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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung
Nr. 1
Bus dem Verbände
Eduard Sonder, kitzingen
Am Sabbatausgang des 16. Oktober hauchte Eduard Sonder in
Kitzingen nach kurzem Krankenlager — aber unerwartet für seine,
Umgebung — seine edle Seele aus. Bestürzung und Erschütterung
rief die Trauerbotschaft über den Heimgang des erst Sechzigjähri¬
gen in der Gemeinde Kitzingen und in weitesten Kreisen der baye¬
rischen Judenheit hervor. War doch der Name Eduard Sonder
eng verknüpft mit den Geschicken der Kultusgemeinde, mit den
wirtschaftlichen und idealen Bestrebungen seiner Vaterstadt, in deren
Wirtschaftskreisen er eine führende Stellung einnahm, und nicht
zuletzt mit dem Aufbau und Ausbau des Verbandes Bayerischer
Israelitischer Gemeinden. Mit Eduard Sonder ist eine Persön¬
lichkeit von uns gegangen, die, fest verwurzelt mit den Tradi¬
tionen des angestammten Väterglaubens, ausgestattet war mit
einem Geschenk der Natur, das unsere Alten, die wir die Weisen
nennen, als höchste der menschlichen Tugenden preisen: dem Lew
tow, dem guten Herzen. Aus ihm quoll die gewinnende, vor¬
nehme Freundlichkeit und Milde, die ihm die Herzen eroberte, jene
Ed,
,rd Sonder
Hilfsbereitschaft und edle Hingabe^ welche ihn in zahlreichen
Körperschaften und Vereinigungen zum geschätzten Mitarbeiter,
Führer und zum selbstlosen Förderer aller jüdisch-sozialen Be¬
strebungen machte.
Wohl selten hat die Stadt Kitzingen eine solch große Zahl von
Leidtragenden an einer Bahre vereinigt gesehen als am 19. Ok¬
tober, als es galt Eduard Sonder die letzte Ehre zu erweisen.
Zur Trauerfeier am Sterbehause hatte sich .eine unübersehbare
Zahl von Teilnehmern aus allen Schichten, der Bevölkerung und
aus allen Teilen des Landes eingefunüen. Bezirksrabbiner Dr.
Wohlgemuth gab in seiner Trauerrede ein Lebensbild des Ent¬
schlafenen. Er gedachte besonders seines verdienstvollen Wirkens
in der Kultusgemeinde, deren Vorstandschaft er fast zwei Jahr¬
zehnte angehört hatte, hqrvorhebend, daß der Heimgegangene
trotz des großen Umfanges seines Geschäftes jederzeit die eigenen
wirtschaftlichen Interessen zurückgestellt hat, wenn es galt, im
Dienste der Allgemeinheit und des Judentums zu arbeiten. Dem
Dank der Kultusgemeinde verlieh der 1. Vorsitzende, Herr Isidor
Ullmann, noch besonderen Ausdruck. Namens des Verbandes
Bayerischer Israelitischer Gemeindcm widmete Herr Oberlandes-
gerichtsrat Dr. Neumeyer aus München dem Verewigten ehrende
Worte für sein Wirken innerhalb des Verbandes, dessen Rat er
seit Bestehen als Mitglied angehört hat. Das Referat für Sub¬
ventionen an notleidende Gemeinden war seinen Händen armer
traut. Die edle Hilfsbereitschaft, die ihn auszeichnete, und die
jederzeit betätigte Bereitwilligkeit, sich über die Nöte, der hilfe¬
suchenden Gemeinden durch eigene Anschauung an Ort und Stelle
ein zuverlässiges Bild zu machen, stempelten ihn zum unentbehr¬
lichen und unersetzlichen Mitarbeiter im Verbände, in dessen Ge¬
schichte sein Name mit ehernen Lettern eingegraben ist und bei
dessen Mitgliedern er ein Denkmal unvergänglichen Dankes sich
gesetzt hat. Bankdirektor Herrmann aus Würzburg brachte die
Trauer der Frankenloge um den Freund und Bruder, der dem
Beamtenrat angehört hatte, zum Ausdruck, Kommerzienrat Brenn¬
fleck aus Sulzfeld widmete einen ehrenden Nachruf für den Frän¬
kischen Weinhändlerverein, Fabrikbesitzer Büchner aus Kitzingen
für das Handelsgremium seiner Vaterstadt, dessen 2. Vorsitzender
der Entschlafene nahezu 20 Jahre war. Es sprachen noch Herr
Lehrer Bamberger für die Israelitischen Schulen und Wohl¬
fahrtseinrichtungen der Gemeinde, des Entschlafenen edle und
selbstlose Opferbereitschaft rühmend, ferner ein Prokurist der Firma
für das Personal. Rechtsanwalt Dr. Rosenthal (Würzburg) und
Bezirksrabbiner Dr. Bamberger (Kissingen) brachten den Dank
des Israelitischen Kurhospizes und des Israelitischen Kinderheims
in Bad Kissingen für die vom Entschlafenen betätigte Fürsorge
zum Ausdruck. Im Namen des konservativen Blocks im Baye¬
rischen Verband nahm Oberlehrer Stoll (Würzburg) von dem
treuen Freund und Mitarbeiter in tief bewegten Worten Abschied
und gedachte im Aufträge des Israelitischen Lehrervereins für
Bayern besonders der wohlwollenden Stellungnahme, die Eduard
Sonder dem seit Jahrzehnten um Sicherung seiner rechtlichen, so¬
zialen und materiellen Stellung ringenden Beamtenstand entge¬
gengebracht hat. Auch das Israelitische Lehrerseminar in Würz¬
burg betrauert den Verlust eines Freundes und edlen Gönners.
Am Grabe, klagte noch Herr Justizrat Dr. Hommel (Schweinfurt)
um den Heimgegangenen Freund.
Eine unabsehbare Menschenmenge formierte sich zum Trauer¬
zuge, der an der geöffneten Synagoge vorbeiziehend, durch die
Straßen der Stadt nach dem benachbarten Rödelsee hinüber-
pilgerte. Am Fuße des idyllisch gelegenen Schwanberges, der
traumverloren in die sonnige Herbstlandschaft hinausblickte, wur¬
den die sterblichen Überreste in die kühle Erde gebettet, während
der herbstlich bunte Wald auf der nahen Bergeshöhe die Farben
des Melkens und Vergehens hexvorzauberte und die gesegneten
Fluren der Umgebung das melancholische Lied anstimmten von
Reife,. Vollendung und Heimkehr. I. St.-W.
Fürth.
Am 27. Oktober vollendete Waisenhausdirektor Dr. Herrmann
Deutsch in Fürth das 76. Lebensjahr. Dr. Deutsch promovierte
1885 in Gießen und war von 1887—1895 Distriktsrabbiner und
Leiter der Präparandenschule in Burgpreppach. Im Februar 1895
übernahm Dr. Deutsch die Leitung der israelitischen Waisenanstalt
in Fürth, um die er sich große, Verdienste erworben hat. Neben
dieser Tätigkeit nahm er auch in hervorragendem Maße am jü¬
dischen Gemeindeleben teil und entfaltete eine reiche literarische
Tätigkeit. Möge der Jubilar noch viele Jahre wie bisher in ju¬
gendlicher Frische seine Tätigkeit fortsetzen.
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