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Die russisch *palästinensischen Wirtschaftsbeziehungen Einzelnummer 0£5 Goldmark
JÜDISCHE RUNDSCHAU
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Nummer 101 I Berlin, 20. XII. 1932
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Der Zionismus erstrebt fOr das indische Volk die Schäftung einer •Hentllch • rechtlich gesicherten Heimstätte In Pallstlna. ״Baseler Programm.‘*
Gemeinde in Noi
Gesetzgebungsfragen in Palästina
Sir Arthur Wauchope über MtmlzlpalitSien-Geteto,
Einkommensteuer und Legislative Council
Jerusal em, 14. Dezember. (J.T. A.) Der High Com-
missioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, empfing am
Dienstag, dem 13. Dezember, im Regierungshause die Vertreter
der palästinensischen Handelskammern und hielt an sie
eine Ansprache, in der er die aktuellen politischen und wirt-
schaftiiehen Probleme Palästinas umriß. Der Legislative
Council für Palästina, sagte der High Commissioner, wird
nicht früher geschaffen werden, als bis die Palestine Muni-
cipalitics Bill (Gesetzentwurf über die Selbstverwaltung der Ge-
meinden) zum Gesetz erhoben worden und in Kraft getreten ist.
Was aber eben diese Municipalities Bill anbetrifft, so ist
es verfrüht, schon in diesem Stadium gegen sie Einspruch zu
erheben, weil sich die Regierung selbst über die end-
gültige Formulierung der Bill noch nicht
schlüssig geworden ist. Sollte nun die Regierung be-
schließen, Aenderungen an dem Entwurf vorzunehmen, so wird
es eines längeren Zeitraumes, als zuerst angenommen wurde,
bedürfen, um die Bill zutn Gesetz zu erheben und sie in Geltung
zu bringen.
Im weiteren Verlauf seiner Ansprache befaßte sich der
High Commissioner mit dem Plan der Einführung einer Ein-
kommensteuer in Palästina und der gegen den Plan be-
stehenden Opposition seitens breiter palästinensischer Wirt-
schaftskreise. Der High Commissioner erklärte, er möchte es
klarstellen, daß
die Regierung noch keineswegs einen Entschluß betreffend
Einführung einer Einkommensteuer in Palästina gefaßt hat;
der Plan befinde sich erst in dem Stadium der V orbera-
t u n g , indem alles, was für und was gegen den Plan geäußert
wird, gegeneinander abgewogen wird. Das Letzte, was die
Regierung tun würde, sagte der High Commissioner weiter,
wäre, den Kapitalszufluß nach Palästina zu hemmen oder In-
vestieryngen in Palästina als nicht lohnend erscheinen zu lassen.
Obwohl das laufende Jahr ein Jahr der Prosperität für
Palästina ist, ist es dennoch nichtausgeschlossen, daß
Palästina schließlich doch von der Weltkrise
mit e r Da ß t^svird; die Regierung erwägt^darum den Ein-
Ein kfftnjIensreseTv e zu haben. Zum Schluß versicherte
der High Commissioner, daß, wenn auch der Einkommensteuer-
plan Wirklichkeit werde, die Steuerrate eine sehr
niedrige sein wird.
[ Eduard Bernstein
Die Nachricht vom Tode Eduard Bernsteins, der im
83. Lebensjahr verschieden ist, wird auch in der jüdischen Welt
Trauer hervorrufen. Ein ungewöhnlich reiches Leben hat hier
in hohem Alter seinen Abschluß gefunden; eia Mann ist dahin-
gegangen, der nicht mehr recht in diese Zeit paßte, sondern
der Repräsentant einer früheren Epoche war, einer Zeit, die auch
unter jüdischem Gesichtspunkt interessant ist, weil sie durch
eine naive Assimilation gekennzeichnet ist, in der die Pro-
blematik der Judenfrage weiten Schichten noch nicht fühlbar
geworden war. Eduard Bernstein hat uns selbst in seinen
Jugenderinperungen die Atmosphäre des ״aufgeklärten“ jü-
dischen Hauses, dem er entstammte, beschrieben. Der
kämpferische Lebensweg Eduard Bernsteins, sein unermüdlicher
Idealismus und sein Eintreten für Gerechtigkeit und eine auch
den Gedrückten günstigere Lebensordnung sind ebenso bekannt
wie seine umfangreichen publizistischen und literarischen Ar-
beiten. Aber dieses Kind der Assimilation ist sich später in zu-
nehmendem Maße seines Judentums bewußt geworden. Als
erstes Dokument dieses Erwachens ist wohl seine 1917 erschie-
nene Broschüre ״Von den Aufgaben der Juden im Weltkrieg“
zu bewerten, worin er, ausgehend von der Tatsache der jü-
dischen Sonderart und des jüdischen Volksschicksals, einer
Mittlerrolle der Juden zwischen den Nationen das Wort redet.
