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■ül-.l ״״ Q u * r ״ l NM 5 ־־־־־ • 75 י Po»f*Klmk- Konten der Abanfipmenta-Abiflilungt
!•-71573 (Id» CroS ־ fi*rlln), Berlin 17 392 (lür da• Obrif« Rtlch). Ausland•-
LandcawÄhmug. - Er.cWnt Jud.a DU ״ »U g aad Froltag.
כ״ג כסלו תרצ״ה
FREITAG, 30, NOVEMBER 1934
p1r zionl*m״s erstrebt fOr das JDdlsclte Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina^
Das Programm der deutschen Juden
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Zum nvtilen M; 11 c in der neuen Judeii-Acra feierrt
jj r jet/t (diaimkkah. Vor einem Jahre wird vielen deut-
!•kn Juden das Fest neu gewesen sein, dieses Jahr
*erden auch diese schon darauf gefallt sein wie auf
r .1en Brauch, der sieh allmählich cinbiirgert. Jahr um
j )r vergeht, und wir mitten darin !,ebenden bemerken
-1 Alltag gar nicht mehr, wie sich ein neuer Stil unseres
diens bildet, Feste, hei denen das Gemeinschaftsgefühl
1 Haus, Gesellschaft und Synagoge besonders stark
hlbar wird — und die deutschen Juden füllen ja jetzt
;M r mehr die Synagogen, die, wenn wir schon die
-chtigen Hilircr der Gemeinde hatten, auch in höhe-
41 Malle zu wirklichen Volkshäusern und -statten der
:rKnmng weiden könnten —, sind ein Anreiz, sich dies
:nullt zu machen. Viele volkstümliche Lieder, so man-
•St Dichtungen, bis zu dein unvergeßlichen Aufsatz
icrzls, sprechen davon, daß bei dem Schein der Lieh-
:r besinnliche Gedanken auftatichcn, herauf-
,«imicn aus dunkler Tiefe; die Erinnerung schweift
״״ rück, die jüdische Geschichte wird lebendig, Vcrgan*
:ciics wird Gegenwart. Viele Betrachtungen sind — 1
:;omlers in den letzten vierzig Jahren — von Mal zu
Mal über den Sinn des Cliniuikknh-Festcs angestcllt wor-
;cn. Die Makkabäer-Geschichte, früher nur wenig beachtet,
.:t uns und unseren Kindern vertraut geworden. Wie-
;;de Kinder wirken bei Cluinukkah-Fcicrn aller Art mit,
kjüdische Schule und der Jugendbund tragen jüdisches
Leben auch in die Häuser, die früher weit entfernt
-.»cn, und — die Alten, sie hören es gerne, der Wider-
und von einst schmilzt daliin. Wir leben in einer Zeit,
vo in vielfacher Hinsicht die Kinder — oft unbewußt —!
hmieistcr der Alten werden.
Es wäre ein leichtes — und in früheren Jahren war
allgemein üblich —, anläßlich des Makkabäer-Festes
י etwas wie eine innerjüdische Abrechnung
'■halten. Man könnte die Frage aufwerfen, wieso assi-
־ ?atorischc luden, die mit einer Hartnäckigkeit, die
w ihrer Konsequenz Ehre macht, aber mit dem Gefühl
-benso in Widerspruch steht wie mit der besseren Ein-
r-cht, an den ihnen mm einmal geläufigen Theorien
cf Assimilation fcsfhalten, dieses Fest überhaupt feiern
nnen, Denn es gilt doch der Verherrlichung von Taten,
t eine radikale Absage an die Assimilation
falten. Keine Umdeutung kann hier helfen. Wir er*
ben ja die sonderbarsten Versuche, das Makkabäertuin,
5 ein fanatischer Kampf für die Erhaltung des von
per iniiehtipen Kultur bedrohten eigenen Volkstums
in diesem oder jenem Sinne umzudeutcii, oder aber
hamikkah einfach als äußerlichen Ersatz für das Weih-
chtsiest hiimmchmcn. Die Unmöglichkeit solchen Vcr-
' ״ tns wird mit der Zeit auch Widerstrebenden klar
loden. Wir wollen heute nicht Abrechnung halten.
