Page
Settel
DIE NEUE WELT
ff*, tri
P
TELEPHON
U-22.3-59
ELZHAUS
GEBRÜDER BRAININ
WIEN I.
BAUERNMARKT 2a
besondere Kenntnis der Lage in England zutrauen
kann, wollen nicht mehr mittun. Weiz-
mann sandte an die eben tagende Jahreskonferenz
der englischen Zionisten eine Botschaft, in welcher
er von „Hoffnungen" spricht, welche er in die
Verhandlungen mit der Arbeiterregierung setzt.
Die Konferenz aber nahm eine Resolution an, in
welcher
die im ^ Weißbuche gemachten Vorschläge
ebenso wie die Verhandlungen mit der Regie¬
rung auf Basis des Weißbuches abgelehnt
werden.
*
Während so dank der Tücke einer englischen
Regierung, von der eine Wendung zur Ehrlichkeit
in Fragen Palästinas nicht zu erwarten ist, und
dank der Schwäche der zionistischen Führerschaft,
in den zionistischen Reihen Schmerz, Zorn und.
Verzagtheit immer weiter und tiefer greift, sind
die arabischen Führer dabei, die Situation gründ¬
lich und radikal auszunützen. Nachstehende Mel¬
dungen aus Palästina charakterisieren die Lage.
*
Jerusalem, 24. Dezember, Die arabische Zei¬
tung „AI Hayat" erklärt, daß die Araber durch
die im Weißbuch vorgesehenen verfassungsmäßi¬
gen Einrichtungen nicht zufriedengestellt
sind und ihren Kampf fortsetzen werden,, b i s
ihre Forderungen in vollem Ausmaß
erfüllt sind. Das Blatt sei in der Lage, mitzu¬
teilen, daß die arabische Exekutive in
ihrer Antwort auf das Weißbuch
jede Kooperation zwischen Juden
und Arabern ablehnen und erklären
wird, daß nicht früher Friede zu erwarten sei,
als bis die Regierung den Arabern nicht zu¬
mindest dieselben Rechte gewähren wird, wie
•ie die arabische Bevölkerung im Irak und in
Syrien besitzt.
Die von Weizmann gegen das neue
Weißbuch erhobenen Einwände seien unverein¬
bar mit seiner Annahme des Churchillsc^en
Weißbuches. Die arabische , Exekutive .\ wird
fordern, daß ein Gesetz erlassen werde,
durch das die Uebertragung von Eigentum an
Grund und Boden an Juden ohne Zustimmung
des High Commissioners verboten werden soll.
Sie wird weiters verlangen, daß die Einwande¬
rung von Juden nach Palästina solange einge¬
stellt rwerde, als noch ein , einziger., Araber,
arbeitslos ist.
*
Jerusalem, 25. Dezember. In letzter Zeit;
häufen sich Fälle von Besitzstörung und
Landfriedenbruch durch Araber auf jüdi¬
schem Grund und Boden in Palästina. In ver-;
schiedeneu Teilen des Landes ist es dadurch, daß
Araber versuchten, jüdische Bauern an der Arbeit
zu hindern oder selbst jüdischen Boden in Be¬
arbeitung zu nehmen, vielfach zu Zusammenstößen
zwischen Juden und Arabern gekommen. Bisher
sind folgende derartige Fälle bekanntgeworden.
In Kfar Jehoschua, auf einem Bodenkomplex
in der Nähe von Nahallal, der der American
Zion Commonwealth gehört, versuchten zehn
Beduinen jüdische Siedler daran zu hindern, die
Aecker umzupflügen. In der Nähe von G a n
Schmuel im Distrikt Chedera wollten Araber
aus einem zirkassischen Dorf der P. J. C. A. ge¬
hörige Parzellen in Bearbeitung nehmen. In
H e r z 1 i a h, Distrikt Tel-Aviv, weigerte sich eine
arabische Familie, in jüdischem Eigentum
befindlichen Boden zu räumen. Auf dem
Infiatgebiet bei Chedera, das auf Grund
gerichtlicher Entscheidung den Juden zuge¬
sprochen worden ist, haben vier Araber ein
Grundstück im Ausmaße von 35 Dunam besät.
