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DIE NEUE WELT
Nr. 506
Beel, du MeweUskeum
Eine spaßigr Geschichte von A. K o g a 11 o \v s k y
Drr Jude blickte lange Zeit auf mich. Durch die
«climalen Lidspalten seiner verwitterten Augen be¬
trachtete er mich und rief auf einmal aus:
..Wie ist. sagten Sie. Thr Familiennnme 7 --
Goldmann ?"
„Nein, Goldberg."
..Wie? Gold—"
„Goldberg!"
..Wenn dem so ist. dann sind Sic also von den
Rownoer Golds... Goldsteins?"
„Goldberg, nicht Goldstein . . . Zweitens stamme
ich nicht aus Rowno .. . Ich bin überhaupt niemals dort
gewesen ..."
„Von welchen Goldmanns sind Sie eigentlich, von
den Lubliner?"
„Nicht Goldmann, sondern Goldberg."
„So? Goldberg? Dann weiß ich schon, wer Sic
sind... Stellt sich heraus, daß Sic ein Stückchen ver¬
wandt mit mir sind . .. Die Frau meines Neffen stammt
auch von Chaim Goldblatt... Ebenfalls ein Lomscher.
Sie stammen daher von ihrer Familie... Was sind Sie
eigentlich zu ihr?"
„Ich bin kein Goldblatt und kenne keinen einzigen
Menschen in ganz Lomscha. Mein Familienname ist
Goldberg... Goldberg!"
Der Mann gab einen langen, krächzenden Seufzer
von sich. Nahm sein dichtbewachsenes Gesicht in die
dürren Hände und dachte mit versorgter Miere nach.
Nach ein paar Minuten ging es wieder los:
„Und Sie selbst sind wo geboren?"
„In Warschau."
,jn Warschau selbst?"
„Ja."
„Und die großen Goldmanns sind Ihre Familie?"
„Die Goldmanns? Aber ich heiße doch gar nicht
Goldmann ... Ich habe Ihnen schon gesagt, meine Familie
heißt Goldberg... Ich habe zwei Brüder, die hier in
Wärschau wohnen ..."
Der Mensch war absolut nicht zufrieden:
„Goldberg? Sie selbst, sind Sie mir nicht böse,
Versprechen sich. Einmal sagen Sie Goldberg, einmal
sagen Sie — anders. Aber wenn Ihre Familie wirklich
Goldberg ist, weiß ich schon, wer Sie sind... Ihren
Vater habe ich bestimmt gekannt, war ein feiner
Mann ... Seine Branche war Papier ... Ich habe ihn gut
gekannt... Wer hat nicht den alten Goldstein gekannt ?
Ich sehe ihn noch vor mir, wie er dahergeht in seinem
weißen Bart... Ein feiner Mann gewesen! Wie lang ist
er schon tot? Zwölf Jahre, was? Ich erinnere mich an
ihn von der Hochzeit Ihrer Schwester... Ich glaube, die
Aelteste, ein schönes Mädchen... Sonderbar, daß Sie sich
nicht ein wenig an mich, erinnern, ich war doch ein Stück¬
chen Gevatter . . ."
„Ich hab' niemals eine Schwester gehabt."
Der Mensch blickrte mich herablassend an. Er
seufzte lang und plötzlich rief er giftig aus:
..Sic müssen von einer sehr kleinen, absolut nieht-
ongeschenon Familie stammen . . ."
Ich legte seine Worte als Entgelt dafür aus, dal.>
ich nicht Goldmann. Goklrtcin, Goldblatt heifö -n wellte,
-sondern just Goldberg. Der zerstreute Mensen wollte
mich auf Nichts machen. Er hatte irgendwie den Ehrgeiz,
zu beweisen, daß er die g'anzc Welt kenne, l.ui ihm
dar. bei mir nicht gelungen war, setzte er ärgerlich fort:
„Also, Sic stammen aus Warschau ? . . Aber
niemand kennt Sie hier, denn wenn Sie von etwas
Richtigem stammen würden, müßte i c h Sie sicher
kennen .. ."
Ich bekam Mitleid mit ihm und ließ es dabei be¬
wenden; ja, ich selbst begann ihm einzureden, daß er
mich kenne, daß er wisse, wer ich bin.
„Lieber Herr" — sagte ich ihm — „Sie wollten
mir doch etwas von meiner Schwester erzählen .. . Ein
schönes Mädchen gewesen, was ? Den Bräutigam, meinen
Schwager, haben Sie doch gewiß gekannt . . ."
Der Mensch wurde lebhaft.
„Der Schwager, lassen Sie nur, wie ist sein
Familienname gewesen?"
Ich wollte einen Namen zulegen, der sich leicht
merken läßt, und mir fiel ein:
„Rabinowitsch!"
„Rabinowitsch! Uscher Rabinowitsch' Sohn? Ist
er doch einer der unsrigen!"
