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Nr. 67, 27. VIII. 1929
JUEDISCHE RUNDSCHAU
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woriet die Kommission die Bemühungen der Mandata (־macht
den jetzigen, tatsächlichen Zustand vor irgendwelchen Ver-
ändcrungen zu bewahren.
2. Die Kommission ist, nach Kenntnisnahme der Erkiä-
rungen der Mandatarmacht Uber die bestehenden gesetzlichen
Bestimmungen, was Enteignung für Zwecke allgemein-
öffentlichen Wohlseins betrifft, der Ansicht, daß die dies-
bezüglichen Befürchtungen der Petenten unberechtigt sind.
Diese etwas sybillinisch klingenden Schlußfolgerungen kön•
nen nur verstanden werden, wenn man auf den Inhalt der ara•
bischen Petitionen, auf die von Sir John Chancellor vor der
Kommission abgegebenen Erklärungen und auf die darauffol-
gende angeregte, sehr lebhafte Debatte unter •den Kommis-
sionsmifgliedern selbst, etwas näher eingeht.
Der Kommission lagen diesmal in der Klagemaueraffäre
vier arabische Petitionen vor: ein Telegramm und
ein Brief der ,,Allgemeinen mohammedanischen Konferenz zur
Verteidigung des Buraks“, die anfangs November 1928 in Je-
rusalcm getagt hat, ein Telegramm gleichen Datums des Ober-
steil Mohammedanischen Rates in Jerusalem und ein Brief vom
11. Dezember 1928 des Emir Schekib Arslan und Genossen,
gerichtet an den Rat des Völkerbundes, ebenfalls im Namen
der oberwähnten Jerusalemer mohammedanischen Konferenz.
Die Schreiben der ״Mohammedanischen Konferenz" enthalten
unglaubliche, jeder Wahrheit spottende ״Feststellungen“, sind
in einem sehr heftigen und leidenschaftlichen Ton verfaßt und
drohen offen mit Gewaltanwendung seitens der Mohammedaner
gegen die Juden. Die Klagemauer bzw. der Platz, wo die
Klageniaucr sich befindet, wäre danach eines der größten, aus-
schließlich mohammedanischen Heiligtümer, bekannt
unter dem Namen ״Al-Burak al Scharif“*), abgesehen davon,
daß er ein unbezweifeltes Eigentum des ״Wakuf“ (der 1110 -
haminedanischen frommen Stiftungen) darstcllt. Die Juden
hätten niemals irgendein Anrecht auf diesen Platz gehabt und
es war ihnen bloß erlaubt, wie den Angehörigen aller anderen
Religionen, sich der Mauer zu nähern, dort stehen zublei-
11 c 11 , ohne jedoch ein Recht zu haben, an diesem Orte nicht
nur irgendwelche Andacht auszuüben, sondern überhaupt auch
nur z. ES. laut zu sprechen (!). Die Forderung der Juden hier
beten zu dürfen, wäre ganz neu und würde, sollte ihr statt-
gegeben werden, eine schwere Gefährdungdcrmoham-
medanischen Eigentumsrechte bedeuten. Die Pc-
tition protestiert überdies gegen die Bestimmungen der ״Ex-
propriation of Land Ordinance. 1924“, die auch die Enteig-
nung von ״Wakuf“-Land für allgemein-nützliche, öffentliche
Zwecke zulassen. Darauf sich stützend, hätten die Juden schon
— wird da behauptet — die Enteignung des Platzes
vor der Klagemauer verlangt, es wäre also notwen-
dig, diese Bestimmungen abzuschaffen bzw. entsprechend zu
ändern. Schließlich ergehen sich die Petenten in Anklagen
gegen den Oeneralanwait der Palästinaregierung Norman
Ben tw ich und verlangen seine Absetzung, da es nicht
angelie, daß ein so• hoher Posten der Regierung von einem
zionistischen Juden besetzt bleibe. Das Telegramm des
Obersten Mohammedanischen Rates spricht von einem ״An-
griff der Juden gegen die Propheten“ und enthält
ebenfalls die unerhörte Behauptung, daß der ״mohammeda-
nische Burak“ niemals ein Andachtsort der Juden gewesen
