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DIE NEUE WELT
Nr. 38Ö
Reich zu werden
Ist heutzutage leichter als früher. Das letzt« Geheimnis
des Erfolges der Millionare, der sicherste Wegweiser au
Reichtum,
Macht und
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Ansehen
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und wider.^tandskräftlgen Konstitution und einer kampf¬
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Minderwertige Nachahmungen 9ind energisch zurück¬
zuweisen.
RUNDSCHAU
Hamsun, für und gegen
Am 75. Geburtstag des norwegischen Dichters Knut
Hains u n begnügte sich die Presse nich t mit der Fest-
Stellung seiner Größe und seines Ruhms; sie setzte ihn in
den Rahmen aktueller rassischer Kulturpolitik. Um
den J u de n p u nkt kam sie nicht herum. Auf der einen
Seite wurde eine Antwort Hamsuns an die antisemitische
Zeitschrift „National Tikkerift" aus dem Jahre 1928 zur
Charakteristik der Hamsunschen Jude>\einstellung zitiert,
eine Antwort, die lautet:
„Die Juden sind eine sehr fähige Nation, Ich
spreche hier nicht von meinen tapferen und sympathi-
sclien jüdischen Freunden. Im allgemeinen hat sich die
jüdische Nation durch ihren bedeutenden Intellektualis-
mus ausgezeichnet. Wo werden wir etwas finden, das
sich verleichen ließe mit dem Geiste ihrer Propheten,
ihrer Poesie und ihrem Lied?"
Auf der anderen Seite bemühen sich die Haken-
Kreuzblätter zu beiceisen, Hamsum sei Antisemit ä Id
Goebbels und Streicher. So zitiert beispielsweise die „Ber¬
liner Illustrierte Nachtausgabe" eine Aeußerung Hamsuns,
wonach die Juden ihrer Machtstellung in Deutschland ent¬
hoben werden müßten, da diese für das Deutsche Reich
äußerst schädlich sei usw.
Die günstige Beurteilung der Juden stammt aus
dem Jahre 1928, die gehässige aus dem Jahre 193 4. Ob
hier eine Erfindung aus propagandistischen Motiven vor¬
liegt, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls
wäre es trauAg, konstatieren zu müssen, daß ein Knut
Hamsun der Hakenkreuzpropaganda, diesem gefährlichen
Gift erlegen ist.
Ausgewiesene Alibi-Zeugen
Die Familie Borochow hatte durch Zufall den
des Mordes an Dr. Arlosoroff beschuldigten Abraham
Staxosky am Abend des Freitag, 16. Jicnl 1933, in
Jerusalem gesehen. Die Familie, das Iwißt die Mutter und
zwei Kinder, sagten aber nicht im Vorverfahren, sondern
erst in dem Hauptverfahren aus, denn sie hatten Angst:
Sie waren „illegal" im Land, im Jüdischen Nationalheim.
Tatsächlich erreichte sie ihr Schicksal. Bei ihrer
Zeugenaussage trat zutage, daß sie sich ohne gesetz¬
liche Visa in Palästina aufhalten. Das Auge des Ge¬
setzes wachte über diese Illegalität und bewirkte,
daß die Familie ausgewiesen vnrd. Die Borochows sind
bulgarische Untertanen gewesen und es geht
jetzt darum, daß die bulgarische Regierung sie v u r ü c k-
e m p } än g t.
Man sieht, bis wohin die Folgen der „Illegalität"
reichen. „Illegal" sein in Palästina ist fast gleichbedeutend
mit „hefker", das ist vogelfrei.
Eine heikle Frage
Jetzt streiken auch schon die u r u b i s c h e n
Arbeiter in Palästina. In Petach l'ikiou und iV<?//
Zionah ist es ihnen durch den Streik gelungen, ihre
Löhne erheblich zu erhöhen. Und gleich nach dem
Streik haben sie sich organisiert: Arabische Ar¬
beiter in einer j udi s c h e n Kolonie. Diese Or¬
ganisation soll einen Wall schaffen gegen die Ein-
lounderung arabischer Massen aus Trans Jordanien.