„Ja; Uscher Rabinowitsch' Sohn . .."
„Er ist, glaub' ich, von den Kiewer... Ja, von
den Kiewer oder von den Rownoer . . . Schließlich egal,
da ja die Rabinowitsch eine Familie sind.. . Der von
den Rownoer hat Chaim geheißen . .. Chaim und Uscher
sind Brüder, und einer ist nach Rowno übersiedelt, weil
er dort ein Holzgeschäft gehabt hat... es ist wahr¬
scheinlich Chaim gewesen, weil ja Uscher Töchtev gehabt,
so ... so ... Jetzt erinnere ich mich schon, was ver¬
drehen Sie mir den Kopf? . . . Wenn ich Ihnen sage, daß
ich bei der Hochzeit dabei war... was wollen Sie dann?
Was heißt das? Ich erinnere mich noch daran, daß ich
einen Rubel Hochzeitsgeschenk gegeben hab' ... Hahaha!
Und wissen Sie, daß der alte Goldstein, Ihr Vater, mich
herbeigerufen und mir gesagt hat das und jenes, ein
Wort gibt das andere ... Er hat Worte sehr gern ge¬
habt . . . Hat gesagt: .Weißt du, Berl, der Bräutigam
drängt, er will rasch Hochzeit machen, hahaha!' ..."
Und der Mann verfiel in ein sonderbares Lachen,
dabei winkte er mir mit einem versteckt-unverständlichen
Zeichen eines alten Mannes zu, der irgendwelche Dinge
andeuten will... Er war zufrieden damit, daß die er¬
fundenen fremden Namen den Erfolg hatten, den er sich
wünschte.
Von nun ab störte ich ihn nicht mehr, er nannte
mich, wie es ihm paßte: Goldmann, Goldblatt, Goldstein,
und manchmal rief er mich sogar mit meinem richtigen
Namen Goldberg.
KINO'PROGRAMME
KREUZ-KINO
f, Wollzeile 17
Telephon R -24-2- lb"
Vorstellungen : t§, %6, V«8, V*10
Der sensationelle Kriminalfilm
Verbrecher im Frack
mit Warner Baxter und Myrna Loy
ROTENTURN
I, Fleischmarkt 1
Telephon R-29-1-59
Beginn: *, J A6, ViB, V*10
Elisabeth Bergner
in Vedoß htkk nie t
SCHWEDEN
II, Taborstraße 1
Vitt, V*6, V*8, ValO
Telephon A-49-0-60
sThä^fer
VI, Mariahilferstraße 37
Telephon B-20-203
beginn: Va6, 1 A8, 'A10
STAFA, VII
Mariahilferstraße 120
Telephon B-33-0-68
Wochentags: 5, 7, 9 Uhr
VOTIVPARK
IX, VVähringerstraße 12
Telephon A-18-3-96
Beginn: it, J A6, VtB, y«,10
FOOTLIGHT-
PARADE
Die Revue der schönsten Frauen
Der fpannende Wirklichkeitsfilm
G-MEN
Gangster - Dämmeruns
GRETA GARBO
— wie noch nie — in
mit Herbert Marshall
und Warner Oland •
Beim Abschied nannte er mich plötzlich Rabino¬
witsch, gab mir Grüße an die halbe Welt von Menschen
mit, von denen ich noch nie etwas gehört hatte ... Er
nannte mir auch seinen Familiennamen, den ich aber
vergessen habe ... Eine Familie, an die sich niemand
erinnern konnte .., Und ich glaube, der Mensch habe
selbst seinen eigenen Namen verdreht und könne sich
an ihn nicht mehr erinnern ...
„Gtlud Zirim" ersucht um folgende Verlautbarung:
Ein junger Mann, der sich Rosenzweig nennt, aber
auch unter anderen Namen auftritt, gibt bei diversen
Aemtern und Privatpersonen an, bei uns Hachscha-
r a h gemacht zu haben. Er versucht auf diese Weise,
Kleider und finanzielle Unterstützung zu erbetteln. Wir
stellen fest, daß dieser Mann mit unserem Verband nicht»
zu tun hat, und ersuchen, ihn im Betretungsfalle der
Polizei zu übergeben.
„Footlight Parade". Amerikas größte Filmschäu
trägt diesen Titel, in der die schönsten Tänzerinnen und
Schwimmerinnen des ganzen Kontinents vereinigt wur¬
den. Die Hauptrollen spielen James Cagney, der bereits
durch den Film „G-Men" in Wien bekannt, ist, Ruby
Keeler, die reizende Hauptdarstellerin der „42. Straße".
Joan Blondel und Amerikas beliebtester Bonvivant Diele
Powell. Die Uraufführung dieses Films findet heute im
Schweden-Kino statt.
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Eigentümer, Kerleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G, Ignaa Steinmann, beide Wien«
IX., Universitätsstraße 6—8,