Die angegriffenen Juden haben in allen
Fällen Widerstand geleistet, es kam zu tät¬
lichen Auseinandersetzungen und
Steinbombardements. Die Polizei war genötigt, in
einigen Fällen Verhaftungen vprzunehmen. Diese
Zusammenstöße müssen wegen ihrer Häufung Be¬
denken erregen. In maßgebenden jüdischen
Kreis.en. neigt man der Ansicht zu, daß es sich hier
um planmäßig zu dem Zwecke, die öffentliche
Aufmerksamkeit auf das Problem des Boden¬
mangels zu lenken, unter dem die Araber angeb¬
lich zu leiden haben, hervorgerufene Unruhen
handelt.
Inzwischen haben die Araber ge&en die für
die Juden günstige Gerichtsentscheidung über das
Iüfiatland bei Chedera Berufung eingelegt. Im Hin¬
blick auf diese Berufung hat die Polizei von
Gbedera die Fortsetzung der Von den
Juden auf den; Infiatböden begonne¬
nen landwirtschaftlichen Arbeiten
.n» t e r s a g t. Dagegen legt sie merkwürdiger¬
weise der Fortführung der von den Arabern
begonnenen Arbeiten keinerlei Hinder¬
iiisse in den Weg,
Wladimir Jabotinsky in Wien.
Wie das Büro der Union der Zionisten-Revisio-
nfcfen uns mitteilt, wird Herr Wladimir Jabotinsky
in der Woche um den 15. Jänner in Wien im Großen
Konzerthaassaal einen Vortrag halten. • ,
Kartenvormerkungen; im Büro der Union,
Wien, IL, Obere Donaustraße 101, Tel. R-47-2-34,
täglich von 5 bis ? Uhr, Sonntag von 11 bis 1 Uhr,
'!, ' L ^
Ilm den Nachfolger
Weizmanns«,
Die „Jüdische Rundschau' 4 nennt Ussischkin,
Brandeis und Ruthenberg. — Statt des Präsidenten-
Systems ein Kollegium.
Die Berliner „Jüdische Rundschau" behandelt in
dem Leitartikel einer ihrer letzten Nummern die Frage,
wer Weizmanns Nachfolger werden wird. Es ist vor
allem bemerkenswert, daß das Blatt, welches Weizmann
immer unbedingte Gefolgschaft leistete, das Organ der
deutschen Zionisten, also der Getreuesten Weizmanns,
dessen Verbleiben auf dem Präsidentenposten als aus¬
geschlossene Sache betrachtet. Das Blatt schreibt u. a.:
Es bedarf keiner großen Prophetengabe, um vor¬
auszusehen, daß im Mittelpunkt des XVII. Zionisten-
kongressee die Le i t u n gs f r.a g e stehen wird. Doktor
Weidmann hat bekanntlich nach Erscheinen des Wei߬
buches demissioniert und auch im A. C. erklärt,
er werde auf dem nächsten Kongreß nicht mehr kandi¬
dieren. Die weltpolitische Position des Zionismus ist zum
größten Teil das Werk Dr. Weizmanns. Wie schwer
diese Position zu verteidigen war, weiß vielleicht nur er
allein. Da aber eine systematische Belehrung der zioni¬
stischen Massen unterblieben., war, ist. es nicht ver¬
wunderlich, daß für Mißerfolge vor allem .die Führung
verantwortlich gemacht wird. Große Gruppen
innerhalb der Zionistischen Organisation sind heute
g egenWei z maan, darunter die?wichtigsten Länder,
wie Polen, Amerika und Pa 1 ä s. ti na.F ü r Weiz¬
mann isind .wahrscheinlich nur dieA rb e;i te r.- :
partei e n und e i n e Grr u p p e m i t te ie u r,o p äir
scher All g e mei n er.„. Z.io n is t e n. Unter diesen
Umständen . und . angesichts dieser parlamentarischen
Situation können auch ; die Freunde D.r. Weiz-
jn'a n.n s. s ei n,e Kftn|j|ft.fch r; Jja-ib lyt b e f ü r-
w.orten.. Wenn aber WeizijQ<antf : 'säreidefc'- v danh. wird ■
das Nachfolgerproblem von so weittragender Bedeutung, •
daß. es gewiß den ganzeii Kongreß beherrschen wird. ' ;
