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HERAUSGEBER: fOBERT STRICKER
Redaktion und Verwaltung: Wien, !X. t Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint reden Freitag
Jahrgang 5
Freitag* den 27. März 1931
Nr. 184
Judenstaat oder arabisches Ghetto
(Seite
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Zum aufsehenerregenden Attentat des Hamburger
nationalsozialistischen Polizei Wachtmeisters Pohl auf
; den sozialdemokratischen Polizeirat L a s s a 1 y schreibt
das. Hamburger „Isr. Farriilienblatt":
- . „Näch' unseren Erkundigungen können wir fest¬
stellen, daß der mißleitete Beamte, der den Schuß ab¬
gab, jahrelang d u r pha u s ke ine an tisem iti-
s.ch.e »Gesinnung bekundete^ daß .er'...sogar bei einer
jüdischen Wirtin wohnte,; und von dieser Frau, die
jjjn, fast, fünf- Jahre täglich; zu beobachten und,; zu
sprechen Gelegenheit,..;hort^> :;i wird, er als .. ein durchaus
harmloser und' antisemitischen Cedanlcengängen unzu¬
gänglicher Man^ Erst vpn dem Zeitpunkt
an, als er begann — es war 'erst, vor wenigen Wochenl
— in nationalsozialistischen Kreise» zu verkehren, ent¬
stand in • ihifr ein schön fast k rauk'h'a f t er Juden¬
haß; der- in der verabscheuenswerten -Tat seinen ex¬
plosiven Ausdruck fand." ,
• „Bei der "Vernehmung übqr . die ; Beweggründe zu
seiner.Tat sagte der Polizeiwachtmeister aus, daß er
sich nicht ; v o n einem Juden habe Ver¬
ne h men lassen wollen. Das tragikomische
Moment , dieser Angelegenheit ist, daß Regierungsrat
Oswald Lassally : zwar . einer ungesehenen Hamburger,
früher jüdischen Familie entstammt, daß er aber
. zum -.Katholizismus -.übertrat, dem auch seine ganze. Fa¬
milie angehört, und daß seihe,verstorbene-Mutter sogar,
demonstrativ ihre ' Z u g e h ö i* i g k e i t.. z u m
katholischen Glauben hervorzuheben pflegte.
Aber sein Judentum kann man nicht abschütteln! Das
mußte Regierungsrat Lassally erfahren und mit ihm
alle, die durch das ebenso alte wie wirkungslose Mittel
der Taufe den Gefahren zu entschlüpfen versuchen,
welche die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft
mit sich bringt. Gerade ihn, der selbst vielleicht gar
nicht mehr daran dachte, einst Jude gewesen zu sein,
der . sich gewiß in nichts mehr als Juden betrachtete,
gerade ihn mußte die Kugel eines Mannes treffen, der
in ihm die Verkörperung des Judentums sah."
*
Wie das Attentat in großen Teilen der ßeVölker
rung Deutschlands beurteilt wird, beweist ein Artikel }
in dem in Dresden erscheinenden , 4 D e r F r e ih e i t s- .
k ,a m p f'\ Der Artikelheißt v>A la r m sc^tffi'' -.iftid.
schließt "mit- folgenden.' -Sät^sUt' •* ''• '
/ „Es ist für e&le^ ^
gröblichste Erniedrigung, über seine GeV
sinnung einem Jude n. Rede und Antwort stehen zu
sollen, wie es ih *eine|a aufrechten,' ehrliebenden, .
Selbstachtung besitzenden Deutschen ein schlechthin ■■<■■
aufreizendes Gefühl erzeugt, daß Juden über j
Deutsche zu Gericht sitzen, daß Juden ;
. Deutsche regieren, daß Angehörige des minderwer-
tigen, verkommenen Judenvolkes überhaupt in un¬
serem Staats- ~ und Rechtslebeh aktiv mitwirken
dürfen."
„Den Schuß, den der Polizeiwachtmeister Pohl j
abfeuerte, war ein Alarmsehufi. Die rote
M i s c h p o c.h e soll die Dinge nicht auf die Spitze
treiben!" ...
