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DIE NEUE WELT
Nr. 507
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langjährige politische Referent der zionistischen Exe¬
kutive und Vertrauensmann Weizmahns, Oberst
F. H. K i s h, steht.
Oberst Kish veröffentlichte im Tagblatt „The
Palestine Post" einen Aufruf gegen den Transfer, in
welchem er die schwersten Beschuldigungen gegen die
ihn leitenden zionistischen Führer und Banken (Anglo-
Falästina-Bank, Arbeiterbank, die Arbeiterpartei-Ge¬
nossenschaft ,Nir" etc.) erhebt. Er stellt fest, daß das
Schlagwort von der „Rettung unglücklicher deut¬
scher Juden und ihres Kapitals nach Palästina" eine
bewußte Täuschung ist. Durch den Transfer hat nur
ein ganz kleiner Bruchteil deutscher Ein¬
wanderer einen Teil seines Kapitals nach Palästina
gebracht. Hingegen haben sich die Gesellschaften b e-
reichert und wurden Kapitalsverschie¬
bungen vorgenommen, die mit deutscher Einwande¬
rung nichts zu tun haben.
Zusammenfassend schreibt Oberst Kish:
„Der Transfer zerstört die jüdische Einheits¬
front gegen den Nationalsozialismus. Er schädigt die
Entwicklung der jungen palästinensischen
Industrie, welche gegen das deutsche Dumping
nicht aufkommen kann. Er verwandelt einen Teil der
jüdischen Einwanderung in eine Organisation, welche
f ü r B e r 1 i n arbeitet und g e g en jene Juden, welche
gegen die brutalen Methoden der Hitler-Regierung
ankämpfen. Er demoralisiert das jüdische Le¬
ben in Palästina, indem er Kaufleute zum Kauf und
Verkauf deutscher Waren verpflichtet, da sie im
Weigerungsfalle wirtschaftlich ruiniert sind, ander¬
seits aber Prämien für den Handel mit deutschen
Waren erhalten. Er ruft in der ganzen eng¬
lischen Welt Empörung und Verachtung
hervor, da sie mitansieht, wie die Juden Palästinas die
Judenverfolger in Deutschland belohnen, dadurch, daÖ
sie immer mehr deutsche Waren und immer
weniger englische Produkte ins Land bringen.
Ist doch die T-ransferkommission jetzt so weit ge¬
gangen, deutsche Waren über Palästina nach
Aegypten, Syrien und den Irak zu bringen."
Die Transferkommission, welcher Vertreter der
Zionistischen Exekutive, Banken und Fonds ange¬
hören, hatte die ganze Zeit hindurch geschwiegen.
Erst der Aufruf des Obersten Kish hat sie zur Ver¬
öffentlichung einer Antwort veranlaßt. Sie weicht in
dieser Antwort den meisten Anklagen aus und be¬
handelt nur zwei Fragen: Wie stellt sich die Mandatar-
raacht England zur Begünstigung der Einfuhr
deutscher Waren durch die zionistischen Behörden
und Banken ? Wie stellt sich die jüdische und vor
allem die zionistische Welt zum Transfer ?
Zur ersten Frage schreibt die Kommission: „Wir
bedauern, daß Colonel Kish nochmals das Argument
in die Oeffentlichkeit bringt, welches dem
jüdischen Interesse schadet, nämlich daß
der Transfer den Import britischer Waren
vermindert und verhindert. Dieses Argument wurde
in Luzern berührt und als unbegründet ver¬
worfen. Die Transferkommission st eht in s t ä n d i-
gemKontakt mit den R e Präsentanten der
britischen Interessen, und es wurde alles getan,
um die erwähnten Befürchtungen zu zerstreuen."
Diese Behauptung ist eine allzu durchsichtige
Erfindung. Aus unzähligen englischen Publikationen
geht hervor, daß man in englischen Kreisen ehrlich
entrüstet ist und die leider vorhandenen anti¬
zionistischen Strömungen im englischen Publi¬
kum und in Regierungskreisen durch den Transfer
deutscher Güter auf Kosten englischer eine für den
Zionismus verhängnisvolle Stärkung erfahren. Wie die
„Repräsentanten der britischen Inter¬
esse n", mit denen in „ständigem Kontakt" zu stehen
die Transferkommission vorgibt, in Wirklichkeit
denken, ist gerade jetzt, klargev/orden.
Soeben hat. die englische Regierung in
der Londoner Presse den Bericht des berufen¬
sten Repräsentanten britischer Interessen in
Palästina, nämlich den Bericht des Herrn C. E m p-
t o n, Handelsbevollmächtigter des englischen Staats¬
departements für Ueberseehandel In Haifa, ver¬
öffentlicht.
Kin eigenes Kapitel des Berichtes ist dem Scha¬
den gewidmet, welchen der deutsche Import dem
englischen Handel in Palästina zufügt.