sei. Die Petition des Emir Arslan und Genossen Ist der Form
nach gemäßigter, hebt weniger die religiösen als -die pri-
vaten Rechte der Mohammedaner hervor, wiederholt jedoch im
großen und ganzen alle falschen Behauptungen und Beschul-
digungen der ״Mohammedanischen Konferenz“. Die britische
Regierung beruft sich in ihren schriftlichen Bemerkungen zu
diesen Petitionen auf den Brief des Foreign Office, welcher
voriges Jahr der Klagemauerpetition der Zionistischen Organi-
sation beigelegt war, und fügt bloß hinzu — und diese Be-
merkung ist von hoher Wichtigkeit — daß sie keineswegs
die Erklärung annehmen kann, als ob den Juden,
gemäß dem status quo, bloß das Recht des einfachen Zutrittes
zur Klagemauer zustünde. Gegenüber den von den Petenten
ausgedrückten Befürchtungen betreffend die Bestimmungen der
״Expropriation of Land Ordinance, 1924“ erklärt die Regierung,
daß eine solche Auslegung dieser Bestimmungen völlig falsch
und unbegründet sei, daß von der zwangsweisen Enteignung
irgendeiner heiligen Stätte niemals, schon mit Rücksicht auf
Artikel 13 des Mandates, die Rede sein kann, und erinnert die
Mandatskommission an die zu wiederholten Malen und zuletzt
am 6. November 1928 von der Zionistischen Exeku-
tive in Palästina abgegebeneErklärung, wonach
von ihr die Unantastbarkeit der mohammedanischen heiligen
Stätten vorbehaltlos anerkannt wurde. Schließlich lehnt die
Regierung auf das entschiedenste alle gegen den Generalanwalt
Bcntwich gerichteten Anschuldigungen ab und hebt hervor, daß
dieser Beamte bloß der rechtliche Berater der Regierung ist
und keine richterliche Gewalt hat.
Sir John Chancellor berichtete der Kommission sehr
ausführlich über den Stand der Kfagemauerangelegenheit und
über seine bisherigen Bemühungen, sie zu regeln. Die Moham-
medaner hätten die im ״Weißbuch“ der britischen Regierung
enthaltenen Ausführungen über die Wahrung des status quo mit
Genugtuung entgegengenommen und interpretieren sie dahin,
daß den Juden kein Recht zusteht, Bänke und andere Gegen-
stände vor der Klagemauer aufzustellen. Sie haben daher von
der Regierung die Herausgabe dementsprechender Verfügun-
gen verlangt. Der Hohe Kommissär habe ihnen geantwortet,
daß er deswegen in Verhandlungen mit dem Kolonialamt stehe
und ohne dessen Zustimmung keine diesbezüglichen Verord-
mingcn herausgeben kann. Die Juden ihrerseits begnügen sich
nicht mit dem Recht, auf dem Platz vor der Klagemauer An-
dacht zu verrichten, sondern protestieren auch gegen irgend-
welche baulichen Veränderungen der Gebäude, die Aussicht auf
den Klagemauerplatz haben oder sich in dessen Nachbarschaft
befinden. Das Kolonialamt hat diesbezüglich eine Entscheidung
getroffen, daß es den Mohammedanern nicht er-
laubt sein könne, an dieser Stelle solche bau-
liehen Veränderungen vorzunehmen, die die
Juden in ihrer gewöhnlichen Andachtsaus-
Übung stören könnten. Die Bauten, die die Moham-
medaner vor zwei Monaten ausgeführt haben, Sowie die Bauten
die vor Abreise des Oberkommissärs begonnen wurden, seien
nicht dieser Art und ihre Ausführung wurde deshalb ge-
nehmigt. Der Oberkommissär habe, gemäß den vorjährigen
Empfehlungen der Mandatskommission, sich darum bemüht,
durch Verhandlungen mit den Vertretern beider Religions-
gemeinden ein freiwilliges Abkommen zwischen ihnen zu er¬
•) An dieser Stelle soll sich der Prophet, als er von Mekka
nach Jerusalem auf dem ״Burak“, einem phantastischen Tier,
ritt, aufgehalten haben.