v Diq Frage-der Präsidentschaft kann natürlich nicht
nach einseitigen Parteigesichtspuhkten entschieden wer¬
den. Der revisionistische Führer wird, selbst
wenn er bei der Mehrheit'des Kongresses Sympathien ge- '
nießen sollte, zweifellos nicht zum Führer der Be
wegung gewählt werden. Wäre man in der Wahl eines
Führers vollständig frei, so würde sich zweifellos ein;
Name in den Vordergrund schieben, der auch in man- ;
chen Zeitungen genannt worden ist: B rand eis. Die l
Wahl von Brandeis zum Präsidenten der Jewish Agency
hätte einen klaren politischen und innerzio-,
nistischen Sinn. Er ist ein Man von großen persön-,
liehen Qualitäten, hohem Ansehen und bedeutendem;
Einfluß. Man hätte das Gefühl, daß die Führung in ver- '<
antwortliche Hände gelegt wird. Es würde sich um einen
mm
mm
Alt werden und
Jung bleiben
möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist
dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorg¬
same Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel
dazu ist
DIANA
FR ANZEtR AN NT WEIN
mit Menthol
Massagen 'Einreibungen) mit Diana-Franzbrannt¬
wein erfüllen mit verjüngender Kraft. Ebenso
wartvoll sttr Mund- und Haarpflege* Und
dabei sehr billig.
Nehmen Sie nur Diana und weisen Sie wertlose
Nachahmungen energisch zurück.
Ueberau erhültlicli!
Immer»,.. Kabinett
schön möbliert, mb ■ mm^. m — .
ab 1. Jänner ZU ¥07111181611
Praterstraße 13, rÄ* Ä
Aufzug. Besichtigung von 10 bis 12 und von 5 bis 7.
grundlegenden Systemwechsel handeln, eine Verlegung:
de« Zentrums der Bewegung .nach Amerika, aber mit
diesem Experiment würde in der heutigen Situation
wahrscheinlich die große Mehrheit des Kongresses große
Hoffnüngen verbinden. Bleibt ntir noch die Schwierig¬
keit, daß Brandeis, der im 75. Lebensjahre steht, bisher'
nicht die geringste Neigung zeig^ das, Amt
des Präsidenten anzunehmen., Die Kandidatur von
Brandeis ist demnach die unwahrscheinlichste
von allen.
Zwei , Persönlichkeiten, deren Namen genannt
worden sind, stehen auf entgegengesetzten Polen : t
Ussischkin und Sa eher, lieber Ussischkin braucht
kein Wort gesagt zu werden. Er hat ein klassisches
zionistisches Leben hanter sich, seine unbeugsame
Energie ist auch heute noch eine der stärksten Kräfte'
der zionistischen Aufbauarbeit, seine Gestalt ist insbe¬
sondere für das russische Judentum gerade¬
zu symbolJia.fi. Zweifellos genießt er sowohl in
Palästina als auch in der Bewegung große Popularität;
aber so geschätzt seine nationale Tatkraft, ist, so
zweifelhaft ist seine politische Zuläng¬
lichkeit. Selbst Freunde Ussischkins werden nicht
behaupten, daß er der geeignete Führer politischer Ver¬
handlungen wäre. Dazu kommt, daß eine Wahl Ussisch¬
kins eine Verlegung des politischen Zentrums nach
Jerusalem bedeuten würde, was zumindest sehr um¬
stritten ist. Man wird also die Führung der Politik kaum
Ussischkins Händen anvertrauen. Viel eher empfiehlt
6ich zur Führung der Politik Ha r r y Sach e r,
dessen advokatorisch geschulte Klugheit sich mit großer"
Kenntnis des englischen Lebens und der englischen
Eigenart verbindet. Aber Saoher ist in Palästina im
Gegensatz zu Ussischkin äußerst unpopulär, seine ein¬
schränkende Wirtschaftspolitik hat ihm weite Kreise und
ganze Gruppen der. Bewegung zu Gegnern . gemacht.
