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Saite 2
jüdische Rundschau
Nr 78 30 IX. 1938
erschließen werden, so darf man doch annehmen, daß die
Methode der Eingliederung in die bestehenden Volkswirt-
scharten und Staaten, die vom Londoner Büro ins Auge
gefaßt ist, ihre Früchte tragen wird.
Es M sicher nicht einfach, in diesen Tagen und Wochen
Fragen solcher Art in den Vordergrund zu stellen, wenn
die Welt vor den letzten Entscheidungen steht. Dennoch tut
cs not, gerade in dieser ungewissen Zeit nicht an die Sorgen
des Tages, an unsere eigenen Dinge zu vergessen,
alle Kräfte /nsamineii/ufassen, tun eine Möglichkeit für ihre
Erleichterung /u finden, und dadurch die Bahn vorzubereiten,
die kommenden jüdischen Geschlechtern ein produktives Leben
der Arbeit unter leichteren Bedingungen, als es heute viel-
fach der Fall ist, ermöglicht. K. L.
Bei Chaluzim in Wien
Von unserem Berichterstatter
J. R. Wien, im September
Eine der wichtigsten Institutionen der Hechaluzorgani-
sation sind die vom tleeliaiu/. geschaffenen Kibbuzim. Der
Hechaiuz in t. festen eich, vier in den Jahren 1034—1937 einen
Durchseluiittsmitgliederstand von 88$ Personen zahlte, ver-
fügte in diesem Zeitraum auch über vier städtische Kib-
buziiti (darunter einen in üraz), in denen mehr als 100 Cha-
in/im und (Jhahi/oth ihie Ausbildung und Vorbereitung für
Palästina erhielten. Hierzu kam noch ein eigener Mädchen-
kihhuz, 1 !er /1 •!;.׳ ;m-cliii.linmg und Ausbildung der Mädchen
für die < lliakizunh von ih r Wi/o erhalten wurde. Von dem
alten .Mit .dii de! stand entfielt 11 •117 auf die landwirtschaft-
liehe. 31$ ani die sudi i-Gie und 93 auf die Einzelhachschara.
i'ioir Besuch gilt heute einem solchen Kibbuz des
Ueehaluz, dem ;m Her/ru der Lcopo'dstadt, von dem im
laute (!! r J;ds:c b.ivüs zahlreiche junge Menschen den Weg
na.h l’.d cu,! :; 1 !׳ 11 ;!:!.״::■׳ halum.
In rcur de r 1 1 . 1 • ' 1:1 im 11. lie/iik in der Nahe des
Augnrt ׳ . in tii r I laasgasst ׳ betindet sich der Kibbuz, der
sich re. :■:!«,!! t:g aus tust 0 :) Mitgdiedcrii zusanmiensetzt.
Die 11 :e-t e :1 cm ihnen •und /am Kiivlniz aus ideellen Cirün-
den g• k ׳ vauii a und bin !>1 n !in I )nrehsi Imitt schon auf
V'C’.e tu-I / ״ e. ui h , u,:e 11 a•rii■wl ״׳ > : a zurück. Im Laufe seines
Ihm !!■du,.: 1 ;! 1 : 1 ׳ c,,!r rm -.!ml bei eits früher !1)0 seiner Mit-
1 me t-euue•• !!; dein K ו 'nlm/liiim vermittelt dem Be-
Sucher rlrtt a 1 • nd: ־:׳ , k v! >m I .eben dieser jungen Menschen,
die .- , eh !nci,!; ;;1 di!■ ( 1 , i.'t-t.ult ;lue eigene Weh ״ (!■schaffen
IciIru. B! 1 iluicn kun l_u!!g durch d,:w 1 leim lern wir die
I utre 1 ׳*.־ .: r !: 1,1 11 ;: 1 . n. Ihr Begleiter fuurt den Beii . ;Matter
m v 11 :׳ tr !: * 1 .־ hui, grichut Saal. Ls ist der lagesratim. Radio
und Khr.ii• ׳ ■ mnd \ ! 1 : 11:1 •!den. um den Mitgliedern nach der Ar-
bmt 1 . m• sende der /<.; -tu ining zu bieten. Im 1 eseraum fallen
die s. i r im!)-, lien /and o.r al cm politischen, den räumlichen
