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Mit Palästina ~ Bilderbeilage
JÜDISCHE RUNDSCHAU
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כ״ד תמוז תרצ״ג | xxxvm. jahr g .
Der Zionismus erstrebt Hlr das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Basaler Programm.»
Der Jude hinter dem Pflug
nie Lösung der Judenfrage, die jetzt, nachdem sie unauf-
schiebbar geworden ist, von den Juden selbst — und wir
hoffen mit Hilfe der großen nichtjfldischen Nationen — in
Angriff genommen werden muß, ist kein rein mechanisches,
auch kein nur wirtschaftliches oder geographisches Problem.
Sie ist in erster Reihe ein seelisches Problem. Auch der
Zionismus, der einen möglichst großen Teil des jüdischen Volkes
in Palästina konzentrieren will, dachte sich diese Aktion niemals
als eine äußerliche Uebersiedlung, sondern er wußte, daß zu-
gleich eine tiefe innere Umgestaltung Platz greifen
muß. Dieses Nebeneinander von äußerem und innerem Prozeß,
von sozialer Gestaltung und seelischer Wandlung, hat auch zur
Folge, daß die zionistische Lösung nicht nur für diejenigen
Juden, die selbst,nach Palästina gehen und dort leben können,
sondern auch für die in ihren bisherigen Wohnländern ver-
bleibenden von revolutionärer Bedeutung ist. Denn hier voll-
zieht sich etwas anderes, als daß einige tausend Menschen sich
einen anderen Wohnsitz suchen. Hier vollzieht sich ein grund-
legender Umsturz der ganzen Begriffs- und Vorstellungswelt des
einzelnen Juden und der jüdischen Gemeinschaft, ein endgültiger
Bruch mit der Mentalität, die im Ghetto notwendigerweise ent-
stehen mußte, und jeder Jude — wo immer er lebt — hat
daran Anteil, weil es an die jüdische Substanz greift. Das
ist ganz anders, als wenn Tausende von Juden — sei es sogar
ein Vielfaches der Palästinawanderer — nach Amerika oder
anderen Ländern auswandern würden. Daß kein anderes Land
gegenwärtig der jüdischen Wanderung offen steht als Palästina,
mag ein Zufall genannt werden; aber daß nur an dieses Land
sich eine neue Epoche des jüdischen Daseins anschließen kann,
ist ohne weiteres klar. Die Palästina-Idee und die Idee des
neuen jüdischen Menschen gehören in eigenartiger
Weise zusammen. Und auch wer nicht nach Palästina geht,
ist in den Strom dieses neuen Werdens einbezogen, sogar der
Jude, der sich dagegen wehrt und davon nichts wissen will.
Palästina ־Debatte im Unterhaus
Die Palästina-Anleihe — Veröffentlichung des
Frendi - Berichts
London, 14. Juli. (J. T. A.) In der am 14. Juli abge-
haltenen Sitzung des englischen Unterhauses gab der Kolo-
nienminister Sir Philip Cunliffe-Lister im Rahmen
der Debatte über das Budget des Colonial Office eine Er-
kiärung betreffend Palästina ab. Er stützte sich hierbei
aut.den überraschenderweise am selben Tage veröffentlichten
Bericht des Landentwicklungsdirektors French.
Der Kolonienminister führte aus: Nach folgenden
Richtlinien wird vorgegangen werden: Es gab hier das
Problem der ״dislozierten Araber“,
wobei ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Pächter und
Eigentümer zu machen war. Das zur Prüfung der Ansprüche
dislozierter Araber eingesetzte Gericht hat seine Arbeiten
beinahe vollendet. Es hat beschlossen, jene Araber als auf
Hilfe anspruchsberechtigt anzuerkennen, die von dem Boden,
auf dem sie saßen, dadurch entfernt worden waren, daß dieser
Boden in andere Hände iibergegangen ist, und die keine neue,
gleichermaßen zufriedenstellende Beschäftigung erhalten hat-
ten. Hierbei gab es gewisse Ausnahmen, die u. a. Personen
betreffen, die eigenes Land verkauft haben, Personen, die
anderwärts Landbesitz hatten, und solche, die später andere
Wirtschaften als die, von denen sie entfernt worden waren,
betrieben.
Die britische Regierung, erklärte Sir Philip, hat den Ent-
Scheidungen des Gerichts zugestimmt; die Palästinaregierung
wurde ermächtigt, an die Wiederansiedlung der dislozierten
arabischen Pächter entsprechend den Entscheidungen des
Gerichtes heranzugehen.