wirken. Sir Chancellor ist der Ansicht, daß die Schwierigkeiten
an der Klagemauer am besten aus der Welt geschaffen wären,
wenn die Mohammedaner darauf eingehen würden, den Platz
vor der Klagemauer den Juden zu verkaufen,
was den letzteren ermöglichen würde, dort in voller Würde und
in Frieden ihre Andacht auszuüben. Dr. Welz mann und die
Zionistische Exekutive in Palästina gaben zu diesem Vorschlag
des Oberkommissärs ihre Zustimmung. Nun befragte der Ober•
kommissär den Grand Mufti, ob er auf diese Regelung ein•
gehen wolle; er stieß jedoch bei ihm auf unüberbrück•
baren Widerstand. Der Mufti machte geltend, daß der
Platz ״Wakf“-Land sei und infolgedessen nicht verkauft wer-
den könne. Der Oberkommissär schlug ihm darauf vor, die
an der Klagemauer wohnenden Mohammedaner in andere, auf
Kosten der Juden zu errichtende bessere Häuser übersiedeln zu
lassen und den Platz vor der Mauer der Regierung abzutre-
ten, die ihn dann ihrerseits den Juden übergeben könnte. Der
Mufti antwortete jedoch, daß bei den Mohammedanern vor-
läufig wegen der Klagemauer-Angelegenheit so große Erregung
herrsche, daß ein derartiger Vorschlag, selbst wenn er vom
Oberkommissär stammt, auf großen Unwillen stoßen und viel-
leicht sogar zu Unruhen im Lande führen würde. Der
Hohe Kommissär kam daher zur Einsicht, daß er, bevor die
Verhältnisse sich nicht günstiger gestalten, nichts weiter
in dieser Sache unternehmen kann. Er habe das
Ergebnis seiner Unterredungen mit dem Mufti den Vertretern
der Juden mitgeteilt und ihnen geraten, ״vorläufig still zu
bleiben und ihre Zeitungen nicht mit Angriffen gegen die
Regierung und die Araber auszufüllen“. Wenn nachher die Ge-
müter etwas ruhiger geworden sind und die Mohammedaner wie-
der mehr Vertrauen gewonnen haben, könnte der Oberkommissär,
in einer günstigeren Atmosphäre einen neuen Schrift versuchen.
Bei der jetzigen Lage bleibt der Regierung nichts anderes übrig,
als, im Einvernehmen mit dem Kolonialamt und auf Grund einer
Weizmann nach London ahgerrist
Einem direkten Telephongespräch mit Herrn Prof. Weh-
mann entnehmen wir, daß sich Prof. Weizmann unverzüglich
nach Eintreffen der ersten Nachrichten mH den Mitgliedern
der Exekutive nach London begeben hat, um ln diesen ent-
scheidenden Stunden die politische Arbeit selbst ln die Hand
zu nehmen.
Col. Kisch Ist Inzwischen beschleunigt nach Palästina ab-
gereist und hat voraussichtlich bei Erscheinen dieser Nummer
die Leitung der politischen Arbeit ln Palästina wieder In die
Hand genommen.
genauen Nachprüfung des ganzen, von den beiden Religions-
gemeinden zur Verfügung gestellten Materials, den status
quo zu definieren und ihn vor beiderseitigen Verletzun-
gen zu wahren. Der Oberkommissäx hat vom Kolonialminister
den Auftrag, keinerlei Erklärung über den status
quo abzugeben, bevor die erwähnten Unter-
suchungen nicht zu Ende geführt worden sind.
Chancellor unterließ es jedoch nicht, zu bemerken, daS, was
die Aufstellung der Bänke vor der Klagemauer anbetrifft, die
Mohammedaner durch Dokumente nachweisen konnten, daß das
Aufstellen von Bänken verboten war, wogegen die Juden keiner-
lei schriftlichen Beweis erbringen konnten, daß sie ein Recht
hätten, Bänke aufzustellen.