Auch ist nicht bekannt, ob er überhaupt auf die Führer¬
schaft aspiriert.
Der Kandidat, der heute bereits am stärksten und
systematischesten lanciert wird, ist - R u t Iien b e r g.
Man macht. geltend, daß e r in allen maß g e b en¬
den -L a ge r n ; Anh ä n.g.e r ha t. Er gilt als „starker",
Mann, vermag mit der Waffe umzugehen, war im Krieg
AnJiänder d e r. j-ü d i s c h e n Legion, und ist ,da-
her bei den Revisionisten beliebt. Zugleich .genießet
Ruthenberg aber auch eine besondere V.ertratiens-
position bei der diametral entgegengesetzten Gruppe,
nämlich den amerikanischen Nicht zionisten
(Felix Warbtirg), die den Revisionisten als national b e¬
sonders unzuverlässig gelten und eine Zeitläng
sogar der Sympathien für Magnes verdächtigt waren.
Auch die Brandeis-Gruppe steht in guten Be¬
ziehungen zu Ruthenberg und in manchen Kreisen der
pa 1 äst i n e ns is ch en A rbeite r schalt ist dieser
alte russische. Sozialrevolutionär sehr angesehen» Für die
breiten Massen des Volkes ist Ruthenberg,' der Elektri-
fikator Palästinas, mit einem mystischen Glanz um¬
geben. Ruthenberg hat als Präsident des Waad Leumi
auch den Jisehuw hinter sich. Man wird also bei objek¬
tiver Betrachtnug zugeben müssen, daß seine Kandidatur
rein parlamentarisch gewisse Chancen hätte. Politisch
freilich ist Ruthenberg ein unbeschriebene'«
Blatt. Ob die Erfahrungen,, die er im ersten Ha lb jäh r
1930 in London sammeln konnte, ausreichen, um ihn den
rechten Weg der Politik finden zu lassen, muß sich erst
zeigen. Gerade dieses politische Debüt
Riithenbe rgs sowie seine Haltung als Präsident des
Waad Leumi haben ihn bereits zu einer umstritte¬
ne n Figur ' gemacht.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt," daß in
manchen zionistischen Kreisen der Gedanke eines
Kollegiums erörtert wird, etwa in der Art, wie es
nach Wolf fsöhns Abgang 1911 eingesetzt worden.ist.
Ob sich dieses System heute durchführen läßt, müßte
erst untersucht werden, zumal ja durch die Erweiterte
Jewish Agency gerade dem Präeidenten eine besondere
Funktion zufällt. Der Präsident der Zionistischen Orga¬
nisation ist auch Präsident de r Jewish Agency
und man wird daher die Präsidentenfrage nicht ohne
Berücksichtigung dieses Faktums lösen können..
Zu diesen Ausführungen der „Jüd. Rundschau"
wäre einiges zu bemerken. Die Behauptung, daß Präsi¬
dent Weizmann unbedingt und kampflos von seinem
Posten scheiden wird, kann nicht als absolut zutreffend
gewertet werden. Schon oft und in entscheidenden
Phasen der Bewegung hat Präsident Weizmann'erklärt,
nicht länger bleiben zu können und blieb. Unter den
Gruppen, die immer und unter jeder Bedingung für
Weizmann eintreten, ist eine nicht aufgezählt, obzwar
ihre Existenz in der Einleitung des Artikels festgestellt
wird. Es heißt dort: „Die jetzigen Teilnehmer sind fast 4
ausschließlich zionistische Funktionäre, zum größten
T eil hauptberufliche,. Die Entscheidung