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Weltkonferenz-Sonderausgabe
DIE NEUE WELT
REVUE
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HER AUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-S04 — Erscheint jeden Freitag
Die revisionistische Wellkonferenz in Wien
ZurGrabställedesFührers
Wien, 28. August.
Einem innern Muß gehorchend, nicht unter
dem Zwang traditioneller Pflicht, zogen Herzls
Jünger, reife Männer und heranreifende Jünglinge,
Sonntag, den 28. August, im strahlenden Schein der
Spätsomanersonne nach Döbling, um an der Stätte
der sterblichen Reste des unsterblichen Führers
neue Kraft zu sammeln für die Tage folgenschwerer
Beratungen und Beschlüsse. Die Besinnung auf
Wort und Tat Theodor Herzls war allerdings nie¬
mals so dringend und zwingend wie heute, wo der
von ihm geprägte und in weitestem Sinne gedeutete
Begriff der Judennot eben wieder seinen Inhalt
erhalten hat und seine Lösung gebietend vor¬
schreibt. Wenn die Zionisten-Revisionisten Herzls
Prügung sich zu eigen gemacht haben, und sie
einer chaotischen Welt in unseren Tagen wieder
entgegenstellen, so haben sie auch die Kraft, die
eiserne Logik der Judennot-Lösuhg durch den
Judenstaat wieder zu proklamieren, zu for¬
dern, zu verwirklichen.
Herzls Schüler, vor 30 Jahren fanatische
Enthusiasten, heute tägliche Diener am täg¬
lichen Werk, sehen neben sich eine neue Jugend
aufziehen — junge Juden mit dem gleichen fana¬
tischen Enthusiasmus, muskelstark, wehrsportlich
gestählt; eisern diszipliniert, bereit, zu mar¬
schieren. In seiner stolzen Tracht schritt am Sonn-
; tag der Brith Trumpeldor durch die Straßen des
Döblinger Bezirks zum Friedhof, der durch Herzls
Gebeine für alle Zionisten, für alle jüdischen
Volksgenossen seine. ewige Weihe erhalten hat -—
der Brith Trumpeldor als das Symbol eines neuen,
wiederum heroischen jüdischen Zeitalters. Mit ihm
marschierte der Zionismus-Revisionismus, also
alles, was Herzls Idee und Ideal im Zionismus treu¬
geblieben ist, in stumm-würdiger Ergriffenheit,
defilierte am Herzl-Grab, seine Treue bezeugend
und seinen Dank dafür, daß er, Herzl ihm das
stolze Bekenntnis zum jü'ldischen Volk als Gabe
übers Grab hinaus in die Hände gegeben hat.
An die Reihen der wehrhaften akademischen
Verbindungen schlössen unter Führung der revi¬
sionistischen Ex»kutionsmitglieder, darunter Vla¬
dimir Jabotinsky, Meer Großmann und Robert
Stricker, die Konferenzdelegierten und Gäste aus
fast allen Ländern der Galuth und Erez Israels.
Am Abend desselben Tages, wurde die.
V. Konferenz der Weltunion der Zionisten-
iWisionisten im Kuppelgebäude des Zirkus Renz
eröffnet.
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„DIE NEUE WELT"!
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< Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt*
Beben Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeighnet
Der Auftakt zu den
Referaten
Wien, den 29. August.