Herr Erupton weist darauf hin, daß die hauptsächlich
Maschinen und Stahlwaron umfassende
deutsche Einfuhr England den größten Scha¬
den zufügt. Der Wert der deutschen Einfuhr von
Ganz- und Halbfabrikaten hat z. B. im Mai 1935 die
englische Einfuhr um 14 Prozent übertreffen, In dem
ersten Quartal 1985 hat sich der Anteil des deutschen
Importes an der Gesamteinfuhr gewaltig erhöht, der
Prozentsatz der englischen Einfuhr aber ist
ebenso gefallen. Herr Empton warnt nachdrück¬
lichst vor dieser Entwicklung.
So hat die Transferkommission die „Beunruhi¬
gung" der englischen Fachkreise und Oeffentlichkeit
„zerstreut"! — Das Gegenteil ist wahr.
Bezüglich der Stimmung in der jüdischen und
zionistischen Welt behauptet die Transferkommission
in ihrer Erklärung:
„Die frühere Opposition gegen den Transfer
hat aufgehört in Anerkennung der Tatsache, daß
die Umstände, die den Transfer erforderlich machen,
weit wichtiger und entscheidender sind dls alle von
den Transfer-Gegnern vorgebrachten Argumente.
Alle Parteien, mit Ausnahme der Großmann-
Gruppe (so nennt sie die Judenstaatspartei, um auf
diese billige Weise ihre Bedeutung herabzusetzen)
haben eingesehen, daß im Interesse einer höheren
Notwendigkeit über die negativen Umstände des
Transfers hinweggesehen werden müsse."
Diese Behauptung hat im Lande nur Lachen aus¬
gelöst. In einem Augenblicke, da der Waad Leumi in
der Transferfrage öffentlich von der Exekutive und
den Banken abrückt, da der Industriellenbund die
schärfste Verwahrung einlegt, da die gesamte Jugend
gegen den Transferschacher revoltiert und schwere
Polizeistrafen für Demonstrationen gegen den Trans¬
ferschacher auf sich nimmt, wagt man zu sagen, daß
alle Parteien hinter dem Transfer stehen.
Die wahre Stimmung kommt in einem Vorfalle
zum Ausdruck, den eine ergebene, mit Inseraten
reichlich versehene Presse bisher ängstlich ver¬
schwiegen hat. Nach Aegypten, in welchem
scharfer Boykott gegen deutsche Waren geübt
wird, kamen jüdische Agenten aus Palästina und
boten deutsche Waren an. Als man sie auf die Gemein¬
heit ihres Vorgehens aufmerksam machte, wiesen sie
darauf hin, daß ja die zionistische Leitung
und die zionistischen Banken hinter diesen Geschäften
stehen. Daraufhin haben die ägyptischen
Juden den Boykott über die zionisti¬
schen Fonds, über den Keren Kajemeth
und den Keren Hajessod, verhängt.
Gewiß sind die ägyptischen Juden in ihrer Ent¬
rüstung zu weit gegangen, wenn sie die Fonds des
jüdischen Volkes für die Verfehlungen zionistischer
Parteiführung büßen lassen. Aber durch Verschwei¬
gen macht man eine kranke Sache nicht gesund. Tat¬
sache ist, daß die Empörung über den Luzerner
Transferbeschluß unaufhaltsam wächst. Hinter ihm
stehen jetzt eigentlich nur mehr die unmittel¬
baren Nutznießer des Handels mit den Hitler-
Leuten und die Polizei, welche einschreiten muß, wenn
sich der Zorn gegen die verachteten Nutznießer ge¬
waltsam äußert.
macht sich nicht bezahlt
Reorganisierung der deutschen Assimilanten
Der C. V., der „Centraiverein deut¬
scher Staatsbürger jüdischen
Glauben s", die Organisation der assimilatorischen
Juden Deutschlands, steht vor der Entscheidung, wie
sie sich in die neugeschaffene jüdische Gemein¬
schaft Deutschlands eingliedern soll. Die bisherige
Haltung gegenüber dem deutschen Volk und gegen¬
über der national bewußten Judenheit Deutschlands
ist nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die deutsche
Gesetzgebung hat sogar dem vom C. V. streng ge¬
hüteten Begriff „Deutsche Juden" ein Ende gemacht,
indem sie eine scharfe Trennung zwischen Jude und
Deutscher nach außenhin vollzog und sogar ein
weiteres Nebeneinander von Juden und Deutschen un¬
möglich machte. Der Jude ist in Deutschland kein
Staatsbürger mehr; er ist ein — vorläufig noch
geduldeter — Gast ohne Gastrecht.
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Dieser Tatsache muß nun auch der C. V.
Rechnung tragen. Auf seiner Generalversammlung
am Montag, den 21. Oktober, hat er grundlegende
Statutenänderungen in bezug auf den Namen, den
Zweck und die Weiterführung des Vereins vollzogen.
(Genaues über diese Beschlüsse ist noch nicht be¬
kannt.) Jedenfalls läßt sich sagen: Auch für den
Zentral verein hat eine neue Epoche begonnen.