kvik.l.ei •ea b ־ -ouilium angi paßten ,Möbelstücke auf. Die Jun-
gen, da• Incr alles mit. eigener t Luid gezimmert haben, sind
aut die-es Werk -tM/. Bevor wir das nächste Stockwerk
besicliti. e: 1 , wo sieh tl:e Selikifr.iutne befinden, fällt uns an
einer 1 ur ihr heb! .!mdie Aufschrift ״ M : d b a c h“ auf, die
Küche di- Kibbuz, dir Domäne der Mädchen. Ein Blick
genygt. rau die peiitiiche Sauherkeit fest/ustcllen. ln zwei
Schichten wird f der Kuehcnbetricb aufrecht erhalten. Ein
Wasch- und ein \:ihr,■!um mit drei Werkstätten steht den
Mädchen überdies zur Verfügung. Audi die ganze Küchen-
ä ׳ iUrfeld 1111 g ist das Werk der jungen und Mädchen. Eine
Tischlerei wurde neu errichtet, zur Schaffung von neuen
Raumen wurde an Steile einer schwachen Holzwand eine
(iipswam! reu aufgetragen, eine Kl entschlösse!ei und eine
eigene [ ־ .lektrikerabtt iliing, sowie ern umfangreicher Werk-
zengraiim smd einige l.eistungen, die sie im Zuge des
Ausbaues vollbracht haben. 111 einem höheren Stockwerk
sind die Sehl ks.de niilcrgebraeht. Auch diese zeichnen sich
dtirdi Geräumigkeit, !kl'e mul Sauberkeit aus. Es sind viel-
fenstnge k.ainir. die in der Mlidehenahtcilung zwölf Betten,
in der für Jungen be-!;;nmten Abteilung 13, resp. IQ Betten
nufvt isei;.
Das Br.dg! t de- Kibbuz beträgt im Monat 1800 Mark.
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Kleine Nachrichten
Der 11• -iTikomnii'S.ir d! - Völkerbundes für Rcfugiös er-
hielt t in ו eh׳gramm aus Portugal, dem zufolge 65 jü-
d:sehe 1'• 1 !\\ nndei er, die deportiert werden sollten, eine Ver-
langen!!!;,; ihn r vornberg■ henden An fCn1 lialtserlanbnis auf
zwei Monate erhalten haben.
Die !!ihrer der Agndnth Jisrael, Dr. Jakob Rosen-
heim und Mr, H. A. (j 0 o j !11 a 11 , haben am 23. Septem-
ber in geschlossener Sitzung vor der Woodhead-Kommission
ausgesagt,
Die (ienerakiirektion des italienischen Rund-
furiks (tat alle italienischen Sender veranlaßt, weder Schall-
platten mit Musik jüdischer Autoren zu verwenden, noch
solche, die unter Mitwirkung jüdischer Kräfte entstanden
sind.
Der Hebräische Welfverband (Brith Iwrith Olamith) wird
die nach sre hebräische Wcltkonferen z irrt Jahre
1939 in New York in Verbindung mit der dortigen Welt-
aussteilimg veranstalten. Eine Ausstellung des hebräischen
Buchwesens und des hebräischen Er/iehungswerkes wird
für die Weltausstellung vorbereitet,
In Wilna wurden drei Personen unter der Beschuldi-
gung verhaftet, bei a!!!!jüdischen Ausschreitungen einen Ju-
den getötet zu haben.
Jüdische Statistik. Memiciicm I. i n d e r, ein Mitglied des
Jiddisch- Wissenschaftlichen Institutes in Wilna, beziffert die
Gesamtzahl der Juden 111 der Welt zu Ende des Jahres 1937
auf lOO'ilMHH). Es ist interessant, daß, während um 1530
gegen 90 ״״ der Juden in Europa lebten, jetzt nur mehr
60,5 ״•׳ in diesem Erdteil sich befinden. Bereits ein Dritte!
aller Juden ist in Amerika, das auch die größte jüdische
Be ölkeriing beherbergt, und übe ׳״ 6 ■׳ ? in Palästina.