Das Organ der Unken palästinensischen Arbeiter¬
schaft „Duoar" schreibt hiezu:
„Der Streik in Neß Zionah hat vom neuen be¬
wiesen, daß es einen gemeinsamen Gegensatz gibt
zwischen dem jüdischen Arbeiter, Einwanderer und dem
ständigen arabischen, einheimischen Arbeiter einerseits
und dem arabischen billigen Wanderarbeiter aus den
Nachbarländern Palästinas andererseits. Letzterer be¬
droht gleichzeitig den Lebensstandard des jüdischen und
arabischen Arbeiters Palästinas und untergräbt ihre
Herrschaft auf dem Arbeitsmarkt. Diese Tatsache äußerte
sich deutlich in dem schweren Konflikt zwischen den
arabischen Arbeitern im Hafen von Haifa und den nach
Haifa gekommenen Arabern aus dem Hauran."
Iiis jetzt richtet sich, nach dem „Danur" die Or¬
ganisation der Araber gegen ihre „ausländischen'''
J 'olksgenossen. Wan wird der ..Daoar 1 schreiben,
wenn sich die arabischen Arbeiter in den jüdi¬
schen Kolonien gegen die jüdischen Arbeiter in
den jüdischen Kolonien organisieren werden?
Hegen Hitler*Waren in Palästina
Aus London wird berichtet:
J. B. Steinberg:, Herausgeber der linken jüdi¬
schen Wochenschrift „Dos freie Wort" (London), hat in
seinem Blatt einen Artikel veröffentlicht, der sich mit
dem neuen Transfer-Abkommen beschäftigt, das die
j „Nir" (eine von der „Histadruth" und von der Poale
Zion in Palästina gegründete Handels- und Konsura-
! gesellschaft mit der Hitler-Regierung ab¬
schließen will.
Der Artikel schildert die Sachlage und kommt zu
folgendem Schluß:
„Wir wenden uns nicht an den einfachen Juden in
Palästina, sondern an die offiziellen Führer des Jischuws.
Der Jude von der Gasse erlaubt sich nur deshalb das und
jenes zu tun, weil es die Führer und Persönlichkeiten
zulassen. Wir wenden uns an jenes Lager in der
zionistischen. Bewegung, welches heute darin den größten
Einfluß hat — an die sozialistischen Zionisten,
an die Histadruth.
Ist es wahr, daß der ,Nir< im Begriffe Ist, ein
neues Abkommen mit der Hitler-Regierung zu
treffen? Ist es wahr, daß sich Palästina in einen
der grüßten Absateplatze für deutsche Waren ver¬
wandelt hat? Ist es wahr, daß mit Wissen und
Willen der Histadruth die jüdische und derao-
kratiseh-fortschrittllche Weltfront im Kampf gegen
Nazideutschland durchbrochen wird. Ist es nicht an
der Zelt, mit dieser unerträglichen Lage ein Ende
zu machen?"
*
Wir haben in unserer Ausgabe vom 3. August
unter dem Titel „Palästinas Sozialisten
propagieren Hitler-Waren" auf die Tatsache
aufmerksam gemacht, daß die. Linken in Palästina viele
Firmen zwingen, die im Rahmen des Transfer-Abkommens
eingeführten deutschen Waren zu kaufen. Die Kritik des
jüdischen Sozialisten J. B. Steinberg bestätigt unsere
Darstellung.
Neue Hefze in Palästina
Die von der Judenstaat3partei angeregte
Befriedung des innerzionisti3chen Lebens wurde, wie wir
bereits gemeldet haben, zunächst auf die hebräische
Presse Palästinas ausgedehnt. Tatsächlich hat sich der
Vorschlag Meir Großmanns günstig ausgewirkt und
die Beratung, welche vorige Woche in Tel-Awiw unter
Teilnahme der in Palästina wohnenden Mitglieder der
zionistischen Aktionskomitees (Misrachi, Allgemeine
Zionisten, Hapoel Hanisrachi, Judenstaatspartei) statt¬
gefunden hat, kann als erster Schritt zum Burgfrieden an¬
gesehen werden.
