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Besondere! Beachtung verdient auch! die Energie,
mit der die akademische Zugend 'Deutsch--
länds die Aktion fördert. Dür BundiZÜdischer
Korporationen Hat auf seinem- in Königs¬
berg i. Pr. jüngst abgehaltenen Kartelltag 10,000
Mark zur Verfügung gestellt, und das Kartell
fion. Verbindungen hat auf seinem'. Kar-
tclltag in Berlin «ne Sammlung begonnen, die
nnndfftens 5000 Mark ergeben dürste.
Auch in deir Bereinigten Staaten von
Nordamerika und'^jn Südafrika, ist von zion.
Seite eine großzügige Samme lt ä t igkeit eingeleitet
Worden. Ter dauernde Bestand.und die un¬
gestörte Entwicklung des hebräischen
Schulwerks in Palästina kann heute
schon als zweifellos gesichert gelten.
Es Mag in diesem Zusammenhang noch ein¬
mal darauf hingewiesen werden, hast es sich in
keiner Weise um.einen Kampf gegen die
deutsche Sprache handelt, sondern .nur um
die notwendige Berücksichtigung des Hebräischen
als der tatsächlichen Umgangssprache
der jüngeren jüdischen Generation in
Palästina.
Daß die Berechtigung dieses Strebens auch
von nichtzionistischer Seite unerkannt wird, "be¬
weist die Tatsache, daß die jüdische Kultus¬
gemeinde. in Wien, von 8er einst die jetzt
von dem Hilfsverein der deutschen Juden verwal¬
tete Lämqlschule in Jerusalem gegründet
worden ist, und- die diese Schule bisher subven¬
tioniert hat, ihre Subvention für so lange
eingestellt «Hat, als die durch die Beschlüsse
des Hilfsvereins hervvrgerufene Lage nicht
geklärt ist.
Eine Arutzeruug des deutsche« Generalkonsuls
tu Jerusalem.
Generalkonsul v. Schmidt äußerte sich,.gegen
Frl. Pinczower, die Vorsteherin der neuen hebt.
Mittelschule, wie.folgt:
,/Jch Wäre unter keinen Umständen mit Poli¬
zei in .die Schule ^kommen, wenn ich die tat¬
sächlichen Verhältnisse. gekannt und geahnt hatte,
mst welcher Ruhe und, wie ich nrich überzeugen
konnte, ohne jede Aufreizung der Schüler, die
suspendierten Lehrer ihre Lehrtätigkeit beenden
würden." °
Depesche.
Krnstantinopel, 6. Jan. Dreizehn der an¬
gesehensten Mohammedanischen Nota¬
ble ln Haifas veröffentlichen in den hiesigen
Tageszeitungen die Erllärung, daß sie in
dem jüd. Technikum ein großartige s Vor¬
bild für die kulturelle und wirtschaftliche Ent-
willlung der Bilajets Syrien und Beirut erblicken.
Die ganze .einheimische Bevölkerung sei vollständig
damit Einverstanden, daß im DeMrikuM als all¬
gemeine Unterrichtssprache das Hebrä¬
ische eingesührt werde, außerdem Türkisch und
Arabffch Äs obligatorische Facher und Fremd¬
sprachen fakultativ.
Gleichzeitig veröffentlicht der bekannte . Politi¬
ker Agajef Achmed in 8er hiesigen Tageszei¬
tung „TerdschuMan hakikat" einen Artikel, der sich
stm -die Berechtigung der hebräischen
Unterrichtssprache in den. Schulen Palästi¬
nas vom Standpunkt des türkischen Ge¬
setzte s ausspricht.
Der HUfsvereiu.
Der geschästsführeude Ausschuß des Hllfsver¬
eins hielt am 4. Januar in Berlin eine Sitzung
ab. Nach einer großen Rede*) wurde Dr. Nathan
aus Antrag des Vorsitzenden JaMes Simon
einstimmig der Dank votiert und seine in Pa-
lchtina getroffenen Maßregeln gebilligt.
