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Frankfurt «. SB. Dr. tneb. Gustav Simon erhielt
das Eiserne Kreuz.
Julius Kahn, Prokurist der Diskonto-Gesellschaft,
wurde zmn Leutnant befördert.
Frankfurt a. M. Der verstorbene Ger'chtsasseffor Dr.
Arthur Kausmanu hinterlicf; für Hinterbliebene ge¬
fallener Krieger 200 000 Mk.
Achenhause«. Denr llnteroifi,ier EmilHeilbronner,
Inhaber der bayerische» Verdienstmedaille, wurde das
Eiserne Kreuz überreicht.
Pforzheim. Leutnant Max B anheim, Inhaber des
Mccklenb. Berdicnstkreuzes und des Eisernen Kreuzes, ist
gefallen.
Geufinaen a. Rahe. Jakob Simon erhielt das
Eiserne Kreuz.
Sönigsber«. »tavsveterinär Max Loewenthal-
Tapiau und .Dbcrvetcrinär Max P l c ß n e r - Lübbenau
erhiellen dcö Eiserne Kreuz. -
Schwöb Gmünd. Leutnant cand. rer. pol. Fritz
Mayer, Inhaber des daher. Militärvcrdieustkreuzcs und
des Eisernen Kreuzes, ist —■ 23 Jahre alt — gefallen.
Er war ein'Sohn des hiesigen Schuhfabrikanten David
Mayer.
München. Leutnant Dr.Julius Schloß-München
und Leutnant Artur Bärlein-Fürth erhielten das
Eiserne Kreuz 1. Klasse.
Hanptmann Heinr. Krämer wurde zum Major
befördert.
Willy Stern, flellvertr. Vorsitzender des Jüd.
Turn- und Sport-Vereins Nürnberg, ist — 33 Jahre alt
— gesaÜLir.
Breslau. MzewachtmeisterDr.ArturOllendorff
und Fritz Stoll erhielten das Eiserne Kreuz.
Wie«. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift'" verzechnet
folgende Auszeichnungen an Juden: 5 Militär¬
verdienstkreuze 3. Klasse, 5 silberne Signum laudis, 2.7
bronzene Signum laudis', 5 goldene Verdicnstkreuzc mit der
Krone, 13 goldene Verdienstkreuze, 33 silberne Verdicnst-
kreuze mit der Krone, 4 silberne Berdicnstkreuüe, 1 goldene
Tapferkcitsmedaille, 8 silberne Tapferkeitsniedaillcn'l. Kl.,
14 silberne Tapferkeitsmedaillcn 2. Kl., 42 brozene Tapfer-
keitsmedailleu, zusammen .157 Dekorationen; hievon 51
an.Offiziere des Soldatenstandes, 18 an Militärärzte
und Militärbeamte, 88 an Mannschäftspersonc».
Wien. .Kulturarbeit" im Osten. — vnter
dieser Ueberschrist gibt die „Jüd'. Zig." folgende Stelle
aus dem Briese eines polnischen Legionärs im Okkupation^
gebiete wieder:
„. . . Bei Tag fingen wir Juden auf und die mußten
die Stadt reinfegen und die Kanäle. reinigen, da dieses
unser Rozprza schrecklich verunreinigt ist. Es 'war herrlich
anzusehen, wie am Sabbath die Jüdchen in Feicrtagskaf-
tanen den Kehricht fegten und neben ihnen ein paar
Jungcns mit Karabinern standen und sie bewachten. Mehr
als ein Jüdchen bekamdabei Schläge ins Genick, dafür
aber ist das Städtchen ein bischen reiner geworden."
London. Hinsichtlich des Militärdienstes
der russischen Juden führte Herbert Samuel,
der Minister des Innern, jüngst im Unterhäuse folgendes
aus: - i
„Eine bedeutende Anzahl von Untertanen .verbün¬
deter Regierungen lebt in diesem Laiche und ist im militär¬
pflichtigen Alter. Seit der Annahme des Zwangsdienstes
in diesem Lande war das Gefühl immer allgemeiner und
wuchs an, daß diese Männer entweder im Heere ihres
Geburtslandes oder im Heere des Landes, das sie adop¬
tiert haben, dienen müssen. Es wurden Vereinbarungen
mit den Regierungen von Frankreich und Belgien ge¬
troffen, daß ihre in diesem Laiche wohnenden Bürger, die
der Dienstpflicht unterliegen, nach Frankreich oder Belgien
zurückkehren.