Bernstein hatte um diese Zeit auch bereits Beziehungen zu ver-
schiedenen Führern der poale-zionistischen Bewegung und zu
zionistischen Kreisen angeknüpft und interessierte sich sehr für
das Palästinaproblem und den zionistischen Sozialismus. Mit
innerer Anteilnahme begleitete er die Vorgänge in Palästina, ließ
sich noch im hohen Alter darüber berichten,und obwohl er wegen
seines geschwächten Gesundheitszustandes nicht mehr hervortre-
ten konnte, betonte er stets seine Zugehörigkeit zum ״Deutschen
Komitee Pro Palästina“ und zu den ״Freunden des arbeitenden
Palästina“. Noch vor einigen Jahren ist Bernstein publizistisch
zugunsten des Zionismus hervorgetreten, so z. B. in einer
Polemik mit Karl Kautsky. Bei vielen Führern der palästinensi-
sehen Arbeiterschaft erfreute sich Bernstein herzlicher Ver-
ehrung. Bernstein nahm sich auch besonders der jüdischen stu-
dierenden Jugend an, die bei ihm stets ein offenes Ohr und
hilfreiche Unterstützung fand. Mit der Geschichte der Sozial-
demokratie bleibt sein Name verknüpft, sein großer Freundes-
kreis wird den seltenen Charme seiner sprühenden und gütigen
Persönlichkeit nicht vergessen, im jüdischen Volk aber wird seine
Gestalt in Erinnerung bleiben als die eines Juden, der fifr Mensch-
liehkeit und Gerechtigkeit sein Leben eingesetzt hat, der aber
auch zum eigenen Volk, dem er — als Kind seiner Zeit und
nicht durch eigene Schuld — von Jugend aut entfremdet war,
in den Jahren der Reife und des Patriarchenalters wieder zurück-
gefunden hat.
ln Nr. 99 hatten wir auf Grund eines J. T. A.-Telegramms
mitgeteilt, daß S o k o 1 o w am 17. Dezember die Rückreise
aus Palästina antritt. Wie wir nun erfahren, beruhte diese
Nachricht aut einem Irrtum. Sokolow ist gegenwärtig noch
aut einer Studienreise durch die Kolonien begriffen und das
Datum seiner Abreise aus Palästina steht keineswegs fest.
Steuer - Erhöhungen
Wie wir bereits in der vorigen Nummer kurz berichtet
haben, wurden in der letzten Sitzung der Gemeinderepräsentanz
am 15. d. M. auf Vorschlag des Gemeindevorstandes die jüdi-
sehen Gemeindesteuern in Berlin erhöht. Das Defizit von einer
Million Mark im Jahre 1932 ist nicht eine Folge unvorsichtiger
Schätzung der Steucreingänge, sondern das Ergebnis der h er r-
sehenden N o t, die die Gemeindeverwaltung vor die unum-
gängliche Pflicht gestellt hat, den Etat des Wohlfahrtsamtes um
600000 M. zu überschreiten. Der restliche ■Ausfall von 400 000
M. ist auf Mindereingängc aus Gebühren zurückzuführen. Noch
ein Moment fällt ins Gewicht, das sich in diesem Jahre in ge-
ringerem Maße ausgewirkt hat, aber im kommenden Jahre
stärker zum Ausdruck gelangen wird, nämlich die Austritte
aus der Gemeinde zum Zwecke der Steuer-
flucht. Hierbei handelt es sich nicht nur um Personen, für
die die Steuerleistung eine schwere Last darstellt, sondern auch
um Menschen, bei denen der tiefere Grund ihres Austrittes
mangelndes jüdische Interesse und auch eine — man kann es
nicht anders sagen — wenig erfreuliche menschliche Gesinnung
sind. Denn man kann nicht gut annehmen, daß ein hochbejahr-
ter weit über Deutschlands Grenzen bekannter Großbankdirek-
tor durch die Ungunst der Zeiten sich dazu gezwungen sah, aus
der jüdischen Gemeinde auszutreten. Schließlich hätten sich
dieser Mann und manche seinesgleichen doch vor Augen halten
müssen, daß mehr als zwei Drittel ihrer jüdischen Steuerleistung
für ausgesprochene charitative Zwecke Verwendung finden.
