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bayerische Israelitische Ecmeindezeitung
Nr., 7
nur den adäquaten Ausdruck für all die Sehnsucht seines Herzens,
für all sein Fühlen und Empfinden, sie belehren ihn auch über
sein Verhältnis zu Gott und über seine sittlichen Pflichten und
Aufgaben. Indem der Verfasser die Psalmen mit ihrer eigenen
Sprache zu Worte kommen läßt, erfahren wir welche Vorstellun¬
gen der Psalmist von Gott und seiner Hoheit, von seiner All¬
macht und seiner Güte, seiner Gerechtigkeit und Liebe, von seiner
Weltenleitung und Hilfsbereitschaft hat und wie er sie preist, ver¬
nehmen wir, was er von dem Menschen fordert, welche religiöse
und soziale Pflichten ihm obliegen, was für ihn gut und böse
heißen muß.
Der Verfasser will die Psalmen unserer Zeit neu erschließen
und verständlich machen. Dieses Ziel ist ihm wohl gelungen. Durch
üie Art der Darstellung und Anreihung der einzelnen Probleme
vermeidet er alles lehrhafte und hält das Interesse wach, so daß
selbst die Jugend an diesem Buche nicht ohne Verständnis vor¬
übergehen, vielmehr durch dasselbe angeregt und gefördert werden
wird. Posners Psalmen können als Werk für die Jugend, als
Jugendbuch im besten Sinne bezeichnet und als solches empfohlen
werden. I. r.
Dr. Karl Gröber: Palästina, Arabien und Syrien. Baukunst, Land¬
schaft, Volksleben. Verlag Ernst Wasmuth A.-G., Berlin. Preis:
in Leinen geb. M. 26.—; in Halbleder und Halbpergament geb.
M. 35.—. Groß-Quart, XIII S., 304 Abb.
Die Länder der Heiligen Schrift haben durch ihre Bedeutung
für die Anhänger der drei monotheistischen Weltreligionen seit
alters in Wort und Bild größte Anziehungskraft auf die Völker
des europäischen Kulturkreises ausgeübt. Durch das Wiederein¬
treten Palästinas und der angrenzenden Gebiete in das politische
Bewußtsein unserer Tage ist das Interesse an diesen historischen
Stätten der Menschheit in besonderem Maße geweckt worden. So
erscheint es nicht als Duplizität bzw. Triplizität der Fälle, viel
eher als Ausdruck der Erkenntnis, daß in diesem Winkel zwischen
Europa, Asien und Afrika wieder einmal Völkerschicksale sich ent¬
scheiden, daß im Verlaufe eines kurzen Jahres drei Veröffent¬
lichungen, deren Hauptzweck die Übermittlung des Augeneindruckes
dieses Stück Orient ist, erschienen sind.
Das von Georg Landauer besorgte Palästina-Bilderwerk^
wendet das Augenmerk des Betrachters vorzüglich dem Werden¬
den in Erez-Jsrael zu, gibt vor allen Dingen dem Juden ein ein¬
dringliches Bild über das heutige Gesicht des Landes unserer Vä¬
ter, des Landes auch späterer Enkel, zu dessen Wiederaufblühen in
unseren Tagen neuer Grund gelegt wird. Die von Dr. Paul
R o h r b a ch herausgegebene Sammlung zeigt den vorderen Orient
im Zusammenhang mit politischen Bestrebungen, deren Zeit viel¬
leicht nie mehr anbricht. Anders wieder sieht Dr. Karl Gröber
den Orient. Die zum überwiegenden Teile auf eigenen, hervor¬
ragend guten photographischen Aufnahmen beruhende Bilderreihe
gibt die malerischen, künstlerischen Werte des nahen Ostens in
einprägsamer Formgestaltung wieder. Gerade jetzt, da mit dem
Einströmen der westlichen Zivilisation viel bewußte (siehe Damas¬
kus) und daneben auch absichtslose Zerstörung des schönen Alten, der
Pracht des Orients einhergeht, sind wir dem Verfasser besonders
dankbar, so manche einzigartige Schöpfung vergangener Kunst¬
perioden in unübertroffener Weise festgehalten zu sehen. Die von
jeder Nebenabsicht freie Zusammenstellung zeigt uns die bedeutend¬
sten Denkmale des seit dem ausgehenden Altertum in Palästina
und seinen Nebenländern erhaltenen Kunstschaffens. Infolge der fast
völligen Vernichtung der vielleicht nicht besonders originären aber
gewiß gewaltigen Zeugen des jüdischen Altertums, kommt das
jüdische Element, das gerade jetzt sich wieder anschickt, dem Lande
seinen besonderen Stempel aufzudrücken, vorzugsweise in den we¬
nigen Bildern jüdischer Typen zum Ausdruck. Da auch „Volksleben"
geschildert sein soll, hätte neben den „Juden an der Klagemauer"
und den Betern und Synagogenbesuchern das neue, aber für das
Land bedeutungsvolle Bild des Chaluz nicht fehlen dürfen. Mit
dem egschulten Auge des Kunsthistorikes (Dr. Gröber ist Kustos am
Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege) sind die spärlichen Reste
der hellenistisch-römischen Zeit, die stilkrästigen Spuren der Herr¬
schaft der Kreuzfahrer und die schließlich dem Lande seinen Cha¬
rakter aufdrückende Note der islamischen Baukultur zu einem ein¬
drucksvollen Bilde des heutigen Orients zusammengefaßt. Das
feine Empfinden für öle wirkungsvolle Hervorhebung des künst-
1 Ausführlich besprochen in Nr. 10 des Jahrgangs 1925 der
„Bayerischen Israelitischen Gemeinde-Zeitung".
lerischen Moments zeichnen auch die nicht vom Verfasser her¬
rührenden, für das von ihm nicht selbst bereiste arabische und
syrische Gebiet repräsentativen photographischen Wiedergaben aus.