Das gewaltige Interesse, das sich allen praktischen
und theoretischen Aktionen des Zionismus-Hevisionis-
mus zuwendet, fand seinen aktuellen Ausdruck in der
Teilnahme der österreichischen Juden und der aus¬
wärtigen Gäste an der revisionistischen Weltkonferenz,
die gestern in der Kuppelhalle des Zirkus Renz er¬
öffnet wurde. Schon lange vor Beginn standen jüdische
Massen vor dem Portal des Gebäudes in spannungsvoller
Erwartung. Wissen sie doch, daß jede revisionistische
Tagung vom heiligen Ernst für die zionistische Sache,
von tiefster Verantwortung für das zionistische Endziel,
von kämpferischem Mut und heroischer Begeisterung,
von unermüdlicher Vertiefung in alle Fragen der Galuth
und Erez Israels erfüllt ist! Wissen sie doch, in welchem
Lager auch immer sie stehen, daß jede revisionistische
Tagung zu einer Tribüne wird, auf der rückhaltlos, ohne
Verschleierung oder Vertuschung, das zionistische Pro¬
blem in allen seinen Teilen aufgerollt, von der herab die
brennende Wunde der Judennot den Kulturvölkern und
der — Mandatarmacht sichtbar gemacht wird!
Der stilvoll geschmückte Saal trug in sich den
Charakter des Ernstes und der Würde, in der die Kon¬
ferenzeröffnung abrollte. An der Zentralwand, in ge¬
messener Höhe, w>r, hläu-^eiß geschmückt, das Bikinis ;
Theodor Herzls angebracht. Auf erhöhtem Podium saß
die revisionistische Exekutive, während die Mitte des ,
Saales, durch eine Balustrade von den Rängen getrennt,
für die Delegierten reserviert war. Mehr als 2000 Volks¬
genossen waren erschienen, um aus dem Munde der revi¬
sionistischen Führer zu hören, wie. es um die -Lage des
Zionismus, des Herzischen Judenstaatsgedankens, des
Anteils des Revisionismus an der Lösung der Judenfrage
steht. Der administrative Apparat funktionierte reibungs¬
los. Die jüdische Wehrsportjugend hielt Ruhe und Dis¬
ziplin'musterhaft aufrecht. Mit Genugtuung konnte man
feststellen, daß die den Zirkus Renz füllenden jüdischen
Massen, Juden verschiedenster politischer und sozialer
Einstellung, sich bewußt waren, an der Eröffnung einer
entscheidenden zionistischen Tagung teilzunehmen.
Das Erscheinen Vladimir J a b o t i n s k y s, als des
Führers der revisionistischen Bewegung und als des Rosch
Bctar löste langandauernde Beifallskundgebungen aus.
Um 8 Uhr abends eröffnete Vladimir Jabotinsky vom
Tisch, des Präsidiums aus die Konferenz. In hebräischer
Sprache begrüßte er im Namen der Weltunion der
Zionisten-Revisionisten die Festversammlung. Seine Be¬
grüßungsworte galten dem Präsidenten der Wie*ner
Judengemeinde Prof. Dr. Alois Pick, Prof. M. Rat h,
Börsenrat Glück ; der Zionistischen Landesorganisation
Oesterreichs, vertreten durch die Herren Di\ Stein¬
berg und Dr. Rybaczewsky; der Wizo; dem
Verband Radikaler Zionisten Oesterreichs, vertreten
durch die Herren Dr. Israel Waldmann und Doktor
Wiesel.berg; dem Präsidenten des F. C. Hakoah
Max Schiff mann; dem Präsidenten der Histadrutli
Iwrith Dr. David R o t h b I u m. Nach der Begrüßung
richtete der Präsident der Zionisten-Revisionisten Oester¬
reichs Robert Stricker einige Worte an die Ver¬
sammelten, wobei er den Sinn der revisionistischen Welt¬
konferenz als „Zurück zu Herzl" charakterisierte und
deutete. In Erwiderung der Begrüßung hielten Professor
Dr. Pick, Dr. Steinberg und Dr. Israel Waldmann ernste
und herzliche Ansprachen an die Delegierten und Gäste
und sprachen Hoffnungen und Wünsche auf das Gelingen
der zionistischen Tagung aus. Hierauf folgten die Con-
ferencen Vladimir Jabotinskys und Meer Groß-
manns.