Erfahrungen in England
Aus dem Alltagsleben
Wie grundverschieden der englische Volkscharakter vom
französischen ist, merkt man schon bei einer Eisenbahnfahrt.
Man braucht noch keine halbe Stunde in einem französischen
Abteil zu sitzen, um schon die ganze Lebensgeschichte
sämtl ich er Mitreisender zu wissen. Es wird politisiert, und
natürlich sucht der Mitreisende auf mehr oder weniger takt-
volle Weise auch gleich die Einzelheiten über die eigene
Vorgeschichte ans Tageslicht zu bringen.
Ganz anders im englischen Eisenbahnwagen. Stumm
sitzt man einander gegenüber, oft noch hinter einer der
überlebensgroßen Zeitungen versteckt, und wenn sich schon
jemand in ein Gespräch einläflt, so ist die gute oder
schlechte Ueberfalirt oder das Wetter das Hauptgesprächs-
thema, wenigstens für die erste Stunde. Ja, das W etter!
Ich wüßte überhaupt nicht, worüber sich die Engländer
unterhalten wollten, wenn nicht glücklicherweise dieses
Thema so ausgiebig wäre. Von dem vornehmsten Lord bis
hinab z.u!n Liftboy oder Stiefelputzer beginnt jeder seine
B. NEUMANN
PIAMOS !RADIO
Ber lln W 15, KurlOrilmdanim 205 / Ruf: 91371;
Konversation mit einem Ausspruch über das heutige Wetter,
es folgen dann ein Vergleich mit der gestrigen Wetterlage
und Mutmaßungen über die voraussichtliche morgige. Glück-
lichenveise ist aber auch die Witterung hier so veränderlich,
daß es alle paar Minuten wieder etwas Neues darüber zu
sagen gibt. Andere bevorzugte Gesprächsthemen sind Sport,
Blumen, Hunde und Reisen. Es gilt als unangebracht,
gleich mit irgendwelchen Problemen hereinzuplatzen oder
gar persönliche Fragen zu steiler!. Man belästigt auch nicht
seinen lieben Nächsten mit den eigenen Angelegenheiten;
die soll jeder mit sich selbst ausmachen. Diese Auffassung
ist wohl eine Fohge der alten puritanischen Erziehung.
Selbstbeherrschung in jeder Lage wird den Kindern
schon in frühestem Alter beigebracht, und nicht umsonst ist
״Keep Smiling“ eine englische Lebensregel.
Der Wünsch, Fremde nicht in seine Privatangclegen-
heiten limemsehen zu lassen, äußert sich in den vcrschie-
densten Erscheinungen und Sitten des täglichen Le-
bens. Man schreibt z. B. nie einen Absender auf einen
Brief, sondern die Adresse des Schreibers wird auf den
Briefkopf vor das Datum gesetzt; denn es geht ja niemanden
an, woher das Schreiben gekommen ist. in den Zeitungen
sind die wichtigsten Neuigkeiten (also meist politische
Nachrichten) auf der innersten Seite zu finden, während das
erste Blatt nur Anzeigen und Reklame enthält. Und auch
in seinem Hause will der Engländer ungestört für sich sein.
Auf dem Lande sind die Gärten durch hohe Hecken von
der Außenwelt abgetrennt, und das Haus ist, wenn irgend
möglich, von der Straße aus nicht sichtbar, ln der Stadt,
besonders in den Wohnvierteln von London, fällt einem die
lange Reibe grauer Hauser auf, die einander gleichen wie
ein Ei dem andern, so, als trügen sie die Maske der Gleich-
heit, nur um nichts Näheres über das Leben in ihren Mauern
oder den Geschmack ihres Erbauers aussagen zu müssen.