Bei Vorlage des Berichtes — Berichterstatter war für die
arabischen Klagemauerpetitionen Prof. Rappart — und seiner
Besprechung durch die Kommission machten sich unter den
Mitgliedern ziemlich bedeutende und interessante M einun gs-
Verschiedenheiten geltend. In der von Prof. Rappard
vorgeschlagenen ersten Fassung der obangeführten Schlußfolge-
rungen lautete der letzte Satz unter Punkt 1 folgendermaßen:
״Solange diese Vereinbarung ausbleibt, kann die Kommission
die skrupulöse Aufrechterhaltung des status quo nur befür-
Worten. Was die vorgesehene Definition des status quo anbe-
trifft, so betrachtet sich die Kommission als hierfür nicht zu-
ständig.“ Der stellvertretende Vorsitzende der Kommission,
Herr van Rees, wies darauf hin, daß Prof. Rappart in der
Einleitung zu seinem Bericht gesagt habe, die ״Mandatarmacht
könne nichts anderes tun, als die jetzige Lage, d. i. den status
quo, respektieren zu lassen“; in diesem Sinne könnten die zwei
letzten Sätze der von Prof. Rappard vorgeschlagenen Schluß-
folgerung, Punkt 1, den Eindruck erwecken, als ob die Kom-
mission mit der Art, wie die britische Regierung den status quo
zu verstehen scheint, einverstanden wäre. Herr van Rees schlug
deshalb die Streichung dieser zwei Sätze vor, da er nicht der
Ansicht ist, daß die britische Regierung wirklich ״nichts an-
deres tun könne, als den status quo zu respektieren*׳. Dies
mag vielleicht politisch richtig sein, doch rechtlich, besonders
mit Hinsicht auf Artikel 13 des Mandates, wäre es der Man-
datarmacht keineswegs unmöglich, anders zu handeln. Die
Italiener Theodoli (Präsident der Kommission) und Ca-
t a s ti n i (Direktor der Mandatssektion) sowie auch der Spanier
Paiacios wiesen darauf hin, daß zu einer Definition des
status quo nicht die Mandatarmacht, sondern die durch Art. 14
des Mandates vorgesehene Kommission für Heilige
Stätten berufen sei. Auf Vorschlag des Franzosen Merlin
einigte man sich schließlich darüber, den letzten Satz von
Punkt 1 der Schlußfolgerungen zu streichen und den vorletzten
in folgender Fassung bestehen zu lassen: ״Solange diese Ver-
einbarung ausbleibt, befürwortet die Kommission die Bemühun-
gen der Mandatarmacht, den jetzigen, tatsächlichen Zustand vor-
irgendwelchen Veränderungen zu wahren.“ Herr van Rees gab
nach Annahme dieser Schlußfolgerungen eine längere Erklärung
ab, worin er zunächst darlegte, warum er gegen die erste
Fassung war und der zweiten zustimmen konnte: in der ersten
Fassung war die Rede von der Aufrechterhaltung des status
quo, in der zweiten — von der Wahrung des ״Högen, tat-
sächlichen Zustandes". Es handelt sich hier zwar 11 ■ ׳ synonyme
Ausdrücke, aber in der Auffassung der britischen Regierung hat
die Bezeichnung ״status quo“ einen ganz bestimmten Sinn,
nämlich, daß der Art. 13 des Mandates diese Regierung dazu
zwingt, die administrative Vorschrift der türkischen Regie-
rung vom Jahre 1912 aufrechtzuerhalten. Dies ist jedoch nicht
richtig. Art. 13 des Mandates schreibt der Mandatarmacht vor,
die bestehenden Rechte in den heiligen Stätten aufrechtzu-
erhalten. Die ottomanische Verordnung war jedoch nur eine
polizeiliche Maßnahme, ein Verbot für die Juden, aber
keine Vervollständigung des übrigens von niemandem bezwei-
feiten Eigentumsrechtes der Mohammedaner. Eigen-
tumsrecht ist das allerausgedehnteste Recht und bedarf keiner
Vervollständigung. Die türkische Regierung konnte — wenn
sie es gewollt hätte — ihre Verordnung widerrufen, ohne daß
dadurch das Eigentumsrecht der Mohammedaner irgendwie gc-
schmälert worden wäre. Kann man also annehmen, daß das,
was die türkische Regierung hätte tun können, die britische
Regierung jetzt, wegen des Art. 13 des Mandates, nicht Jun
kann? Sicherlich nicht. Nicht nur, daß Art. 13 die britische
Regierung daran nicht hindert, sondern er sagt ausdrücklich, daß
״nichts in diesem Artikel den Mandatar hindert, eine Verein-
barung, die er für angemessen hält, mit der Regierung zu dem
Zwecke der Ausführung der Bestimmungen dieses Artikels zu
treffen". Diese Bestimmung läßt dem Mandatar volle Freiheit
das besagte, rein administrative Verbot — der Aufstel-
lung von Bänken usw. vor der Klagemauer — aufzuheben, da
hierdurch die in Art. 13 angeführten ״bestehenden
Rechte" in keiner Weise angetastet werden.