|«nn wer, sei es auch mit einer Ausrede vor sich selbst,
Fest leiert, ist schon auf dem rechten Wege,
dp wenn wir früher, als eine kleine Gruppe einsam
f der Menornh stand und beschämt zusah, wie andere
| f n Wcilinaehtshnum anzündeten, angreifen mußten, füh-
If wir heute durch alle Unterschiede der Worte und
j| JC barden die brüderliche Gemeinsamkeit, und
!ll !r heuen uns, daß die Gemeinde derer, die jüdische
mit Bewußtsein begehen, so groß geworden ist
^' r sind nun, wie Herz! einmal sagte,
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nach Hause
«• ״ , gen". Aber dies bringt Vcrpflichtungenund
l'rantwortu 11 g mit sich, von denen wir vor kurzem
A;? ''. aUm *t'vas ahnten. Denn in diesem Hause ist
!!«! 1 י Unordnung. Vieles ist so, wie cs nicht sein
4 ß sind wir von Sorgen erfüllt, und wer heute
r °^ er i c ״ cr ^0 וז״ eine Verantwortung für unser
4 ״״״״ Vor der ()Öffentlichkeit zu tragen hat, kann es
Ion r ht machen, denn er wird schier erdrückt
|v Jjescr Last. Aber das Gefühl, daß viele mit offe-
*»Weht * r ^ n ' :u uns kommen und mittun wollen, daß sie
thoii ״ s * rc| lcn und reden, sondern jüdische Arbeit tun
ly"; daß Jas deutsche Judentum sich immer mehr
' 11 זוי ^ dc .r Irrtümer seiner Vergangenheit bewußt
Itali v ° lne 1 *‘ 05 ^י S^ht es leider nicht —, die Tatsache,
% Sc !5' ^ en1 'wir zum Mittun, r.u einem Sichaufrichte«,
' , trrfirsu r *' cst 'Sheit aufrufen, in Tausenden von früher
׳ 4 ׳ '!iji(, ®ar scheinenden Herzen Resonanz finden, ist
l'ccli ״ . j Ermutigung. Wir können es heute aus-
Vit kdeutsche Judentum in seiner großen Mehr-
05 ״ a,s 'hm — für es selbst etwas überraschend — ־
Mfiklrt K ’ r ^ er Stempel Jude weithin kenntlich auf-
i "wde, nicht gejammert und geklagt! sich nicht
in Scham verkrochen, sondern aufrecht diesen Namen auf
sich genommen, sich dazu bekannt und Schritt für Schritt
auch erkannt, daß dies nicht ein äußeres Zeichen, sondern
eine tiefe Verpflichtung ist. Wären die Juden so, wie
manche Judengegner sic sehen, wären sic bar jeder inne-
ren Würde und nur auf ihr Geschäft bedacht, dann hätte
das Jahr 1033 ein klägliches Schauspiel bringen können,
dem mit Recht der Spott der Weltgeschichte gegolten
hätte. Aber trotzdem in der abgclaufencn Epoche viele
Zeichen auf das Gegenteil hindeuteten, hatte auch das
deutsche Judentum unmerklich und unbewußt unter dem
Einfluß der jüdisch-nationalen Renaissance sich innerlich
gewandelt. Und in den Friihlingswochen des Jahres 1933
verstand cs, daß es mehr und Größeres zu wahren gilt
als materielle Güter oder soziale Positionen.
Wir können heute noch nicht übersehen, wie unser
Leben in Deutschland sich weiter gestalten wird. Noch
hat sich nicht hei jedem Einzelnen in seinem Privatleben
die Neuordnung voll ausgewirkt. Aber Tag für Tag bringt
für diesen oder jenen eine Veränderung. Die abnormale
B c r u f s str u k t u r des jüdischen Bürgertums, die aus
historisch erklärbaren Gründen entstanden ist, hat nun
ihre bedauerlichen Rückwirkungen. Juden aus Berufen
des Kulturlebens haben, um nur ein aktuelles Beispiel
zu nennen, ein besonders schweres Los, da ihnen viel-
fach eine Betätigung auf ihrem Schaffcnsgebict nicht
mehr möglich ist. Unter den ehemaligen Rechtsanwälten
und Studenten — ein anderes Beispiel — sind viele, die
eine Einordnung noch nicht finden konnten. Und für
die her angewachsene Jugend ist die Berufswahl
ein besonders schwieriges Problem geworden. Bei an-
deren wieder sind die eine Zeitlang gehegten Befurch-
tun gen für ihr Privatleben nicht oder nicht in diesem
Maße ciugctroffen. Leider können wir beobachten, daß
unter dieser letzten Kategorie Menschen sind, die sich
leichthin über das Geschehene hinwegsetzen und für die
Not der anderen und das Schicksal der Allgemeinheit
wenig übrig haben. Die Mehrzahl, so hoffen wir,
denkt anders. Aus der Notgeincinschaft ent-
stand auch ein neuer Inhalt des jüdischen Lebens. Man
fragt oft, was wir nun denn eigentlich Positives
hätten. Aber außer dem, was das jüdische Geisteserbe
und das jüdische Ringen der Gegenwart uns zuträgt,
ist, das fühlen wir, ein Positives da, das erst im Wer-
den ist. Unser jüdisches Leben ist, auch wenn wir keine
jüdischen Theaterstücke besitzen, nicht so arm an ln-
halten, wie cs manchem scheinen mag.