Allerdings ist es der palästinensischen Arbeiter¬
partei nicht gelungen, ihre Anhänger zu der D i s z i p 1 i n,
welche die Voraussetzung jedes inneren Friedens ist, zu
verhalten. Die J. T. A. meldet nämlich unter dem
2. April aus Tel-Awiw:
John Simons
Ablehnung des Antisemitismus
Der englische Außenminister Sir John Simon er¬
suchte die Jüdische Telegraphen-Agentur in einem
Schreiben, * die irrige Annahme, daß er Jude sei, richtig¬
zustellen: „Ich bin kein Jude und habe nicht einen Tropfen
jüdischen Blutes in meinen Aftern. Da die unrichtige
Annahme nur zu Mißverständnissen und falscher Dar¬
stellung führt, wäre ich dankbar, wenn Sie sie berichtigen
würden. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Brite arischer
Abstammung, und meines Vaters Name ist der einer
walisischen Bauernfamile.
„Ich zögere um so weniger, die jüdische Presse um
diese Richtigstellung zu ersuchen", schließt Sir John
Simon, „als meine Frau und ich unser ganzes Leben lang
die schärfsten Gegner des Antisemitismus waren und
einer alten und ehrwürdigen Rasse, der keiner
von uns angehört, nur Gutes wünschen."
Kürzlich hatte auch Sir John Simon in einem Ant¬
wortschreiben an Sir Archibald Hurd den gleichen Ge¬
dankengang zum Ausdruck gebracht. Es hieß dort u. a.:
„Der einzige Grund, warum ich bisher nie ver¬
suchte, öffentlich das Gerücht von meiner jüdischen Ab¬
stammung abzuleugnen, ist, daß ich glaube, die gleiche
Torheit oder Böswilligkeit, die meine jüdische Ab¬
stammung behauptet, könnte versuchen, ein Dementi als
Sympathie mit dem Antisemitismus auszulegen, einer
Geisteshaltung, die ich aüfs schärfste
verurteile. Unter meinen Freunden sind einige eng¬
lische Juden, deren britische Einstellung und patriotische
Verdienste ihre Kritiker beschämen sollten, und ich möchte
nicht um die Welt ihre Gefühle verletzen.
Aber wenn, unter den von Ihnen erwähnten Um¬
ständen, Sie es für richtig und im öffentlichen Interesse
gelegen halten, dies zu tun, so begrüße ich es, wenn Sie
diesen Brief veröffentlichen."
„Daily Telegraph" kommentiert den Brief
Sir John Simons, indem er erklärt, nichtjüdischer Ab¬
kunft zu sein, als in Wirklichkeit an Berlin gerichtet.
Die neuen diplomatischen Kreise dort können > es nicht
glauben, daß ein Mann mit einem solchen Namen arischen
Blutes sein kann. Mit diesem Kommentar soll wohl auch
angedeutet sein, daß einen Anlaß zu diesem Schreiben
wohl auch die Haltung vieler reichsdeutscher
Blätter gegeben hat, die die Ihnen nicht genehme Außen¬
politik der englischen Regierung einfach mit einer Hetz¬
kampagne gegen Minister Simon be¬
antworteten, den sie als Juden bezeichneten.
Japan wünsdotf Ansacdlung deutscher luden
in Mandsdtukuo
Aus Tokio: In einem Gespräch mit Presse¬
vertretern erklärte der führende japanische
Diplomat Sugimuro, Japan würde es begrüßen,
wenn ö 0.0 00 Juden aus Deutschland sich in dem
neuen unter japanischem Einfluß stehenden Staat
Mandschukuo dauernd niederließen. Die Erklärung
des japanischen Diplomaten erhält eine besondere Be¬
in den letzten Tagen fand man an zahlreichen
Hausmauern und Schaufensterscheiben die Auf¬
schrift „Arbeiter, rächt Euch, nehmt Rache für
das Blut Arlosoroff s". Die Nachforschungen führten
zur Verhaftung des Beamten der Arbeiter-
Krankenkasse, Joschua Armoni, und eines B e-
amten der Histadruth, namens Meir Klein. Die
Histadruth hatte zuvor energisch in Abrede gestellt,
daß sie Racheakte und Repressalien im Zusammen¬
hang mit dem Fall Stawsky begünstigt.
