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KtMtzrer-Md PäMgiert^M
Mt -dem Ende des frohen Festes, das Wir
! den letzten Tagen gefeiert haben,/send wir in
FraMürterMraeKtiHes •• ^nitten&lSit:: j; : -;
Winter eingetreten. WährendFrühling /und. voll
schmerzend sein Äuge vorderen Herrlichkeit sich schloß,
es gewahrte voll Staunen das Meer, daß donnernd
sein' Gestade umtoste, jetzt voll-Freundlichkeit "den
Rücken ihm/ Lot, jetzt in heißem Grimme Ver¬
nichtung und Untergang brachte, und es sah auch
Mge Winter kältend auchaufdes
»Äiüt And
Frühling und Sommer vergehen so rasch ; unH
'Mn der Winter wieder an unsere Thüre pocht,
iin das Feuer wieder prasselt in / den Häuser«
Gesegneten und die Rosen der Armut Me
nster der Elenden zieren, da erschrecken wir oft
schütteln den Kops und murmeln: „Ach, der
ater ist schon wieder da. wie rasch vergeht doch
Zeit." -
Ja wohl,' unaufhaltsam entschwindet die Zeit-
»g läßt sie vergehen ans Tag, sie wechselt Mond
u Monden uiä selbst das Jahr ermüdet nicht
s:en Schritt. Und ihr Schritt ist schnell. Mit,
berischer Hast eilt sie dahin, von Tag zu Mond, ,
Jahre vom Mond, und nur die Bahn, die
/Hinter sich gelassen, ist dem Auge des Sterb-
hen sichtbar, keinen Zoll weit vermag er vor
zu sehen: Das Ziel der Zeit, das sie so hastig
M, bleibt ein ewiges Rätsel. Wo wird sie
blich halten, nachdem sie die Bahn durchmessen,
keuchend endlich ruhen und absetzen ihre
»ssagiere, die Menschen?
Denn einem Zuge gleichet die.Zeit. Seht
den Zug dort sausend dahinfahren über die
üen Schienen? Wie er pustet und dampft,
er rennt und jagt, willenlos, verstandlos.
gefügiges Werkzeug jn der Hand des Führers!
der Zug ist dichtgedrängt voll Menschen,
aner, Frauen. Knaben. Mädchen, alle sind
' beisammen, alle haben sich in die Hand des
hrers begeben. Sie sehen das Ziel nicht, wohin
^fahren, und der Fleck, den ihr schwaches Auge
aßt, im selben Nu ist er für immer. ent-
omcken. Sie fahren vorbei an schönen, reich-
retm Fluren, wo das goldene Kornfeld wogt,
die grüne Rebe winkt und die Eiche Schatten
det. Sie fahren vorbei an öden, trostlosen
, den, wo der Sonne heißer Strahl sengend
ksherniederfährt, wo kein Quell die Lippe labt
Lin Strauch je Schutz gewährt. Und siehe,
M deckt sie gar plötzlich die dichteste Nacht, in
s kein Funke des wonnigen Lichts ihr erschrecktes
ze mehr trifft, und banges Schweigen legt sich
sie und zage Furcht und bleicher Schrecken;
rasch weiter stürmt der rasende Zug und
giebt neues Licht Mut und Stärke ihnen
der. Und immer weiter geht es, immer weiter
Ddem großen Ziele, das doch keiner voraus-
bt. Das kann nur der Führer. Der steht
gig da. von Dampf' umwallt und Feuer, ge-
sen ruht seine Hand am Steuer, diese Hand,
der das Wohl und Wehe so vieler abhängt,
j liebt feine Passagiere und sorgt für ihr Heil,
er kennt auch das Ziel jedes einzelnen unter
'Von Station zu Station läßt er ihrer
ige aussteigen, aber immer weiter läßt er
fen den Zug, der leerer wird und leerer von
htion zu Station: Wird der Zug ganz leer
M noch vor dem Ziel, oder werden auch einige
Mmen zu dem letzten großen Ort, da der Zug
steht, ganz stille und nicht mehr weiter
weil das Ende erreicht ist? — Wer vermag
zu Wissen?-
! Wer es ist auch schließlich gleichgültig, ob
' es wissen, oder nicht, ob wir es erreichen oder
ht; ist doch des Menschen Aufgabe ja nur, zu
Stunde der Gegenwart mit dem ihm ver-
enen Geist das Wtige zu erkennen und mit
: ihm verliehenen Kräften es zu üben'. Aber
hl dem, der den, Führer, erkennt und ihm ver¬
tritt kindlich glaubendem Sinn. Dieser
hier, o wie oft ist er gar verkannt, o wie oft gar
ileugnet worden! Es trat ein Volk auf mit Hellem
ge und kühnem Sinn, das hielt Umschau im
Life der Natur, und es sah den Himmel.-er in
plichem Blau hoch übex ihn sich wölbte, es sah
Sonne, die so gewaltig ihn strahlte, daß
Schaudern den Tod allmächtig in seinen
_ walten, blühendes Leben knicken, ? Er-
g und.Verwesung bringen — und ach,
rer/ war ja nicht zu sehen. Dampf und
' wallte ihn stets —: Da ward irre sein
ist^ind in knechtischer Furcht warf es sich nieder
W Himmel. Sonne, Meer und Tod — und der
Führer lächelte milde und lenkte weiter seinen Zug.