Eine glückliche Fügung bot die Möglichkeit, daß die aus dem Nachlaß
des bei seinen folkloristischen Reisen in Hedschas ums Leben ge¬
kommenen jüdischen Forschers Hermann Burchhardt stammen¬
den, lichtbildnerisch wie inhaltlich wertvollen Aufnahmen der Ver¬
gangenheit entrissen und zur Charakterisierung des noch immer
halb sagenhaften Jemen, des alten Reiches „Saba" verwandt
werden konnten. Wirkungsvolle Ausschnitte des landschaftlich gro߬
artigen Rahmens der „Heiligen Stätten" runden das Prachtwerk ab
und beleben in ihrer mächtigen Starrheit die Phantasie des Be¬
schauers.
Mit diesem Bande hat der Verlag Wasmuth einen weiteren
Schritt zur Fortführung seiner Sammlung „Orlris terrarum" (Die
Länder der Erde im Bild) getan und den Freunden der schönen
Welt durch den Kupfertiefdruck, der in der Wärme des Tons die
Feinheiten einer künstlerischen Photographie aufs schönste wieder¬
zugeben gestattet, neue Eindrücke vermittelt.
München. Theo Harburger.
Aruch Haschalem.
Im Verlage „Menorah" (Wien, II., Heinestraße 16), ist das un¬
entbehrliche und seit Jahren vergriffene Monumentalwerk „Aruch
Haschalem — Aruch Completum" von Dr. Alexander K o h u t in
einer neuen Auflage erschienen. Die Neuausgabe enthält auch
sämtliche Ergänzungen und Korrekturen, die der Verfasser nach
Erscheinen der ersten Ausgabe in einem separaten Band erschei¬
nen ließ. Die Neuausgabe des „Aruch Haschalem" ist auf feinem,
holzfreiem Papier schön und klar gedruckt und in 8 Prachtbänden
gebunden.
Neuerscheinungen.
(Mitgeteilt von der „Ewer"-Buchhandlung, München, Ottostr. 2.)
Babel, I.: Geschichten aus Odessa. Hlwd. M. 3.—.
Baeck: Wesen des Judentums. Neuausgabe auf holzfreiem Papier.
Lwd. M. 8.—.
Bohßet, Wilh.: Die Religion des Judentums im späthellenischen
Zeitalter. 3. verbesserte Auflage Hrsg, von Hugo Grehmann
M. 15.—.
Breuer, Js.: Die Welt als Schöpfung und Natur. Geb. M. 4.50,
drosch. M. 2.50.
Dubnow, S. M.: Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Band 3,
Lwd. und Hldr.
Feuchtwanger, Lion: Die häßliche Herzogin, Roman. Lwd. M. 6.50.
Heinemann, Js.: Die Lehre von der Zweckbestimmung des Men¬
schen im griechisch-römischen Altertum u. im jüdischen Mittel-
alter. M. 3.60.
Jahrbuch der jüd. literarischen Gesellschaft. Bd. 17. Lwd. M. 13.—.
Jahrbuch für jüdische Volkskunde 1924/25. Hrsg, von Dr. M.
Grunwald. Lwd. M. 20.—.
Jalkut Saimoni: Hebr. Kommentar z. Tnach. Dünndruckausgabe
in 1 Band. M. 16.80.
Jastrow, M.: Wörterbuch zum Targum, Talmud und Midrasch.
Hebr.-englische Dünndruckausgabe in 1 Band. Lwd. M. 29.40.
Der Jude: Sonderheft: Erziehung. M. 2.80.
Jüdische Enzyklopädie erscheint im Herbst.
Enzyklopädie des Judentums: Probeheft.
Kittel: Probleme des palästinischen Spätjudentums. M. 8.40.
Die Kreatur. Eine Zeitschrift viermal im Jahr erscheinend, Hrsg,
von M. Buber u. a.:
Lewinsohn (Morus): Jüdische Weltsinanz? Brosch. M. 3.—, geb.
M. 4.50.
Linden, Gg.: Arische und semitische Dichtung. M. 4.—.
Murawski: Die Juden bei den Kirchenvätern und Scholastikern.
M. 2.40.
Der Morgen. Zweimonatsschrift, 2. Jhrg., Heft 1 und 2; einzeln
M. 2.25, Kplt. M. 12.—.
Posner, A.: Die Psalmen, das Religionsbuch der Menschheit.
Lwd. M. 3.50.
Rathenau, Walter: Briefe, 2 Bände, Lwd. M. 13.—.
Schnitzler, A.: Trusamnovelle, Erzählung. Lwd. M. 5.50.
Soloweitschik: Die Welt der Bibel. Ein Bilderatlas. Lwd. M.
18.—, Vorzugspreis M. 15.—.