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Nachrichtenblatt öer Israelitischen Nultusgemeinöe in München
unö des Verbandes Dagerischer Israelitischer Gemeinden
Israelitlsche Gememöezeüung
Erscheint am Anfang jeden Monats. — Verlag: L. Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewlesene Bezieher: Mark 4.- für Las
Herzog Marstrahe 4 /Kernsprecher 5)opp, Postscheckkonto Nr. )PS 7 München. Jahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene mm - Zeile 40 Pfennige,
vchristleitung: Sr. Lugen Schmidt, Rechtsanwalt in München, karlstraste 6 . Kamilienanzeigen, Stellengesuche unü ähnliche Angebote 15 Pfennige.
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München, S. November
Nr. it
Inhalt: Der Reichsverband der Deutschen Juden — Jüdische Lehr- meinden — Lehrerzeitung — Aus dem verbände — Aus der Ge¬
durft der Israelitischen Kultusgemeinde München — Von unserem meinde — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachung des Ver-
Gruppenleben — Bericht über die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes im bandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, Ersatzwahl — Personal¬
laufenden Jahr — Vom Preußischen Landesverband jüdischer Ge- Nachrichten — Kalendarium.
Der Keichsverdand der Deutschen luden.
Von Dr. Neumeyer.
I.
Am 24. Oktober 1926 wurde in Berlin von den Vertretern
der Landesverbände die Verfassung des Reichsverbandes fertig-
gestellt.
Die Landesverbände und durch sie die Gemeinden treten zu einem
Bund zusammen, der den Namen „Reichsverband der Deut¬
schen Juden" führt.
Der Reichsverband ist berufen zur Pflege des Gesamtbewußt-
seinS der deutschen Juden. Er geht davon aus, daß die deut¬
schen Juden eine religiöse und kulturelle Einheit sind unbescha¬
det aller Differenzierung im einzelnen und er vertritt in diesem
großen Rahmen die Landesverbände und Gemeinden gegenüber
Reich und Öffentlichkeit, ohne ihre Selbständigkeit in der Ver¬
waltung, in Unterricht und Kultus zu berühren.
Der Reichsverband fördert demnach die allgemeinen Inter¬
essen der Religionsgesellschaft. Er errichtet und fördert Unter¬
richtsanftalten, . wobei die Errichtung und Übernahme neuer
Unterrichtsanstalten nur mit einer Dreiviertelmehrheit beschlos¬
sen werden kann (§ 13 Abs. 2). Er errichtet und fördert an¬
dere Anstalten und Einrichtungen für das Reich oder mehrere
Länder mit der Maßgabe, daß sie von den Angehörigen aller
religiösen Richtungen benützt werden können. Der Reichsver¬
band erhält hier die religiöse Aufsicht über die Führung der
Reichsanftalten (Protokollarerklärung zu § 1 Abs. 2c).
Ans dem weiteren Aufgabenkreis fei hervorgehobeu „die
Übernahme und Förderung von Aufgaben eines Landesverban¬
des auf dessen Ansuchen" (Abs. 2g). Hierzu wurde erklärt, daß
die Förderung des Religionsunterrichts in leistungsschwachen
Verbänden zu den allgemeinen Aufgaben des Reichsverbands
gehört, die er nach Maßgabe seiner Mittel zu erfüllen hat. Als
Aufgabe des Reichsverbandes wurde endlich bezeichnet „die
Vertretung der deutschen Juden und ihrer Einrichtungen gegen¬
über den Juden des Auslandes und deren Organisationen und die
Beteiligung an den Aufgaben der Gesamtjudenheit innerhalb
seiner Zuständigkeit". Damit wurde auch im Rahmen der Zu¬
ständigkeit des Reichsverbandes das Palästinawerk in seinen
Aufgabenkreis einbezogen.
Dem Reichsverband können sich Landes- und Gemeindever¬
bände anschließen, die im Deutschen Reich ihren Sitz haben und
Körperschaften des öffentlichen Rechts sind.
Es wurde beschlossen, auch die Angliederung von Gemeinde¬
verbänden des deutschen Sprachgebietes außerhalb des Deut¬
schen Reiches oder das Zusammenarbeiten mit solchen Verbän¬
den zu ermöglichen und es wurde hierbei insbesondere ein Zu¬
sammenarbeiten mit den Juden Deutsch-Österreichs ins Auge
gefaßt (Protokollarerklärung zu § 3 ).
Der Reichsverband ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft
nach Art. 131 Abs. 5 der Reichsverfassung. Er wird von dem
auf die Dauer von sechs Jahren bestellten Rat verwaltet, der
aus Vertretern der Landesverbände und aus Standes- und so¬
zialen Vertretern besteht.
Auf je 10000 Seelen und auf jeden Überschuß entfällt eine
Stimme. Danach hat jeder Landesverband mindestens eine
Stimme. Kein Landesverband olhtr darf mehr als 2 / 3 der Ge¬
samtzahl der Vertreter bestellen.
Es ergaben sich demnach vorbehaltlich genauerer Feststellung
43 Stimmen, nämlich für Bayern 5, Sachsen 4, Baden 3 ,
Württemberg, Hessen und Hamburg je 2 Stimmen, Anhalt,
Braunschweig, Bremen, Birkenfeld, Lübeck, Mecklenburg, Ol¬
denburg und Thüringen je 1 Stimme — 26 Stimmen und für
Preußen 2 / 5 dieser Zahl — 17 Stimmen.
Die Vertreter werden von den Organen der Landesverbände
gegebenenfalls im Wege der Verhältniswahl gewählt.