Hoffentlich wird die britische Regierung diese schwerwie-
genden Argumente des ausgezeichneten Juristen und besten
Kenners des Mandatssystems entsprechend beherzigen.
Tagung des Joint Distribution Committee in Zürich
Zürich, !9. August. (]. T. A.) Am 15. und 16. August
hielten die Führer des Joint Distribution Committee in Amerika
und die Joint-Direktoren in Europa eine gemeinsame Beratung
in Zürich ab, die der Aufstellung eines Programms der kon-
struktiven Arbeit für die nächste Zukunft galt. Den. Beratun-
gen wohnten bei: der Präsident des Joint Distribution Com-
mittee, Herr Felix M. Warburg, Herr Louis Marshall,
der Vizepräsident des Joint James N. Rosenberg, der
Generalsekretär Josef C. Hy man, Dr. Cyrus Adler, Dr.
Jacob Bi lli köpf (Schwiegersohn von Louis Marshall), die
Herren David N, B r e ß i e r , Dr. Lee K. Frankel ? Dr. E.
A. Gr 0 wer, Dr. Moiris B. Hexte r, der Leiter des
Europa-Werkes des Joint Distribution Committee Dr. Bernhard
Kahn, Dr. Solomon Löwenstein, Dr. J. L. Magoes,
Dr. Henry Moskowitz (Vorsitzender von ״Ort“ in Arne-
rika), der Leiter des J oint-Kolonisationswerkes in Rußland
Dr. Joseph Rosen, der Vizedirektor und der General-
sekretär von Joint in Europa David J. Schweitzer und
Dr. Werner Senator, Rabbi Aaron Teitelbaum, Morris
L. T r o p e r.
Der Generalsekretär des American Joint Distribution Com-
mittee, Herr Joseph C. Hyman, erstattete auf Ersuchen des
Präsidenten Herrn Felix M. Warburg Bericht über das Auf-
bauwerk und erklärte, das Joint Distribution Committee werde
sein Programm des Wiederaufbaus zugunsten der Juden in
Osteuropa und in Rußland mit ungeschwächter Energie fort-
führen. Dr. Joseph Rosen und Dr. E. Grower, die zu den
Beratungen aus Moskau ein getroffen waren, erstatteten Be-
richte über die Lage der Juden in den Kolonien und in
den Städten Rußlands und machten Vorschläge betreffend
die Durchführung eines I n d u s t r i a l i s i e r u n gs p r o -
gramms, das große Massen der jüdischen städtischen Be-
völkerung in Rußland wirtschaftlich selbständig machen soll.
Herr Dr. Bernhard Kahn, der europäische Direktor
des Joint Distribution Committee, und der europäische Vize-
direktor Herr David J. Schweitzer, berichteten ausführlich
über die Lage der Juden in den Ländern Osteuropas außerhalb
Rußlands und über das Werk des Joint in diesen Ländern.