Doch wie stellt sieh England dem Einwanderer
gegenüber? Was für einen ersten Eindruck macht es auf
den Neuankömmling? Mari hat unbedingt das Gefühl, daß
hier rin anderes Tempo herrscht als auf dem Festland,
und die ׳,,englische Ruhe“ ist hei uns schon sprichwörtlich ge-
worden. Der Einwanderer muß versuchen, in Gespräch und
Bewegungen auf dieses Tempo ein/ugehen, wenn er nicht
auffallen will, Ich meine nicht, daß er sofort blindlings
die Sitten seiner Umgebung narhahmen muß, aber ein
gewisses Sicheinfiigen ist doch wohl nötig. Es ist gut, wenn
man die Leute an sich herankoninien läßt, ihnen Zeit gibt,
sich den Neuankömmling erst einmal näher zu betrachten.
Dies gilt besonders auf dem Land. In den Kaffees, in denen
es für ,,kontinentale" Ohren besonders ruhig zu״cht, muß
man seine Stimme auch der der Umgebung annassen.
Von frühester Kindheit an wird der Charakter des Briten
durch Sport und G e in c i n s c h a f t s s p i e I geformt, und
so scheint er auch später oft dem Lehen wie einem Spiel
gegenüberzustehen. Fair Play, anständiges, ehrliches Spiel,
ist alles. Aber auch alles übertriebene Streben, aller Ehr-
geiz, alles verkrampfte Erringenwollen im Berufsleben, iirr
Sport oder in anderen Dingen ist dem Engländer zuwider.
Er verlangt praktisches Denken, gesunden Menschenverstand
und ruhige, selbstverständliche Tüchtigkeit, und tatsächlich
bringt er auch in diesem langsamen aber stetigen Tempo
oft mehr fertig als mancher aridere, der es schneller machen
will. Sobald er vom Geschäft zuriickkoniint, sei es werk-
tags oder am Wochenende, ist seine Arbeit für ihn erledigt
und er widmet sich ganz seiner Familie, dem Sport, seinem
Garten oder irgendeiner ,,Hobby" (Steckenpferd), vom Brief-
markensamniein oder Orchideenzüchtcri bis zum Sammeln
von Streichholzschachteln und zur Aufzucht von weißen
Mäusen zu Rennzwecken. Und dabei herrscht meistens eine
entspannte, friedfertige Stimmung im Haus. Widersprechen
ist tabu, wenigstens in Gesellschaft.
Männer sitzen oft stundenlang im besten Einvernehmen
am Kaminfeuer, ohne ein Wort zu reden, ja, das Kamin-
feu er! Das wird wohl in jeder Schilderung des englischen
Lehens erwähnt. Tatsächlich gibt es Zentralheizung nur in
wenigen modernen Wohnungen, und in London sieht man
oft Gasheizungen, die als Kamin verkleidet sind, aber Holz
lind Kohle sind doch größtenteils die unumschränkte!! Herr-
scher im Hause. Große, in vieler Beziehung luxuriöse Häu-
ser, nicht weiter als 30 km von London entfernt, sind oft
nur mit Gas beleuchtet, und auch die Petroleumlampe findet
man noch häufig als ein zögen Lichtspender. Man hat jetzt
ein neues Gas, sogenanntes Calorgas, erfunden, das zu Heiz-
und Leuchtzwecken verwendet und regelmäßig in großen
Tanks von der Fabrik gesandt wird. Das Lieferauto bringt
alle 14 Tage einen mit Gas gefüllten Behälter und nimmt den
leeren zurück — also eine ähnliche Prozedur wie beim
Ausweeliseln von Radiobatterien. Auf diese Weise braucht
man für ein einziges, abgelegenes Haus keine kostspielige
Leitung zu legen. Gas, Wasser und Elektrizität werden
von privaten Gesellschaften geliefert, die in manchen Gegen-
den sehr hohe Preise verlangen und «ft keinen festen Tarif
haben.
Auch die Eisenbahnen gehören privaten Gesellschaften,
und Krankenhäuser werden nur durch freiwillige Spenden
umf durch wohltätige "Vereine aüfrecliterhalfen.