Unter solchen Auspizien sieht sich die weitere
„friedliche" Entspanung im zionistischen Lager und im
jüdischen Leben Palästinas höchst ungünstig an. Die
Histadruth kann, nachdem sie jahrelang den maßlosesten
Kampf ihrer Mitglieder gegen alle Gegner des Klassen¬
kampfes und gegen alle „Kapitalisten" favorisiert hat, die)
eigenen Methoden nicht von heute auf morgen abstoppen*
Die Erklärung, daß sie Racheakte und Repressalien int
Zusammenhang mit dem Fall Stawsky nicht begünstige,
besagt nichts. Sie muß klipp und klar' kundtun, daß die
Angelegenheit der unschuldigen drei Zionistoa
für sie restlos erledigt ist.
deutung, wenn man daran denkt, daß die Mandschurei aa
das von der Sowjetunion als autonomes
jüdisches Gebiet proklamierte Biro-Bidschan
grenzt. Bekanntlich wurde seinerzeit von der Auf-
Stellung einer besonderen, für Grenzschutzzwecke be*
stimmten jüdisch-russischen Truppe in Biro-
BIdschan gesprochen. Diese Meldungen wurden später von;
sowjetrussischer Seite dementiert. \
Genießen die Juden Rumäniens volle Redifs«
gleidiheit ?
Aus Bukarest: Minister Jamandi, Staats¬
sekretär des Innern, hat zur Juden frage Erklärungen
abgegeben. Die Juden seien rumänische Vollbürger
mit gleichen Rechten und Pflichten. Aus dieser These hat
Minister Jamandi die verschiedensten Konsequenzen ge¬
zogen und erklärt, die spezifisch jüdischen Organisar
tionen und Parteien hätten keine Existenz¬
berechtigung. Jamandis Erklärungen haben den,
ehemaligen Deputierten der Jüdischen Partei, Dr. Meier
Ebner, veranlaßt, in der „OstjüdischenZeitung'*
die kritische Frage aufzuwerfen, ob die Juden auch
de facto die bürgerlichen Rechte besitzen. Er fragt:
„Warum kommen Neuansteilungen von Juden im
Staatsdienste so selten und in der neueren Zeit gar
nicht vor, wo doch die Konstitution in dieser Hinsicht
keinen Unterschied kennt?" „Ist die theoretische
Anerkennung der völligen Rechtsgleichheit schon fakti¬
scher Besitz dieser Rechtsgleichheit?" Dr. Ebner
schließt: „Auf alle diese Fragen wird der Minister nicht
antworten — aus dem einfachen Grunde, weil er eine zu¬
reichende Antwort nicht geben kann. Wir Juden
müssen uns so lang in einer politischen Partei organisieren,
als die Anerkennung unserer Rechtsgleichheit auch in der
Verwaltung nicht vollständig erfolgt ist — bis unsero
Rechte als Menschen, als Bürger und als Volk nicht nur
gesetzlich, sondern auch praktisch anerkannt sind."
5000 polnische Juden wanderten im ersten Halbjahr
1084 nach Palästina aus
Aus Warschau: Aus Informationen, die das
Warschauer Palästina-Amt aus Jerusalem erhielt, geht
hervor, daß von den im ersten Halbjahr 1934 nach
Palästina eingewanderten 14.457 Juden 5 0 3 5 aus
Polen stamnten. Für das zweite Halbjahr 1934 wird mit
einer Verdoppelung dieser Zahl gerechnet, so daß
im Laufe des Jahres 1984 über 15.000 Juden aus Polen
nach Palästina einwandern dürften.
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