T. B. telephonisch übermittelt worden.
Wir konnten dann fcststcllcn, daß die Berliner Ausgabe des
W. T. B. Nr. 1379 vom 2. Juli genau denselben Wortlaut der
von uns abgedruckten Meldung der Aguda enthält. Wir
überlassen es der Palästina-Zentrale der Agudas JisrocI, den
Unterschied zwischen ihrer oben angeführten Fassung und
der des W. T. B, aufzuklären bzw. den Verantwortlichen für
die Abänderung fcstzustcUcu. Zur Verhütung von Milklcutuii•
gen empfiehlt sich auch jetzt noch restlose Aufklärung,
die übrigens längst, wenigstens in Form einer Richtigstellung
an das W. T. B., von der Aguda hätte veranlaßt werden sollen.
Auf*
des
Aas 4er ifltUscben Well
Das LeldietibcgSnfjiils de Bsais
Herr M, Sambursky in Danzig schreibt uns: Mein
Sohn teilt mir aus Palästina mit, daß die Nachricht, die
in der ,Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht war, daß sich
an der Beerdigung de Haans 5000 Personen beteiligt hätten,
unrichtig und übertrieben ist. Nur zirka 200 Personen
haben sich an der Beerdigung beteiligt."
Hierzu möchten wir bemerken, daß wir die in Nr. 54
der ״J. R.“ veröffentlichte Angabe ausdrücklich als , agu-
distischc Meldung" gekennzeichnet haben. Die in obiger
Zuschrift enthaltene Richtigstellung stimmt übrigens auch mit
einer Nachricht des ״Doar Hajom" überein.
Die Nacliricht der Acuta über die Eraordßng de D3ses
Von der Pa 1 äs 1 111 a-Ce ntralc dcr Agudas Ji*.
rocl, Frankfurt a. M., erhalte« wir nachstehende Zuschrift:
In Nr. 55 Ihrer gesell. Zeitung berichten Sie über eine Mit-
tcilung unseres Büros an die Wolff’schc Agentur über die
Ermordung de Haans;. Wir nehmen an, daß Ihnen diese
unsere Mitteilung nicht im Wortlaut Vorgelegen hat, da
Sic dieselbe gerade in den entscheidenden Punkten unrichtig
wiedergeben. Unsere Mitteilung lautete folgendermaßen:
״Wie uns von dem hiesigen Hauptbüro der Palästina-
zentrale der Agudas Jisröel nutgetcilt wird, ist Dr. de Haan,
d« prominentes Mitglied der streng orthodoxen Juden
(Agudas JisrocI), Holländer von Geburt und Vertreter des
״Allgemeneii 1 iandeisblaod". Dr. de Haan war von zlo-
nistlscher Seite stark angefeindet gewesen. Die Beerdigung
wurde streng bewacht; ungefähr 5000 Personen nahmen
aaiaa teil, fast die gesamte Prthodoxic Jerusalems. Während
Ein Bcdulncnstamm, der den Namen A f S h m a I n i
führt und jetzt in der Nähe von Sa f e d sein Lager aufge•
schlagen hat, wandte sich an die palästinensische Regierung
mit dem Ersuchen, die Angehörigen des Stammes darin zu
unterstützen, daß sic zum Judentum übertreten
können. Sie seien nach ihren Traditionen Nachkommen von :
Juden und wünschen nun, zu dem Glauben ihrer Väter :
zurückzukeitren. Die Ansicht, daß ein Teil der gegenwärtigen
arabischen Bevölkerung Palästinas von Juden abstammt,
die im Lande geblieben waren und im Verlauf der Zeit
die herrschende Religion angenommen haben, wird von vielen ;
Juden und Arabern in Palästina geteilt. Dr. J. Klausner
weist in einer kürzlich erschienenen Artikclreihc darauf hin,
daß die Araber Palästinas vom anthropologischen Gesichts• ,
punkte aus, sowie nach ihren religiösen Gebräuchen charak- j
tcristische Merkmale jüdischer Herkunft zeigen.
Wie Monsignore Barlassina, der lateinische Patriarch ;
von Jerusalem, der Pal. Tcl.-Agentur mitteiit, hat er An-
Ordnungen zur Organisierung einer weite Kreise umfassenden
Pilgerfahrt nach Rom getroffen, damit seine Glaubensgenossen
aus allen Teilen Palästinas an der Feier des heiligen
Jahres (1925), das kürzlich vom Papst proklamiert wurde,
teilnehmen. Mgr. Barlassina teilte weiter mit, daß in Aegyp-
t c n tmd in den benachbarten Ländern Vorbereitungen zu einer
ähnlichen Pilgerfahrt getroffen werden.