Für uns, die wir als nationale Juden
den Weg des Central verein-Judentums stets als
Irrweg erkannten und bezeichneten, ist die zu er¬
wartende Haltungsänderung der Endpunkt eines
natürlichen Prozesses, die Pointe der zionistischen
Erkenntnis vom immanenten Bestehen der Juden-
l'rage auch in den Ländern höchster Kultur, Ge¬
sittung und Humanität; die Bestätigung der alten
Herzischen These, daß man uns „nicht in Ruhe
lassen" wird, solange wir zerstreut und national
unorganisiert unter fremden Völkern leben,
solange unsere Existenz also eine anormale ist.
Ein großer Teil der Juden Deutschlands glaubte
diese Tatsache ungestraft ignorieren zu dürfen,
glaubte dem Judenschicksal zu entgehen, ja verstieg
sich sogar „zur unbeirrbaren Pflege
deutscher Gesinnun g", wie es in den bis¬
herigen Statuten des Centraivereins heißt. Es war die
sogenannte „C.-V.-Gesinnung : \ die nicht beim Betonen
des deutschen Charakters halt machte, sondern das
nationale Judentum, die deutschen und außerdeutschen
Z i o n i s t e n, in der schärfsten Weise bekämpfte.
Es hat keinen Sinn, in der heutigen Schicksals¬
stunde des deutschen Judentums den Herren vom C. V.
ihre Sünden vorzuhalten. Nichtsdestoweniger kann ein
kurzer Rückblick nicht schaden. Wir erinnern
beispielsweise an die zahllosen Ver suche des C. V., die
zionistischen Aspirationen zu verdächtigen, die
zionistischen Leistungen zu schmäleren, die zionisti¬
schen Gruppen geradezu zu denunzieren. Die Dis¬
kreditierung des Zionismus vor der nichtjüdischen
deutschen Oeffentlichkeit wurde bis zur Meisterschaft
geübt, wobei diese C.-V.-Richtung auch von anderen
jüdischen Elementen, wie z. K. vom Reichsbund
jüdischer V r o n t k ä m p 1* e r, 2'uzng erhielt, mit
der erkennbaren Absicht, den innerjüdischen, d. h.
zionistischen Gegner unter Druck zu setzen. So
kämpfte dieser Teil der in Deutschland lebenden Juden
gegen die Zionisten, ihre „deutsche Gesinnung" in
staatsbürgerlicher Hinsicht bezweifelnd und
dadurch allen jenen Nahrung gebend, denen die
jüdische Minderheit an sich ein Dorn im
Auge war. Die deutschen Assimilanten unter Führung
des Centraivereins traten allenthalben der zionisti¬
schen Auffassung entgegen, daß sich Be¬
kenntnis zum Volkstum und staatsbürgerliches Pflicht¬
bewußtsein durchaus vertragen, ja gegenseitig er¬
gänzen können. j
Die heutige Situation des Centraivereins der \
Juden Deutschlands verlangt eine Klärung nach j
der jüdischen und nach der deutschen Seite hin. ''■
Die Diskussionen, wie sie früher zwischen de«
deutschen Zionisten und Assimilanten an der Tages««
Ordnung waren, sind zum größten Teil hinfällig ge«
v/orden — hauptsächlich unter der Wucht der Tat-*
Sachen, von denen die wichtigste lautet: Das
jüdische Palästina ist eine Realität,,
geschaffen durch den Zionismus! Es;
geht heute jeden in Deutschland lebenden Juden an<
denn die Einschränkung der wirtschaftlichen Be«
tätigung der Juden, wie sie die deutsche Reichs«
regierung ankündigt, wird, abgesehen von den gefühls¬
mäßigen und historisch begründeten Faktoren, die
Auswanderung nach Palästina zur dringendsten Auf««
gäbe machen.
Es wäre ein unverzeihlicher Irrturm, wenn der!
Centraiverein seine antizionistische Haltung weiter*
beibehalten und seine Juden in der Illusion belassen,
wollte, daß sich mit der Zeit ein erträgliches Ver¬
hältnis zwischen dem deutschen und dem jüdischen VolK
herauskristallisieren werde. Die Beschlüsse des
Central Vereins werden darüber Auskunft geben. Sio
werden bezeugen müssen, ob nun endlich eine Neu-«
Ordnung auch der inner jüdischen Haltung voll-«
zogen und die Front gegen den Zionismus liquidiert-
worden ist.
Der Fall des deutschen Centraivereins ist leider
kein vereinzelter. Er ist bloß ein Muster^
b e i s p i e 1 für die tragische Haltung gewisser jüdi-
scherSchichten, welche historische Entwicklungen nicht
sehen wollen, sich gegen die Zeichen derZeit blindstellen
und lieber das Bild trostloser Lächerlichkeit bieten, als
mit ihrer Vergangenheit Schluß zu machen. Wenn der
Centraiverein sich zur Erkenntnis durchgerungen hat,
daß die Frage des jüdischen Volkes in Deutsch¬
land zur Diskussion steht, dann wird er Beschlüsse
fassen, die seinen Mitgliedern die Mitarbeit am
zionistischen Werk ermöglichen. Dann wird er den
Irrtum vieler jüdischer Generationen in Deutschland
gutmachen und den Assimilanten anderer Länder
einen Fingerzeig geben — die Lehre nämlich, daß sieli
jüdischer Antizionismus nicht bezahlt macht, o. r.
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