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Nr. 12
Mitteilungen des Israelitischen Lchrervereins für Bayern
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gibt sich an Witwen- und Waisengeld zusammen ein höherer Betrag,
so werden die einzelnen Sätze im gleichen Verhältnis gekürzt.
Im Falle der Erwerbsunfähigkeit und Unterstützungsbedürftigkeit
können den Hinterbliebenen ehelichen und legitimierten Kindern
eines etatsmäßigen Beamten, die das 21. Lebensjahr bereits vollendet
haben und ledigen Standes sind, fortlaufende Unterhaltsbeiträge bis
zur Höhe des Waisengeldes gewährt werden.
Den Frauenzuschlag erhält der Beamte im Ruhestand
in gleicher Höhe wie der aktive Beamte.
Den Kinderzuschlag erhalten der Beamte im Ruhestand
und ebenso die Witwe in gleicher Höhe und auf gleiche
Dauer wie der aktive Beamte.
Aus den vezirkskonferenzen
Bericht der Bezirkskonferenz Würzburg für das Jahr 1925/26.
Die Bezirkskonferenz Würzburg tagte im abgelaufenen Jahre
allwöchentlich, mit kurzen Unterbrechungen in den Ferien, am Mon¬
tagnachmittag in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Würz¬
burg.
Die Vezirkskonferenz hat das Glück, in der Person des Herrn
Seminarrabbiners Dr. Neubauer einen Dozenten zu besitzen, der es
meisterhaft versteht, die Hörer in die Tiefen des jüdischen Wissens
einzuführen. Seine Ausführungen sind immer ein edler geistiger
Genuß für alle Kollegen, gleichviel ob Sug'jos des Talmuds und die
Gedanken der Kommentatoren scharf und klar zergliedert werden,
oder ob er im Anschluß daran die Entwicklung der Halacha von den
ältesten tannaitischen Quellen bis zu den Rischonim und Achronim
aufzeigt, oder ob er seinen Hörern Partien aus den Werken des Ram-
bam oder Rif darbietet. An dieser Stelle möchte ich ihm im Namen
der Bezirkskonferenz für die freudige Bereitschaft, mit der ex sein
reiches Wissen uns zur Verfügung stellt, herzlichsten Dank aus¬
sprechen.
Den besonderen Dank der Bezirkskonferenz hat auch Herr Semi¬
naroberlehrer Stoll verdient durch seine Vortragsreihe über „Mo¬
derne Naturwissenschaft und jüdische Tradition". Am 14. Juni fand
der zweite Vortrag statt, der das Thema „Eiszeitliche Spuren des
Menschen und jüdische Tradition" behandelte. Der Referent hatte
sich eine Anzahl sehr schöner Lichtbilder verschafft, welche seinen
äußerst instruktiven Vortrag anschaulich illustrierten, so daß alle Hö¬
rer von einer interessanten, aber erst in der letzten Zeit recht er¬
forschten Epoche der Menschheitsentwicklung klare Anschauungen er¬
hielten.
Außerdem hielt der Unterzeichnete im abgelaufenen Jahre einen
Vortrag, welcher die Anschauung des Maimonides über die Willens-
eiheit (an Hand seiner Darlegungen in Hilchot T'schuvo) und ihre
eziehungen zur Auffassung des Aristoteles bzw. dessen arabischer
Interpreten behandelte.
Jeweils nach den Sitzungen des Rates sowie der Tagung des
Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden erstatteten die Kol¬
legen Stoll und Oppenheimer ausführlichen Bericht. Von Zeit zu
Zeit wurden auch Standesfragen besprochen; insbesondere wurden
die Rundschreiben der Verwaltung.des Lehrervereins verlesen. Über
wichtige Fragen, wie z. B. einzelne Punkte des Beamtenrechts, fan¬
den besondere Zusammenkünfte statt.
Hirnheimer.
Bericht über die Bezirkskonferenz in Ansbach am 31. Oktober 1926.
Der Vorsitzende begrüßt die Erschienenen, insbesondere die neu-
eingetretenen Kollegen Lifsgens (Rochenburg o. d. T.) und Frank
(Uffenheim).
Er erteilt sodann das Wort Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Munk
zu seinem Referat „Positive Arbeit in der Konferenz". Sehr treffend
bemerkte der Redner, daß der Lehrer nicht immer geben könne, wenn
er nicht auch empfange. Er muß die Grundlagen seines Wissens ver¬
breitern und vertiefen durch immer neue Anregungen für Geist und
Gemüt. Das werde ihm zuteil, wenn er Gemoroh, Dinim und Mi¬
drasch mit seinen Kollegen in der Konferenz lernt.
In der anschließenden Besprechung wurde den Ausführungen des
Referenten allseits Beifall gezollt und beschlossen, daß die Konferenz
mindestens alle 4 Wochen tagen und schon das nächste Mal mit G e -
moroh Chulin und Midrasch Tanchuma beginnen solle.
Den Teilnehmern wird Bahnfahrt vergütet. Es stehen monatlich
45 M. zur Verfügung. Nach Besprechung verschiedener Anfragen
erfolgte gegen 5 Uhr Schluß der Versammlung. Die nächste Konfe¬
renz wurde auf Sonntag, den 28. November, anberaumt.