In London, Manchester, Leeds und anderen Städten
befindet sich auch eine große Anzahl von tauglichen junge»
Menschen russischer Staatsangehörigkeit. Eine Vereinbarung
mit der russischen Regierung besteht nicht. Nach meinem
.Vorschlag und dem anderer hat das Kricgsministeriiun zugc-
stimmt, daß diesen jungen Russen erlaubt wird, im briti¬
schen Heere auf Grund freiwilliger Anwerbung zu dienen,
da sie in der Tat z u nt D i e n st nicht gezwungen
werden könncir. Diese Männer tverden daher jetzt
eingeladen,, sich zu melden, und eine Nicht unbedeutende
Zahl hat sich bereits anwerben lassen.
Noch aber bleibt eine bedeutende Anzahl, die keine
Neigung zeigt, in den verbündeten Ländern oder in der
russischen Armee Dienst zu nehmen, und ich schlage vor,
diesen Männern zu bedeuten, daß, tvenn sie nicht Nach¬
weisen köimcn, daß sie aus dem Militärdienst aus diesem
oder jenem Grunde auszuschlicßen sind, sie darauf gefaßt
sein müssen, entweder dem britischen Heere zu dienen oder
nach Rußland zurückzukehrcn, um ihren mili-
rärischen Pflichten dort zu genügen. Ich schlage vor, ein be¬
sonderes Tribunal zu errichten, um die Beschwerden dieser
Leute zu prüfen."
$erfoititIieit rr. Kleine Mitteilungen.
Berlin. Nini Guggenbeim. geb. Mainz, die
ebenbürtige Gattin des im edelsten Siime des orthodoxen
Judentums wirkenden Sally Guggenheim, hat unerwartet
und plötzlich in her Blüte ihrer Jahre ihr reiches und
schönes Leben beendet.
Diese Hiobsbotschaft hat überall dort, wo Inan
Nini Guggenheim kannte, wie das Davongehen eines teuren
Angehörigen gewirkt. Denn die große Güte und stete
Hilfsbereitschaft dieser edlen und vornehmen Frau hatte
sich stets sofort alle Herzen erobert.
Und der Kreis derer, der sie kannte, war von Jahr zu
Jahr gewachsen, war - gewachsen mit dem sich stets ver¬
größernden Felde ihrer Betätigung.
Sie war Vorsitzende der Kommission für
Krankenfürsorge "der Freien Vereinigung
f. d. Interessen d. orthodoxen Indent., besuchte
WanlstMer WottWischüI ya«MeMM.
als solche eifrig die Kraicken und brachte, ohne daß jemand
davon erfuhr, ihnen stets reiche Gaben mit.
Sie leitete ferner die S ain mlang der Frauen-
gruppe für die Nolleidcuden in Holen.und
sandte neben Geldern hunderte Zentner Kleider nach Polen.
Sie wirkte ebenso eifrig in der Ehcwra- Kad i sch!a
und im Komitee für Volksküchen in Palästina.
Als der Krieg gnsbrach> bildete sie sich als Kranken¬
pflegerin aus, machte als solche ihre Prüfung und arbeitete
dann täglich im Israel. Krankenheim der Adaß-
Jisroel. Für ihr aufopferndes Wirken wurde ihr die
Rote Kreuz-Medaille verliehen.
Nini Guggenheim. war ein seltener Mensch: wirken
Segen schaffen, Licht und Freude bereiten, war der Inhalt
ihres Lebens. Sie hat gezeigt,, wie mau sich den höchsten
Titel einer jüdischen Frau, den Titel „Esches Chajil",
erwirbt.
Lauenförde. Unter außergewöhnlicher Beteiligung von
nah und fern wurden am vergangenen Freitag die sterb¬
lichen Ueberrestc des im Alter von 61 Jahren verstor¬
benen -Kommerzienrats Hermann Löwe n he r z zur
letzten Ruhe gebettet. Am Grabe hielt Lehrer Bux-
bäum, Beverungen eine ergreifende Gedächtnisrede, in
der er ein Bild des Lebens und Wirkens des Entschlafenen
entwarf und seine edlen Charaktereigenschaften hcrvorhob.
Breslau. Aus der städt. Schulverwaltung wird dem
„Jüd. Volksbl." mitgeteilt, daß z. Z. 10 jüdische Lehrer¬
innen vertretungsweise mit Unterricht beschäftigt tverden,
außer der s. Z. fest angestcllten Lehrerin Frl. Vvlly
Muschel. Von diesen 10 Lehrerinnen unterrichten 7 an
höheren und Mittelschulen (darunter 1 (Frl. Heilborn) an
der Vorschule des Realgymnasiums am Zwinger), 3 Lehrer¬
innen unterrichten an ev. Volksschulen: Frl. Vally Büchler,
Frl. Klüger (Tochter des Rabbiners), Frl. Zell (jetzt
kriegsgetrant Frau Davidsohn) und zw. vertrctungstvcisc
für die 3 jüdischen Lehrer Adler, Freundlich und Lasowski,
tvelche zum Heere eingczogcn sind. Eine weitere Beschäf-
tigiing jüdischer Lchrcrknncn hat sich, für die städt. Schul¬
deputation nicht pls nottveildig ertviesen, da der Minisirrial-
Erlaß v. 6. Mai 1915 die Beschäftigung jüdischer Lehrer¬
innen an den konfessionellen Volksschulen der Stadt zur
Vertretung während der Dauer des .Krieges nur d a n n
zuläßt, wenn keine anderen geeigneten Lehr¬
kräfte vorhanden sind; dieser Fall ist indes bisher
nicht eingetrcten.