* *
1 *
Dresden ist die Hauptstadt von Sachsen und die
Bevölkerung Sachsens ist die „gebildetste" Deutsch¬
lands.
hatte , auch, die katholische Kirche . das
Studium an Leichen und die Zerlegung von. Leichen
verboten. Aber sie hat sich den Erfordernissen der
Wissenschaft gefügt und jeden aktiven Widerstand
gegen das Studium an christlichen LeicHen , aufge¬
geben. Er beantragte die Ablehnung des Antrages,
Grünbaums, '.von dem er behauptete, daß. er einer
Legalisierung der jüdischen Sabotage gleich¬
komme; dfjs heißt, er beantragte, die: Verfügung
der medizinischen Fakultäten, welche. die Zulas-
Der Kampf um jüdische Leichen!
Debatte im polnischen Sejm* '—- Die jüdischen Studenten und das Opfer«
clausus luv judisdie Leidsen*
Numerus
Im polnischen Parlament wurde in der Vor¬
woche eine, große Judendebatte abgeführt. Es ging
uin' einen Erlaß der Vorstände der medizinischen
Fakultäten der Universitäten in Polenj des Inhalts,
daß in 'Hinkunft j iidische Hörer nur.in
sehr beschr änkter Zahl' zugelassen werden
sollen. Der Erlaß stützte sich nicht, wie früher, aiif
das ' Argument „Wahrung des national-
polnischen Charakters 1 d e r Hoch¬
schule n", sondern . auf den. Umstand, daß ; die
Juden sich weigern, Leichen zum Zwecke
des anatomischen Studiums herzu¬
geben. Jüdische Hörer sollen nur in dem Ver¬
hältnisse zugelassen werden, als jüdische Leichen
zum. Zwecke des Studiums zur Verfügung gestellt
werden.
Der Protest der Juden, welcher in einem vom
zionistischen Abgeordneten Grünbaum eingebrach¬
ten* Gesetzantrage zum Ausdruck/ 1 kam, bildete
dann den ■ Gegenständ ' große?« Debatten, erst im
Ausschusse, dann im Plenum des polnisdien Parla¬
ments. Dabei- haben die Juden, " das sei vorweg¬
genommen, schlecht abgeschnitten.
'V; Der von der Regierungspartei bestellte Re¬
ferent, der antisemitische' « Nationaldeniokrat
Wilecki, leugnete in diesem; Fälle das Vorhanden¬
sein irgendwelcher a n t i s e m'i't'i scher Motive.
Er erklärte, 1 es handle sich hier nicht um eine
Kürzung der Gleichberechtigung der
Juden» sondern um Wahrung der G1 e i c h b e-
rechtigung der Christen. An der medi¬
zinischen Fakultät in Warschau sind 22 Prozent
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Juden, in Lemberg 1? Prozent, in Wilna 35 Prozent •
und in Krakau 20 Prozent Juden eingeschrieben. ;
Man könne also nicht von einer grundsätzlichen
Ausschaltung der Juden sprechen. Den Seziersälen
der medizinischen Fakultäten seien im. yergan- j
genen. Jahre 1400 Leiqhen zur Verfügung - gestellt [
worden, darunter im ganzen elf jüdische j
Leichen, also ein Bruchteil von 1 Prozent. (Im j
Verlaufe der Debatte wurde auch der Verdacht I
ausgesprochen, daß die von den Juden überlas- j
senen Frauenleichen nicht durchwegs jüdische
waren.) So, sagte der Referent, hat sich der Zu¬
stand herausgebildet, daß es als statthaft und er¬
laubt gilt, wehn Juden christliche Leichen zer¬
legen und an ihnen Versuche vornehmen, daß aber
die jüdischen Leichen als heilig gelten und nicht'
berührt werden dürfen. Diesen Zustand t empfinden
die christlichen Studenten r und Professoren ajs
schwere Beleidigung. Sie sind nicht gewillt, diesen
Zustand weiterhin zu dulden.
Die Weigerung - der Julien, Leichen für wis¬
senschaftliche Zwecke zur Verfügung zu stellen,
führte der Referent weiter .; aus, ist \ ein Ausfluß
finsteren, Aberglaubens, nütiejalterlicher Denkart.
Die Weigerung hattp.'eine Berechtigung, als die
Juden im Ghetto als^ .sie keine
•gleichen Rechte und auch nicht das Recht: des Be¬
suches der Hochschulen hatten. Jetzt aber kann
diese Weigerung nicht geduldet werden. Früher
Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt»
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