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Nr. 5215 vom 3. Jännef 1936
OIE NEUE WELT
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BÄSCH IV, AROENTINIfRSTR. 23 - TEL. SERIE U'47'5'40
Transfer bricht zusammen
Bei Blattschluß erhalten wir folgende
J. T. A.-MeJdung aus Berlin:
Die Reichsbank hat eine Verordnung erlassen,
wonach für das Jahr 1936 nicht mehr als
1Ö 0 J u d e n, die aus Deutschland nach Palästina aus¬
wandern, die Erlaubnis erhalten werden, ein Kapital
von je 1000 Pfund mit sich zu nehmen. Aber auch die
Abfertigung dieser hundert sogenannten Kapitalisten
ist nicht garantiert; angeordnet ist, daß immer je
acht oder neun Gesuche auf einmal nach Maßgabe der
zur Verfügung stehenden Devisen erledigt werden
sollen. Motiviert wird diese Verordnung mit dem
Mangelanaus ländischenDevisen.
Die Einschränkung bezieht sich nicht hur
auf die Mitnahme von Bargeld, sondern auf den
Transfer von Waren. Von deutscher Seite wird
ins Treffen geführt, daß die Regierung an einem
Warenexport, für den keine Devisen ins Land
' zurückströmen, nicht interessiert sei. Es besteht
der Eindruck, daß die deutsche Regierung nicht
'mehr Gewicht auf die Erneuerung des Transfer¬
abkommens legt, und daß der Transfer Deutsch¬
land—Palästina überhaupt in Frage gestellt ist.
Bekanntlich hat die deutsche Regierung auf
Grund eines Ansuchens der englischen Regierung als
des Mandatars Palästinas i. J. 1933 zugestimmt, daß
insgesamt 1000 jüdische Familien aus
Deutschland nach Palästina mit je 1000 Pfund Bar¬
kapital auswandern dürfen. Bereits i. J. 1934 hat die
deutsche Regierung diese Kapitalistenauswanderung
gestoppt und nur nach und nach die erforderlichen
Devisen bewilligt. Bis heute sind noch nicht 700 dieser
Fälle abgefertigt worden. Mehrere hundert solcher
Gesuche harren in der Reichsbank noch der Erledigung.
Erlösung
von der täglichen Qual
ist die sanft-scharfe
Eine unsaubere Sache. -.
Die Schande der von der Zionistischen Exekutive
geleiteten und kontrollierten Gesellschaft „Haawarah",
welche mit Hilfe des Geldes jüdischer Emigranten aus
Deutschland Palästina und den Orient mit Waren aus
Hitler-D eütschland Überschwemmt, wird immer
scheußlicher. Die Aufregung um sie steigt und die Zioni¬
stische, Exekutive und die Parteien der zionistischen
'Majorität müssen fortwährend „Rechtfertigungen" ver¬
öffentlichen. Ständig wiederholen sie die unwahre Be¬
hauptung: „Durch den Transfer deutscher
Waren retten wir die deutschen Juden und
ihr Vermögen." Sie müssen zu Lügen greifen, um
ihre Haltung zu begründen.
. ' Zuletzt hat der politische Referent der Zionistischen
Exekutive, Professor Brodetzki, in London eine Rede
für - d}e „Haawarah" gehalten. Sie verdient festgehalten
zu-werden, denn sie zeigt,. auf welche Bahn anständige
Menschen geraten, wenn sie eine schlechte Sache ver¬
teidigen müssen. Professor Brodetzki sagt:
. „Ich teile durchaus den Abscheu der Juden,
etwas mit den Produkten deutscher Fabrikanten zu tun
zu haben... Die ,Haawarah' ist eine unsaubere Sache.
Aber wir Juden sind gezwungen, sie zu berühren, damit
schließlich Sauberkeit und Menschlichkeit
herrschen."
•. , Ja, jeder Mensch, der sein Haus reinhalten will,
muß. Schmutz berühren. Aber um ihn hinauszu¬
werfen, nicht, um ihn im Hause zu häufen, nicht, um in
diesem Schmutz zu waten bis an den Hals.
Professor Brodetzki sagt weiter:
„Am .<U. Oktober 1985 waren die der ^Haawarah*
hi; Berlin (von deutschen Juden) gezahlten Summen rund
30 Millionen Mark. Hievon waren 2i¥> Millionen in Palä¬
stina ausgezahlt worden... Man schätzt, daß bis jetzt
rund 5000 Juden sich der jHaawarah* bedient haben, um
nach Palästina einzuwandern."