Breslau. Simon Schehe. Teilhaber von Schehr
& Eharig, Repräsentant der jüdischen Gemeinde usw.,
und Carl Leipziger, gleichfalls in verschiedenen
Ehrciminter der jüdischen Gemeinde tätig, feierten den
70. G e b u r t s t a g. 1
Posen. Die hiesige Firma Adolph Asch Söhne
feierte ihr 100j (ihriges Bestehe>r, Kantor Gee-
son Czcchanowicz -Schncidemühl seinen 80. Ge¬
burtstag.
Wien. Das kaiserl. königl. österr.Handelsmuseen
hat eine Balkan- und Oricntabtcilung be¬
gründet. Bloch's Wochenschrift weist sehr richtig darauf hin,
daß Herade Juden es sind, die im Balkan. und Orient
Pionierarbeit geleistet haben und leisten, daß man sie
aber in ihren Bemühungen, österreichischen Einfluß in
diesen Ländern zu stärken, gerade von den maßgebenden
Seiten Oesterreichs stets zurücktvics.
Amsterdam. Die portugiesische Gemeinde verlor durch
den Tod des Herrn I. H. Piincntel eines ihrer
besten Mitglieder. Er gehörte dem Kuratoriuiu des portug.
isr. Seminars sowie der Leitung zahlreicher jüdischer
Vereine an.
London. Der Königl. Rat hat der „School o f
Oriental St »dies, London Jnstitutio u" die
Eintragungscrlaubnis verliehen. Als Zweck der Schule,
die eine Anstalt der Universität sein soll, ist in der Grün¬
dungsurkunde genannt der „Unterricht in den Sprachen
östlicher und afrikanischer Völker, alten und neuen, und
in der Literatur, Geschichte, Religion und Sitten dieser
Völker, besonders mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der
Personen, die sich' in den Orient oder nach .Afrika zu
Studium, 'Forschung, Handel oder Gewerbebetrieb bege¬
ben wollen". -
New-Aork. Oskar S. Straus spendete dem
Clara de Hirsch-Heim für weibliche Ein¬
wanderer zur Errichtung eines zweiten Gebäudes
150 000 Dollar.
Die Hebrcw Sheltcring and Immigrant
Aid Society vf America verschaffte im vergan¬
genen Jahre 2715 Einwanderern einen Erwerb.
Frankfurter Berichte.
Dentsch-JsraelitischeS Kinderheim, Diez.
Der Verein „Dcutsch-Jsr. Kinderheim, Diez", dessen
Sitz in Frankfurt ist (Vorsitzender: Julius Goldschmidt i.
Fa. I. & S. Goldschmidt), veröffentlicht seinen Bericht
über die Jahre 1914 und 1915.
Infolge des.Krieges hat das Haus des Heims für
Lazarettzwecke — 70 Betten — zur Verfügung gestellt
und für die 40 Kinder eine Villa, gemietet werden müssen
Von ehemaligen Zöglingen sind gefallen: Nathan Behr
aus Bremen, Erwin Strauß aus Alzey und Lehrer Max
Lcvy mis Magdeburg.
Nach dem Rechnungsabschluß wurden u. a. verausgabt
1914: Haushaltung 11320 Mk., Bekleidung 3048 Mk. und
Gehälter 4230 Mk. und 1915: Haushaltung 11463 Mk.,
Bekleidung 3239 Mk. und Gehälter 4542 Mk.
Ml. Wl ©re, Optiker, Liebfrauenstr. 1.
Brillen, Plncenez, Operngläser, Feldstecher) in' jeder
optu-mechan; Spielwaren l Preislage
Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Laterna-Nagica, Kinematographon etc.
Nr. 29.
□ IniUm. 53
Der Mitgistdoktor.
Eine Erzählung von Elcmens Berg.
(Fortsetzung.)
„Bleibeil Sie hier", sprach Max leise und bot ihr
die Hand . Er fühlte einen sanften Gegendruck an seinen
Fingern und- : -
„Nun, das lasse ich mir gefallen, stecken diese jungen
Leute nicht.gleich die Köpfe zusammen", rief eine fette, et¬
was bierhciserc 'Stininie.
Max stand auf, um den Hausherrn zu begrüßen.