Wollen wir uns klarmachen, was nun eigentlich der
Inhalt unseres jüdischen Lebens und unserer
jüdischen Bestrebungen ist, so soll dabei von der Ge-
m c i n s a m k e i t ausgegangen werden, die sich aus un-
screm Schicksal ergibt. In der letzten Zeit wurde von
verschiedenen Seiten die Differenzierung im dcut*
sehen Judentum wieder stärker unterstrichen, insbeson-
dere die fraglos auch heute bestehende Scheidung zwi-
sehen Zionisten und Nichtzionisten, wobei wir freilich
nicht anerkennen können, daß die Nichtzionisten für sich
die Bezeichnung ״deutsche Juden“ monopolisieren und
damit gewissermaßen auf terminologischem Wege uns
Zionisten aus der Gemeinschaft hcrauscskamoticren wol-
len. Der Unterschied besteht, und viele tausende deut-
scher Juden haben ihn dadurch quittiert, daß sic ihn
überschritten haben und ins zionistische Lager her-
überkamen. Aber, mag es für manche Parteigrößen
Ketzerei sein, wir wagen die Behauptung, daß diese
Unterscheidungen, die durch den tatsächlichen Uebergang
vieler ins zionistische Lager ohnedies fließend sind,
heute zweiten Ranges sind gegenüber der
zwangsläufigen Gemeinsamkeit des ,We-
ges, die sich für alle deutschen Juden ergibt
Hier muß freilich noch eine Einschaltung ge-
macht werden. Voraussetzung aller Gemeinsamkeit
ist die Bejah ungunsererjüdischen Exist c nz.
Es ist entweder eine Unbesonnenheit oder' eine Unauf-
richtigkeit, wenn versucht wird, die Bejahung des Ju*
dentums mit dem Zusatz zu verbinden, wir anerkennten
dies nur, weil es uns ״au f gezwungen“ wird, nicht
aber aus innerer Entscheidung. Eine solche Bejahung
ist keine Bejahung, und wer so denkt, schaltet sich
selbst vom Neuaufbau des Judentums aus. Denn dieser
Neuaufbau verlangt ein ganzes Herz, einen vollen
Einsatz, eine glühende Begeisterung für die jüdische
Sache. Er ist. nicht zu bewerkstelligen mit einem ״Juden•
(3 es. 57,14)
tum auf Kündigung“, das in dem Moment, wo der äußere
Zwang nachlicßc, erleichtert wieder in der Versenkung
verschwände. Auch wir sind der Meinung, daß unsere
heutige äußere Stellung im Deutschen Reich nicht
freiwillig, sondern von außen geformt ist; auch wir
glauben, daß alle legalen Bemühungen darauf gerichtet
NHiiuimiiiiiiHiiiiiHuiiiiHNniiuflniiHiiinMiiiiiiiiHiiiiiiiiniimmMiMiwiinninimmiiiinimnmiininniUHiiiwmM
Alfred Rosenberg
über den Berner Prozefj
Der ״Völkische Beobachter“ vom 29. d. M.
vcrölfentllcht an leitender Stelle einen Artikel Alfred
Rosenberßs über den Berner Prozeß um die ״Proto-
kolle der Welsen von Zion“, wobei er sich auch mit der
Acußcrung Wclzmanns ln der ״Jüdischen Rundschau“
beschäftigt. Wir nehmen auf Seite 2 der heutigen Nummer
zu dem Artikel Stellung.
sein sollen, unsere bürgerliche Stellung zu verbessern.