Die Debatte wurde auf eine deMuächstigc
Sitzung vertagt. Auf Antrag Dr. Nathans wurde
zu seiner Entlastung, deren er wegen seiner schwan¬
kenden Gesundheit bedürfe, einUnterausschuß—
Ernst SiMon, Meiscl, .Pwf. Schaeser und
Generalsekretär Dr. Cahn — eingesetzt.
Aus Leu Ereigniffeu des Tages.
Der Sieg im Spracheukamps in Palästina.
Das große historische -Drama des Sprachen-
kumpses in Palästina hat bereits beinahe
sein Ende erreicht. -Mit der unvergleichlichen, die
*) Wir bringen Lie Rede-jm Auszug in der nächsten
Rnmmcr. Die Redakt.
Manksurter Israelitisches tzamilirMatt.
höchste Bewunderung erregenden Energie, mit der
die palästinensische Judenheit den Kampf ausge¬
nommen hat, har sie ,in rascher Zeit einen
glänzenden Sieg errungen. Kaum einige Wochen
sind seit dem Beschlüsse des Kuratoriums des
Haifaer Technikums vorbei, und schon sind überall
an Stelle dür Hilfsvereinsschulen neue Schulen ge¬
gründet; schon hüben alle-Lehrer und Lehererin-
nen des Hllfsvereins Mit Ausnahme einiger weniger
ihm Valet gesagt, schon, ist der größte Teil des
notwendigen Geldes gesammelt worden; schon er¬
hebt sich auf den. Trümmern der Hilfspereins¬
schulen das neue glänzende Gebäude des hebräisch-
nationalen Schulwerks in Palästina. -Nichts hat
genutzt. Weder die persönliche Anwesenheit Paul
Nathans noch die Machinationen Ephraim Cvhns,
weder die unfaire Hetze gegen t«n > Zionismus noch
die brutale Biachtpolitik, die sich auf Soldaten
und Kvnsulc - stützte; trotz aller vom Hllfsverein
aufgewandten Mühen und Mittelchen, die alle Skalen
der Beeinflussung durchlief, von den Zuckerplätz¬
chen, die man den Mädchen des Waisenhauses
gab, um sie zum Besuch deir Mädchenschule zu be¬
wegen, bis p dein Bajonetten der Soldaten, mit
denen man die.Lehrer aus den Schulen vertrieb,
trotz allem ist die Judenheit Palästinas konsn-
quent geblieben und hat gesiegt. Schon .hat Man
das Recht, das Schulwerk des Hilfsvereins in
Palästina, als zertrümmert auzusühen; daran
ändern alle noch! so klug formulierten Telegramme
nichts. Mit denen man dür Welt einreden will,
daß alles wieder in Ordnung sei, daran ändert
auch die Taffache nichts, Latz dÜM Hllfsverein
einige Lehrer und ein .Tell her Schüler verblieben
sind; wer weiß, daß es lediglich einige in Jerusalem ge¬
borene Lehrer sind, die aus „Liebe zum Deutschen"
dem Hllfsverein treu geblieben sind, wer weiß,
daß es die Minderwertigste Kategorie der Eltern
ist> jene, die für einige lumpige Pfennige bereit
ist, ihre Ueblörzeugung preiszugeben,. die jetzt Me
Kinder zwingt, die Hilfsvereinsschulen zu besuchen,
der wird ermessen können, was an diesen Versiche¬
rungen, daß alles wieder in Ordnung sei, wahr
ist. Alle Vertuschelung wird jetzt nichts mehr nutzen..
Für alle Welt — di« jüdische wie die nichtjüdische
— steht es fest, daß das ganze Schul werk des
Hilfsbereins in Palästina heute nur
noch! ein.Wrack ist.
