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Die im Talmud zerstreuten Aussprüche und Bemerkungen
über wissenschaftliche Disciplinen bilden einen Zweig geistiger
Arbeit, welche jüdische Forscher in einem Zeiträume von mehr
als einem Jahrtausend bis um 500 nachchristlicher Zeitrechnung,
wo die babylonischen der jüdischen Wissenschaft geweihten Lehr-
hallen geschlossen wurden, geliefert haben. Vielfach von Kämpfen
und Leiden während dieser Zeit heimgesucht, bot sich den Juden
die Bemühung, das ihnen einzig gebliebene Gottesgesetz zu er-
forschen und zu erkennen, als alleiniger Trost dar und erhielt
sie aufrecht, um unter anderen Verhältnissen erfolgreich für die
verschiedensten Geistesrichtungen wirken zu können. Der Erfolg
dieser Bemühungen ist im Talmud niedergelegt, dessen Inhalt, wie
bekannt, eine Sammlung alles religionsgesetzlich Ueberlieferten
nebst einer Zusammenstellung der sich daran knüpfenden Dis-
cussionen bildet. Die mit factischen Fällen zusammenhängenden
Betrachtungen, zu welchen die sogenannten profanen Wissen-
schäften nöthig waren, werden darin nur nebensächlich, so weit
sie den beregten Fall erläutern, behandelt; keineswegs lag die
Aufgabe vor, besondere Theorieen über diese Hilfswissenschaften
darin aufzustellen und auszubilden. Man hat also hier kein Lehr-
buch vor sich, in welchem eine zusammengehörige, in logischer
Aufeinanderfolge sich entwickelnde Darstellung von Lehrsätzen
und ihren Anwendungen anzutreffen ist, sondern nur ein Werk,
worin Angaben über wissenschaftlich erkannte Wahrheiten in
ihren Anwendungen auf die in der Praxis vorkommenden Fälle
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