Der, ein großer, dicker Mann mit stark gerötetem, glatt¬
rasierten Gesicht, drückte den Doktor an den Schultern
wieder auf seinen Sitz zurück und tat außerordentlich
befreundet. Er schalt seine Nichte, daß sie noch keinen
Wein gebracht und „den geehrten Gast auf dem Trocknen
sitzen lasse", verwickelte Max bald in ein sehr lebhaftes
Gespräch über Stadt- und Landvcrhältnisse, äußerte sich
gar offenherzig, wie hier seit langem der Landbevölkerung
eine frische medizinische Kraft not tue, wobei es nicht
ohne Seitenhiebe über das Recht-alt-werden des ansäs¬
sigen Sanitätsrates, der mit der Neuzeit durchaus nicht
Schritt zu halten verstünde, abging. Kurz, Herr Stanis¬
laus Mncha zeigte sich so liebenswürdig und zuvorkom¬
mend, daß unser Doktor, der in seinem jungen Leben
lvirklich noch nicht allzuviel Freundlichkeiten von Fremden
erfahren hatte, auch seinerseits auftaute und recht ge¬
sprächig wurde. Als ihm dann Marie „auf eine glück¬
liche Zukunft", ihn freundlich anblickend, Bescheid tat,
dabei auch ohne jede Zimperlichkeit mit einem Zuge
ihr Glas leer trank, da Ivar unser Held selbst schon
des süßen Weines voll genug, um denr Fräulein mutig
zu sagen, Ivie ausnehmend gut sic ihnl gefalle.
Beinahe hätte Marie diesen günstigen Eindruck
wieder verlöscht. Denn nach Maxens grundehrlich ge¬
meinten Worten stieß sie eine Helle Lache aus und rief,
ihnr inunter auf die Achsel klopfend: er. wäre ein
garstiger Faxenmacher, der Ivohl ein arines Mädchen
tüchtig zuin Besten zu haben verstünde. Der Klang
ihres gellen Lachens Ividerstand ihm, aber ihre zivang-
losc Vertraulichkeit und mehr noch die gesunden, starken
Zähne, die sie beim Lachen vollständig sehen ließ, fand
er so reizend, daß er jenes kleine, erwachende Un-
lustgcfühl eiligst zu verscheuchen erstrebte.
Es gab noch eine sehr lange und lustige Sitzung,
wobei sehr viel Wein getrunken wurde, und als man
zu stark vorgerückter Schlafenszeit endlich von einander
ging, gab Max aus vollem Herzen Marien das Ver¬
sprechen, recht oft wieder zu kommen.
Viertes Kapitel.
Man geht auf die Jagd.
Am andern Tage kam Hans, den Doktor an seine
Zusage zu erinnern, dein alten Rabbiner Jacob, der das
Oberhaupt der Trcbanobitzcr Judcnschaft und mit den
Goldmanns vcrtvandt war, seinen Besuch zu machen. Wie
Hans wohl im Stillen befürchtet hatte, weigerte sich
Max rund heraus, sein Versprechen zu halten; er wäre
heute nachniittag zur Jagd geladen.
»Zur Jagd!?" Hans sank auf seinen Sessel und
starrte Max erschrocken an. „Wer in aller Welt am
hellen Nachmittag jagen tvollc?"
Die Antwort kam weniger siegcsschincttcrnd: „Der
Apotheker."
„Aber Menschen, seid ihr toll?" fragte Hans ent¬
rüstet. „Der Doktor auf der Jagd mit dem Apotheker.
Hat man so >vas ecklebt! Wenn nun in Trebanobitz plötz¬
lich die Pest ansbpäche?"
„Was der Himmel gnädigst befehlen niögc!" er¬
widerte der Doktor mit tiefem Seufzer. „Die Leute
hier sind von tvahrhaft bestialischer Gesundheit. Leider
liegt auch nicht das Mindeste vor, was uns abhälten
könnte, einen Tag oder gar länger fort zu bleiben.
Schade, Hans, daß Du nicht von der Partie sein kannst.
Wir fahren jetzt nach Zernowitz, !vo wir übernachten,
gehen mit den Mokgrndämmern in den Wald, stellen
uns bei den' Wildwechseln auf und warten, bis das
Wild zur Aesung herauskommen werde."
„Hm, Du triffst nicht übel, die Natur dauert
mich tmr ob der Löcher, die Mncha in sie hineinschießen
wird", sagte Hans trocken. „Tue nur die Liebe, mein
Sohn und lasse unverzüglich absagen. Heute, am Sab-
bath Nachmittag dem für Dich ohnehin zweifelhaften
Vergnügen der Jagd nachzugehen, das. hetzt Dir ganz
unnötig sämtliche Juden auf den Hals."'