Auf eine Zwischenfrage des Abg. Wedgwood, um wie-
viel dislozierte Araber es sich handle, antwortete Sir Philip,
es seien 889 Familien vom Gericht registriert
worden. Er fuhr dann fort: Wir hatten uns mit dem Problem
des Arabers zu befassen, der von seinem Boden entfernt
wurde und wieder angesiedelt werden soll. Da wir erkannt
haben, daß dieses Problem vorhanden ist, müssen wir Schritte
ergreifen, um zu verhindern, daß es wieder auftauche. Der
High Commissioner empfiehlt, die Regierung möge die Not-
wendlgkeit von Sicherungen gegen die Wieder-
kehr ähnlicher Probleme im Verordnungswege fest-
stellen; die Regierung hat den High Commissioner ermäch-
tigt, die Pächterschutzverordnung so abzuändern, daß sie
vollen Schutz für die Pächter bietet.
Bevor der Kolonienminister sich der Besprechung der
landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung Palästinas
und der in Aussicht genommenen Verwendungsart der Palä-
stinaanleihe zuwandte, erklärte er, er wolle Dr. Ar 10-
soroffs, der das Opfer eines feigen Verbrechens geworden
sei, gedenken. Dr. Arlosoroff sei ein Mann von großer Klug-
heit, von Weitblick und Verständnis gewesen, ein Mann, der
nicht nur dem Zionismus große Dienste geleistet habe, son-
dem auch ein bedeutender Aktivposten für Palästina im all-
gemeinen gewesen sei.
Was das Mandat betreffe, erklärte Sir Philip, so habe
er hierzu bloß zu sagen, daß es absolut fair verwaltet werde.
Seine Verwaltung liege in der Hand eines Mannes, des High
Commissioners, zu dem alle, sowohl Juden als auch Araber,
absolutes Vertrauen haben, dem sie im Lauf der Zeit l
Das Symbol dieses neuen jüdischen Werdens aber ist der
jüdische Bauer, der Jude hinter dem Pflug.
Theodor Herzl ahnte das richtige, als er schrieb: ״An dem
Tage, wo wieder der Pflug in der erstarkten Hand des jüdi-
scheu Bauern ruht, ist die Judenfrage gelöst.“
Die Galuthjuden sind ein Volk von Städtern. Sie sind in-
tellektuell, skeptisch, der Natur entfremdet, obwohl in ihnen
ein starkes Naturempfinden verschüttet ist und obwohl z. B.
der handfeste jüdische Handwerker des Ostens sich auf phy-
sehe Arbeit versteht und sie liebt. Aber in den Cafehäusern der
europäischen Großstädte konnte man es in diesen Jahrzehnten
oft hören: ״Jüdischer Bauer? Man verschone uns mit Idealisie-
rung von Erdgeruch!“ Junge jüdische Menschen aber wandten
dem Cafehaus den Rücken und zogen dorthin, wo sie den
Boden bearbeiten konnten. Der jüdische Landarbeiter Palästinas
entdeckte das Geheimnis von Boden und Natur, des Rhythmus
der Jahreszeiten und des Segens der Erde. Nach fünfzig Jahren
Arbeit, von denen die letzten 12 oder 13 Jahre besonders aus-
gedehnte Möglichkeit boten, ist das jüdische Dorf in Palästina
Wirklichkeit. Nur aus dem Dorf aber, nur aus dem Bauerntum,
kann ein Volk sich erneuern. Im neuen Deutschland hört man
oft das Wort von ״Blut und Boden“ als Grundlage der Nation,
ln der Tat, ohne das Bewußtsein der Zusammenhänge der Ge-
nerationen und ohne Verwurzelung im Boden ist die Gefahr
einer seelischen Anarchie nicht zu bannen. Wenn aber erst der
Bauer lebt, dann ernährt er das ganze Volk, nicht nur physisch,
sondern auch seelisch.
Unsere Bilderbeilage, die der heutigen Nummer der ״Jü-
dischen Rundschau“ beigelegt ist, zeigt den Juden hinter dem
Pflug, der in die weite Ebene hinausblickt, die durch jü-
disohe Arbeit aus einem verlassenen Sumpf zu einem blühen-
den Landstrich jüdischer Dörfer umgeschaffen wurde. Es
ist wie ein Blick in eine bessere Zukunft, in ein verheißenes
Land, und ist doch Wirklichkeit. Aus dem Bild dieses
neuen Juden saugen die erniedrigten, verlassenen Massen der
Juden Kraft und Stärke.
nicht nur Vertrauen, sondern auch Liebe entgegengebracht
haben.
Nach einem kurzen Ueberblick über die landwirtschaft-
liehe und industrielle Entwicklung Palästinas, in
dem er vor einseitiger Entwicklung des Orangenbäus warnte
und auf die Bedeutung einer selbstversorgenden Landwirt-
Schaft hin wies, die Tätigkeit der Versuchsstationen würdigte,
die Fortschritte der Industrie hervorhob und über die Hafen-
bauten in Haifa und Jaffa berichtete, ging der Kolonien-
minister zur Besprechung der
l-andentwicklungs- und Anleiheprobleme
über.