Max Levite, Gunzenhausen.
Stellung des Religionslehrers an den höheren Lehranstalten.
Einer Ministerialentschließung vom 30. Juli 1926, die Teilnahme
an den Lehrerratssitzungen betreffend, entnehmen wir folgende Be¬
stimmung:
Die nebenamtlichen Religionslehrer einer Anstalt haben, sofern
kein hauptamtlicher Lehrer für den von ihnen vertretenen Unter¬
richtsgegenstand vorhanden ist, nach Ziff. 136 Abs. I der Bollz.-Best.
zur Sch.-O. nicht nur das Recht, sondern, die Pflicht, an den Leh¬
rerratssitzungen teilzunehmen. Nach Ziff. 137 Abs. I haben sie
ferner, wie alle an den Beratungen teilnehmende Personen, sich
an der Abstimmung zu beteiligen, und zwar gleichviel, ob in einem
gegebenen Falle ein Schüler, hinsichtlich dessen ein Beschluß zu
fassen ist, dem eigenen oder einem anderen Bekenntnis angehört.
I. A.: gez. Goldenberger.
Personalien
Oberlehrer a. D. Heinrich Friedmann in München, der seit 1920
im Ruhestand lebt, aber trotzdem noch auf besonderen Wunsch an
einigen Unterrichtsanstalten Religionsunterricht erteilte, hat am
1. Oktober d. I. seine Tätigkeit ausgegeben, um sich ganz dem wohl¬
verdienten otium eum dignitate zu widmen. Aus diesem Anlasse
ehrte ihn der Vorstand der Kultusgemeinde durch ein seine Tätigkeit
als Religionslehrer und technischer Leiter des Religionsunterrichtes
an den Städtischen Volksschulen anerkennendes Schreiben. Auf Ein¬
ladung des Rabbinats traten die, hiesigen Kollegen zu einer beson¬
deren Ehrensitzung zusammen, in der an Stelle des verhinderten
Rabbiners Dr. Baerwald Herr Dr. Finkelscherer einen Rückblick auf
die lange Reihe von Jahren warf, die Friedmann im Dienste der
Gemeinde verbracht hat. Kantor Kirschner sprach im Ramm der
Kollegen dem Gefeierten, der insgesamt 58 Jahre, davon 43 Jahre
in München, im Schuldienst stand, in herzlichen Worten den Dank
für seine allzeit bewiesene treue Kollegialität und Freundschaft aus
und schloß mit dem Wunsche, daß de,r verdiente Kollege noch recht
viele Jahre die Beratungen der Lehrerkonferenz durch seine reichen
Erfahrungen unterstützen und fördern möge. In seiner Erwiderung
gab Friedmann, nachdem er für die ihn tief rührende Ehrung ge¬
dankt hatte, ein Bild über die Entwicklung des Münchener Religions¬
schulwesens seit 1885. Auch an dieser Stelle wünschen wir dem ver¬
ehrten Freund an der Seite seiner ehrwürdigen Lebensgefährtin
einen langjährigen, sorgenlosen Lebensabend.
Kantor und Lehrer Lübeck (Fürch) ist in den Ruhestand getreten.
Als sein Nachfolger wurde Lehrer Bernhard Adler gewählt.
Am 8. November feierte Lehrer Hammelburger in Haßfurt sein
40jähriges Ortsjubiläum.
Schenkung
Herr Fritz Sonder in Kitzingen übermittelte unserer Unterstützungs¬
kasse für Witwen und Waisen zum ehrenden Andenken an seinen
auch uns unvergeßlichen Vater, Herrn Eduard Sonder s. A., eine
Schenkung von 200 M. Wir sprechen auch an dieser Stelle unseren
Dank für die hochherzige Spende aus.
Mitgliederbewegung
Als ordentliche Mitglieder sind dem Vereine >mt Wirkung vom
1. Januar 1927 beigetreten: Kantor und Lehrer Bernhard Adler
(Fürth), Lehrer Salo Frank (Uffenheim), Lehrer Siegfried Glaser
(München), Oberlehrer Siegfried Keßler (München), Lehrer Lifsgens
(Rothenburg ö. d. Tauber), Kantor und Lehrer Rau (Bayreuth) und
Studienprofessor Dr. Josef Unna (Nürnberg).
Als Gewerkschaftsmitglied wurde ausgenommen Kantor Banda
(Niederwerrn).
Infolge Übertritts in den Dienst außerbayerischer Gemeinden sind
Lehrer Jankelowitz (Bechhofen) und Hirschberg (Berolzheim) aus
dem Verein ausgetreten.
Vereinsmitteilungen
Vom Verbände Bayerischer Israelitischer Gemeinden wurde am
8. November 1926 eine Eingabe an das Staatsministerium für Unter¬
richt und Kultus gerichtet betreffs Milderung der Bestimmungen der
Personalabbauverordnung vom 27. November 1923, Artikel 10.
Am 1. Januar 1927 endet unser Vertragsverhältnis mit dem „Jü¬
dischen Echo". Wie uns der Verlag B. Heller mitteilt, wird er das
Blatt bis aus weiteres sämtlichen Vereinsmitgliedern unentgeltlich
zusenden.