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V. b. b.
DIE NEUE WEH
BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50,
vierteliänng S 4.20,'ganzjährig S 16.— ; Polen monatlich
2loty 2.—, vierteljährig Zloty 6 —; Tschechoslowakei
monatlich • • Kc. : 6;—, 1 v'ertcljahrig Kc, 15 — ; Jugo¬
slawien mönatli ch Dinar 14.—, viertel'fihrig Dinar 40.-;
Rumänien - monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—.
R E V U E
BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschend monatlich
Mark 1.— vierteljährig Mark 3.— ; Bulgarien monat¬
lich Lewa 20.-, vieiteljährig Lewa 6').—; Hallen
monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz
und die übrigen Länder mo atlich Schwei/er
Francs 1.50, vierieljal rlj Schweizer Francs 4.50.
HERAUSGEBER: ROßERT STRICKER
Redaktion und V 1X. 9 Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag
Jahrgang 1
Freitag, den 23. Dezember 1927
Nr. 14
t
ÖBERRABBINER D R Z. P. CHÄJES
Sökolöws Gedenki'ede.
Die tiefe Trauer, in die der H,eimgang C h a-
jes das Judentum gesenkt hat, kam .in einem
Massenmeeting zum Ausdruck, das am
Abend des 20: Dezember vom zionistischen:Landes¬
komitee für Oesterreich im Sophiensaal veran¬
staltet : wurde. Zu tausenden strömte die jüdische
Bevölkerung zu dieser-Versammlung. Der An¬
drang' war trotz der grimmigen' Kälte so stärk,
daß noch vor Beginn Pölizeiassistenz zur Rege¬
lung des Zutrittes herangezogen werden mußte. Die
führenden Persönlichkeiten des < jüdischen Wiefii
der Präsident der Kultusgemeinde, der englische
Der Leichenwagen.
Phot. Wiltingen
Bundespräsident H a I n 1 s c b verläßt nach der Trauerfeier den Seitenstetten-Tempel. . Wiillinger.
Gesandte» Sir - Chilstön, Vertreter der amerikani¬
schen, französischen und tschechoslowakischen
Gesandtschaft, zahlreiche • Universi^tsprofessoren,
vor; allen aber die von Chajes so geliebte jüdische-
Jugend, . halten sich eingefunden. Der Präsident
der zionistischen Exekutive in London, Nahum
Sokolow, hielt die Gedenkrede. Er hatte an der
Beisetzung .tiipht teilnehmenV'köhneri, da er am
Tage der/Feier eine wichtige Audienz beim Präsi¬
denten M asVryk hatte. Wir lassen hier einen
Auszug aus der geistreichen und formschönen
Rede folgen," die die Versammlung in tiefster Be¬
wegung anhörte. Bei den Schlußworten erhoben
• sich ■ die Anwesenden und; sprachen; den • Segen
mit, den ', Sokolow dem Toten ; ins Grab nachrief.
r , Die • Rede' dauerte eineinhalb Stunden und' die" Ver¬
sammlung., wurde durch den Vorsitzenden Herrn
.. Dr. Göldhammer um , 10 Uhr abends geschlössen.
. .. Sokolow führte im wesentlichen das folgende aus:
: „Chajes f w.ar einzig in unserer Generation. Was
er wissenschaftlich, national, sozial geleistet, hat, das
darzustellen, * wird die Sache späterer: Historiker
sein.: Das Sprichwort, daß der. Prophet in seiner
Heimat nichts gilt, bewährt sich an. ihm nicht. Er
war ein Prophet und er galt in seiner Heimat, dia
ihn schätzte und verehrte und die der Schmerz stes
Aus dem Inhalte:
Oberrabbiner Dr. Z, P. Chajes: Mein Amt.
Hans Ch. R. Am bor, Jerusalem: John Bell.
Rundschau: Eine antisemitische Dokumentenfäl¬
schung in Amerika. — Der Putsch im Münchener
Bürgerbräukeller. — Bischof Godric Kean.
Robert Stricker: Millionen für die Krim — für
Palästina nichts.
Dr. Fritz Löwe n s t e i n: Brief aus Palästina.
Regierungsantisemitismus in eigener Regie.
Die Pogrome in Rumänien.
Aus Palästina.
Die Juden in Algier.
Jüdische Karrieren in Amerika.
Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. — Wie
die Hakoah vernichtet werden soll.
Dr. Sanel Beer: Die Hygiene der Kleidung.
Austritte aus dem Judentum.
Schalom A seh: Die Zauberin von Kastilien.
WORSTEL-BlELI
I. Schottenring 14^ und |. Führichgasse 3
j&röÄ
'Fü'rAwiertef■Küride»j , «'bei'Äf)nah'me r vpn'5- Ke. Franko Zuste hing |
An unsere geehrten Leser in
Polen!
Wir haben Ihnen bisher unser Blatt regelmäßig
zugehen lassen. Wir bitten, nunmehr von den zuge¬
sendeten Bestellkarten und Erlagscheinen gefälligst
umgehend Gebrauch zu machen, da wir sonst die
weitere Zusendung der „Neuen Welt" einstellen
mußten. *
Die Verwaltung der „Neuen Welt-'.
Verlustes brennt. Verloren haben ihn die Partei¬
genossen und alle, die ihn kannten, und sie alle
müssen dazu .beitragen, daß seine Persönlichkeit und
sein .Wirken in der Zukunft nach Verdienst beurteilt
wird.
, ' Chajes ist kein Individuum gewesen, er war
eine geistige Organisation. In seinem
Leben zeigt sich ein seltener Zug. Er ist in den
Traditionen seiner Vorfahren geblieben, er hat sie
fortgeführt und verschönert. Sein Ahne, der Rab¬
biner Hirsch Chajes in Brody, war ein Fürst
im Reiche jüdischen Wissens, ein Pionier der For¬
schung, eine-Vordergrundfigur der Haskalah; er war
die anerkannte Autorität, die uns durch Tat und
Lehre bewiesen hat, daß die Aufklärung in Har¬
monie steht mit den Prinzipien des alten Judentums.
Er war ein Verbreiter des Lichtes, eine patriarcha¬
lische Gestalt* auch als Person eine historische Tra« '
dition; die sich nicht in einer anachronistischen Form
verkapselt, sondern sich mit der Zeit verbindet und
doch • ihr innerstes Wesen - bewahrt. 1 Und was der
Ahne , war, war der Enkel, seine gesteigerte, ver¬
edelte Fortsetzung.
- Er kam, nach Wien, in die Gemeinde, in der
'M a n n h e'i m e r< J e 1 i n e k, G ü d e m a n n gewirkt
und,gelehrt hatten. .Und auch " ihr ,Wirken . setzte
Ghajes, potenziert und gesteigert,; fort. Er wai der
iFührer dieser großen und ehrwürdigen Gemeinde,
nicht' ihr Geistlicher. Wir wissen nicht, ob es über¬
haupt eine jüdische Geistlichkeit • im hierarchischen
Sinne gibt. Die bestand in Palästina. In der Dia¬
spora gibt es keine für den Altar geweihte priester¬
liche Persönlichkeit;-Nur das Wissen gibt der
Persönlichkeit den Vorzug, unsere Sta¬
tuten sind die Thora. Die Qualifikation für den
geistigen Führer ist sein Können, das Wissen ist das
Adelsdiptom, Auch in diesem Sinne war Chajes ein
Großer. Das jüdische und das enzyklopädische Wissen