Vladimir Jabotinskys unvergleichliche Rednergabe
ist bekannt. Man weiß, daß er die Herzen und Hirne
seiner Zuhörer nicht durch das Strohfeuer einer gleißen¬
den Diktion, eines rein oratorischen Talents im Bann
hält, sondern durch die zwingende Logik der Gedanken,
durch den lückenlosen Aufbau seiner Ideenwelt, die alle
Elemente der Realität in sich trägt, und man fühlt, daß
nur ein großer Charakter ein großer Redner sein
kann. Auch diesmal bezeugte der revisionistische Führer
und Gründer der jüdischen Legion (in diesen Tagen jährt
sich zum fünfzehnten Male die Legionsaufrichtung!) die
ihm beschiedene Gabe, die Situation des jüdischen Volkes
und die einzige Möglichkeit der Erlösung aus der welt¬
geschichtlichen Tragik in einer Weise darzustellen, die
jeden Funken einer Skepsis, einer Illusion ausschloß.
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dessen die Entwicklung der zionistischen Politik seft
zehn Jahren, bzw. seit dem 17. Baseler Kongreß vom
Jahre 1929 beobachtet hat, wird die Zwangsläufigkeit
der Konstellation, wie sie Jabotinsky und seine Freunde
eh und je betonen, erkannt haben.
Meer Großmann hatte in seinem Einleitungs-
referat die Aufgabe übernommen, den politischen Zwei*,
frontenkampf zu schildern, den der Revisionismus seit
seinem Bestand zu führen hatte. Er hatte festzustellen,
daß mit dem Wachstum der revisionistischen Bewegung
sich die Taktik des ^Kampfes nach innen und außen
ändern mußte, damit zugleich auch die politische Ein¬
stellung gegenüber den zwei Faktoren: Mandatar¬
macht und Zionistische Organisation. Mit
eindringlicher Kraft und plastischer Formulierung gelang
es ihm aufzuzeigen, daß die revisionistische Politik und
Taktik zwar nach den gegebenen Umständen ihre Form
wechsle, niemals aber ihre grundlegende Idee des
Herzischen Judenstaatsgedankens, der
siegen müsse, verschoben habe. Die beiden Referate
bildeten den Auftakt der Konferenz, deren Arbeiten die
nächsten Tage ausfüllen werden.
Die Delegierten
Delegierte zur V. Weltkonferenz trafen aus folgen¬
den Ländern ein:
Polen, Westgalizien, Deutschland, Italien, Lettland,
C. S. R„ Danzig, England, Oesterreich, Erez Israel, Öst-
galizien, Rumänien, Frankreich ein.
Insgesamt sind 141 Delegierte aus 14 Ländern er¬
schienen, darunter 24 aus Palästina.
Von der revisionistischen Exekutive sind die
Herren Jabotinsky, Großmann, Stricker, Rosow, Angel
anwesend. Erwartet werden Dr. Soskin und Richard
Lichtheim.
Begrüßungen aus aller Weif
Die Weltkonferenz der Zfionisten-Revisionisten er¬
hielt aus allen Teilen der Welt Begrüßungsschreiben und
Telegramme, die den großen Anteil bezeugen, den die
Judenheit an der Tagung nimmt. Er trafen u. a. Kund¬
gebungen ein: Von den revisionistischen Organisationen
Saloniki, Südafrika, Warschau; Ortsgruppe
Frankfurt a. M., Kaunas (Litauen); holländische
Union (Amsterdam) und Rumänien; Ortsgruppe
Bern, K i s c h i n e w; amerikanische Revisionisten
(New York); Union Frankreich; Zionisten-Revi¬
sionisten Erez Israel (Jerusalem); • Union Argen¬
tinien; Revisionisten-Sozialisten Kaunas (Litauen);
Misrachi Palästina; Weltverband der jüdischen Stu¬
dentenschaft; Akademische Verbindung Kadimah
(Wien); Justizrat Dr. Boden heimer (Köln); Doktor
Karl Po Hak (Wien); Dr. Soskin (Genf); Dr. Hugo
Benedikt (Wien); Dr. Jakob Kahan (Warschau).