Und es verging lange, lange Zeit. Die
Leute wurden älter und klüger Sie erkannten
bald,, daß der Himmel nur Lust, Sonne und
Meer nur leblose Masse und der Tod nur das
Aufhören des Lebens sei, und sie wandten sich ab
von dem, was sie bisher verehrt, und der Vater
Zeus stürzte von seinem hohen Sockel herab, so furcht-
rar. daß er's Genick brach und sein Adler erschreckt
wvonslog, und sein Bruder, der Neptun ersäufte sich
elbst im Ozean und ward nicht mehr gesehen —
aher den Führer selbst in all seiner Größe und
Erhabenheit erkannten sie deshalb doch nicht.
Wohl ward ihre Erkenntnis mächtig' gefördert
durch einen Mann, der eine neue Lehre ihnen
offenbarte, die gar vieles Treffliche enthielt, aber
dieser Mann trübte selbst seine Lehre und von
der Wahrheit ward ihnen nur ein Teil.
Und wieder vergingen Jahrhunderte, da
traten Leute aüf, die schier viel klüger waren als
alle zuvor, und 'ihr Verstand war so scharf und
ihr Herz war so kalt, so eisig kalt, und eine Lupe
hatten sie vor ihren Augen, mit der sie alles
ganz genau sehen konnten, viel genauer als mit
bloßem Auge, und sie hätten sich fest vorgenommen,
nur an das zu glauben, was sie mit ihrer Lupe
sehen und an sonst nichts —' und.freilich, mit
der Lupe konnten sie den Führer noch viel weniger
sehen, als mit bloßem Auge, denn mit einer Lupe
sieht man ja 'nur kleine Sachen gut — und iveil
ihr Stolz. es nicht zuließ, anzunehmen, daß es
etwas gebe, was sie nicht sehen, glaubten sie lieber,
daß ein Zug führerlos ohne Schaden fahren könne,
was doch ein Unsinn ist — —' und der Führer
lächelte wieder und lenkte weiter seinen Zug. —•■
Heil uns. dem Volke/ dem Gott in seiner
Lehre die Offenbarung gegeben, ' deren rechtes
Verständnis ja doch nur wir haben. Denn siehe!
Das Buch der Lehre/liegt heute im Urtext den Ge¬
bildeten aller Völker offen da. Was aber machen
manche damit? Mt der kritischen Sonde gehen
sie daran und zu historischen Studien mißbrauchen
sie es. Wir aber lassen wie alljährlich so heute
den schlichten Sinn ihrer hehren Worte zu uns
reden, wir hören, daß am Anfänge Gott allein
es war. der Himmel, Erde und was sie füllt
erschaffen, daß er sie uranfänglich, aus Nichts,
als fteier Herr geschaffen, daß also gut sein muß
die Erde, gut auch in seinem Ursprung der-Mensch
auf ihr — und freuen uns dessen. —
- (Nachdruck verboten).
Alte Neuigkeiten und neue
Altertümer.
Was gäben wir doch darum, wenn uns —
modern gesprochen — ein Zeitungsblatt auf den
Redaktionstisch geflogen käme, aus den ersten
Jahrhunderten, Jahrtausenden der. Menschheit,
die der Wiederbeginn der Thora uns nach den
Festen alljährlich wieder vor die Seele führt
Da sehen wir die eine, einzige Noafämilie in einer
Welt' voll Entartung und Verderbnis auf wunder¬
bare Weise aus dem allgemeinen Untergang
gerettet, wir sehen das Geschleckt der himmel¬
stürmenden Turmbauer in Zersplitterung aus¬
einändergehen/wir sehen einen Abraham und Lot
aus der Zerstörung blühender Städte in Lossagung
von ihrer -Umgebung, ihre eigenen Wege -gehen;
aber es muß doch auch damals gescheite, über
das gewöhnliche Niveau hervorragende; Männer
gegeben haben'; wie haben diese sich zu.den sin das
Leben so tief einschneidenden Katastrophen gestellt,
wie hat man' darüber gedacht,-hat man v
Notiz genommen, und in wie; weit, diese ’
Reihe anderer kulturhrsiorssW Fragen;«
)em denkenden Leser durch ■ das: Studium, h
Kapitel der Thora angeregt, ohne jede H
aus eine auch nur einigermaßen befrie
Antwort. -:''
Die Oberflächlichkeit findet sich lsi
Lesen Problemen ab. - Die Unmöglichkeit „ihrH
Lösung hat gewiß dazu beigetragen. die Kinder-,
ener Zeit als eine stupide;/ inferiore: MaM aM
zusehen, deren genauere Kenntniß nicht das hohe/
Interesse für sie rechtfertige. Und doch ist diese-
Annahme unhaltbar; nicht nur weil zuverlässige
Mische Ueberlieferungen dagegen sprechen, sondern-
auch weil der unbefangene historische Blick sie als
unhaltbar zeigt. Daß ein Noa, daß ein Abraham ;
mitten in der Entartung ihrer Zeit sich aus' ihr
erheben, zeugt dafür, daß er noch einen Boden,.