Und so gllt es jetzt, wo der eigentliche Häupt-
kampf bereits vorüber ist, noch einmal "klar zu
zeigen, was dieser Kampf bedeutet. Es tut dies
umsoMehr not. Äs Man von verschiedenen Sellen
immer noch! veffucht, das Wesen und? die Be¬
deutung des Kampfes zu entstellen. Der Kampf
geht uM das Hebräische und nur darum.
Das sei gegenüber allen Verleumdungen von rechts
und links deullich gesagt.
Der Kampf geht nicht gegen das Deut¬
sche/ und wenn dM Hllfsverein und seine Freunde
immer wieder diese Behauptung, aufstellen, so ist
dies eine einfache glatte Unwahrheit. Niemand in
Palästina ist gegen die deuffche Sprache, und die
Taffache, daß Äle Lehrerinnen,, die aus Deutsch¬
land staMmen, sowie alle Lehrer aus Galizien
deM.Hilfsverein den Rücken gewandt haben und es
charakteristischerweisc nur einige JerusaleMer sind,
die ihm treu geblieben sind, beweist doch aufs
schlagendste, wie wenig sich der KaMpf gegen das
Deuffche richtet. JM Gegenteil. Unter den Lehrern,
die den Hllfsverein verlassen haben, befinden sich
viele, die das Deuffche deM Französischen in Palästina
vorziehen, und 'in dön neu gegründeten Schulen
nimmt denn auch das Deuffche den Rang der wich¬
tigsten Fremdsprache, ein und wird demgemäß
auch den ihm gebührenden Platz in der Vertei¬
lung der Unterrichtsstunden bekommen. Und des¬
wegen läuft es nur auf eine Irreführung der
öffenüichen Meinung hinaus, wenn man in die
ganze Angelegenheit, die sich lediglich um ..jüd.
Dinge und Fragen dreht, deuffche Interessen hin¬
einziehen will. Die deuffche Regierung ist völlig
zufrieden, wenn im Technikum das' Deuffche als
wichtigste Fremdsprache unterrichtet würde, und das
in denr „Hamburger Israelitischen -Familienblatte"
veröffentlicht« Jnterwiew mit dem Dezernenten für
Orientpolllik iM Auswärtigen Amt .hat. diese Iln-
sicht durchaus bestätigt. Es ist daher lediglich ein
Mmwver, wenn Man die- deuffche Regierung mll
in diesen Kampf ziehen will, wodurch man nur M
Ansehen schädigt; wie letzten Endes das ganze Mif-
Ut. 1
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treten Paul Nathans lit. Palästina nur geeignet I
ist, die Sympathien für 8aS Peitsche, die in der
-palästinensischen Judcüchell: voiHanden sind, gründ¬
lich zu vernichten, und angesehene Organe der!
deutschen Presse geben dies offen zu (vergleiche die
Aeußerung her „Bayer. Staatsztg."). !
Es ist.^ a-ber eine ebenso arge —
wenn nich ffA« ch - rgere : Verdreh ung
- der Ta man hie« Sprachen-!