Herr David N. Breßler, stellvertretender Präsident des
New York Campaign und Mitglied des Exekutivkomitees des
Joint Distribution Committee, und der Generalsekretär Herr
Joseph C. Hyman, die in den letzten Monaten eine aus-
gedehnte Exkursion durch die Länder Osteuropas unter-
nommen und mehr als 30 Städte und Dörfer in Polen. Lett-
land, Litauen, Rumänien, Transsylvanien, Bukowina, Beßara-
bien, Tschechoslowakei und Karpathorußland besucht hatten,
gaben ausüfhrlich Bericht über die Lage der Juden in den
genannten Ländern und unterstrichen die Notwendigkeit eines
Ausbaus des Hilfs- und Aufbauwerkes in diesen Landern.
Den Berichten schloß sich eine eingehende Aus-
spräche an, in der die Linien des zukünftigen Aufbaupro-
gramms des Joint Distribution Committee schärfer Umrissen
wurden. Einmütig wurde eine Resolution angenommen, die
besagt, daß das vom Joipt Distribution Committee in Rußland
und in den übrigen Ländern Osteuropas eingeleitete Wieder-
aufbauwerk unvermindert fortgeführt werden solle.
Ein Univ«rsitäts-Abend in Zürich
Am 17. August veranstaltete das ^Schweizer Komitee zur
Förderung der Universität Jerusalem“ in Zürich zu Ehren der
Persönlichkeiten, welche an den Sitzungen des akademischen
Rates und Kuratoriums der Hebräischen Universität von Jeru-
salem teilnehmen, im Hause des Herrn Bankier Walter Bär
einet» Empfangsabend. Prof. Arthur Wreschner begrüßte
die Versammelten im Namen der Schweizer Freunde der Jeru-
salemer Universität. Felix M. Warburg erwiderte, indem er
aut die Bedeutung des palästinensischen Werkes als Brücke zur
arabischen Welt und Zentrum für die Judenheit verwies, Martin
Buber erzählte die Entstehungsgeschichte des von Prof. Weiz-
mann, Berthold Feiwel und ihm vor 23 Jahren ausgehenden
Planes zur Schaffung einer jüdischen Universität, Ussisch-
k in griff noch weiter zurück, indem er Prof. Hermann Schapira,
den Vater des Jüdischen Nationalfonds, als den ersten Anreger
des Planes nannte, der schon im Jahre 1887 in Rußland für
diese Gedanken tätig war. Nach Schluß der Ansprachen fand
ein Konzert des jüdischen Trios Irma Schaichet (Klavier) und
Alexander Schaichet (Violine) und Joachim Stutschewsky (Cello)
statt. Es wurden Kompositionen von Paul Kirman, Josef Achron
und Joachim Stutschewsky, zum Teil aus dem Manuskript, ge-
spielt. Es sprachen dann Rabbiner Dr. Littm ann und Nahum
S 0 k o I o w.
״Zuerst Boden“
Din Zionistische Vereinigung für Deutschland hat beschlossen,
sofort mit den Vorbereitungen zur traditionellen Rosch-Haschanah-
Aktion m beginnen, •welche diesmal anknüpfend an die Ergebnisse
des Kongresses unter der Parole ״Zuerst Boden“ geführt werden soll.
Das Ziel dar Aktion ist die Aufbringung von 75000 RM. zur Aus-
lösung von 1 000 Dunarn neuen Boden in Palästina. In einem Schrei-
ben hat die Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland
alte Ortsgruppen-VorsiUende und Funktionär« nachdrücklich auf die
Wichtigkeit dieser Aktion aufmerksam gemacht, welche ein Fünftel
dos neuen Jahreskontingenles des Keren Kajcmeth in Deutschland
aufbringen soll. Wie wir hören, wird eine Reihe führender Persön-
lichkeiten auch aus dem Kreise der neuen Mitarbeiter am Palästina-
werk diese großzügige Aktion, zu welcher auch die Vorbereitungen
in den Ortsgruppen bereits beginnen, durch ihre Teilnahme unter-
stützen.
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