Im Jahre 1930, erklärte er, habe die Regierung ange-
kündigt, sie beabsichtige, für die Zwecke der Landentwick-
lung in Palästina ein Darlehen auf mehrere Jahre zu geben.
In Fühlungnahme mit dem High Commissioner habe die
Regierung die Lage im Lichte der finanziellen Verhältnisse
in England und in Palästina überprüft und sei zur Ansicht
gekommen, daß es unter den augenblicklichen f inan ziel-
len Umständen der britischen Regierung nicht
möglich sei, auf Kosten des britischen Staatsschatzes einen
Beitrag zur Landentwicklung in Palästina zu leisten, wie dies
1930 beabsichtigt war. Die Finanzlage Palästinas sei übrigens
so zufriedenstellend, daß Palästina selbst in der
Lage sei, seine Bedürfnisse zu finanzieren.
Die Palästina-Regierung habe bereits ein g r o ß z U g i -
ges Programm öffentlicher Arbeiten und die
Durchführung anderer Pläne, die von der englischen Regie-
rung durchaus gebilligt werden, ins Auge gefaßt. Es werde
vorgeschlagen, daß diese Arbeiten und die Wiederansiedlung
der dislozierten Araber zum großen Teil mit Hilfe einer
Anleihe von 2 Millionen Pfund finanziert werden.
Die Regierung empfinde Genugtuung darüber, daß die
finanziellen Hilfsquellen Palästinas de !1 Zinsendienst der
Anleihe gewährleisten und volle Sicherheit für das
notwendige Kapital bieten und daß der Anleihcdienst ohne
Beeinträchtigung des Ueberschusses der palästinensischen
Landesfinanzen geleistet werden kann.
1926 habe Kolonienminister Amery einen Gesetzvorschlag
eingebracht, in dem die britische Regierung ermächtigt wurde,
eine 4V2-Mil!ionen-Pfund-Anleihe zu garantieren. Damit sollte
für Palästina die Möglichkeit geschaffen werden, Geld zu
einem niedrigeren Zinssatz aufzunehmen. Auch jetzt solle
in gleicher Weise vorgegangen und für die vorgeschlagene
Anleihe ebenso wie für die frühere 41,4-Millionen-Anleihe die
formelle Garantie der britischen Regierung ge-
geben werden. Ein entsprechender Gesetzvorschlag werde dem
Parlament vorgelegt werden.
Bezüglich der durch die Anleihe zu finanzierenden Ar-
beiten hätten Besprechungen zwischen dem High Commis-
sioner und dem Finanzminister stattgefunden. Diese Arbeiten
würden den wuchtigsten wirtschaftlichen Interessen des Lan-
des entsprechen und allen Teilen der Bevölkerung zugute-
kommen. Zu den vorgesehenen Arbeiten würden die Anlage
von Wasserleitungen und Kanalisationen in
Jerusalem und Haifa, die Durchführung einer h y d r o-
graphischen Untersuchung, Verbesserung der Was-
serversorgung in den Dörfern, die Errichtung von Schul-
ebäuden, der Bau eines Docks im Hafen von Haifa und
ie höchst notwendige Ausgestaltung des Hafens von
Jaffa gehören.
״ Jüdische Antisemiten “
Das Zeitalter der Emanzipation hat im jüdischen Le-
ben eine seltsame Erscheinung erwachsen lassen. Die
Sorge um die Behauptung der erworbenen Position in
der nichtjüdischen Welt führte dazu, daß Juden eine
freie Diskussion über jüdische Angelegenheiten und über
den Zustand der jüdischen Gemeinschaft lieber vermie-
den. Jüdische Dinge sollten nur innerhalb der vier
Mauern besprochen werden, außen war man nur
״Mensch“; es war auch besser, an Mißstände nicht zu
rühren. Die Rücksicht auf die Umwelt versetzte die füh-
renden Juden dieser Periode in eine innere Knechtschaft,
die sich oft seltsam mit großer Weltoffenheit und mo-
derner geistiger Kultiviertheit paarte. Rührte man an die
Judenfrage, da bemächtigte sich dieser Menschen eine
starke Nervosität, die sogar in unbeherrschten Haß um-
schlagen konnte. In unserer Zeit des Deutschland von
1933 darf man bei Erörterung der Judenfrage nicht mehr
so wehleidig sein; aber die Nachwirkung eines ein volles
Jahrhundert herrschenden Geisteszustandes ist auch
heute noch bei vielen deutschen Juden zu beobachten.