Das Schulwesen ist zum großen Teil in privaten
Händen. Kinder verschiedener Gesellschaftsscliichtcn bekorn-
men eine vollkommen verschiedene Schulbildung mit auf
den Weg, und durch diese Tatsache werden die sehr großen
Standesunterschiede, die für den Durchschnittsengländer eine
selbstverständliche, unabänderliche und durchaus erwünschte
Tatsache sind, auch immer offen gehalten. Zwar bekommen
jetzt begabte Kinder immer häufiger Stipendien vom Staat,
von Wohlfätiglaitsvereincn oder reichen Spendern, aber
immer wieder hört man, daß Kinder, die auf diese Weise
aus ihrgm Stand herausgerissen sind, doch nicht als eben-
bärtig anerkannt werden, es im späteren Leben ziemlich
schwer haben, sich zu behaupten.
LJehrigens gilt alles, was ich über das Schulwesen
gesagt habe, nur für England und nicht für Schottland.
Die schottischen Schulen sind allen Kindern
gleich zugänglich und sollen hervorragend sein!,, obwohl
ihr Unterhalt oft mit großen Schwierigkeiten verbunden ist.
Nicht selten sieht man m einsamen Gebirgsgegenden ein
winziges Häuschen stehen, das Schulhaus, zu dem täglich
vielleicht nur fünf Kinder aus den «inliegenden Höfen pil-
gern, und oft ist der Weg zur Gelehrsamkeit lang und steil.
Zum Schluß will ich noch die Vcrschicdcnljcft der
einzelnen Teile von Großbritannien erwähnen,
denn Nord und Süd weisen hier große Unterschiede i !1
Landschaft und Bevölkerung auf. Der Süden ist flach oder
nur leicht hügelig und ist der Sitz des größer! Grundbesitzes.
An allen Ecken und Enden findet man noch Ueberreste des
alten Feudalsystems: die Standesuntersehicde sfnd hier am
größten, man ist, soweit überhaupt verallgemeinert werden
kann, konservativ, zurückhaltend, zugeknöpft und legt viel
Wert auf äußere Formen. Kurz, alles, was ich beschrieben
habe, gilt wohl hauptsächlich für den Süden.
Je mehr inan aber nach Norden kommt, desto gemüt-
lieber, gleich im ersten Augenblick wärmer und herzlicher
werden die Leute. Die Standesuntersehicde werden nicht
mehr so ernst genommen, und man ist dem Neuen Zugang-
lieber. Handel und Industrie — denn fast _ alie_ grollen Han-
dcls- und Industriestädte außer London sind in Nord- und
Mittelengland — richten den Blick der Menschen mehr
nach außen. Und hoch im Norden ist das gebirgige Schott-
!and, bekannt für seine Gastfreundschaft und Weltoffenheit.
Nicht umsonst findet man ja Schotten in allen Ländern der
Erde.
Mia W i in p f h c i m e r, Chillies, Crowborough (Sussex).
Jugendarbeit in Holland
Von unserem Berichterstatter
RL. Den Haag, 27. September
Die Jüdische Jugendföderation berichtet über ihre Arbeit
im vergangenen Jahre. Neben der laufenden Arbeit wurden
eine Reihe von besonderen Veranstaltungen organisiert, die
vor allem dazu dienten, die Gruppen der Föderation und
insbesondere auch die Jtigendführer zu Gedankenaustausch
zu vereinigen. Eine besonders enge Zusammenarbeit besteht
mit dem Niederländischen Zionistcnbund, in dessen Bundes-
rat die Jugendföderation durch ihren Vorsitzenden vertreten
ist. Die Föderation nahm an der zionisitschen Jugendkon-
ferenz in Antwerpen teil.