Herr Professor! Man „schätz t" nicht, sondern
man lügt. In dem Berichte, welchen die Leiter der
„HaaWarah" über Drängen der Spezialkommissionen des
Luzerner Zionistenkongresses im September 1935 erstattet
haben, stellen sie selbst fest, daß nur rund 1800 deutsche
Juden den Transfer von Teilen ihres Vermögens durch die
„Haawarah" vollzogen haben. In einem offenen Briefe in
der Jerusalemer „Palestine Post" vom 11. Oktober 1935
hat der frühere Leiter der zionistischen Palästina-Exeku¬
tive, Oberst K i s h, festgestellt, daß nur ein ganz
geringer Bruchteil der rund 30.000 deutsch¬
jüdischen Einwanderer durch die „Haawarah" Geld hin¬
überbringen konnte und der Großteil der Tätigkeit der
„Haawarah"' Schiebung von Hitler-Waren ist, die mit
jüdischer Einwanderung und „Rettung" nichts: zu tun hat.
Und das Organ der Zionistischen Exekutive „The New
Judaea", also das Organ des Herrn Professor Brodetzki,
erklärt in seiner Oktober-Nummer, daß die Behauptung
Oberst Kish' nicht widerlegt (has not been challenged)
werden konnte. Er sagt weiter, daß selbst Menschen,
welche dem Transfer günstig gesinnt sind, die „Haawarah"
als eine „Agentur für nazistische Handels¬
interessen" ansehen. Herr Professor Brodetzki ver¬
gißt auch anzugeben, in wessen Taschen die „trans¬
ferierten" 30 Millionen in Palästina fließen. Die Juden,
welche in Berlin eingezahlt haben, bekommen in Palästina
kaum 20 Prozent, und die erst frühestens nach e i n e m oder
zwei Jahren und vielfach nicht bar, sondern in schwer
anbringbaren oder unanbringlichen Aktien und Obliga¬
tionen. Der SÖprozentige Rest wird ihnen geraubt und die
Hakenkreuzler und die „Haawarah" teilen die Beute«
j Professor Brodetzki erklärt weiter:
„Ohne den Transfer würde Palästina mit bil¬
ligen deutschen Waren überschwemmt
werden..."
Jn Wirklichkeit ist Palästina mit Waren aus
Hitler-Deutschland überschwemmt, dank der
Tätigkeit der zionistischen „Haawarah" und der durch den
Bruch des Boykptts seitens der zionistischen Organisation
ermutigten anderen Firmen. Nachstehend ein Beispiel,
wie die jüdisch-palästinensische Industrie
durch dieses Treiben ruiniert wird:
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allen Slpotljeten bes 3« s un > Slusla.nbcs crhältüd).
Aus Tel-Aviv (Palnews): Wie uns mitgeteilt
wird, erhält die palästinensische Industrie in diesem Jahre
auffallend kieln'e Aufträge für Orangen-
kistennägel, die speziell hergestellt werden, da. ge¬
wöhnliche Nägel für Orangenkisten ungeeignet sind.
Da man für 10.000 Kisten mit einem Verbrauch von
1 Tonne Nägel rechnet, belauft sich der Orangenkisten-
nägelbedarf bei einem Export von 1 S A Millionen Kisten
auf 750 Tonnen Nägel, die einen Wert von Pf. 10.000 bis
11.000 repräsentieren.
Die geringfügigen diesjährigen Orangenkistennägel-
aufträge für die palästinensische Industrie erklären sich,
wie bekannt wird, aus dem Umstand, daß in erheblichem
Umfang Transfernägel aus Deutschland ver¬
wendet werden.
Die Korrespondenz fügt hinzu, daß die deutschen
Nägel gegenüber einem Normalpreis in Europa von
23 Pund pro Tonne in Palästina um 14# Pfund
verkauft werden. (Anm. der Red.: Die Differenz
müssen natürlich die deutschen Juden tragen, für
deren Geld die Nägel in Hitler-Deutschland gekauft
wurden!), und schließt mit der Bemerkung:
„Unter derartigen Umständen hört für die palä¬
stinensische Industrie jede Konkurrenz¬
möglichkeit auf."
Mögen die Führer, der zionistischen Majoritäts¬
parteien noch so viel Worte, Tinte und Druckerschwärze
über die „unsaubere Sache" häufen! Sie werden sie nicht
verdecken und sie wird weiter und immer stärker zum
Himmel stinken.
Der Transfer deutscher Waren durch die zionistische
Organisation ist und bleibt Schande und Gefahr fürs
jüdische Volk, Raub an den deutschen Juden, Unrecht an
den anderen Staaten, Ruin für Gewerbe und Industrie in
Palästina.
Diskussion über Transfer
Aus New York (J. T. A.): Im Mecca Temple zu
New York fand vor mehr als 4000 Zuhörern eine Aus¬
sprache über das Transferabkommen Deutschland-
Palästina zwischen dem zionistischen Arbeiterführer
Berl Locker und dem jüdisch-sozialistischen Führer und
Direktor des „Jewish Daily Forward" B. C. V 1 a d e c k
statt. Viadeck erklärte, das Transferabkommen breche
die auch von der sozialistischen Internationale befohlene
Bewegung für den Boykott Nazi-Deutschlands
und schädige außerdem die Palästina-Industrie.
Locker erwiderte, das alles werde durch die Tatsache auf-
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gehoben, daß einer großen Zahl deutscher Juden durch
den Transfer ermöglicht werde, Deutschland zu verlassen.