Die Aktualität, die heute die Judenfrage erlangt hat,
veranlaßt wohl Adolf Damaschke, den Führer der
deutschen Bodenreform, eine historische Reminiszenz aus-
zugraben, die für uns Juden sehr interessant ist. Da-
maschke erzählt in dem am 12. Juli erschienenen Heft
seines ״(alirbuch der Bodenreform“ (Verlag Gustav
Fischer, Jena) die Geschichte der ״ersten national-sozia-
len Bewegung Deutschlands“, die mit dem Namen Fried-
rieh Naumann verbunden ist. Dabei erwähnt er die Be-
Ziehung, die er damals zu einem merkwürdigen Mann
hatte: Charles L. Hallgarten in Frankfurt a. M.:
״Sein Haus, den breiten Massen nicht einmal dem Na-
men nach bekannt, galt jedem Wissenden als eins der
einflußreichsten in vielen Lagern. ... Er war bewußt
Jude. Alle Fragen, die das Judentum berührten, waren
deshalb seiner besonderen Anteilnahme sicher.“ Dieser
Mann habe durch Unterstützung anderer Kandidaten
(Gerlach) dazu beigetragen, daß der antisemitische Ab-
geordnete des Kreises Marburg nicht wiedergewählt
wurde. Die Beziehung zwischen Damaschke und Hall-
garten fand jedoch bald ein Ende. Darüber erzählt Da-
maschke folgendes:
Eines Tages, nach einem besonders liebenswürdigen
Gespräch, nahm Hallgarten meine ,,Deutsche Volksstimme“,
die wie zufällig auf seinem Tisch lag und sagte:
״Hier finde ich einen Aufsatz, den ich nicht verstehe!“
Ich sah erstaunt auf.
״Sie bringen da etwas über Zionisten!“'
״Sie meinen den Bericht über die Tagung der Zioni-
sten? Sie wollen die von ihnen erstrebte ״Nationale Heim-
statte in Palästina“ nach bodenrefornierischen Grundsätzen
aufbauen, weil diese einmal dem alten mosaischen Gesetze
entsprächen (3. Mose, 25) und zum .andern, weil die Er-
fahrungen der alten Kulturländer die Wahrheit der Boden-
reforin so deutlich zeigten, daß sie keine Neigung hätten,
ihr neues Staatsgebiet gleichen Gefahren auszusetzen. Das
scheint mir bedeutsam genug, um es mitzuteilen.“
״Ueber Zionisten soll man nicht schreiben. Das sind
schädliche Menschen: jüdische Antisemiten.“
. ״Wenn die deutschen Antisemiten oder die Konser-
vativen oder die Sozialdemokraten oder wer immer baden-
reformerische Entschließungen aimehmen, so müßte ich im
Organ des politisch und religiös neutralen Bodenrefonnbun-
des davon Kenntnis geben!“
״Bei den deutschen Parteien mögen Sie es halten, wie
Sie wollen; aber Zionisten — das ist etwas ganz anderes!“
In Hallgartens sonst so weich klingender Stimme war
ein Ton von Gereiztheit:
״Die Ostjuden sollen nach Amerika gehen. Dort ist
Raum genug und Freiheit, sich zu entwickelt!. Amerika
ist das Palästina der nächsten Jahrhunderte.“
״Ich habe weder Beruf noch Neigung, ein Urteil über
die Strömungen innerhalb der Jurienheit abzugeben; aber
wenn irgendwo etwas bodenreformerisch sich gestalten will,
muß ich als jemand, den das Vertrauen der deutschen
Bodenreformen an ihre Spitze berufen hat, darüber berich-
ten.“
Hallgarten stand auf. Einige Sekunden sahen wir uns
schweigend an. Dann sagte er:
״Nun ich weiß, das Wort Zionismus lese ich nicht
mehr in Ihrem Blatt“
— und freundlich wie stets lud er mich ein, irgend etwas
zu besichtigen.
Jüdisch« Antisemiten? Unter Antisemiten versteht
man doch wohl Leute, die Feinde des Judentums sind
und darauf ausgehen, das Judentum zu schädigen oder
zu vernichten. Hier aber war eine Gruppe von Men-
sehen, denen die Lage des Judentums unerträglich
schien, weil sie in einer Atmosphäre der Ablehnung und
Geringschätzung seitens der Umwelt, der dauernden Be-
drohung und Kränkung nicht leben wollten. Hier war
eine Gruppe, der der romantische Traum vorschweble,
das jüdische Volk wieder in Glanz und Freiheit erhoben
zu sehen; die meinte, daß für ein solches Ziel jedes Opfer
gebracht werden muß und die die Gesamtheit der Juden
für diese Idee gewinnen wollte. Die Zionisten waren nicht