Diese beklagenswerten Erscheinungen beweisen, daß nicht
nur die Gemeindefinanzen notleidend geworden sind, sondern
daß die herrschende Wirtschaftskrise in gewissem Maße die be-
stehende Krise des deutschen Judentums
offenbart. Um dieser zu steuern, bedarf es einer ganz an-
deren Einstellung zum und Auffassung des Judentums, als sie
jahrzehntelang bei den deutschen Juden vorherrschend gewesen
sind. Wenn es in dieser Situation überhaupt angesichts der all-
«meinen Entwicklungstendenzen ein halbwegs zureichendes
'in einer
planmäßigen Erziehungsarbeit der heranwachsen-
den Jugend bestehen. Und der einzige Weg zur Durchführung
dieser Aufgabe bleibt die j ü d i s c h e Schule. Dieser Forde-
rung gaben die Vertreter der Jüdischen Volkspartei in der
Debatte zu den Steuervorlagen Ausdruck. Da sie hierbei — es
handelt sich um keine Parteisache, sondern um die zentrale
Frage der jüdischen Gemeinschaft — auf seiten der liberalen
Mehrheit kein Verständnis fanden, sahen sich die Volkspartei-
Was tut die Exekutive
zur Vorbeugung?
Alle Probleme der zionistischen Politik und Wirtschaft
werden dadurch erschwert, daß der Zionismus im Ga-
luth eine notwendigerweise vorwiegend auf Propa-
g a n d a eingestellte Bewegung ist. Noch ist den Juden
der Zusammenhang mit Palästina nicht eine Selbstver-
ständlichkeit, immer wieder muß man dafür werben, und
wer könnte es verurteilen, wenn die Propaganda nicht
immer nur von den tiefen geistigen und geschichtlichen
Ursachen her, nicht nur durch Aufdeckung der Abgründe
in der Seele des entwurzelten Juden, kurz nicht nur
unter dem Gesichtspunkt dessen, w׳as wir zusammen-
fassend ״Judenfrage“‘ zu nennen pflegen, geführt wird,
sondern daß auch die Vorgänge der Gegenwart, allerlei
Einzelheiten des palästinensischen Lebens, in die propa-
gandistische Beleuchtung einbezogen *werden, ln jeder
Propaganda aber liegt die Klippe, daß dort, wo sie be-
ginnt, das Denken aufhört. Ja, eine kritische Unter-
suchung wird da vielfach geradezu als Störung emp-
funden. Ein einmal gebildetes Urteil oder Schlagwort
wird in zahlreichen Variationen wiederholt, bis es, von
seinen tatsächlichen Grundlagen losgelöst, zu einem
Axiom in den Köpfen der Hörer geworden ist. Für die
verantwortlichen Leiter der Politik und der Wirt-
Schaft besteht aber hier die Gefahr, daß sie selbst die
Freiheit des Urteils und des Handelns verlieren und
Gefangene der erstarrten öffentlichen Meinung werden.
Wenn dann aber die Wirklichkeit durchbricht und manche
Enttäuschungen sich zeigen, die mit den vorher ver-
kündeten Losungen nicht übereinstimmen, erleben wir
eine Vertrauenskrise, die nicht so schwer sein
müßte, wenn man rechtzeitig die Zusammenhänge in
richtiges Licht zu rücken versuchte. Unsere zionistische
Geschichte der letzten fünfzehn Jahre ist reich an der-
artigen Beispielen. Der einzigartige Aufstieg des Zio-
nismus und das imponierende Wachstum des National-
heims haben sich dem jüdischen Allgemeinbewußtsein
nicht in entsprechender Form eingeprägt, weil immer
wieder durch Rückschläge und Krisen das durch eine
propagandistische Einstellung geschaffene zionistische
Vorstelluogsgebäude erschüttert wurde.
ler gezwungen, Stimmenthaltung zu üben. Diese Hai*
tung ist nicht etwa auf mangelnden Opferwillen für die jüdi-
sehen Gemeindebedürfnisse zurückzuführen, sondern soll ein
weithin sichtbarer Ausdruck des Protestes gegen eine unbelehr*
bare Mehrheit sein, welche die Zeichen der Zeit und des Ver-
falls nicht zu deuten versteht.
Eine weitere Forderung der Volkspartei betrat die Sub*
ventionierung notleidender ostjüdischer Or-
ganisationen. Diese Forderung wurde von der Mehrheit
mit dem Hinweis abgelehnt, daß der Etat pro 1932 keine nach-
trägliche Aenderung gestatte. Es braucht nicht betont zu
werden, daß es sich hierbei um eine formalistische Begründung
handelt. Ebenso wie andere Wohlfahrtsinstitutionen unter dem
Drucke der Verhältnisse trotz des festgesetzten Etats höher
dotiert werden mußten, so sollte man auch (es handelt sich bei
den meisten ostjüdischen Institutionen um einen das Gebiet der
Wohlfahrt hart streifenden Notstand) hinsichtlich dieser Organi-
sationen ähnlich verfahren wie in bezug auf das Wohlfahrts-
amt. In Wirklichkeit liegt aber in dieser Ablehnung eine be-
stimmte Methode. Die liberale Mehrheit versucht in der letzten
Zeit, manche Schichten der Ostjuden gegen die große ost-
jüdische Masse, die der Volkspartei treu anhängt, auszuspielen.