kämpf als,iMröMktion gegen .die Reli¬
gion zu- v'eMI°uMden sucht. Es ist. dies
vielleicht diü'Äaürigste Erscheinung in diesem
Kampf, daß ein/ gewisser Tell der Orthodoxie
sich nicht gescheut, .hat, aus Haß gegen die Zio¬
nisten sich auf die Seite des Hllfsvereins zu
stellen. Wenn solches in Jerusalem von einer
Klique der Chalukäl) aus geschehen konnte —
die zudem auch von dem größeren, maßgebenden
Telle düs ChalukahjudentuMs sofort desavouiert
worden ist —, könnte Man sich dies noch erklären,
aber daß.solches in Deutschland Möglich , war, stellt
den Gipfel dür Merrannthell und 'Verbohrtheit
dar. Ja, noch Mehr: Ist es nicht Än trauriges
Zeichen dür .religiösen, Gesinnung, wenn.ortho¬
doxe Männer die zur Schau.getragene Fröm¬
migkeit der Hilfsvereinsschulen loben und
preisen? Ist es nicht unerhört, daß jttiait
James Simon, Paul Nathan und Ephraim
Eo hn für zuverlässigere. Stützen der Religion
hält als David Pellen, A. S. RaÜbinowitz,
Lipschitz, Dr. Marschak und noch Manche
andere Männer unter den ausgeschiedenen Leh¬
rern des Hllfsvereins, deren religiöse Gesinnung
über alle Zweifel erhaben steht? Heißt das nicht,
die Würde und das Ansehen der Religion gefähr¬
den, wenn Man ln dieser Weise von orthodoxer
Seite die nationale Sache, die Sache unserer Sprache,
im Stich läßt und ins Läger der Gegner über¬
geht? Heißt das nicht, das Unschön und den Ritz
der Orthodoxie auf das schwerste diskreditieren,
wenn Man der staunenden Welt das Schauspiel bie¬
tet, wie di« , extremste Orthodoxie i" diesem histo¬
rischen Kampf um .unsere nationale Sprache an
der Seit« der extremen Assimilation marschiert?
Wahrlich, der Haß gegen den Zionismus muß
diese Leute gar sehr geblendet häben, wenn er
sie p Standpunkten verführt, die die Interessen
der Orthodoxie in unheilvollster Weise schädigen.
Erfreulicherweise aber ist es nur ein lleincr
Teil der Orthodoxie, der dieses traurige Schau¬
spiel bietet. Der weitaus größte Teil her Ortho¬
doxie wie di« große Majorität des Judentums
überhaupt hat sich in konsequenter Weise auf die
Seite dös palästinensischen Judentums gestellt.
Und dies ist das Bkdüuffamste, historisch Wert¬
vollste am Kampfe: Di« Judenheit Palä sti-
nas war es gewesen, die den Kampf eröff¬
net hat, und wix Juden der Diaspora folgen nun
ihrer Führung. Zum ersten Male seit Jahrhun¬
derten hat die Judenhell Palästinas ihre Ge¬
schicke selbst in Äü Hand: genommen, ,pt ersten
Male hat sie dür Diaspora die Parole gegeben,
und der Galuth hstt Palästina willig rind freudig
als seinen Führer .anerkannt. Kaum war der
Ruf aus Palästina erschollen, als schon ein Funke
der Begeisterung, .der die dortigen Kämpfer be¬
seelt, auf die Diaspora hinüöersprang, und in
zwei Wochen ist' dierSnmme von 100,000 Mark
aufgebracht worden.
Palästina ist erwacht, ist selbst¬
ständig geworden. Dies ist das große histo¬
rische Fazit der aufregenden Ereignisse der letzten
Wochen. Es hat hie Verteidigung unserer nationa-
len Güter selbst übernommen und der glänzende
Sieg hat bewiesen, daß es seine Mter wohl zu
verteidigen versteht. '
Ein Monat etwa ist seit deM Beschluß pes
Kuratoriums verstrichen, und .schon ist der Sieg
errungen. Es gllt nur noch, ihn auszunutzen und
p befestigen. Es gilt, dem palästinensischere Juden¬
tum die finanziellen Mittel zu geben, um sein
Werk p vollbringen. Ein glänzender Anfang ist
bereits gemacht. Wir Hoffen, daß die Fortsetzung
ihm würdig entsprechen wird; .daß jetzt, wenn der
Ruf nach Spenden für das Schillwerk in Palästina
an alle jüdische Kreise ergehen- wird, jeder ein¬
zelne es Äs seine heiligste Pflicht änsehen wirb
Mitzuhelfen am Aufbau dieser großen Sache. Es
ist ein erhebendes Bewußtsein, an einem Kmnpfe
tellzunehmen, der von so begeisterten Führern ge-
Stadt- u. Univ.-Bibl.
Frankfurt am Main