Auch im vergangenen Jahre traten die gleichen Sich wie-
rigkeiten auf wie früher: Mangel an Jugendführern und
Schwierigkeiten bei der Programmzusammenstellung. Wäh-
rem! die Mi'g’ieder/ahl der Amsterdamer Gruppen beträchtlich
zunahm, ging sie bei verschiedenen Gruppen in der Provinz
zurück -- eine Folge der zunehmenden Konzentration der
Juden in der großen Stadt. Die Gesamtmitglieder/ahl der
Jugendföderation beträgt zur Zeit 1350 (gegenüber 1383 am
Ende des vorangegangenen Jahres). Im letzten Jahre sind
mehr Mitglieder auf Hachschara gegangen, als erwartet wer-
den konnte. Ihre Zahl betrug 25. Die 19. Jaliresversainm-
lung der indischen Jugendföderation findet ain 2. Oktober
in Amsterdam statt.
Die Niederländische Zionistische Stiidentenorßanisation ließ
ihr achtes Jahrbuch erscheinen. Es enthält einige Beiträge
zur zionistischen Ideologie,
Die Vercenfging tot Vakoplciding van Pa’estina-Pionicrs.
sog, Deventer-Verciiiigung. benutzte den Anlaß ihres zwan-
zigjährigen Bestehens zu einer Propaganda-Aktion. Den Auf-
takt bildete ein stark besuchter Abend in Amsterdam unter
Vorsitz von Mr. H. G. Kaufmann, an dem auch Mr. Abel
J. Herzberg, der Vorsitzende des Niederländischen Zionisten-
blindes, sprach. Nach der Vorführung eines Films, Vier ein
Bild von der Hachschara in Holland gab, richtete Ru Cohen
ein Abschiedswort an die nach Palästina gehenden Chaluzim.
Auch im Haag fand eine Versammlung unter Vorsitz von
Mr. H. Edersheim statt, in der Ru Cohen sprach und der
Hachsehata-Film vorgefiihrt wurde, Schließlich sprach Ru
Cohen, der aktive Mitbegründer und Sekretär der Dcvcnter-
Vereinigung, im holländischen Rundfunk über die Aufgaben
und die Durchführung der landwirtschaftlichen Palästina-Vor-
bereitung in Holland.
»
In Amsterdam wurde die Jüdische Höhere Bürgerschule
in Gegenwart von Vertretern des Staates, der Gemeinde
Amsterdam sowie beider jüdischer Svnagogengemcinden vom
holländischen F7nt crrichts ini 11 ist er Slotcmaker de Bru-
i n e feierlich eröffnet.
Die Zahl der Mitglieder der jüdischen Gemeinde Den Haag
zeigte, wie initgeteilt wird, am 31, Dezember 1937 mit
15 706 eine leichte Zunahme gegenüber dem 31. Dezember
1936 mit 15 611 Personen.
I!n holländischen Rundfunk sprach Rabbiner Dr. M. d e
Hone! (Amsterdam) über die Bedeutung des jüdischen Neu-
jahrsfestes. Hierbei wurden auch Beispiele des Schofarblasens
gegeben.
Ve! ant wort lieber I\ ׳׳ h '1 :1 : Dr. U ׳ !■:: Welt sch. 1 ’ 1 1 .,; 1 -! ä.:! r!. 9
Glich vernnl wullii-li liir die Au n ■ lum• von !liUcrtil (zur Zeit verrrkl).
Vci ;iiiiHiirdirln'i- Rcdakicur i. V.: Kurl L o r « ׳ c n s l c i 11 , 1 ici lin \V 15.
Anzeigen'! !'er und ver.uilvortlirli für den Inhalt der Ai,zeigen: Flieh
1, : e p n! n n n. Ih-din W 15, Gültig Anzcigen-l'nu.dihe 5 v-om 1. Apnl
193C. Vertag und Anzeige!:!■•«,'! Malmiig: Jielisrlie Runds, hau, Berlin W 15,
Meinikedr. 10. D.A.] 11938: 26045• — Druck: .Max Lichtwitz
(vormals Druekereiöetriebe Max Liehtwilz mul Siegfried Scholem),
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Erewr Jom Kippur
bis 17 Uhr
Jom Kippur geschlossen