Würde man ein allzu strenges Maß anlegen, so müßte
man auch gegen das Joint Distribution Committee, das
Gelder nach Deutschland zu Hilfszwecken schicke,
den Vorwurf erheben, daß es den Boykott breche.
*
An Berl Lockere Vergleich der Hilfsgelder an hun¬
gernde deutsche Juden mit dem Nazi-Handel in Palästina
ist zu erkennen, zu welch unsinnigen Phrasen man kom¬
men muß, wenn man die Transfer-Schande rechtfertigen
will.
Frau Stephen Wise steht Boykottposten
Aus New York: Frau Stephen S. Wise, Präsi¬
dentin der Frauensektion des American Jewish Congreß,
leitet eine Boykottpostengruppe von dem Shackman-
Spielwarenhaus in New York, welches einen großen
Teil seiner Waren aus Deutschland bezieht. Die
Postensteherinnen kommen dem Befehl der Polizei, aus¬
einanderzugehen, nicht nach; man erwartet, daß Ver¬
haftungen vorgenommen werden.
Reichsbank und Reichsbahn vollkommen „judenrein"
Aus Berlin: Der Reichshank und der Deutschen
Reichsbahn gingen am 24. Dezember Verfügungen der
zuständigen Ministerien zu, darauf zu sehen, daß bis Ende
des Jahres 1935, sämtliche noch verbliebenen jüdi¬
schen Beamten ihre Dienststelle verlassen, damit die
Aemter zu Beginn des neuen Arbeitsjahres vollkommen,
„judenrein" seien. Diese Verfügungen treffen nur noch
sehr wenige ehemalige jüdische Front¬
kämpfer, die als „schwer ersetzbar" bis jetzt noch be¬
schäftigt wurden. Alle anderen jüdischen Beamten und
Staatsangestellten, auch Frontkämpfer, wurden schon
längst von ihren Dienststellen entfernt.
Kein Minjan
Aus Frankfurt: Der orthodoxe „Israelit"
schreibt: Zahlreiche jüdische Gemeinden auf dem Lande
nehmen von Tag zu Tag ab. Viele blühende Kehillot, die
noch vor wenigen Jahren mit Lehrer und öffentlichem
Gottesdienst, . mit religiösem Unterricht und zum Teil
sogar eigener Volksschule feste jüdische Positionen dar¬
stellten, zählen heute nicht mehr die nötigen „zehn
Mann" für den öffentlichen Gottesdienst. Nun werden
wir von den Vorstehern solch dezimierter Gemeinden ge¬
fragt, ob sie nicht auch mit acht oder neun Teil¬
nehmern öffentlichen Gottesdienst abhalten dürfen ...
Man kann es verstehen, von welch tiefem Weh die älteren
Mitglieder ergriffen sind, wenn sie in ihrer verlassenen
Schul die alten Klänge nicht mehr hören, ihre Gebete still
und in sich gekehrt, unter Auslassung der Stellen,
die den Gottesdienst zum Gemeinschafts er leben
machen, verrichten müssen. Aber Din (Gebot) bleibt Din,
und über die glatte religiöse Vorschrift darf man sich
auch aus frommem Eifer nicht hinwegsetzen, will man
sich nicht „Vergehen aus guter Absicht" zuschulden
kommen lassen.
Verband de* Judenstaalsxiom'sten
Oesterreichs
Eröffnung des Heimes der Sektion IX/XVDX
Sonntag, den 5 Jänner, um 8 Uhr abends, feierliche
Heimeröffnung der Sektion IX/XVni. Das Heim befindet
sich Wien XVIII., Semperstraße 19. Festrede: Oberbaurat
Ing. Robert Stricker. — Künstlerisches Programm.
Sektion Leopoldstadt, IL, Taborstraße 2la.
Sonntag, den 5. d„ 8 Uhr abends, Heimabend.
Sektion XIV/XV., Schanzstraße 32. Dienstag,
den 7. d., halb 9 Uhr abends, Vortrag Dr. Felix Klug:
„Zionistische Tagesfragen.
Judenstaatsjugend. Dienstag, den 7. d.,
halb 9 Uhr abends, Plenarversammlung, anschließend Vor¬
trag. — Die Judenstaatspartei gratuliert ihren Mitgliedern
Markus Ruda und Nina Arm zu ihrer Verlobung aufs
herzlichste.
Herr Theodor Grubner (Wien) hat sich im Auf¬
trage der Weltexekutive auf eine Propagandareise nach
Luxemburg, Belgien, Frankreich, Schweiz und Holland
begeben. Herr Grubner wird am 3. und 5. d. in Luxemburg
zwei Vorträge im Rahmen der dortigen zionistischen
Föderation halten, und zwar am 3. d. vor der zionistische«
Jugend und am 5. d. einen allgemein zugänglichen Vof»
trag. Von Luxemburg aus reist Herr Grubner nach Ans*
werpen, wo er am .6. d, einen, Vortrag tmd BesprecÄUflfl|pl
abhalten wird. ;f£i