Ostjüdische Elemente, zusammengeschlossen im sogenannten
״ Verbände der ostjüdischen Vereine zu Berlin“, hauptsächlich
ehemalige Bundisfen, Folkisten und andere antizionistische und
antireligiöse Personen, erfreuen sich in den letzten Wochen einer
besonderen Fürsorge liberaler Gemeindepolitiker. Ob dieses
Bündnis aus ״ nur“ religiösen Liberalen und antireligiösen oder
arcligiösen Jiddischisten auf innerer Verwandtschaft oder aut
der gemeinsamen Gegnerschaft gegen den Zionismus beruht,
ist eine Frage, deren Beantwortung der volksparteiliche Sprecher,
Alfred Berger, von der liberalen Mehrheit, ohne eine Antwort zu
bekommen, verlangte. Wegen dieser zumindest moralischen Bin-
düng an die jiddischistisch-antizionistischen Kreise ist natür-
lieh die Geneigtheit, den ostjüdischen Organisationen, welche
90 Prozent aller Ostjuden umschließen, aber volksparteilich ein-
gestellt sind, Subventionen zu gewähren, naturgemäß sehr
gering." " ״*"*־
Nach Abschluß der Steuerdebatte sah sich der Finanzdezer-
nent Wilhelm Graetz veranlaßt zu Protokoll zu geben, daß
die Steuerbeschlüsse einstimmig gefaßt worden seien. Dem-
gegenüber stellte Alfred Berger namens der Volkspartei, auch
zum Zwecke der amtlichen Protokollierung, fest, daß die Volks-
partei bei der Frage der Heraufsetzung der Steuerquote von
11 ס/״ auf 13 0/0 sich der Stimme enthalten habe.
(Verhandlungsbericht siehe im Innern des Blattes.)
Wenn wir den gegenwärtigen Zustand betrachten, ׳
so drängt sich der Eindruck auf, daß wieder allzu sehr
ein gedankenloses Aufnehmen gewisser Pauschalurteile
um sich greift, wodurch die zionistische Bewegung
außerstande gesetzt wird, in ihren maßgebenden Organen
jene Haltung herauszuarbeiten, die für die Zukunft ge-
boten ist Wir möchten heute, ohne in alle Einzelheiten
des Gesamtkomplexes einzugehen, nur zwei solcher popu-
lär gewordener Thesen herausgreifen.
Zunächst die Prosperität Palästinas. Immer
wieder wird gesagt, daß Palästina sich in einem erstaun-
liehen wirtschaftlichen Aufstieg befindet und eine ״Insel
in der Weltkrise“ darstellt. Diese Tatsache ist sicher
erfreulich, aber erstens muß sie in ihren Gründen und
Grenzen erkannt werden und zweitens ist sie kein zionisti-
sches Argument. Wir haben Palästina auch zu einer Zeit
bejaht, als in der übrigen Welt Prosperität und nur in Pa-
lästina eine Krise war. Die Prosperitäts-Propaganda ist eine
überaus bedenkliche und anfechtbare Sache. Alles Nähere
darüber ist in Achad Haams ״Wahrheit aus Erez-Israel“,
das vor 40 Jahren erschienen ist, nachzulesen. Aber
auch für Literaturunkundige sind die Ereignisse des Jah-
res 1926 noch unvergessen. In diesem Blatte hat vor
kurzem Adolf Böhm darauf hingewiesen, daß von wirt-
schaftlicher Blüte überhaupt nur solange geredet wer-
den kann, als nicht das Spekulationsfieber ein-
setzt, das alle wirtschaftlichen Berechnungen umstößt.
Es gäbe für eine verantwortliche Instanz, in unserem
Falle also für die Jewish Agency, keine wichtigere Auf-
gäbe, als dem Spekulationsfieber entgegenzuwirken. Statt
dessen sehen wir, daß in manchen Ländern die Wer-
bung für Palästina Formen angenommen hat, die wir
mißbilligen müssen, und daß auch offizielle zionistische
Stellen hineinverflochten sind. Die Verquickung der Pa-
lästina-Auswanderung mit persönlichen materiellen Hoff-
nun gen trägt oft einen durchaus ungerechtfertigten,
irrealen Charakter und muß nicht nur zu persönlichen
Enttäuschungen der betroffenen Menschen, sondern auch
zu schweren Verlegenheiten für die öffentlichen Instanzen
führen. Wenn vor kurzem die Palästina-Regierung Er-
schwcrungen für ״Touristen-Visen“ aus Polen einge-
führt hat, hielten manche das für eine neue Schikane;
weniger bekannt ist, daß sich tatsächlich ia Eden bei