In Jerusalem erscheint eine hebräische Ausgabe des pa•
läatincnsischcn Handbuchs von Harry Charles
Luke, dem vormaligen Hilfsgouverneur von Jerusalem, tmd
Edward Kcith-Roach, dem früheren ersten Hilfs-Sekretär
der palästinensischen Regierung. Die Autoren schrieben ein
Geleitwort, in welchem sie mitteilcn, daß in der hebräischen
Ausgabe Acnderungcn und Zusätze gemacht worden sind, die
das Jahrbuch bis auf den heutigen Tag fortfüliren. Die
hebräische Ausgabe enthält nach dem Geleitwort ״ eine um-
fassende Darstellung der jüdischen Arbeit in Palästina" und
erkennt die ״ jüdische Leistung für das Nationalhciin‘‘ lobend
an. Herbert Samuel hat zu der hebräischen Ausgabe eint
Einleitung geschrieben. Sie wurde von Isaac A. A b b a d y,
dem Hauptdolmctschcr der Rcgicrungsbüros in Jerusalem,
ins Hebräische übertragen.
ln Tei-Awiw hat sich eine Gesellschaft unter dem Namen
״ Hiszaion“ gebildet, die sich die Erbauung eines
Theaters für Dramen und Opern zum Ziel gesetzt hat.
Begründer sind der Stadtrat von Tel-Awiw und die Herren
Ch, N. Bialik, 1. L. G old b erg, 1. Ros off u. a.
Die Palestinc Land Development Company hat ein
wertvolles Besitztum erworben, das 16 000 Dun am Land
zu Afulch im Emek JisracI umfaßt. Die Gesellschaft
hat bereits 8000 Dttnatn an den American Zion Common-
wealth und 8000 Dunam an eine Oruppe von Juden in
Bdlarabien verkauft.
Die Delegation, die unlängst von den arabischen
und jüdischen Handelskammern ln Jaffa und
dem kaufmännischen Verein in Tel-Awiw er-
nannt wurde, um die Errichtung des geplanten Palästina•
Hafens in Jaffa zu betreiben, ist am 16. Juli nach London
abgereist. Sie setzt sich aus Juden, Christen und Mohamme-
danern zusammen. Sollte die Delegation ihr Ziel beim Ko-
lomalamt nicht erreichen, sö ist sie ermächtigt, die Erlaubnis
zur Schaffung eines Hafendamms in der Nähe von Jaffa
zu erbitten, für den die Gemeinden Jaffa und Tei-Awiw
allein die Kosten tragen sollen.
Die Bewohner von neunzig arabischen Dörfern
ln der Umgebung von Tulkerem, Nablus und Jen in
haben an den Gouverneur des Distrikts ein Schreiben gesandt,
in welchem sie der palästinensischen Regierung ihre Ancr•
kennung für die Verhaftung Salim Abdul Rachmans,
des Führers der mohammedanischen christlichen Vereinigung
in Tulkcram, aussprcchcn. Sic glauben nun, vorder! Angriffen
der Räuberbande, deren Führer er war, sicher zu sein.
Die Londoner ״ Zeit“ berichtet aus Jerusalem: ״ Hier
verlautet, daß 'die christliche Frau Dr. de Haans nach
Jerusalem kommen wird, um das Erbe nach ihrem toten
Gatten anzutreten. Die Frau Dr. de Haans, eine Aerztin,
die der Verstorbene noch vor seiner Bekehrung zur Oriho-
doxie geheiratet hatte, ist eine gebildete holländische Dame.
Ihr Mädchenname ist van Marseveen.“
Deutschland
In 1 Verfassungsausschuß des bayerischen Landtages kam
der völkische Antrag auf Ausschluß der Juden aus
den öffentlichen Aomtcrn zur Beratung. Im ein•
zclncn fordert der Antrag: Angehörigen der jüdischen Rasse
dürfen Namensänderungen nicht mehr gestattet wer•
den Es ist fcstzustellcn, wie viele luden im Staatsdienst bc•
schäftict sind und ihr Judentum in den Beamtenlisten ist
besonders zu vermerken. Die Zahl der Jüdischen Stu•
denten ist 1 *} kontingentieren. Ausländische Ju*
®! , )d • י 1 י den Hochschulen nicht mehr zuzulassen. Ebenso
sind jüdischcHochachuIlchrer nicht mehr zu dul-
den. Juden dürfen im Staatsdienst nicht mehr angestcllt
werden. Der Erwerb von Grund und Boden ist
gegen Rassenfremde sicherzustellen. Die seit 1914 elngewan-
derten Juden sind aus zu weisen und ihr Vermögen
zu beschlagnahm cn, soweit cs ihren Besitz bei der
Einwanderung übersteigt. Der deutsch nationale
FraktloasfUhrcr Doktor Hilpert erklärte die gruodsitl«