Aber wie immer dies werden möge, unser inneres
Verhältnis zu unserem Judentum wird hier-
durch nicht berührt Für viele mag das äußere Ge-
schchcn des Jahres 1933 erst der äußere Anstoß zur
Entdeckung ihres eigenen Judentums gewesen sein; aber
diese Erweckung ist kein ״Zwang“; sie hat eine inner-
liehe Wandlung und Wendung herbeigeführt,
eine Erkenntnis, die viel weiter reicht als 1933 und selbst
1812, eine Erkenntnis, die jeden einzelnen Juden wieder
bis in die Zeiten der Makkabäer zurücklührt; und wir
empfinden cs als unangemessen, als der Größe der
Stunde nicht entsprechend, wenn man von dieser Wand-
hing als etwas Zufälligem und Vorübergehendem spricht
Der gemeinsame Weg der deutschen Juden, die
wirklich Juden sein und als solche leben wollen, die
in guten und schlechten Tagen im Bewußtsein ihrer
Herkunft und ihrer Zukunft ohne Ueberhcbung, aber
doch hocherhobenen Hauptes durch die Welt
gehen, läßt sich unseres Erachtens in einem Programm
ausdrückcn, das für unser jüdisches Leben — wenn auch
grob schematisierend — aufgcstellt werden kann. Dabei
ist eins vorauszuschicken; Die Frage der bürger-
liehen Gleichberechtigung ist keine inner-
jüdische Angelegenheit, ja sie ist überhaupt keine rein
jüdirchc Angelegenheit. Wir haben in Europa
stets verschiedene Staalsformen gehabt, die die Frage der
bürgerlichen Rechte in verschiedener Weise regeln. Nach
dem Weltkrieg sehen wir wieder neue Staatsformen
entstehen. Neben dem liberalen Staat der westlichen
Demokratien, in dem prinzipiell die individuelle Gleich-
Berechtigung aller Bürger gilt, haben wir eine Form, wie
z. B. die Sowjetunion, in der die Gleichheit der bürger-
liehen Rechte zugunsten einer privilegierten Schicht auf-
gehoben wurde. Wir sehen anderswo die Bestrebungen
der Erneuerung des auf dem Ständewesen aufgebauten
״organischen“ Staates, und wir haben schließlich in
Deutschland den auf dem Rasseprinzip konstituierten
völkischen Staat. Wir haben nicht die Absicht,
in diesen Zeilen uns mit Problemen des allgemeinen
Staatsrechts zu befassen. Wir untersuchen vielmehr die
Frage, wie sich in diesem deutschen Staat, in
dem wir leben, iin Rahmen der gegebenen Gesetze
und Prinzipien unser jüdisches Leben gestalten kann.
Unser jüdisches Programm läßt sich, wie uns
scheint, in vier Punkten zusammenfassen:
Das erste ist die Wahrung der Ehre des jüdischen
Namens. Wir wollen, daß der Grundsatz, eine Scheidung der
Rassen beinhalte nicht Geringschätzung des Rasse-
fremden, sondern lediglich Feststellung seiner Anders,
artigkeit, auch auf uns Anwendung finde. Wir selbst
haben dazu beigetragen, daß der Name Jude nicht geachtet
wird, denn in der vorigen Generation waren viele, die sich
nicht gern Jude nennen hörten und die erröteten, warn
irgendwo das Wort Jude fiel. Wer sich selbst nicht achtet,
wira auch von anderen nicht geachtet. Nun vollzieht sich
bei uns eine Umwertung der Werte. Hunderttausende sind
es, die den Namen Jude wieder mit Stolz tragen.
Wir sinn als Juden andersartig, aber im Zusammenleben
mit anderen Völkern und Menschen beanspruchen wir die.
selbe Achtung, die wir anderen entgegenbringen und die
allenthalben Menschen und Völker einander entgegenbringen
müssen. Wir verweisen auf die Erklärungen maßgebender
Stellen, wonach die Rassengesetze dem Schutz des deutschen
Volkstums dienen sollten, nicht dem Haß gegen Fremdrassige.
Daß wir für unsere Ehre, wo sie angegriffen wird, einstehen,
kann uns in den Augen der Umwelt nur heben. Wir wollen
in unserem eigenen Kreise die Uebcrzcugung unserer mensch-
liehen Gleichwertigkeit wahren, wir wünschen aber, daß 81«
auch außerhalb unseres Kreises Anerkennung linde. ,
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