)aß es Kreise und Bevölkerungsschichten gegeben -
haben müsse, welche die allgemeine Entartung-'
nicht teilten. . , . ^ .-.
Aber selbst diese Helden jener grauen. Ver^
gangenheit müssen in einem ganz anderen Lichte
erscheinen, je nach der Kulturstufe, 'die ihre Zeit
.eingenommen hat. War es wirklich eine indolente,
rückständige Masse, aus der sich die Heroen erhoben,
so bedurfte, es keiner besonderen Höhe, um ihre.
Umgebung geistig und sittlich zu überragen. Stand'/
aber jene Zeit wirklich selbst auf einer hohen. :
Kulturstufe mit ihrer Entartung und Verirrung. -
so leuchtet das Beispiel der Helden um so glänzender
durch -alle Zeiten und Völker und erklärt die
ehrerbietige Scheu, mit welcher die Menschheit
seit Jahrtausenden zu diesen ihren .Leitsternen
emporblickt. -.
Da mutet es uns denn wie ein Märchen.'
aus Tausend und einer Nacht an, die Rachricht,
die aus fernem transatlantischem Westen zu uns
gelangt daß - der Osten aus seinem historischen
Todesschlaf erwacht sei und zu sprechen begonnen-
habe./Nicht ein ephemeres Zeitungsblatt, sondern
20,000 aus der Zeit vor Abraham herrührende
Tafeln sind - aufgefunden worden, die uns über
jene Epoche reiches, ungeahntes Licht versprechen.
Wir lassen über diesen merkwürdigen Fund
hier den Original-Bericht der New-Pörker Times
vom 4. Oktober d. I. folgen: .
Unterirdische Ausgrabungen bei Nippur.
von Professor Hilprecht. .
Enthüllte Teile der alten Geschichte „Königs-Täfelchen",
Die Geschichte Babylons bis zu Abrahams Zeit/
Vergraben in Debris. -
Philadelphia, 4. Okt; Die wunderbare Ge- ;
schichte der dunklen Jahrhunderte zwischen der
Schöpfung und dem Leben Abrahams ist jetzt
entschleiert worden durch die zahlreichen Funde
in den Ruinen Nippurs oder Babylons. Diese
Funde wurden durch von der' Universität Penn¬
sylvania ausgesändte Gelehrte gemacht. Professor
H. W. Hilprecht, welcher an diesem Werke Teil
nahm, ist eben von Constantinopel zur Universität
zurückgekehrt, wo er achtzehn Monate mit der
Classisizirung des Werkes beschäftigt war. ' '
Die Sammlung, die Prof. Hilprecht sichtete,/
umfaßt gegen 20 000 Thon-Täfelchen von der
kaiserl. Bibliothek zu Nippur. Diese Bibliothek
ist von Prof. Hilprecht schon seit zwölf Jahren
entdeckt. Durch seine Bemühungen hat er bis
jetzt einundachtzig derselben entziffert. Diemeisten
der Täfelchen würden jetzt in's Ottoman. kaiserb
Museum nach Constantinopel gebracht. Eine
verhältnismäßig große Anzahl ist der Universität
Pennsylvania überwiesen worden. . - - ',
„Der Inhalt der von uns endeckten Tafeln",
sagte Prof. Hilprecht. „wird die Ansichten über -
den Kultur- und Wissensstand' dieses Volles"
gänzlich verändern. Man wird sehen, daß die'
Babylonier 2300 Jahre vor der christlichen Aera"
schon wußten, daß die Erde rund sei. ihre Astro¬
nomen sahen die himmlischen Erscheinungen an
wie wir jetzt. Tatsächlich ist Nippur aus sechzehn
Städte entstanden, eine auf der andern gebaut.-;
Der Grundboden dieser begrabenen Städte ist:
noch.nicht gefunden. Viel von der-Tempel-Biblio¬
thek ist hierher nach d/r Universität.Pennsylvania-
- Stadt--u. Univ.-Bibl.
Frankfurtam Main